Ein Menschheitsverbrechen

Es ist schon mehr als sonderbar, wie viele Menschen, von denen man eigentlich immer der Meinung war, dass sie sich eines klaren Verstandes bedienen, von diesem ganzen Corona-Wahnsinn einfangen und mundtot machen lassen und billigend all diese irrsinnigen Kollateralschäden kritiklos akzeptieren und nur darauf warten, bis man ihnen wieder von oben den Normalzustand verordnet.

Wacht doch endlich auf und aktiviert wieder euren kritischen Verstand, auf den ihr euch immer so viel zugute gehalten habt, lasst euch nicht mehr zu Rechten oder Verschwörungstheoretikern erklären, nur weil ihr ganz normal – wissenschaftlich fundiert – nachfragt, ob denn alles sein kann, was man euch erzählt, denkt endlich wieder selbst!

250 Expertenstimmen zur Corona-Krise

In Deutschland und auf der ganzen Welt übt eine große Zahl von Wissenschaftlern, Ärzten und weiteren Experten Kritik am Umgang mit der Corona-Problematik durch Politik, Leitmedien und Aktivisten. Ihre Stimmen werden kaum gehört oder stark verzerrt wiedergegeben. Hier finden Sie eine Liste mit über 250 Expertenaussagen zur Krise um den Coronavirus und ihren Folgen.

Die 250 Expertenstimmen stehen auch als Inhalt einer PDF-Datei zur Verfügung. Diese darf gerne nach Belieben benutzt, heruntergeladen, hochgeladen, kopiert, verbreitet, veröffentlicht werden.
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Ein e-Mail Gespräch unter alten Freunden

Herr Dal und Herr Kahl hatten einen Streit darüber, welche Haltung man in Corona-Zeiten zu den Maßnahmen der Regierung einnehmen sollte.
Nachdem sie eine Weile keinen Kontakt mehr miteinander hatten, schickte Herr Kahl ein Glaubensbekenntnis an Herrn Dal , das er im Netz gefunden und für gut befunden hatte.
Daraufhin fühlte sich Herr Dal bemüßigt, seinerseits eine Antwort auf die einzelnen Glaubensartikel zu verfassen.
Im Weiteren finden sie die Glaubensartikel von Herrn Kahl in schwarzer Schrift und die Antworten von Herrn Dal in grüner Schrift:

1. Ja, ich glaube, dass es das Virus SARS-CoV-2 gibt.
Ja, ich glaube auch, dass es das Virus SARS-CoV-2 gibt.

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Corona-Virus: Menschheit am Scheideweg

Wie im Schatten der Krise die Welt neu geordnet wird

01.05.2020  VON  JOHANNES MOSMANN


Covid-19 ist weit mehr als ein medizinisches Problem. Die Corona-Krise markiert das Ende der alten Weltordnung und den Beginn einer neuen Menschheitsepoche. Die Gesellschaftssysteme werden neuausgerichtet, ihre Werte neudefiniert. Doch während der berühmte US-Diplomat Henry Kissinger die US-Regierung ermahnt, sich für die „neue Epoche“ in die bestmögliche Startposition zu bringen,[1] starrt Europa gebannt auf das Virus und verschläft das tiefere Geschehen hinter den äußeren Ereignissen – zugunsten der stillen Machtübernahme durch eine neue, trans-humanistische Ideologie.

Das Ende des Zweite Weltkriegs war der Beginn einer neuen Weltordnung. Die neoliberale Marktwirtschaft entstand, die USA nahmen ihren Platz als „Weltpolizei“ ein und der „Kalte Krieg“ wurde der ideologische Rahmen der Weltpolitik. Unter der Devise „nie wieder Krieg“ verankerten viele Staaten weitreichende Freiheitsrechte in ihren Verfassungen. Das vereinte Europa entstand. Ein Konzern prägte dann wie kein anderer die vergangenen 40 Jahre dieser Ära: Microsoft. Heute gilt Bill Gates als wichtigster „Player“ der Impfstoff-Industrie. Vergangene Woche bezeichnete er das Corona-Virus als „Pandemie I“ und rief den Beginn einer neuen Menschheitsepoche aus. In den „Gates Notes“ erklärt er: „Melinda und ich sind mit dem Wissen aufgewachsen, dass der Zweite Weltkrieg der entscheidende Moment für die Generation unserer Eltern war. In ähnlicher Weise wird die Covid-Pandemie – die erste moderne Pandemie – diese Ära bestimmen.“[2] Hat Bill Gates recht damit, ist die Corona-Krise für die Zukunft so prägend wie es der Zweite Weltkrieg für die Vergangenheit war? Und wenn ja – welche Weltordnung entsteht nun, welche Ideologie wird die Weltpolitik bestimmen, welche Werte werden unsere Leitsterne sein? Eine Spurensuche in den sich überstürzenden Ereignissen der vergangenen Monate.
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Kommt der III. Weltkrieg ?

Herr Dal trifft einen Bekannten auf der Straße, sie unterhalten sich, irgendwann schreit Herr Dal in heller Aufregung:

“Ich frage mich ernsthaft, wo lebst du denn, siehst du nicht, dass wir uns massiv auf den 3. Weltkrieg zubewegen? USA und China sind die weltweiten Großmächte, die um die Weltherrschaft kämpfen, niemand wird in diesem ‘Spiel’ als Sieger hervorgehen, Corona bereitet den Boden, wir alle werden die Opfer sein, die man billigend  in Kauf nimmt. Die Mainstreammedien bereiten uns schon auf diesen Kampf der Giganten vor. Lies doch mal mit wachem Verstand einen einzigen Artikel z.B. in der Neuen Züricher Zeitung, einem Mainstreammedium, um zu verstehen, wohin die Reise geht, fang doch endlich an, selbst zu denken.”

Rumms, das war’s, Herr Dal dreht sich um und geht, Herr Kahl bleibt wie ein begossener Pudel zurück, geht nach Hause und liest mit halbwachem Verstand einen Artikel in der Neuen Züricher Zeitung und wundert sich schon über die Überschrift:

“Die Lage zwischen China und Amerika spitzt sich zu – gar bis zum grossen Krieg?”

NZZ, Michael Haas, Niklas Masuhr, 12.05.2020, 05.30 Uhr

“Die USA und China steuern auf eine Phase erhöhter Kriegsgefahr zu. Ein militärischer Konflikt ist zwar keineswegs unausweichlich, doch mit dieser Möglichkeit wird man sich ernsthafter als bisher auseinandersetzen müssen.

Der asiatisch-pazifische Raum steht vor einem entscheidenden Jahrzehnt. Bereits heute prallen in dieser Region ein amerikanisch dominiertes und ein chinesisches Ordnungsmodell aufeinander. An die Stelle eines prekären Balanceakts zum Wohl der Weltwirtschaft ist eine von beiden Seiten angetriebene, konfrontative Abwärtsspirale getreten. Die Corona-Krise hat diese Tendenz noch verstärkt. Ein unmittelbarer Auftakt zu einem hegemonialen Ausscheidungskampf im globalen Massstab ist das zwar noch nicht. Doch die Entwicklungen im asiatisch-pazifischen Raum werden in den kommenden Jahren weit über die Region hinaus den Charakter der internationalen Beziehungen prägen. Auch Europa wird davon betroffen sein.

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Fakten zu Covid-19

Quelle: https://swprs.org/covid-19-hinweis-ii/

Publiziert: 14. März 2020; Aktualisiert: 25. April 2020

Von Fachleuten präsentierte, vollständig referenzierte Fakten zu Covid-19, die unseren Lesern eine realistische Risikobeurteilung ermöglichen sollen. (Updates siehe unten)

„Die einzige Art, gegen die Pest zu kämpfen, ist die Ehrlichkeit.“ (Albert Camus, 1947)

Übersicht

  1. Laut den Daten der am besten untersuchten Länder und Regionen liegt die Letalität von Covid19 zwischen 0.1% und 0.37% und damit im Bereich einer starken Influenza (Grippe) und rund zwanzigmal tiefer als von der WHO ursprünglich angenommen.
  2. Das Sterberisiko für die Allgemeinbevölkerung im Schul- und Arbeitsalter liegt selbst in den weltweiten „Hotspots“ zumeist im Bereich einer täglichen Autofahrt zur Arbeit. Das Risiko wurde zunächst überschätzt, da Personen mit milden oder keinen Symptomen nicht erfasst wurden.
  3. Bis zu 80% aller testpositiven Personen bleiben symptomlos. Selbst unter den 70- bis 79-Jährigen bleiben rund 60% symptomlos. Über 95% aller Personen zeigen höchstens milde Symptome.
  4. Bis zu einem Drittel aller Personen verfügen bereits über eine Hintergrundimmunität gegen Covid19 durch den Kontakt mit bisherigen Coronaviren (d.h. Erkältungsviren).
  5. Das Medianalter der Verstorbenen liegt in den meisten Ländern (inklusive Italien) bei über 80 Jahren und nur circa 1% der Verstorbenen hatten keine ernsthaften Vorerkrankungen. Das Sterbeprofil entspricht damit im Wesentlichen der normalen Sterblichkeit.
  6. In den meisten Ländern ereigneten sich ganze 50 bis 70% aller Todesfälle in Pflegeheimen, die von einem allgemeinen Lockdown nicht profitieren. Zudem ist oftmals nicht klar, ob diese Menschen wirklich an Covid19 starben oder an hohem Stress, Angst und Einsamkeit.
  7. Bis zu 50% aller zusätzlichen Todesfälle wurden nicht durch Covid19 verursacht, sondern durch die Folgen von Lockdown, Panik und Angst. So ging etwa die Behandlung von Herzinfarkten und Hirnschlägen um bis zu 60% zurück, da sich Patienten nicht mehr in die Kliniken wagen.
  8. Selbst bei den sogenannten „Covid19-Todesfällen“ ist oftmals nicht klar, ob sie an oder mit Coronaviren (d.h. an den Vorerkrankungen) starben oder als „Verdachtsfälle“ gar nicht getestet wurden. Die offiziellen Zahlen reflektieren diese Unterscheidungen jedoch oftmals nicht.
  9. Viele Medienberichte, wonach auch junge und gesunde Personen an Covid19 starben, stellten sich als falsch heraus: Viele dieser jungen Menschen starben entweder nicht an Covid19, waren doch bereits schwer vorerkrankt (z.B. an Leukämie), oder sie waren 109 statt 9 Jahre alt.
  10. Die normale tägliche Gesamtsterblichkeit liegt in den USA bei ca. 8000, in Deutschland bei ca. 2600, in Italien bei ca. 1800 und in der Schweiz bei ca. 200 Personen. Die Grippemortalität liegt in den USA bei bis zu 80,000, in Deutschland und Italien bei bis zu 25,000, und in der Schweiz bei bis zu 2500 Personen pro Winter. In mehreren Ländern hat Covid19 diese Werte nicht erreicht.
  11. Regional stark erhöhte Sterblichkeiten können durch zusätzliche Risiko­faktoren wie hoher Luftverschmutzung und Mikrobenbelastung sowie einem Kollaps der Alten- und Krankenpflege durch Infektionen, Massenpanik oder Lockdown beeinflusst sein. Besondere Vorschriften zum Umgang mit Verstorbenen führten teilweise zu zusätzlichen Engpässen bei Bestattungen.
  12. In Ländern wie Italien und Spanien sowie teilweise Großbritannien und den USA haben auch Grippewellen bereits bisher zu einer Überlastung der Krankenhäuser geführt. Derzeit müssen zudem bis zu 15% der Ärzte und Pfleger, auch ohne Symptome, in Quarantäne.
  13. Die oft gezeigten Exponentialkurven mit „Coronafällen“ sind irreführend, da auch die Anzahl der Tests exponentiell zunahm. In den meisten Ländern blieb das Verhältnis von positiven Tests zu Tests insgesamt (sog. Positivenrate) konstant bei 5% bis 25% oder nahm nur leicht zu. Der Höhepunkt der Ausbreitung war in den meisten Ländern bereits vor dem Lockdown erreicht.
  14. Länder ohne Ausgangssperren und Kontaktverbote, wie z.B. Japan, Südkorea und Schweden, haben keinen negativeren Verlauf als andere Länder erlebt. Schweden wurde von der WHO zuletzt sogar als vorbildliches Modell gelobt und profitiert nun von einer hohen Immunität.
  15. Die Angst vor einer Knappheit an Beatmungsgeräten war unberechtigt. Laut Lungenfachärzten ist die invasive Beatmung (Intubation) von Covid19-Patienten, die teilweise aus Angst vor dem Virus geschah, zudem oftmals kontraproduktiv und schädigt die Lungen zusätzlich.
  16. Entgegen ursprünglicher Vermutungen zeigten verschiedene Studien, dass es für die Verbreitung des Virus durch Aerosole (d.h. in der Luft schwebene Partikel) oder durch Schmierinfektionen (etwa durch Türklinken, Smartphones oder beim Friseur) keine Evidenz gibt.
  17. Für die Wirksamkeit von Atemschutzmasken bei gesunden oder symptomlosen Personen gibt es ebenfalls keine wissenschaftliche Grundlage. Experten warnen vielmehr, dass solche Masken die Atmung beeinträchtigen und zu „Keimschleudern“ werden.
  18. Viele Kliniken in Europa und den USA blieben stark unterbelegt und mussten teilweise sogar Kurzarbeit anmelden. Zahlreiche Operationen und Therapien wurden abgesagt, darunter auch „nicht-essentielle“ Organ­trans­plan­ta­tionen und Krebs­unter­suchungen.
  19. Mehrere Medien wurden dabei ertappt, wie sie die Situation in Kliniken zu dramatisieren versuchten, teilweise sogar mit manipulativen Bildern. Generell bewirkte die unseriöse Berichterstattung vieler Medien eine Maximierung der Angst in der Bevölkerung.
  20. Die international verwendeten Virentestkits sind fehleranfällig und können falsche positive und falsche negative Resultate ergeben. Der offizielle Virentest wurde aus Zeitdruck zudem nicht klinisch validiert und kann mitunter auch auf andere Coronaviren reagieren.
  21. Zahlreiche international renommierte Experten aus den Bereichen Virologie, Immunologie und Epidemiologie halten die getroffenen Maßnahmen für kontraproduktiv und empfehlen eine rasche natürliche Immunisierung der Allgemeinbevölkerung und den Schutz von Risikogruppen. Für die Schließung von Schulen gab es zu keinem Zeitpunkt einen medizinischen Grund.
  22. Mehrere Experten bezeichneten forcierte Impfstoffe gegen Coronaviren als unnötig oder sogar gefährlich. Tatsächlich führte etwa der Impfstoff gegen die sog. Schweingrippe von 2009 zu teilweise schweren neurologischen Schäden und Klagen in Millionenhöhe.
  23. Die Anzahl an Menschen, die aufgrund der Maßnahmen an Arbeitslosigkeit, psychischen Problemen und häuslicher Gewalt leiden, ist weltweit hochgeschnellt. Mehrere Experten gehen davon aus, dass die Maßnahmen mehr Leben fordern werden als das Virus selbst. Laut UNO werden weltweit Millionen von Menschen in absolute Armut und Hungersnot geraten.
  24. NSA-Whistleblower Edward Snowden warnte, dass „Corona“ für den permanenten Ausbau weltweiter Überwachungs­instrumente genutzt wird. Der renommierte Virologe Pablo Goldschmidt sprach von einem „globalen Medienterror“ und „totalitären Maßnahmen“. Der britische Infektiologe John Oxford sprach von einer „Medien-Epidemie“.
  25. Über 500 Wissenschaftler haben vor einer „beispiellosen Überwachung der Gesellschaft“ durch problematische Apps zur Kontakt­­verfolgung gewarnt. In einigen Ländern wird diese Kontakt­ver­folgung bereits direkt vom Geheimdienst durchgeführt. Weltweit kam es zur Überwachung der Zivilbevölkerung durch Drohnen und zu teilweise massiver Polizeigewalt.

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Covid-19 – ein Fall für Medical Detectives

Der massenhafte, überproportional häufige Tod von Covid-19-Patienten mit dunkler Hautfarbe und aus südlichen Ländern ist offenbar auch Folge einer medikamentösen Fehlbehandlung. Betroffen sind Menschen mit einem speziellen Enzymmangel, der vor allem bei Männern auftritt, deren Familien aus Regionen stammen, wo Malaria endemisch war oder ist. Sie werden derzeit mit Hydroxychloroquin, einem für sie unverträglichen Medikament behandelt, das jetzt überall auf der Welt im Kampf gegen Covid-19 eingesetzt wird. Wenn dies nicht rasch aufhört, droht ein Massensterben, vor allem in Afrika.

WOLFGANG WODARG, 2. Mai 2020

Quelle:  https://multipolar-magazin.de/artikel/covid-19-medical-detectives

Bevor ich meine Recherchen zu diesen mich sehr beunruhigenden Befunden schildere, zunächst ein paar Worte zur Einschätzung der Corona-Krise, zur Verlässlichkeit des SARS-CoV-2 PCR-Tests sowie zur allgegenwärtigen Angst und dazu, wie diese politisch benutzt wird.

Bei meinen Untersuchungen zu den Ereignissen nach Wuhan, welche die Welt seit Anfang 2020 völlig verändert haben, bin ich mir schnell sicher gewesen, dass wir zwar eine neue Coronavirus-Variante erleben, dass diese sich angesichts der deutschen Daten zur Mortalität (Sterblichkeit) und Morbidität (Krankheitshäufigkeit) allerdings nicht wesentlich von dem unterscheidet, was in den vergangenen Jahren beobachtet wurde oder hätte beobachtet werden können.

Coronaviren standen bisher weltweit nicht im Mittelpunkt epidemiologischer Beobachtung, da sie, außer kurzfristig in China (SARS 2002/2003) und in den arabischen Ländern (MERS ab 2012), nicht wesentlich zu den globalisierten virusbedingten saisonalen Atemwegserkrankungen beitrugen. Auch gab es gegen sie keine jährlich neu kombinierbaren Impfstoffe, wie sie gegen Influenza verkauft werden.

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Eine neue Verschwörungstheorie?

Alle Quellen sind unter dem Originalbeitrag von Coach Cecil verlinkt! Dieser Video-Beitrag stammt ursprünglich von Coach Cecil und wurde von Dr. Bodo Schiffmann weitergeteilt

Quellen:

https://deutsch.rt.com/inland/101832-… https://www.gatesfoundation.org/How-W… https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N… https://www.rki.de/SharedDocs/Lebensl… https://apps.who.int/iris/handle/1066… https://www.who.int/emergencies/disea… http://www.euro.who.int/de/data-and-e… http://www.euro.who.int/de/data-and-e… https://en.wikipedia.org/wiki/Interna… https://ianphi.org/about/executive-bo… https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch… https://www.leopoldina.org/leopoldina… https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim… https://de.wikipedia.org/wiki/Jens_Spahn https://de.wikipedia.org/wiki/America… https://de.wikipedia.org/wiki/Council… https://de.wikipedia.org/wiki/Atlanti… http://www.nrhz.de/flyer/media/25631/… https://www.google.com/search?q=Danie… https://www.gutefrage.net/frage/was-b… https://www.wodarg.com https://www.spiegel.de/gesundheit/dia… https://www.zdf.de/nachrichten/heute-… https://youtu.be/44tTKSkTt1w https://www.bloomberg.com/news/articl… https://www.focus.de/gesundheit/news/… https://www.t-online.de/finanzen/boer… https://www.apotheke-adhoc.de/nachric… https://www.friendsofeurope.org/initi… https://www.zeit.de/digital/datenschu…

Ein Netzfund zum Thema Masken

“Ich habe lange im Krankenhaus auf der Chirurgie und unter Anderem auch im OP gearbeitet. Von daher kenne ich die Anwendung der Masken sehr genau!

Im Krankenhaus wird mit zertifizierten medizinischen Masken gearbeitet. Selbst diese werden noch unterteilt in die “einfachen” OP Masken die die meisten Menschen kennen, und die FFP2 und FFP3 Masken.

Die einfachen OP Masken werden am häufigsten eingesetzt. Sie schützen den Patienten während der OP oder der Wundversorgung/Behandlung das Keime vom Arzt/Pflegepersonal in die Wunden gelangen. Unter Keimen sind hier Bakterien gemeint, keine Viren. Viren gelangen durch die OP Masken hindurch.

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Die Vorhersage

Der Enthüllungsjournalist James Corbett skizziert, was in der Coronakrise als Nächstes geschehen wird.

Wer die Mechanismen der Macht begreift und die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse richtig einschätzt, für den ist es in aller Regel nicht besonders schwer, vorauszusagen, welche soziale, ökonomische und politische Zumutung der Bevölkerung als Nächstes von ihrer Regierung „verordnet“ werden wird. James Corbett von corbettreport.com wagt den Versuch.

Manchmal ist es gar nicht so schwierig, die Zukunft vorherzusagen. Man muss nur zuhören, wenn die Sozialingenieure einem erzählen, was sie tun wollen.

Wenn einem zum Beispiel die Neocons erzählen, wir bräuchten ein „neues Pearl Harbor“, um einen Umbau des amerikanischen Militärs zu rechtfertigen, dann kann man darauf wetten, dass ein neues Pearl Harbor stattfinden wird, kaum, dass sie im Amt sind.

Und Bill Gates hat uns nun jahrelang gewarnt, dass eine Pandemie die Welt, wie wir sie kennen, treffen und völlig umwandeln werde. Er ist sogar so weit gegangen, das exakte Szenario, das wir durchleben, unmittelbar bevor wir es zu durchleben begannen, zu „simulieren“.

Ich denke, Sie sehen, worauf ich hinaus will. Manchmal ist das, was als Nächstes kommt, nur eine Frage des Zuhörens auf das, was uns die Planer sagen. Dies im Hinterkopf schauen wir uns einmal vier Vorhersagen dazu an, wie die Coronakrise vermutlich weitergehen wird.

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Wie wollen wir leben?

Um die Frage: “Wie wollen wir leben?” zu beantworten, gehört immer auch die Frage nach der Macht und wie wir damit umgehen, bzw. wie wir mit unserer Angst vor der Macht umgehen, dazu.

Wie wichtig uns unsere Vorstellungen sind, wie wir leben wollen, hängt unmittelbar mit unserer zumeist unbearbeiteten Angst vor dem Tod zusammen. Wenn wir die, die meinen, über uns Macht zu besitzen, ignorieren statt sie zu bekämpfen und nicht nur keine Angst vor struktureller, sondern auch vor körperlicher Gewalt haben, dann haben wir die Freiheit zu entscheiden, wie wir leben wollen.

Aber die meisten von uns besitzen diese Freiheit nicht, weil nur ganz wenige dazu in der Lage sind, ihre Angst vor dem Tod zu überwinden. Selbst dann, wenn wir nicht gegen die Mächtigen kämpfen, um damit nicht die Dialektik der Macht zu perpetuieren, sondern uns für die positiven Dinge einsetzen, für die wir leben wollen, bleiben die Machtrelationen erhalten.

Natürlich gibt es immer die Dialektik der Macht, es gibt immer eine Beziehung zwischen den Herrschenden und den Beherrschten, keiner könnte ohne den anderen. Die Herrschenden sind von dem Gefühl, die Macht zu besitzen, bestimmt, und gleichzeitig muss das Gefühl von denen, die meinen, keine Macht zu besitzen, immer wieder bestätigt werden. Ohne Bestätigung der Macht durch die Beherrschten gibt es auch keine Herrschenden.

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Es geht um Macht und nicht um Gier

“In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.” (Egon Bahr, Heidelberg, 04.12.2013)

Interessen – ja auf jeden Fall, aber was sich verändert hat, es geht nicht wirklich um die Interessen der Staaten, denn diese sind längst zum Büttel der Multimilliardäre geworden und setzen in der Politik deren Interessen durch.

Menschen, die über riesige Milliardenvermögen verfügen, werden nicht mehr von der Gier nach noch mehr Vermögen angetrieben, die riesigen Vermögen sind nur ein Mittel zum Zweck. Mit der schrittweisen Deregulierung der letzten 30 Jahren sind die Finanzmärkte über die Hedgefonds zur Geldbeschaffungsmaschine für die großen zweistelligen Milliardenvermögen geworden.

Wie der Ökonom Thomas Piketty in seinem neuen Buch “Kapital und Ideologie” es beschreibt, geht es schon längst nicht mehr um die Fragen des Privateingentums, sondern um die exzesssive Konzentration von Eigentum und Macht in den Händen von ganz wenigen. Die Kritik an dieser Situation hat absolut nichts mit Sozialneid zu tun, hier geht es um die Machtkonzentration und die Spezialutopien von diesen ganz wenigen.

An das schöne Märchen des aufgeklärten, humanistischen Oligarchen, genannt Philanthrop, sollte niemand glauben. mehr an die Idee dieser wenigen, sich an die Stelle eines übermächtigen Schöpfergotts setzen zu wollen und alle Geschicke der Menschheit auf diesem Planeten zu bestimmen. Eine neue Weltordnung zu errichten, nach dem Bilde dieser wenigen.

Alles zu bestimmen, über alles Macht zu besitzen, ist die Triebfeder dieser Multimilliardäre, nicht sich die 200ste Luxusvilla zu bauen, oder die größte Luxusyacht zu besitzen …

 

3 Quellen für Verschwörungstheorien

Einige Gedanken vorab: Ich würde es sehr begrüßen, wenn sich mal ein Wissenschaftler finden würde, der in einer wissenschaftlich seriösen Studie die Veränderungen in der Berichterstattung bei den Mainstreammedien untersuchen würde.

Wie kann es sein, dass der Spiegel noch 1995 in einem kritischen Artikel über das “Monster Microsoft” schreiben kann: “Heute gilt Bill Gates als der gnadenlose Geschäftsmann und weltweit als Bedrohung. Wie in einem Zerrspiegel sehen Amerikaner, Asiaten und Europäer jetzt die böse Fratze eines Genies, das die Welt mit seiner Informationstechnik beherrschen will.” (Quelle: https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/7838555)

Oder in einem anderen Artikel im Zusammenhang mit Gladio auf die Forschungsergebnisse des Friedensforschers Daniele Ganser zurückgreift (Quelle: https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/39997525) und 2020 Daniele Ganser dann in die Gruppe der Verschwörungstheoretiker einreiht, weil er es gewagt hat, das offizielle Narrativ zu WTC7 infrage zustellen und gleichzeitig im Corona-Zusammenhang Bill Gates als Menschenfreund darstellt?

Ich sehe meine Aufgabe nur darin, Fragen zu stellen!

Dass Menschen, die fortwährend Fragen stellen, den Herrschenden mächtig auf die Nerven gehen, kennt man ja schon aus der griechischen Antike, wenn man z. B. an den Dauernerver “Sokrates” denkt, der mit seinen ewigen Fragen die Jugend verdorben hat. Bedenken wir aber, dass wir diesen Dauernervern immerhin die Demokratie zu verdanken haben, auf die wir in der westlichen Wertegemeinschaft doch so mächtig stolz sind.

Ich fühle mich dieser Tradition sehr verpflichtet, weshalb ich in diesem Beitrag mal anhand von drei Quellen, die für Verschwörungstheorien taugen, Fragen stellen möchte:

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Wieder so ein Verschwörungstheoretiker

Ein Gedanke vorab: Ist man selbst ein Verschwörungstheoretiker, wenn man den Argumenten eines in der Öffentlichkeit gebrandmarkten Verschwörungstheoretikers zuhört? Ich würde sagen nein! Eine Demokratie lebt vom kritischen, ergebnisoffenen Diskurs, das bedeutet niemanden vom Diskurs auszuschließen, soweit er sich selbst auch an die Regeln von Toleranz und Fairness gegenüber Andersdenkenden hält.

Denken wir doch alle ab und zu an Artikel 5 GG Abs. (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Ein psychischer Kampfstoff mit dem Meinungen, die nicht ins Bild des allumfassend sorgenden Staates passen, zensiert werden, ist die gesellschaftliche Ächtung durch das Etikett “Verschwörungstheoretiker” samt all seiner Attribute.

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Medien-Navigator 2020

Wie sind deutschsprachige Medien politisch und geopolitisch positioniert? Da gibt es zwei mögliche Wege, diese Frage zu beantworten: Man kann eine Inhaltsanalyse des jeweiligen Mediums vornehmen, oder man kann nachsehen, wie und wo Redakteure und Chefredakteure gesellschaftlich vernetzt sind und dann als Gegenprobe schauen, ob man in der Berichterstattung des Mediums die Positionen der Organisationen wiederfindet, bei denen sich die Redakteure engagieren. Natürlich hält sich hartnäckig die Legende von den Informationsquellen, will sagen, ein Redakteur muss ja Mitglied der Atlantikbrücke sein, da er ja nur so an wichtige Informationen herankommen kann. Es ist nur eine rhetorische Frage, ob im Falle einer kritischen Berichterstattung eine weitere Mitgliedschaft infrage kommt.


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Autoritärer Charakter und das Corona-Milgram Experiment

Ein Netzfund vorweg:

2020: Ich verlasse nur zum Einkaufen meine Wohnung.
Ich fange an anders denkende zu beschimpfen. Arbeitskollegen, Nachbarn, Freunde, Familienmitglieder.
Wenn keine Einsicht erfolgt zeige ich sie an.
Alle, immer wieder.
Es wird von der Regierung so befohlen, ich folge.
Ich bin ein guter, gesetzestreuer Bürger.
Meine Kinder dürfen selbstverständlich niemanden mehr treffen. Eltern, die verbotene Kontaktangebote machen, zeige ich an. Über die auf meinem Handy installierte Tracking App haben die Behörden alle meiner Telefonkontakte unter Kontrolle.

2026: Ich habe, bis auf vier Online Kontakte, keine Freunde mehr. Viele Nachbarn waren irgendwann weg, die kritischen Journalisten meiner Lieblingszeitung starben peu á peau überraschend.
Das Online Paket des städtischen Blumenhandels steht vor der Tür. Ich packe 2 Blumentöpfe aus, tippe “privaten Spaziergang” ins Handy und gehe zum Friedhof.
Einer ist für meine beste Freundin -früher mal. Sie sprang, als ihr die Kinder weggenommen wurden, weil ihr Ex-Partner sie wegen Nichtbeachtung der Kontaktsperre angezeigt hatte (ich auch fast täglich), vom Balkon. Sie wollte es einfach nicht verstehen, wie wichtig es für alle war die Gesetzesvorschriften zu beachten.
Der andere Blumentopf ist für meine Eltern.
Sie starben 2023 in einem Heim für alte Menschen, zum letzten Mal sah ich sie am 13.3.2020. Sie wollten irgendwann nicht mehr telefonieren, aber sie haben noch 3 Jahre überlebt.
Nach dem Spaziergang wasche ich mir sogleich die Hände.

Ich bin ein guter, regeltreuer Deutscher. Autoritärer Charakter und das Corona-Milgram Experiment weiterlesen

Nein, ich bin kein Verschwörungstheoretiker, oder doch?

Es ist immer anders, wenn man denkt!

“Die Maschinen greifen die Menschen an”, Peter Weiss, 1935, Öl auf Holz

Es ist schon erstaunlich mit anzusehen, wie ehemals kritische Stimmen ‒ also die ehemaligen Freunde des offenen, kritischen Diskurses, gar der Diskurs-Ethik ‒ sich unter dem Meinungsdiktat der Mainstreammedien von taz über Spiegel bis zur Welt einreihen in die angeblich einheitliche Meinung der Vernünftigen und Verantwortungsvollen. All jene, die Fragen stellen, sind irrational und verantwortungslos, weshalb die Reihen fest zu schließen sind, um gegen die sogenannten Verschwörungstheoretiker vorzugehen.

Verschwörungstheoretiker ist die verbale Keule, die jeder, der eine unliebsame Opposition zum gleichgeschalteten Mainstream darstellt, über der Kopf gezogen bekommt. Da reicht es schon, wenn man auf der “falschen” Plattform publiziert! Aber mal ehrlich Freunde, wo soll man denn publizieren, wenn einem der Zugang zu den öffentlich-rechtlichen Plattformen verwehrt wird? Provokant gefragt: Sind wir denn schon wieder so weit, dass eine ” Reichsschrifttumskammer ” bestimmt, wer publizieren darf und wer nicht? Ist es denn verwunderlich, dass sich kritische Stimmen eine Plattform, wie “Radio London” suchen?

„Der seit 70 Jahren einmalige Shutdown, zu dem das Infektionsschutzgesetz ausdrücklich nicht berechtigt, verletzt in gravierender Weise das verfassungsrechtliche Prinzip der Verhältnismäßigkeit und die verfassungsrechtliche Pflicht des Staates zum Schutze der Freiheitsrechte und der Gesundheit der Bürger. Dieses Regierungshandeln zerstört sämtliche Prinzipien unserer Verfassung und unseres Rechtsstaats, den wir noch vor wenigen Monaten mit dem 70-jährigen Bestehen des Grundgesetzes so stolz gefeiert haben.“ (Beate Bahner, Fachanwältin für Medizinrecht)

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Du bist Verschwörungstheoretiker

Netzfund:

Du würdest haltlose Theorien in den Raum stellen, um Leute aufzuhetzen, so sagt man. Du hättest ja keine stichhaltigen Beweise, so meint man. Und das, was du sagst, wird im Fernsehen so ganz anders dargestellt – das weiß man.

Als du sagtest, dass der iranische Präsident Mohammed Mossadegh – damals 1953 – in einer völlig geheimen Operation vom CIA gestürzt wurde, nannte man dich Spinner. Als 60 Jahre später der CIA im August 2013 zähneknirschend eingestand, dass die Operation AJAX von ihnen geplant und durchgeführt wurde und bei Terroranschlägen unter falscher Flagge an die 300 Menschen getötet wurden, war das wohl purer Zufall. [1] [2]

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Modellbildungen mit Möglichkeitsräumen

“Gerade bei stehendem Wasser […] bleibt das
Schiff des Gedankens nicht liegen. Denn es
kommt darauf an, daß Bewegung wie Ruhe
modellhaft in Beziehung gebracht werden.”

Ernst Bloch, Tendenz, Latenz, Utopie

In der Ruhe liegt die Kraft –  sagt ein Sprichwort, aber welche Kraft kann hier gemeint sein? Ist es das Tiefe, das Brodelnde, das unter der glatten Oberfläche sich zum Ausbruch bereit macht?

Wie und was es auch sei – es ist das Unabgegoltene, das uns zeitlebens niemals loslässt, was wir glauben zu verstehen, findet nicht mehr unser Interesse.

Um ICH-KRAFT zu entwickeln  bauen wir ständig an unserem Selbstmodell, ein Modell, das wir mit Steinen erbauen, die wir beim fortwährenden Durchstreifen unserer Möglichkeits­räume wieder und wieder finden und aufdecken.

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah … so ist doch die Nähe der eigentliche Ort der Utopie, es sind die Möglichkeitsfelder, durch die wir bestimmt und vorangetrieben werden, die Energien, die uns beflügeln, wenn wir durch unsere Möglichkeitsräume schreiten.

Ja so ist es: Das Möglichkeitsfeld im Möglichkeitsraum des ICH kann als das Unabgegoltene der Person – aber auch konsequenterweise der Gesellschaft und des Universums – verstanden werden, natürlich immer solange der Möglichkeits­raum nicht betreten wird. Genauso gilt aber auch das Umgekehrte, der Möglichkeitsraum verwahrt für uns das Unabgegoltene, in das wir durch das Möglichkeitsfeld hineingezogen werden.

Die Zweiheit ist der kleinste Möglichkeits-Cluster. Dann kommt Familie und verschiedene Größenordnungen von Gesellschaft, so entstehen immer weitere Cluster bis hin zum Universum in intermittierender Resonanz mit dem Möglichkeitsfeld des ICH.

Wir bleiben nicht mehr wir selbst, wenn wir die Möglichkeitsräume in uns betreten, wir liefern uns den Tendenzen, die in uns wirken aus, wir gewinnen, wir entwickeln ein Gespür für das latent in uns Vorhandene, wir reisen fort zu Orten, die es nirgendwo gibt, als in unserer Phantasie, aber diese Orte sind als Utopien weit wirkmächtiger als die schnöde Realität.

Der innere Beobachter ermöglicht uns den Dreischritt: Möglichkeitsfeld => Möglichkeitsraum => Entscheidung! Zum inneren Beobachter gesellt sich schnell ein zweiter hinzu, der uns vom Wärmestrom Elektrisierte auf den Kältestrom verweißt. Nicht der Möglichkeitsraum ist es, der uns zum Möglichkeitsfeld bringt, sondern das Möglichkeitsfeld ist es, das uns einen Raum schenkt mit samt des Inventars.

Wenn der innere Beobachter den Möglichkeitsraum aufgeschlossen hat, kann er begangen und durchschritten werden, dann wird der innere Beobachter zum Mediator der verschiedenen Aspekte der Person (Energiepunkte). Bald stellen wir fest, das jeder Aspekt seinen eigenen Beobachter besitzt und alle Beobachter sprechen miteinander. Eine unendliche Zahl von Metaebenen hebt alle Metaebenen auf, alle sprechen mit Allen.

Und kein Beobachter bleibt sich je gleich, alles ist in ständiger Veränderung begriffen –  das ist das Geheimnis, was jedem in die Kindheit scheint und was noch niemand jemals verstanden hat.

Intellektuelle Redlichkeit würdigt die verschiedenen Aspekte des ICH gleichermassen. Ein herrschaftsfreier Diskurs ist nur durch das Aufschließen der Möglichkeitsräume möglich. Die Macht des inneren Beobachters wird durch die Vielzahl der Beobachter aufgehoben, hier braucht der Beobachter keine Macht mehr – gedacht in struktureller Gewalt – er befindet sich im endlosen Gespräch, er verzichtet auf alle Form von Machtallüren.

Subtiles Meinungsmanagement verschließt den Zugang zu Möglichkeitsfeldern und -räumen, Personen samt ihrer Unabgegoltenheiten, ihrer Möglichkeitsräume und Utopien nehmen am Diskurs nicht mehr teil, dadurch entsteht kultureller Rückschritt, denn kultureller Fortschritt ist nur durch das Zulassen ALLER ASPEKTE und deren Intermittieren innerhalb und außerhalb von Möglichkeitsfeldern und deren -räumen möglich.

Die  Vielzahl an inneren Beobachtern setzt als Katalysatoren die Dialektik von Freiheit und Notwendigkeit in Gang. Nur innerhalb der Möglichkeitsfelder der verschiedenen Ebenen sind die Freiheitsgrade zu bestimmen.

Der Philosophie kommt die Aufgabe der Konstellation verschiedener Möglichkeitsräume und deren Feldern zu.

Die Philosophie gelernt zu haben, bedeutet ein lebenslanges Rückgrat erworben zu haben, mit dem wir immer wieder neue wie alte Möglichkeitsfelder und -räume (wieder)-entdecken, durchschreiten und für die Gegenwart nutzbar macht, neue Konstellation erstellen und Freiheitsgrade immer wieder deutlich macht.

Philosophen sind Handwerker,  die mit der Energie von Möglichkeitsfeldern Häuser aus Möglichkeitsräumen Stein für Stein erbauen. Wer diese Häuser bewohnt, dessen Lebensrhythmus wirkt immer subversiv und bewaffnen ihn mit der Kunst NEIN zu sagen.

Das hier Zusammengefasste entstand bei einem besonders gelungenen PST-Tanke-Gespräch im Frühsommer des Jahres 2019.

Öko darf nicht nur Lifestyle der Besserverdienenden sein.

Profit triumphiert über Gemeinwohl, Verschleiß über umweltbewusstes Wirtschaften. Die Müllberge wachsen, die Vergiftung der Böden, des Grundwassers und der Meere erreicht bedrohliche Ausmaße. Gerade Ärmere sind in besonderem Maße betroffen. Sie wohnen meist an den lautesten Straßen mit der schlechtesten Luft. Haben im Beruf öfter mit gesundheitsgefährdenden Substanzen zu tun und müssen beim Einkauf ihrer Lebensmittel besonders auf den Preis achten.

Wir stehen auf. Für naturverträgliches, klimaschonendes Wirtschaften, dass Mensch, Natur und Tier nicht Profiten unterordnet. Für Investitionen in zukunftsfähige Jobs, in Bildung und Verkehr. Für eine ökologische Wende, die nicht bloß Lifestyle der Besserverdienenden ist und zu mehr Ungleichheit führt.

Mach mit: aufstehen.de #aufstehen

Fürst Pjotr Alexejewitsch Kropotkin

Heute möchte ich mit meinem Beitrag des Schriftstellers, Wissenschaftlers und Anarchisten Petr Kropotkin (1842-1921) gedenken, der bis heute als einer der einflussreichsten Vertreter des kommunistischen Anarchismus gilt. Obwohl dem russischen Hochadel entstammend, engagierte er sich ein Leben lang für die Befreiung der Menschheit von Unterdrückung, Ausbeutung und Ungleichheit.

Gleichzeitig möchte ich die Frage aufwerfen, ob man Begriffe – wie Anarchie – die hochgradig belastet sind durch die Geschichte, die ihnen widerfahren ist, weiter benutzen soll. Vielleicht um die Erinnerung an Inhalte wachzuhalten und um sich gegen interpretatorische Zweckentfremdungen zu wehren…

“Der Anarchismus ist eine Weltanschauung, die auf einer […] kinetischen […] Erklärung aller Naturerscheinungen beruht und die gesamte Natur umfaßt – inbegriffen das Leben der Gesellschaft. Seine Forschungsmethode ist die der exakten Naturwissenschaft, bei welchem jede wissenschaftliche Folgerung verifiziert werden muß. Sein Ziel ist die Begründung einer synthetischen Philosophie, welche die Äußerungen des gesamten Naturlebens erfaßt – mit eingeschlossen das Leben der menschlichen Gesellschaft mit ihren wirtschaftlichen, politischen und sittlichen Problemen.”

Die Frage ist: “Welche sozietären Formen gewährleisten für eine gegebene Gesellschaft und darüber hinaus für die Menschheit im allgemeinen die größte Summe an Glück und folglich auch die größte Lebenskraft? Welche Formen der Gesellschaft erlauben dieser Summe an Glück, qualitativ und quantitativ zu wachsen und sich zu entwickeln, d.h. vollständiger und allgemeiner zu werden?”

Petr Kropotkin, Anarchismus und Wissenschaft

Ein paar grundsätzliche Überlegungen vorab:

Gefährliche Ideen – im Hinblick auf die herrschenden Eliten einer Gesellschaft – sind eigentlich immer mit bestimmten Begriffen verbunden, die sich in der Geschichte erst durchgesetzt und dann etabliert haben.

In dem sich immer mehr verfeinernden Meinungsmanagement der herrschenden Eliten hat sich ein grundsätzlicher Mechanismus herausgebildet, wie mit gefährlichen Begriffen, die auf gefährliche Ideen verweisen, umzugehen ist. Dieser Mechanismus funktioniert so, dass Begriffe aus ihrem angestammten Kontext herausgelöst werden, um sie mit neuen Inhalten zu füllen.

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Angst vor der Materie!


Warum wir unsere Angstmechanismen weiterentwickeln müssen, ein paar Überlegungen dazu in sechs Abschnitten.

1. Ein Blick zurück nach vorn

2. Tuis im Demokratiemanagementfieber

3. Der neoliberale Umbau der Gesellschaft

4. Wie geht es weiter?

5. Was sind eigentlich Tuis für Wesen?

6. Conclusio


1. Ein Blick zurück nach vorn

Vor circa 35 Jahren, also mit Beginn des neoliberalen Umbaus der Gesellschaft, habe ich mal einen inzwischen verschollenen Text mit dem Titel “Angst vor der Materie” geschrieben und der ging meiner Erinnerung nach etwa so:

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Wie entsteht etwas Neues?

Möglichkeitsfelder in Aktion
Möglichkeitsfelder in Aktion

Die Schubladen der vergessenen Entscheidungsräume

Vorbemerkung

Ein Freund stellte mir vor kurzem die Frage, welche philosophischen Intentionen ich hätte, was mich im Leben noch philosophisch umtreibe und inwiefern unsere philosophischen Gespräche meine philosophischen Interessen tangiert hätten und schließlich, was jemanden zweiten dazu bewegen könnte, Texte von mir zu lesen.

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Thukydides und die Air Base Ramstein

Das Recht des Stärkeren

Der griechische Historiker Τhukydides (454 – 396 v.u.Z.) schrieb die Geschichte des Peloponnesischen Krieges (431- 404 v. Chr.) zwischen Athen (Seemacht) und Sparta (Landmacht) auf. Durch seine Darstellung wurde der Peloponnesische Krieg zum Inbegriff des Krieges aller Kriege. Der Krieg endete mit der totalen Niederlage von Athen und er beendete das Goldene Zeitalter von Perikles, dessen Name fest mit dem Ausbau der Attischen Demokratie, der Sicherung der Vormachtstellung Athens im Attischen Seebund und mit der Durchführung glanzvoller Bauprojekte auf der Athener Akropolis verbunden ist.

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Forderungen der “BuntWesten”

Wenn man sich die Forderungen der Gelbwesten in Frankreich ansieht, so könnte man sich z.B. auch durch einen Meinungsaustausch im Internet einen Forderungskatalog der “BuntWesten” in Deutschland erarbeiten, der analog zu dem in Frankreich so aussehen könnte:

Forderungen der “BuntWesten” weiterlesen

„Wo immer etwas fehlerhaft ist, ist es zu groß“

Gedanken zum „Anti-Leviathan“ und zum Lebenswerk Leopold Kohrs an einem verregneten 2. Advent.

Millionen Menschen weltweit singen es jedes Jahr, in vielen Dutzend Sprachen. Und weltweit wissen nur wenige, woher es kommt. Leopold Kohr verwandelte ab 1939 das auch in Nordamerika sehr populäre Weihnachtslied zur publizistischen Waffe gegen jene, die die Republik Österreich im Frühling 1938 beim „Anschluss“ ausgelöscht hatten.

„Wo immer etwas fehlerhaft ist, ist es zu groß“ weiterlesen

Der Baukasten am Rande des Universums!

Die Zeiten der Letztbegründungen sind definitiv vorbei, auch wenn unser Gehirn „letztlich“ gerne Eindeutigkeit herstellen möchte, macht uns selbst der Strickstrumpf-Psychologe in der Bäckerblume oder der Apotheken-Rundschau einen Strich durch die Rechnung. Auf dem Jahrmarkt der Werte erwerben wir immer wieder ein schlüssiges Konzept, nicht ohne uns gegen ein anderes Angebot entschieden zu haben. Mit diesem neuerworbenen Konzept sind wir eine Weile unterwegs, um dann dieses entweder zu modifizieren oder gegen ein neues einzutauschen.

Das Zauberwort heißt Viabilität, also bewährt sich ein Wertkonzept im Alltag oder nicht, ist es zielführend, aber was passiert, wenn die Ziele selbst erst im Entstehen begriffen sind.

Die zwangsökonomisierte Jetztzeit kennt nur ein Ziel, den ökonomischen Erfolg. Aber das richtige Haushalten, worauf der griechische Hintergrund dieses Ziels hinweist, bedeutet eigentlich nur, dass wir die Bausteine unseres Lebens akzeptieren, als unser Selbst auswählen und daraus immer wieder neue Landschaften zubauen bereit sind. Dabei bewegen wir uns auf ein Ziel, einen Horizont, zu, der selbst noch gar nicht vorhanden, vorhersagbar und als Möglichkeit bekannt ist. Die Zukunft ist nicht prognostizierbar, sie lässt sich nur provozieren. Kurz: Das Ziel ist immer prinzipiell im Werden begriffen und klärt sich nicht durch die Bausteine des Vorhandenen.

Wir brauchen eine Wissenschaft vom Leben in der Unbestimmtheit – ein und der gleiche Umstand kann in verschiedenen Konstellationen, Funktionszusammenhängen, verschiedene Bedeutungen annehmen, den Sachverhalt an-sich gibt es nicht, es gibt nur ein Denken aus und zwischen verschiedenen Beobachtungsperspektiven.

Wer beobachtet entscheidet sich – aus der Superposition wird ein klares Interferenzmuster – er legt Wert auf das Eine und nicht auf Alles, er entscheidet sich das Eine zu tun und damit lässt er das Andere. Mit dem aktiven Beobachter wird auch die aktive Wertkollision eingeführt.

Mit Unverstandenem zu leben und damit weiterzuarbeiten haben uns die Physiker der Quantenphysik voraus. Das Normale als das Unbegreifbare und das Unmögliche als das Normale zu sehen, ist die Umwertung aller Werte im 21. Jahrhundert und für eine systemtheoretisch geschulte Philosophie, die auf dem avanciertesten Standpunkt steht, die ironisch, humoristisch korrekte Gangart.

Mit dem Unverstandenen geht allerdings nicht die Beliebigkeit einher, auch an dieser muss der Zweifel als Ausdruck intellektueller Redlichkeit immer wirken.

Auf die großen Geister können wir genauso verzichten, wie auf die bewusstlosen Vollpfosten. Die Evolution wird’s richten durch Variation und Selektion, die Auflösung von ehernen Systemkonstrukten und einer Neukombination aller Bestandteile macht Mosaiken möglich, die die Welt so noch nicht gesehen hat, auch wenn die farbigen Steine schon in römischen Thermen verwendet wurden.

Die Superposition von elektromagnetischen Teilchen ist nur die Voraussetzung von Strukturen, die die Interaktion zwischen Beobachtern einfrieren lässt – für einen Moment – dann geht der Aufmerksamkeitsstatus zurück, dann schwingt alles in die Superposition zurück, das ist das Großartige an unserem Wohnort am Rande des Universums.

Für uns bleibt die ständige Frage, kann ein selbst erst werdendes Ziel bereits auf unsere Gegenwart eine Zugkraft, quasi von der Zukunft in die Gegenwart hinein, verursachen? Dass wir im Doppelstrom der Zeit floaten, zwischen Vergangenheit und Zukunft ist eine Binsenweisheit, hilft uns aber zu leben, weil wir Bausteine neu zusammensetzen können, der Baukasten bietet dem unbefangenen Kind unendlich viele Möglichkeiten, warum uns sogenannten Erwachsenen nicht mehr? Weil wir  zu viele Varianten als von vorne herein unsinnig ausschließen, ohne sie jemals im Spiel aufgebaut zu haben.

Friedensvertrag mit der Natur

Wir müssen einen Friedensvertrag mit der Natur anstreben, der einzig schöpferischen übergeordneten Macht, von der der Mensch abhängig ist.

Friedensvertrag mit der Natur

1. Wir müssen die Sprachen der Natur lernen, um uns mit ihr zu verständigen.

2. Wir müssen der Natur Territorien zurückgeben, die wir uns widerrechtlich angeeignet und verwüstet haben, z.B. nach dem Grundsatz: Alles, was waagrecht unter freiem Himmel ist, gehört der Natur.

3. Toleranz der Spontanvegetation.

4. Die Schöpfung des Menschen und die Schöpfung der Natur müssen wiedervereinigt werden. Die Entzweiung dieser Schöpfung hatte katastrophale Folgen für die Natur und den Menschen.

5. Leben in Harmonie mit den Gesetzen der Natur.

6. Wir sind nur Gast der Natur und müssen uns dementsprechend verhalten. Der Mensch ist der gefährlichste Schädling, der je die Erde verwüstet hat. Der Mensch muß sich selbst in seine ökologischen Schranken zurückweisen, damit die Erde sich regenerieren kann.

7. Die menschliche Gesellschaft muß wieder eine abfallose Gesellschaft werden. Denn nur der, der seinen eigenen Abfall ehrt und wiederverwertet in einer abfallosen Gesellschaft, wandelt Tod in Leben um und hat das Recht, auf dieser Erde fortzubestehen, dadurch, daß er den Kreislauf respektiert und die Wiedergeburt des Leben geschehen läßt.

Friedensreich Hundertwasser Regentag Dunkelbunt,
1998, in: Schöne Wege, Seite 274

Philosophisches Abendgespräch

Die „Eule der Minerva beginnt erst mit der
einbrechenden Dämmerung ihren Flug.“
G. F. Hegel, Grundlinien der
Philosophie des Rechts, S. 14

Thema des heutigen Abendgesprächs ist:
Von seinen Feinden lernen

Als es in Deutschland Ende der siebziger Anfang der achtziger Jahre noch eine Friedensbewegung gab, die Ihren Namen wirklich noch verdient hatte, gab es einen weitverbreiteten Autoaufkleber, auf dem war zu lesen:

„Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin … “

Auch bei diesem Aufkleber funktioniert wieder die Grundkonstruktion erhellenden Denkens: Ändere die Perspektive und vieles wird schlagartig klar.

Nicht alles, was dem massenhaft verbreiteten, sogenannten gesunden Menschenverstand unmittelbar einleuchtet, muss auch noch Bestand haben, wenn wir es mit der Grundhaltung einer wahrhaftigen, intellektuellen Redlichkeit genauer betrachten.

Perspektive-Wechsel

Der gesunde Menschenverstand in seiner Subjekt-Objekt-Gefangenheit kennt eigentlich nur den äußeren Feind. Wer jedoch für sich die Grundhaltung intellektueller Redlichkeit reklamiert, sieht genauer hin und wechselt immer wieder die Perspektiven der Betrachtung. So könnte man durchaus auch die These aufstellen: Jeder von uns erschafft sich seine Feinde selbst, deshalb können wir von unseren Feinden auch so viel lernen – lernen über uns selbst!

Oft bedeutet von seinen Feinden zu lernen, sich intensiv selbst zuzuhören, ohne eine gleichzeitige Bewertung des Gehörten abzugeben.

Wir erschaffen uns einen Feind, indem wir einem – wie auch immer gearteten – Gegenüber Eigenschaften zuweisen, die uns verletzen. Sei es, weil dieses Gegenüber Dinge bewirkt, die wir nicht wollen oder Dinge verhindert, die wir wollen.

Jedes Gegenüber kann zu unserem Feind werden und wir stehen immer in einer Beziehung zu unseren Feinden, eine beziehungslose Feind-Situation kann es nicht geben. Gerade deshalb fällt der Umschlag von Freund in Feind oft so heftig aus, weil es immer innerhalb einer Beziehung von Menschen mit Menschen oder Menschen mit anderen Lebewesen geschieht.

Natürlich ist die Bandbreite dessen, wer oder was alles zum Feind werden kann, innerhalb des Lebendigen, also eigenständig Operierenden, sich Verändernden sehr groß. Das muss nicht immer der Soldat eines Heeres, der uns an einer Front als Gegner gegenüber steht, sein, das kann auch allgemein die Natur sein oder der Nachbar von Nebenan, den wir zum Feind erklären.

Der Feind in unserem Selbst-Modell

So wie unser ICH – unser Modell von uns Selbst – einer komplexen, radikalen Konstruktion unterliegt, an der wir mit zweckdienlichen Konstruktionsansetzen, die eine gewisse, alltagstaugliche Viabilität besitzen, ein Leben lang arbeiten, so sind auch unsere Feinde Konstruktionen, die wir – aus welchem Grund auch immer – benötigen, um durchs Leben zu kommen – vermeintlich.

Wenn wir uns mit unseren Feinden beschäftigen, dann lernen wir etwas über all die Konstruktionen, die Modelle, die wir uns ständig neu erschaffen bzw. verändern, weil wir bewusst oder unbewusst glauben, nur so bestehen zu können und nicht unterzugehen. Ob „Etwas“ ein innerer oder ein äußerer Feind ist, lässt sich nur über die Relation zu unserem Selbst-Modell ernsthaft klären.

Vieles um uns herum zum Beispiel, was wir als etwas Numinoses klassifizieren, als etwas, das uns ängstigt und zu verletzen scheint, tragen wir mit uns herum, projizieren es aber zur Kenntlichmachung auf ein Gegenüber. Ein Feind – als Gegenüber – ist immer auch ein Spiegelbild oder eine Relation zu uns selbst, ist der Feind groß sind wir klein, besiegen wir den großen Feind, ist er klein und wir groß, dieses Spiel ist endlos zu betreiben, aber immer durch die Relation gekennzeichnet. Ein Vakuum-Feind ist eine logische Unmöglichkeit!

Der Feind im Buddhismus

Es ist nicht verwunderlich, das sich das Konstrukt der Feindesliebe nicht nur im asiatischen Buddhismus findet, sondern auch in der abendländischen Kulturgeschichte, denn es ist eine allgemein menschliche Überlegung, dass der sogenannte Feind eigentlich mein Bruder oder meine Schwester ist, wenn man davon ausgehen, dass wir als Menschen alle miteinander verwandt sind.

„Wenn dich jemand tadelt, haßt oder schlecht von Dir spricht, such in sein Herz einzudringen und sieh nach, was für ein Mensch er ist; und du wirst sehen, daß du dich nicht zu beunruhigen brauchst, so sehr er dich auch beschimpfen mag.
Sei gut zu ihm; denn in ihm lebt ein naher Verwandter, einer wie du, dem, wie dir, derselbe Gott hilft in all euren gemeinsamen Kümmernissen.“

Marc Aurel (121-180) Selbstbetrachtungen, IX/27

Der Buddhismus als Religion, in seiner Rückverbindung zu den Wurzeln des Menschseins, untersucht zu allererst unsere Bewusstseinstätigkeit, mit all seinen Täuschungen und Verstrickungen in das was er Samsara nennt, also in den Kreislauf der Existenz.

Die Gefangenheit in den drei unheilsamen Wurzeln der Existenz, also Hass, Gier und Verblendung, sorgt dafür, dass wir uns aus dem leidvollen Kreislauf des Lebens nicht befreien können.

Deshalb kommt dem Lernen von seinen Feinden im Buddhismus ein ganz zentrale Bedeutung zu: Zum einen um sich von den Geistesgiften zu befreien, zum anderen um die Leere der eigenständigen Form (Shunyata) in der Substanz zu begreifen.

Die Visualisierung der geistigen Hemmnisse in der Form von Feindbildern, die für uns oft realer sind als die Feinde selbst, spielt eine entscheidende Rolle in der buddhis­tischen Meditationspraxis, natürlich mit der Zielsetzung die Feindbilder aufzulösen.

Im tibetischen Buddhismus wird alles, was uns scheinbar feindlich gegenübersteht, uns an Erleuchtung und der vollen Entfaltung unserer positiven menschlichen Potentiale hindert, im Bild der Gottheit „Mara“ (wörtlich: der Mörder, der Teufel, der Feind) zusammengezogen und natürlich findet sich auch in dieser Konstruktion eine weitere Gottheit, die uns hilft, die uns Kraft verleiht, um uns von den Feindbildern, mit denen uns Mara umstellt, zu befreien, diese Gottheit ist die „grüne Tara“ (wörtlich: die Retterin).

Unter Mithilfe der grünen Tara kann man sich mal auf den Weg machen und erkunden, wieso wir besonders gut von unseren Feinden lernen können.

Die These ist, weil wir gerade aus diesen Feindbeziehungen so viel über uns selbst erfahren können. Bekanntlich führt der Weg zur Erleuchtung immer nur durch das Tal der Tränen und der Auseinandersetzung mit unseren Feinden.

Um zunächst in der Bilderwelt des Buddhismus und beim Menschen zu bleiben: Jedes fühlende Wesen, wozu auch die Menschen gehören, hat im Buddhismus Buddha-Natur, ist grundsätzlich gut – also kein Feind – jeder ist zum vollständigen Erwachen entweder fähig oder muss sich dessen nur noch bewusst werden (je nach Schule).

Feinde und Freunde gibt es von Natur aus nicht, es gibt nur Menschen, die sich begegnen und durch ihre Interaktion zu Freunden oder Feinden werden, also durch die mannigfachen Defizite, mit denen wir behaftet sind. Wenn wir an diesen Defiziten arbeiten, können wir sie überwinden und das Freund-Feind-Schema verlassen und uns als Menschen begegnen.

Sich mit seinen Feinden beschäftigen

Ein Feind, mit dem wir uns beschäftigen, wird uns vertraut, Vertrautheit durchbricht schon ein Stück weit das Feindbild. Das Freund-Feind-Schema ist Ausdruck unserer binären – 0 oder 1 – Welt, die sich entwicklungsgeschichtlich aus der Notwendigkeit einer schnellen Beurteilung, Einschätzung von Situationen ergeben hat.

Bleiben = Freund oder Fliehen = Feind oder, wenn die Situation unübersichtlich mit „vielleicht“, mit „sowohl als auch“ zu beurteilen ist, Kämpfen oder sich totstellen.

Die schnelle Orientierung und Handlungsentscheidung hat die Mechanismen unseres Gehirns wesentlich länger und nachhaltiger geprägt, als das „intellektuelle Geschwätz“ einer vom Broterwerb freigestellten geistigen Elite.

Automatisierte Vorgänge werden von der Amygdala und den impliziten Gedächtnissen gesteuert; man kann dies daran erkennen, dass die entsprechenden Vorgänge trainiert werden müssen und dann unter Ausschaltung des Großhirns ablaufen.

Höherwertige Vorgänge, wie das Erfassen des Sinns von Worten, finden ausschließlich im Großhirn statt, da nur dieses die dazu notwendige Ausstattung hat. Kulturgeschichte ist eine Erfindung des Großhirns, damit fängt der ganze Ärger an.

Warum? Es ist davon auszugehen, dass mit der evolutionären Vergrößerung des NeoCortex auch die Abstimmmechanismen zwischen Stammhirn, Klein- und Großhirn komplizierter und weniger Reaktionsschnell wurden. Die lebensbedrohliche Situation, die von einem äußeren Feind ausgelöst wird, konnte dadurch zu einem psychischen Trauma werden, das durch extreme psychische Belastungen erzeugt wird und mit einer Reizüberflutung einhergeht.

Eine lebensbedrohliche Situation führt bei fast allen Tierarten zu einer von zwei möglichen primären Grund-Reaktionsmustern: Flucht oder Verteidigung. Falls keine dieser beiden Reaktionen Aussicht auf Erfolg hat, kann es je nach Tierart und Umständen zu einer weiteren möglichen Reaktion kommen: dem Totstellreflex.

Eine lebensbedrohliche Situation, wie sie leicht im Krieg, bei Überfällen oder Vergewaltigungen vorstellbar ist, schaltet die Abstimmmechanismen im Gehirn ab.
Eine gefährliche Situation wird zunächst in der Amygdala festgestellt; dies geschieht ganz automatisch und ohne Zutun des Großhirns. Daraufhin werden Hormone wie Glukokorti­koide und Serotonin ausgeschüttet, die den Körper in Alarmbereitschaft versetzen und Energie-Reserven mobilisieren.

Das limbische System (mit Amygdala, Hippocampus, Hypothalamus, Gyrus cinguli) filtert Informationen und belegt sie mit Gefühlen, bevor sie in verschiedenen Gedächtnissystemen abgespeichert werden.

Bei Angst und Stress aktiviert die Amygdala über den Hypothalamus eine Hormonkaskade. Zum Blackout kommt es, wenn das Schreckhormon Adrenalin dauerhaft zusammen mit zu viel des Stresshormons Cortisol das Gehirn überschwemmt. Folge: Vor allem der Hippocampus setzt aus, Gelerntes ist nicht mehr verfügbar.

Innerhalb des Gehirns kommt es nun zu einer folgenschweren Umschaltung des normalen Datenflusses und zu einer Umverdrahtung, die die gesamte Funktionsweise des Systems grundlegend verändert: Die Entscheidungsfindung durch das Großhirn wird unterbunden, indem die Verdrahtungen zwischen Amygdala und Hippokampus regelrecht gekappt werden. Große Teile der Nachrichten werden dadurch erst gar nicht an das explizite Gedächtnis weitergeleitet. Die Reaktionen auf die Gefahr werden fast ausschließlich vom impliziten Gedächtnis gesteuert.

Durch diese Trennung – auch Dissoziation genannt – wird vor allem die Reaktionszeit stark beschleunigt. Während das Großhirn zu einer angemessenen Bewertung einige Sekunden benötigen würde, kann eine Flucht oder Verteidigung durch die impliziten Schaltkreise sehr viel schneller organisiert werden.

Die Entscheidungswege werden durch die Umverdrahtung drastisch verkürzt! Dieser oft lebensrettende Mechanismus bringt jedoch das Problem mit sich, wie man in feindliche Auseinandersetzungen ethische Aspekte einbauen kann, wenn das Großhirn an der Ausführung von entsprechenden Verhaltensweisen gar nicht beteiligt ist.

So ist zwar mit der Ausdifferenzierung von Verhaltens-weisen in der Kulturgeschichte der eineindeutige Freund-Feind-Begriff fragwürdig bzw. unscharf geworden, die grundsätzliche Problematik bleibt aber bestehen, weil die Entscheidungsmechanismen sehr alt sind.

Zumindest lässt sich der Feindbegriff nicht mehr so leicht instrumentalisieren für bestimmte Interessen, wenn wir nicht hinter Errungenschaften der Kulturgeschichte wieder zurückfallen wollen. Schwierig wird es jedoch, wenn wir durch ein Dauerfeuer an lebensgefährlichen Situationen von einer dauerhaften Umverdrahtung von Nervenverbindungen (insbesondere zwischen Amygdala und Hippokampus) ausgehen müssen. Die dauerhafte Störung des Gleichgewichts von Botenstoffen im Gehirn führt dazu, das eine Differenzierung kaum noch möglich ist, womit eine Handlungsveränderung fast ausgeschlossen ist.

Erschwerend kommt hinzu, dass wir durch die Ausschaltung des Großhirns auch mit Bewusstseinsarbeit kaum noch an die Gedächtnisinhalte herankommen, da sie nicht im Großhirn gespeichert wurden. Oft bleibt es dem Zufall überlassen ob wir einen Triggerpunkt finden, der einen Flashback auslöst.

Typologisierung im Freund-Feind-Schema

Das Freund-Feind-Schema zwingt zur Typologisierung mit unterschiedlichen Menschen, induktiv entwickeln wir aus Verhaltensweisen einzelner Menschen einen Kanon von Verhaltensweisen, die wir als feindlich klassifizieren, letztlich ein sauberes, in sich schlüssiges, widerspruchs­freies Feindbild, das wir ungeachtet des Variantenreichtums von Menschen, auf Menschen, Gruppen, Völker anwenden und wir suchen nur noch nach Ereignissen, die unsere Typologien bestätigen.

Von unseren Feinden lernen bedeutet also, sich für die Falsifizierbarkeit des Freund-Feind-Theorems einzusetzen, das bedeutet z.B. intellektuelle Redlichkeit im Praxis­einsatz.

Intellektuelle Redlichkeit bedeutet aber auch, den Aspekt-Strauß der Wahrnehmung „unter Waffen“ nicht preiszugeben, also Ciceros Grundsatz, dass im Krieg das Gesetz, das Recht und natürlich die Musen zu Schweigen haben, aufgegeben wird und also nach den Vorstellungen Hugo Grotius‘ auch „unter Waffen“ das Recht bestehen bleibt, das Naturrecht wie weitergehend das Völkerrecht.

Bezeichnenderweise gibt es leider rund um einen Krieg immer noch drei Phasen, was man auch in der Gegenwart immer wieder beobachten kann:

  1. Phase: Es wird noch miteinander geredet, die Diplomatie hat das Sagen, das Freund-Feind-Schema wird nach Möglichkeit nicht bemüht.
  2. Phase: Alles wird ganz und gar dual gehandhabt, es gibt nur noch Freund oder Feind, es ist bezeichnend, dass es einen Unterschied bedeutet, ob ein Soldat durch enemy fire oder durch friendly fire stirbt, man könnte meinen, tot ist tot.
  3. Phase: Jetzt wird wieder miteinander geredet, das Verhandeln, die Kommunikation mit Worten, statt mit Waffen, die Diplomatie hat das Sagen, das Freund-Feind-Schema wird nach Möglichkeit wieder vor die Tür gesetzt.

Soldaten, die im 2. Weltkrieg gegeneinander gekämpft haben, treffen sich auch nach 50 Jahren noch zu gemeinsamen, freundschaftlichen Veranstaltungen. „Der Krieg hat uns zu Feinden erklärt.“

Worte sind Waffen und erschaffen Feinde

Aber was können wir daraus lernen? Auch unsere Worte sind Waffen und erschaffen Feinde, bereiten Kriege vor. Ein Bollwerk gegen den Krieg ist der Zweifel, das unscharfe Sowohl-als-Auch-Denken. Von unseren Feinden lernen bedeutet nicht nur etwas Dinghaftes von unserem Feind zu lernen – sondern vor allem etwas über unser Verhalten zu lernen, über die Mechanismen der unterschiedlichsten Verletzungen zu erfahren, zu erspüren.

Von unseren Feinden lernen wir vor allem den Umgang mit Verletzungen: Wir verletzen und wir werden verletzt – könnten wir darauf verzichten verletzt zu sein, würden wir auch nicht mehr verletzen.

Ein Feind bedroht nicht nur unser Leben wodurch wir uns gerechtfertigt sehen, unsererseits diesen Feind umzubringen, nach dem Motto: Er oder ich.

Ein Feind bedroht und zerstört auch die Bilder, die liebgewonnen Bilder, die wir von uns haben, von unseren Feinden zu lernen bedeutet also auch, etwas über die Mechanismen zu lernen, nach denen diese bedrohten Bilderwelten für uns funktionieren.

Deshalb spiel im Buddhismus der angebliche Feind so eine große Rolle. Sehen wir genauer hin, gibt es wirklich innere und äußere Feinde, sind die äußeren Feinde nicht in Wirklichkeit auch nur innere Feinde. Von unseren Feinden zu lernen bedeutet, differenzieren zu lernen zwischen inneren und äußeren, heimlichen und geheimen Feinden, viele unserer inneren Feinde, werden von uns oft fälschlicherweise als äußere Feinde klassifiziert.

Buddhistische Techniken versuchen in Meditationen möglichst viele Feindarten zu unterscheiden und die Zuweisungen zu klären, die wir vornehmen.

Es gibt nicht nur die offensichtlichen Mechanismen, die sich aus den Geistesgiften Hass, Gier und Verblendung ergeben, es gibt auch die heimlichen Feinde, die wir nur indirekt, durch unsere Verhaltensweisen erkennen können und die sich aus den Tiefen des Unbewussten speisen. USKs (unerlöste seelische Konflikte) spielen hier eine zentrale Rolle.

Die Vorstellung, dass wir uns selbst zerstören ist uns nicht angenehm, besser ist es, wenn uns Feinde zerstören, was wir von unseren Feinden lernen können, ist das wir uns selbst zerstören, das wir selbst die Verantwortung übernehmen können, dass wir unser riesiges EGO zerstören können, das wir uns selbst lieben lernen können, für uns Mitgefühl entwickeln lernen können, wenn wir unsere Feinde lieben lernen.

Die Grundlage einer Ethik der Feindesliebe ist eine Ethik der Selbstliebe, wenn wir davon ausgehen, dass es keinen objektiv ausmachbaren äußeren Feind geben kann, dass zumindest jeder Feind in einer Beziehung zu mir steht. „Liebet eure Feinde“ (Mt. 5,44) „tut Gutes denen, die euch hassen“ (Lk. 6,27) sollte nicht als strategischer „Trick“ gewertet werden um seinen Feind hinterlistig doch noch zu besiegen, sondern als ehrliches Bemühen den Kreislauf der ewigen Feindschaft auch mit sich selbst zu durchbrechen.

Friede tut jedem gut, auch wenn er von sich selbst noch so sehr das Bild des großen Kriegers hat. Der Grundsatz „Frieden schaffen ohne Waffen“ kann leichter zur Sinnstiftung verwendet werden, als sein Gegenteil, denn wer im Kampf siegen muss, kann auch leicht verlieren und selbst wenn er siegt, entschwindet mit dem Sieg der Sinn, der wandert dann unbemerkt zum Besiegten …

Raus aus der Gefangenschaft der Merkel-Politik!

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Von Antje Vollmer und Peter Brandt
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Es gibt für die SPD wohl keinen direkten Weg ins Kanzleramt: Wer Mehrheiten für eine linke Politik erreichen will, muss dem Mainstream etwas entgegensetzen – statt ihm hinterherzulaufen. Ein Appell.

Die Ergebnisse der drei letzten Landtagswahlen in Deutschland sind so klar wie nüchtern zu interpretieren. Auch der größte Optimist begreift: Es führt derzeit kein direkter Weg eines Sozialdemokraten ins Kanzleramt – und kein Weg der politischen Linken zurück zu gesellschaftlichen Mehrheiten.

Innerhalb der SPD gab es zwar einen kurzen kostbaren Moment lang die Illusion einer veränderten Lage, sie beruhte jedoch auf einem Missverständnis: Die Euphorie bei der Ausrufung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten war leichtfertig als lang ersehnte Übereinstimmung mit der Politik der SPD gedeutet worden – sie war aber als Aufforderung gemeint. Viele Menschen wollten wirklich, dass es „ganz anders“ wird. Sie wollten einen „deutschen“ Bernie Sanders.

Es war das Aufflackern einer Hoffnung, die ewige große Koalition könnte endlich ein Ende haben. Es ging wahrlich nicht um den kleinsten Nenner, dass ein Martin Schulz eine Angela Merkel an der Spitze des immer gleichen Politikmodells ersetzt, das nun seit Jahren als alternativlos beweihräuchert wird.

Wer das erkennt, begreift zugleich, dass er einen anderen, risikoreicheren Weg wählen muss, um in Zukunft gesellschaftliche und dann auch parlamentarische Mehrheiten zu gewinnen, und zwar diametral entgegengesetzt zum derzeit vorherrschenden Mainstream. Er weiß auch, dass er die Angst verlieren muss, Angela Merkel im Palast ihrer unantastbaren Selbstbezüglichkeit direkt anzugreifen. Er muss sich aus der babylonischen Gefangenschaft der ungekrönten Herrscherin Europas und ihres Lordsiegelbewahrers Schäuble endlich selbst befreien.

Das Wort “Reform” wurde zum europäischen Alptraum

Und dafür gibt es gute, vor allem außenpolitische Gründe: Von den hiesigen Leitmedien fast unbemerkt, hat sich das Bild der Deutschen in Europa in der Ära Merkel besorgniserregend verschlechtert. Je selbstbewusster die Bundesregierung in Brüssel dominiert, umso mehr ist sie verhasst. Das gilt nicht nur für Griechenland, Spanien und England, selbst in Frankreich war Abgrenzung von Deutschland für alle Präsidentschaftskandidaten wahlentscheidend. Der politische Kredit, den Jahrzehnte einer auf gegenseitigem Respekt, nationaler Selbstbescheidung und ökonomischem Interessenausgleich beruhenden deutschen Europapolitik bis zur Jahrtausendwende angehäuft hatte, ist aufgezehrt.

Die schwarze Pädagogik, mit der Wolfgang Schäuble seine Zuchtmeisterrolle vertritt, wirkt bigott. Die schnelle Taktzahl von Telefonaten der Kanzlerin, Speeddatings mit Staatenlenkern aller Art und Tätscheleien vor Kameras wirken ohne Kompass.

Was ist die Bilanz? Die mächtigste Politikerin des Kontinents hat den Begriff „Reformen“ zum Albtraum für die Völker Europas gemacht. Sie ist damit im Kern ihrer Mission gescheitert. Sie hat mit den Sondervorteilen der deutschen Wirtschafts- und Finanzpolitik ein Regime der Extraprofite installiert, unter dem alle Volkswirtschaften des europäischen Südens ächzen.

Noch kein Ökonom hat erklären können, wie ein System auf Dauer funktionieren kann, das auf hohem Exportüberschuss eines Landes beruht, ohne faire Handelschancen oder Finanzausgleich für jene Partner und Nachbarn anzubieten, mit denen es den weitaus größten Teil des Außenhandels betreibt. Diese Methode des einseitigen Vorteils ist kurzsichtig, ungerecht und wird sich in absehbarer Zeit gegen den Nutznießer wenden.

Zur Kennzeichnung der Ära Merkel gehören die wachsenden Fliehkräfte innerhalb der EU. Das Ausscheiden Großbritanniens hat zwar nicht hauptsächlich sie verschuldet, mit dem Versuch, ihre Flüchtlingspolitik ganz Europa ungefragt und unabgestimmt überzustülpen, hat sie dem aber ebenso zugearbeitet wie dem Abrücken aller früheren Ostblockstaaten vom bisherigen Konsens Europas. Diese jungen Demokratien fühlen sich von so viel moralischer Überwältigung schlichtweg überfordert.

Die europäische Linke ist in eine Falle getappt

Es scheint, als ob hier die europäische Gesamtlinke in eine Falle gelaufen ist. Die aktionistische Flüchtlingspolitik der Kanzlerin hat europaweit den rechten Parteien Wähler zugetrieben, Wähler, die eigentlich von der Linken zu verstehen und zu integrieren wären. Dies Dilemma kann die Linke nur lösen, wenn sie ihren Begriff von internationaler Solidarität klärt. Wer die Kriege und die geopolitischen Machtkämpfe im Nahen und Mittleren Osten nicht als Ursache der Destabilisierung benennt, betreibt zwar verdienstvolle Sozialarbeit, ist aber fern von einer politischen Antwort auf die Migrationskrise.

Zu den Negativbilanzen in der Merkel-Außenpolitik gehört die Tatsache, dass das Verhältnis zu Russland inzwischen vollständig zerrüttet ist. Seit den Zeiten Willy Brandts und Egon Bahrs galt die Entspannungspolitik auch für Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher bis zu Gerhard Schröder als konstante Grundbedingung für ein Konzept gemeinsamer Friedens- und Sicherheitspolitik in Europa. Was sich heute dagegen „menschenrechtsgestützte Außenpolitik“ nennt, ist in Wahrheit eine moralgestützte Interventions- und Sanktionspolitik mit stark irrationalen Anklängen von Russophobie. Dass eine solche Politik von dem Land, das vor einem dreiviertel Jahrhundert Opfer eines deutschen Angriffs- und Vernichtungskrieges war und dennoch die entscheidende Weichenstellung zur deutschen Wiedervereinigung geöffnet hat, als zutiefst ungerecht empfunden wird, sollte man zumindest in Erwägung ziehen.

Wem nützt eigentlich diese permanente ressentimentgeladene Konfrontation? Nur den Falken auf allen Seiten! Rein ökonomisch sind schon jetzt viele der wirtschaftlichen Chancen vertan, die sich seit Gorbatschow mit dem nach-totalitären Russland – und übrigens auch mit China – in einer kurzen Phase unbegrenzter Entwicklungs- und Einflussmöglichkeiten auftaten.

Aber auch der deutsche Handlungsspielraum in internationalen Konflikten wurde ohne Not eingeengt. Politisch war das Konzept der gemeinsamen Sicherheit der eigentliche Rückhalt für die Tatsache, dass es Gerhard Schröder 2003 wagen konnte, „Nein“ zum Irakkrieg zu sagen. Diese Zeiten einer Politik des Ausgleichs der Gegensätze zwischen Ost und West und eines gewissen Manövrierspielraums im westlichen Bündnis sind vorbei. Hier geht auch der Einwand in die Irre, man treibe eben keine wertfreie, sondern eine „menschenrechtsgestützte“ Außenpolitik.

Gegenüber den „Verbündeten“ Türkei und Saudi-Arabien, die zu den brutalsten Menschenrechtsverächtern im Nahen Osten gehören, scheinen diese Tugenden keineswegs zu gelten, da herrscht reine realpolitische Doppelmoral. In Wahrheit hat Angela Merkel nicht die Moral, sondern die außenpolitischen Koordinaten all ihrer Vorgänger ausgewechselt. Sie versteht Deutschland, gerade angesichts des aktuellen Schwächelns Amerikas, nun als exponierten Riegenführer und Bannerträger des siegreichen Westens, ihre aktuelle Distanzierung von Donald Trump ist Wahlkampftaktik mit Aufrüstungsabsichten.

Die Lehren, die 1989/90 gezogen wurden, waren falsch

Spätestens an dieser Stelle ist zu fragen: Wo bleibt die SPD? Wo bleiben die Grünen? Wo bleibt die Friedensbewegung? Wo bleiben die Lehren aus der Zeit der Überwindung der Blockkonfrontation und des Kalten Krieges? Wo bleibt die ehemals große Tradition der Solidarität der Linken im Fall der unerträglichen Erniedrigung Griechenlands? Wo bleibt ein Konzept für eine Befriedung des Nahen Ostens, bei der die deutsche Politik nicht einseitige Stütze einer Kriegspartei ist, sondern ausgleichender Vermittler? Wo bleibt die Stärkung der UN?

Mit den falschen Lehren aus dem Umbruch der Jahre 1989 ist die gesamte europäische Linke in eine Sinnkrise und Orientierungslosigkeit geraten, die zu ihrer umfassenden Niederlage und Bedeutungslosigkeit geführt hat. Das war vielleicht unvermeidlich.

Dass sich große Teile der sozialdemokratischen und grünen Führungsschichten aber ohne Not freiwillig in die ewige Gefangenschaft von neoliberalen und neokonservativen Politikkonzepten und -strategien begeben, deren praktische Ergebnisse nach 25 Jahren des wilden Experimentierens niemanden überzeugen, ist nichts als selbst verschuldete Unmündigkeit.

Antje Vollmer ist Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen. Von 1994 bis 2005 war sie Vizepräsidentin des Bundestages. Peter Brandt ist Historiker, Mitglied der SPD und der älteste Sohn von Rut und Willy Brandt

Link zum Tagesspiegel

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Es lebe die Scheinheiligkeit!

Wahrscheinlich sind viele von ihnen froh, dass sie ihr Image auf Trumps Kosten polieren können und gleichzeitig so weitermachen dürfen wie bisher. Die USA kündigen ein wirkungsloses Klimaabkommen und die Welt versucht ihre schönste Fassade zu wahren.

Klimaabkommen Paris

“Nicht mit uns – Weiter so!” lautet die Essenz des Auftritts von Angela Merkel und Li Keqiang, Deutschlands und Chinas obersten Regierenden, um den Pariser Weltklimavertrag zu stärken. Die Realität ist eine andere und wird auch eine andere bleiben: Der Vertrag ist mausetot.

Als ob in der gegenwärtigen Konsum-Kultur das 2-Grad-Ziel nicht schon illusorisch genug wäre, möchte das Pariser Klimaabkommen die globale Erwärmung sogar auf 1,5 °C begrenzen: Rund 700 Mrd. Tonnen CO2 können noch ausgestoßen werden (A roadmap for rapid decarbonization), bevor die Menschheit statt bisher 5 Tonnen weit weniger als eine Tonne CO2 pro Erdenbürger emittieren dürfte.

Friert man die gegenwärtigen Emissionen (knapp 40 Mrd. Tonnen pro Jahr) auf dem Stand von 2016 ein, wäre unser Budget bereits in 20 Jahren erschöpft. Wenn man – wie im Abkommen geplant – die Emissionen bis 2050 auf 5 Mrd. Tonnen CO2 zurückführen möchte, bedeutet dies eine jährliche Abnahme der Emissionen von 6,3 % – das gab es in Deutschland nicht einmal, als nach der Wiedervereinigung die Ost-Industrie zusammenbrach und riesige Effizienzsteigerungen realisiert werden konnten, sondern nur 2009, als im Gefolge der Finanzkrise die Wirtschaftsleistung um über 5 % schrumpfte. Zur Hebung der Stimmung ersann man damals die Verschrottungsprämie.

Wenn nun Jubelgeschrei ausbricht weil in jüngster Zeit die weltweiten CO2-Emissionen nicht mehr scharf anstiegen, dann ist das leicht verfrüht.

  • Erstens: Sie sind nicht deutlich gesunken (0,7 % – das Neunfache wäre nötig).
  • Zweitens: Gerade in Europa sind die Emissionen gestiegen, obwohl seit Jahrzehnten hoch entwickelt: Ein Witz! Obwohl die Möglichkeiten zu individueller Mobilität in Deutschland schon seit geraumer Zeit enorm sind, vernichtet genau die Zunahme des Verkehrs die Einsparungen etwa aus der Energiewende. Wenn selbst in Deutschland die CO2-Emissionen 2016 gestiegen sind, wie kann man dann Szenarien glaubwürdig finden, die für Entwicklungsregionen eine baldige Trendumkehr für möglich erachten. Bedenkt man, dass Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten ca. 15 % seiner CO2-Emissionen ins Ausland verlagert hat, werden solche Szenarien noch irrealer.
  • Drittens: In China sanken die Emissionen – das könnte leider auch ein statistisches Artefakt sein. Nicht weil Chinas Führung ökologisch tickt, sondern weil Städte im Smog versinken, werden Alternativen vorangetrieben. Das Ergebnis ist nicht dasselbe: Wachstum bleibt heilig, der entstehende Dreck wird besser gefiltert und versteckt, und Konsum und Mobilität wird zum Status für eine Milliarde Menschen. Chinesen, Inder, Bangladeshis … alle ticken ähnlich wie wir und bei uns wird seit zwei Generationen konsumiert, koste es was es wolle.
  • Viertens: In Indien sind 46 % der Bevölkerung jünger als 25, in Bangladesh 50 %, in Afrika 60 % – das Konsumentenpotential ist gigantisch und nicht nur wir Deutschen wollen SUVs. VW, BMW … dürfen sich freuen.

Wollte man das Klimaabkommen umsetzen, müssten 80 % der Kohle, 50 % der Gas- und 30 % der Ölreserven in der Erde bleiben. Wer glaubt tatsächlich, dass die USA ihre Kohlereserven im Boden lassen und Russland seine Gas- oder Saudi-Arabien seine Ölreserven? Wer glaubt, dass das von Trump abhängt?

Wer glaubt tatsächlich, dass Rohstoffkonzerne, die den Gewinn ihrer Eigentümer maximieren sollen, ihre Bodenschätze nicht aus der Erde holen wollen? Sie werden sich mit Händen und Füßen gegen Beschränkungen wehren, lobbyieren, Präsidenten schmieren, Kriege führen, selbst wenn Photovoltaik so billig wie Dreck würde. Deren Angst-Rhetorik funktioniert längst nicht nur in den USA.

Claudia Kemfert (Leiterin der Abteilung “Energie, Verkehr, Umwelt” am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin) zeichnet deren Lobbying in ihrem neuen Buch “Das fossile Imperium schlägt zurück” detailliert nach. Ohne eine sehr große und sehr politische Umweltbewegung wird es nicht gelingen, Klimaschutz von der Worthülse zu einer Realität zu machen.

Aus einem weiteren Grund ist ein Erfolg des Pariser Klimaabkommens undenkbar: wegen des weltweiten Wettbewerbs. Jedes Freihandelsabkommen steht dem Geist eines Klimaabkommens diametral entgegen. Weniger Emissionen bedeutet weniger Containerschiffe, weniger Transportkilometer, mehr regionale Wertschöpfungskreisläufe. Standortwettbewerb erzwingt Konkurrenzfähigkeit, erzwingt, dass die Staaten zu Erfüllungsgehilfen und Handlanger privater Konzerne werden.

Was hat mehr Wucht: Die Drohung mit der Schließung eines Werkes mit 3000 Beschäftigten aufgrund zu hoher Umweltauflagen oder die Drohung mit einem Anstieg des Meeresspiegels um 1,4 Meter in 100 Jahren?

Weil diesem weltweiten Treiben kein Ende gesetzt wird, heucheln die Gestaltungseliten des Planeten unisono. Wahrscheinlich sind viele von ihnen froh, dass sie ihr Image auf Trumps Kosten polieren können und gleichzeitig so weitermachen dürfen wie bisher.

Die EU-Kommission verhandelt Freihandelsabkommen mit Japan, Australien, Neuseeland, Chile und vielen anderen, Angela Merkel gibt TTIP noch längst nicht verloren: Entregionalisierung bleibt Programm, um größere Industriestrukturen zu fördern, die den Verbrauchern (was für ein ätzender Begriff) mit billigeren Produkten mehr Konsum ermöglicht.

In den Industriestaaten sind viele Voraussetzungen erfüllt, die Emissionen tatsächlich zu senken, die entfesselten Wachstumskräfte zu bändigen und eine Zukunft mit Maß und Ziel zu befördern. Wären die Vermögen und Einkommen gerechter verteilt, müsste schon heute kein Mensch mehr in Armut leben.

Es sind soziale und ökologische Basisbewegungen wie Attac, Bund Naturschutz, Campact oder Ende Gelände, die den Parteifürsten (einschließlich den Grünen) erst die nötige Chuzpe geben können, auch unbequeme Forderungen zu stellen und Entscheidungen zu treffen. Kinderwerbung und Werbung in öffentlichen Räumen zu verbieten, Automobilkonzernen den Weg zu weisen und Konsumpraktiken öffentlich zu diskreditieren ist erst möglich, wenn es eine gesellschaftliche Stimmung dafür gibt – wenn es ein Stück weit “Hip” ist, aus der Reihe zu tanzen.

So lange Konsum der Dreh- und Angelpunkt ist, wird auch gegen den Klimawandel nichts helfen. Wie wäre es, sich über Konsumpraktiken öffentlich lustig zu machen, vor allem über solche, die eher Stress als Spaß versprechen und lediglich aus Statusdenken oder Gewohnheit getätigt werden? Eine Woche Bahamas – nur Workaholics machen so was. Audi Q7 und 500-Euro-Hndy, aber keine Zeit, der Frau (dem Mann?) im Haushalt zu helfen? Zum Sport mit dem Sportwagen? Die Kinder mit Konsolen ruhig stellen statt gemeinsamer Outdoor-Erlebnisse?

Eine andere Stimmung ist nötig – das ist nicht mehr und nicht weniger als ein Kulturwandel, der unsere alltäglichen Haltungen und Handlungen verändern muss, von dem Niko Paech oder Harald Welzer unentwegt schreiben.

Quelle: | https://heise.de/-3733658

Ein Bollwerk gegen den Populismus

»Verstehen beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod.« (VZ, S.110)

Wer sich heute darüber beschwert, dass der Populismus auf dem Vormarsch ist, der sollte zu allererst nach den Ursachen fragen, egal ob einem dann das Gericht schmeckt oder nicht. Ich kann nicht auf der einen Seite den kritik- und willenlosen Konsumenten wollen, der mir noch den letzten sinnfreien Müll abkauft und andererseits ein Bollwerk gegen den Populismus verlangen. Man sollte es wagen, ohne ideologische Spielchen und Scheuklappen, nach den Ursachen des Populismus zu fragen und die bleiben immer gleich, egal ob 1933 oder 2017. Hilfreich scheint es mir zu sein, sich bei diesem Fragen nach wie vor von den politischen Überlegungen Hannah Arendts leiten zu lassen.

Die Ursachen des Populismus werden von den Bedürfnissen all jener Menschen begründet, die sich lieber in der Oberflächlichkeit einrichten, als nach tieferen, detaillierten und komplexen Wahrheiten zu fragen.

Diese Bedürfnisse sind sehr stark, zum einen, weil der Satz Georg Steiners “vom Denken, das traurig macht”, nach wie vor stimmt und in einer durchgestylten Spaßgesellschaft der Ritter von der traurige Gestalt einfach nicht so gut kommt, mögen seine Motive und Anliegen noch so ehrenwert sein.

Zum anderen, weil der Rückfall in ‘vorgeschichtliche’ – also sprachlose – Zeit immer als Möglichkeit bleibt. Es mag richtig sein, dass der von tierischen oder menschlichen Feinden gejagte ‚Homo irgendwas‘ sich schnell und einfach orientieren musste, um entscheiden zu können, ob sich ein Freund oder ein Feind nähert, also ob Bleiben, Fliehen oder Kämpfen die angesagte Reaktion wäre, aber haben wir uns parallel zur Entwicklung unseres Neocortex nicht auch eine sich verfeinernde Kulturgeschichte geleistet?

Es macht im Jahr 2017 keinen Sinn mehr, wenn man im Angesicht des mordend um die Welt ziehenden ‘Homo sapiens sapiens’ immer wieder auf seine schwere Kindheit vor 50.000, vor 20.000 oder vor 30 Jahren verweist. Nach so vielen tausend Jahren Kulturgeschichte könnte man ja auch mal auf die Idee kommen, statt zu fliehen oder zu kämpfen einfach mal ein freundliches Gespräch zu führen.

Die Macht der Kommunikation ist eine einfache aber nichtsdestotrotz eine sehr wirkmächtige Alternative zum Kämpfen oder Fliehen. Wer spricht – tötet nicht und beginnt – vielleicht – sich auch für sein Gegenüber zu interessieren und wer sich für seine Mitmenschen ernsthaft interessiert, der tötet sie auch nicht mehr so schnell, als wenn sie nur als anonyme Masse ihm gegenüber stehen. Der »Verwaltungsmassenmord« (EJ, S.17) ist jedenfalls, wie der Name es treffend beschreibt, nur an der anonymen Masse zu vollziehen, nicht am Individuum.

Und außerdem gilt der Grundsatz: “Wer nachfragt macht sich schon weniger schuldig – ohne sich gleich mutig ans Messer zu liefern.” (Hannah Arendt in einem Gespräch mit Hans-Peter Dürr, von mir paraphrasiert)

Ohne Sprechen – kein Denken. Das einzige nachhaltige Bollwerk gegen den Populismus ist das Denken, das kritische, vorurteilsfreie Denken, das man nicht einfach ein und ausschaltet, so wie es Anderen gerade am besten gefällt. Mal kritischer, antifaschistischer, multikulti Denker, mal kritikloser, oberflächlicher Konsum-Mensch, so funktioniert das nicht! Das kritische Denken ist eine Lebenshaltung, kein Konsumartikel, man kann es nicht nach Wunsch von zumeist ‘ökonomischen Interessen’ mal an, mal abschalten!

So wie Freiheit kein Geschenkartikel oder Prämie für ausgestandene Leiden ist, sondern jeden Tag im Widerspruch neu zu erringen bleibt, so ist es auch mit dem Denken, das die Freiheit liebt, in dem es jeden Tag den Widerspruch vollbringt.

So wie es keinen guten und keinen schlechten Krieg gibt, so gibt es auch keinen guten und schlechten Populismus. Populismus ist ein Strukturphänomen und kein Problem von ‚Rechts‘ oder ‚Links‘. In dem man aus eine differenzierten, komplexen Problemstellung eine einfache, binäre Schwarz-Weiß-Struktur macht, die jedem einfachen, dualen Freund-Feind-Verhältnis zugrunde liegt und wodurch ein eindeutiger Sündenbock, z.B. die Juden, die Ausländer, nur konstituiert werden kann.

Das Nachfragen und der genaue Blick zerstört sofort das Bild des Sündenbocks, den es in seiner notwendigen Reinheit nicht geben kann aber geben muss, wenn er funktionieren soll, Ausnahmen sind bei Sündenböcken nicht vorgesehen, dann fallen sie sofort in sich zusammen.

Auch der populistische Umgang mit den politischen Überlegungen Hannah Arendts – immerhin einer der wichtigsten Denkerinnen der politischen Theorie des 20. Jahrhunderts – zeigt zweierlei, erstens die  populistische Oberflächlichkeit im Einsatz, bei derArbeit und zweitens die Aufdeckung der »Banalität des Bösen«. In der heftigen Kritik an Hannah Arendts Berichterstattung vom Eichmann-Prozess in Jerusalem sah man den Zusammenhang am Werk zwischen Dämonisierung und Glorifizierung. Der Absturz des religiös glorifizierten Nazi-Deutschlands, ein Volk – ein Führer, kann nur in die unendlichen Tiefen des Dämonischen gehen, keinesfalls in die Banalität des Alltäglichen!

Nicht umsonst hat sich die Kritik vor allem an der angeblich verharmlosenden Formulierung der »Banalität des Bösen« und an der »Gedankenlosigkeit« (LG, S.14), die Hannah Arendt Eichmann zugeschrieben hatte, entzündet. Das populistische an der Kritik war wiederum das sogenannte ‘gesunde Volksempfinden’, das ins Feld führte, was unmittelbar auf der Hand – also an der Oberfläche – zu liegen schien, dass es sich, ob der Größe der Verbrechen der Nazis, nur um eine Befehlskette handeln konnte, die von einem kleinen psychisch kranken, von Dämonen besessenen Führungskaders ausgegangen war und dem die Mehrzahl der Deutschen in ‚ordentlicher‘ Pflichterfüllung Gehorsam leisteten.

Während Hannah Arendt im Nachgang zu Kants Interpretation des »radikal Bösen«, als dem kalkulierten Wunsch, gegen das tief in der Moral und der erzeugenden Vernunft liegende Sittengesetz zu verstoßen (Kant, Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, KW, Bd.7, S.665ff), in den Elementen und Ursprüngen totaler Herrschaft zunächst das »radikal Bösen« für geeignet hielt, den geplanten »Verwaltungsmassenmordes« an den Juden zu charakterisieren, hat sie durch den Eichmann-Prozess ihre Meinung geändert.

Hannah Arendts großes Verdienst war es, dass sie die unheilvolle Interpretation der umfassenden, grausamen Vernichtungsmaschinerie der Nazis, als eines metaphysisch, dämonischen, abgrundtief bösen Geschehens, überwand und am Beispiel Eichmanns zeigte, dass es keine zwingende Korrelation zwischen der Größe des Verbrechens und der Größe der Täter geben muss und das die Größe des Verbrechens nicht auf eine starke und tiefe Verwurzelung der Täter-Motive hinweist sondern ganz einfach auf eine sehr reale, sehr banale Wirklichkeit hinweist.

In einem Brief an Gershom Scholem führt sie aus, dass das Denken naturgemäß versucht, sich in der Tiefe zu verwurzeln und sich dort auszubreiten. Dem gegenüber geht die Oberflächlichkeit des Böses nie an die Wurzeln der Dinge, wie ein Pilz breitet sich das Böse über die Welt aus. »Das Böse [kann] immer nur extrem [sein], aber niemals radikal, es hat keine Tiefe, auch keine Dämonie. Es kann die ganze Welt verwüsten, gerade weil es wie ein Pilz an der Oberfläche weiterwuchert.« (BWS, S.38)

Die Rede von der Banalität des Böses ist eben gerade keine der Verharmlosung sondern der radikalen Analyse, die eine weit gefährlichere Dimension aufzeigt, als das Gerede von der dämonischen Einmaligkeit des Vernichtungsgeschehens. Die Verführungskraft des oberflächlichen, dualen ‘Raunens’ liegt weniger in einzelnen Lehrsätzen als in ihrem zukunftssichernden Gestus und in ihrer Ausbeutung des menschlichen Verlangens nach Sicherheit und Sinn.

Das Gefährliche sind nicht abgrundtief böse Menschen, mit denen sollte eine funktionierende Justiz in einem demokratischen Staat fertig werden, sondern die »Gedankenlosigkeit« der Massen. Die Zuflucht von Vielen zu Klischees, die die Aufgabe haben, die Menschen vor der Wirklichkeit abzuschirmen und ihnen eine ideologisch – heute meist nur noch ökonomisch – motivierte Sichtweise zu unterschieben.

Das Hängen an konventionellen, standardisierten Ausdrucks- und Verhaltensweisen gibt Sicherheit, solange diese die Masse und die Macht im Staat repräsentieren, sobald die Staatsmacht zusammenbricht, bricht auch die Sicherheit und die Verhaltensweise der Massen zusammen und jedem Einzelnen wird es unerklärlich, wie er so blind seien konnte. So geschehen in Deutschland nach 1945. Von 100 auf 0 in einem Tag – das war Deutschland zur STUNDE NULL.

Die Masse muss aber nicht immer mit der Macht des Staates zusammengehen, die Macht der Masse kann sich auch gegen den Staat wenden, wenn dieser zu differenziertes Denken, das dem offensichtlichen, ‘gesunden Volksempfinden’ zuwiderläuft, von seinen Bürgern einfordert, dann treten Populisten auf, die einfache Erklärungsmodelle anbieten, mit denen man sich wieder auskennt, wieder Sicherheit gewinnt und Sündenböcke benennen kann.

Das Gegenteil kann natürlich auch geschehen, wenn von der Politik eine Oberflächlichkeit an den Tag gelegt wird, die nach dem Empfinden der Massen nichts mehr mit den täglich erfahrbaren Fakten zu tun hat, dann können Massen radikal werden, im Sinne von, an die Wurzeln der Gesellschaft gehen.

Wenn das kritische Denken im großen Stil praktiziert wird und es zu Revolutionen kommt, ist der Umschlag in den Populismus natürlich immer eine große Gefahr, dann frisst die Revolution Ihre Kinder, denn der Populismus arbeitet mit sehr einfachen, sofort eingängigen Erklärungsmustern und Vorurteilen. Besonders in unsicheren, revolutionären Umbruchzeiten, wie auch der unseren, die vielen Menschen Angst bereiten, ist er sehr erfolgreich und bekommt genügend Rückhalt. Dann wird eine verfeinerte, komplexe Analyse für viele zum Alptraum des intellektuellen Geschwätzes. Und immer wieder ist dabei zu bedenken, die Verbrechen der Nazis haben eben “keine teuflisch-dämonische Tiefe” sondern ‘nur’ eine banale Oberflächlichkeit zur Ursache, die sich mit Widersprüchen und Differenzierungen nicht beschäftigen will (ebenso wenig wie zu Zeiten Stalinistischer Säuberungen, in denen der Weg freigefegt werden sollte, zum einfachen Automatismus eines sich entwickelnden Sozialismusses).

Die pauschale, begriffliche Zuweisung von besorgten und verängstigten Bürgern als “rechtes, rassistisches Pack” bekräftigt strukturell, wogegen sie eigentlich angehen will. Wenn wir aus der Geschichte lernen wollen, dann geht das nur noch, in dem wir immer wieder das kritische Denken lernen und den ewigen Zweifel üben.

Gerade in unseren Internetzeiten, in denen die Oberflächlichkeit in allen Farben herrlich blüht, ist denken, fragen, nachdenken mehr als jemals zuvor angebracht. Nichts sollte ohne einen notwendigen Faktencheck hingenommen werden, alles muss auf den Prüfstand einer objektiven Analyse, dann hat die Banalität des Bösen, dann hat der Populismus keine Chance uns zu verführen.

Auch sollten wir uns das Recht zu kritischem Nachfragen, das Recht verstehen zu wollen, das Recht zu denken nicht durch die vehemente Forderung nach einem positiven Gegenentwurf nehmen lassen. Auch nicht durch den internalisierten –  inzwischen vorauseilenden – Maulkorb, wonach der mit seiner Kritik auf ewig zu schweigen habe, der nicht zugleich mit seiner Kritik Alternativ-Vorschläge vorzubringen hat.

Ich möchte keinen aktuellen Blick auf die verschiedenen derzeitigen  Schauplätze des Populismus werfen, das ist ja gerade das Faszinierende an der menschlichen Vernunft, das wir vielmehr wahrnehmen und verstehen, als wir verbalisieren können. Deshalb geht es mir in erster Linie um die grundsätzliche Lebenshaltung des kritischen Denkens, die zur Sprache befördert, was gerne ungesagt bleiben würde, um den Prozess der ideologischen Konstruktion nicht zu stören. Das Böse als Oberflächenphänomen ist überall am Werk und der Teufel, der es in die Welt bringt, ist nur die Visualisierung der Bequemlichkeit im Denken, von der wir alle permanent versucht werden.

Man kann von keinem Mensch verlangen, das er 24 Stunden auf der Höhe seiner mentalen Fähigkeiten handelt, also vor allem kommuniziert, auch kann man von niemandem verlangen, dass er den Helden spielt und sich sehenden Auges ans Messer liefert. Aber was man schon verlangen kann, dass man sich immer wieder um Verstehen und Einsichten bemüht, dass man sich zu Fehleinschätzungen und -urteilen bekennt und diese revidiert oder höflich nachfragt, wenn man offensichtliche Widersprüche entdeckt, egal ob bei sich selbst, bei Freund oder Feind. Besser wäre es sowieso hier nur noch vom Mitmenschen zu sprechen.

Hannah Arendt hat in ihrer leidenschaftlichen und unerbittlich sachlichen Art bei der Beantwortung einer schriftlichen Interviewanfrage auf perfekte Weise zusammengefaßt, was ich meine. Am 19. September 1963 erhielt sie einen Brief von Samuel Grafton  mit der Bitte, ihm die beiliegenden 13 Fragen zu beantworten, um in die hitzige Debatte um ihr Buch über den Eichmann-Prozess etwas mehr Klarheit zu bringen. Schon am 20. September schrieb sie Grafton unter anderem zurück:

“Das Böse ist ein Oberflächenphänomen. Wir widerstehen dem Bösen nur dann, wenn wir nachdenklich bleiben. Das heißt, indem wir eine andere Dimension erreichen, als die des täglichen Lebens. Je oberflächlicher jemand ist, desto eher wird er sich dem Bösen ergeben. Das ist die Banalität des Bösen. Ein Anzeichen für eine solche Oberflächlichkeit ist der Gebrauch von Klischees.” (JW, S.479f)


Von Hannah Arendt zitierte Schriften:

BWS => Briefwechsel Hannah Arendt/Gershom Scholem, Frankfurt 2010

JW => The Jewish Writings. Edited by Jerome Kohn and Ron H. Feldman, Schocken 2007

LG => Vom Leben des Geistes, Das Denken, München 1998.

VZ => Hannah Arendt, Zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Übungen im politischen Denken I. Hg. von Ursula Ludz, München 1994.

Vertrauen auf die menschlichen Fähigkeiten

“Der Mensch lebt noch überall in der Vorgeschichte, ja alles und jedes steht noch vor Erschaffung der Welt, als einer rechten. Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heißt sich an der Wurzel fassen. Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfaßt und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.”
Ernst Bloch, Prinzip Hoffnung, S. 1628

Wenn Frau Karola zu “dem Bloch” über Ihre Verzagtheit angesichts der fortdauernden Ignoranz und Unfähigkeit des Menschen sprach, sich für eine bessere Welt einzusetzen, sprach “der Bloch” von der Kleinmütigkeit der Zweifler angesichts des grauen Gangs der Geschichte. “Der Bloch” sprach vom langen Atem und dem Vertrauen auf die menschlichen Fähigkeiten, die der Mensch durch ununterbrochene Schulung in Sachen Utopie entwickeln müsse. Schließlich und endlich, sei das SEIN doch noch lange keine ausgemachte Sache – sondern ein Möglichkeitsfeld und er, “der Bloch”, ein Handlungsreisender, der viele wunderbare Bilder aus seinem ontologischen Bauchladen des Noch-Nicht-Seins hervor zu zaubern habe.

Natürlich zitierte auch er immer mal wieder den Spruch: “Hoffen und Harren macht manchen zum Narren.” Aber das war wahrscheinlich nur eine notwendige Opfergabe an die Göttin der intellektuellen Redlichkeit oder war es doch der Vorschein des Menschlichen, bescheiden den Finger erhebend zu einer Nachfrage, angesichts der “überwältigenden Erfolgsgeschichte” des real existierenden Sozialismus.

Was ich mich dabei immer wieder frage, ist, ob “der Bloch” denn auch schon mal über irreversible Kipppunkte nachgedacht hatte, ob er die vielleicht noch gar nicht sehen konnte oder vielleicht auch nicht sehen wollte (was schlimmer wäre) oder ob sie – wenn er sie hätte sehen können – doch zur Belehrung der Hoffnung beigetragen hätten. Und wenn sie beigetragen hätten, wie die Hoffnung – als docta spes – im Anthropozän nicht nur überlebt sondern auch noch fruchtbar zu machen wäre.

Als bekennende radikale Konstruktivisten akzeptieren wir nicht nur den Schein sondern auch den Vorschein und wir sind auch geübt darin, uns jeden noch so großen Scheiß schön zu quatschen – oder etwa nicht?

Vorher – Nachher

Liebe Freunde der Weisheit,

wenn etwas grundsätzlich schief läuft, kann man bei wachem Verstand die Probleme in jedem Detail erkennen, weil Grundsätzlichkeit immer mit ähnlichen Strukturen verbunden ist und damit durch einen systemischen Ansatz erkennbar wird.

Nehmen wir mal Weihnachten, also die Zeit, die man früher mal “die Zeit der Stille” und der Einkehr  nannte und das nicht nur bei christlich geprägte Menschen, sondern auch bei solchen, die von einem – wie auch immer gearteten – spirituellen Materialismus getragen waren und etwas für innere Festlichkeit übrig hatten.

Diese “Zeit der Stille” ist von der Zeit der lärmenden, anarchischen Warenproduktion abgelöst worden, also von Konsum, Hektik, glänzender Leere, marketingmässiger Äußerlichkeit, Größenwahn und selbstoptimierter Sinnfreiheit. Das wäre nicht so schlimm, wir sind schließlich keine Moralisten um der Moral selbst willen. Verheerend wir es eigentlich nur dadurch, dass diese Entleerung der Formen jede Menge Ressourcen entgültig verbraucht, nicht zuletzt auch menschliche und wir eigentlich nur noch auf Pump leben, ein Pump, den wir nie wieder zurückzahlen werden.

Immer wieder ahnen wir etwas von unsere Zukunftsvergessenheit, aber wir betäuben diese Ahnung der Sinnlosigkeit unseres Tuns mit immer lauteren und grelleren Effekten.

Sagt doch einmal selbst, wo soll der Unterschied sein, zwischen einer Tüte Marihuana und einem berauschenden, glühweindurchtränkten Massenerlebnis auf einem Weihnachtsmarkt? Vielleicht ist das Marihuana biologisch angebaut, der Glühwein ganz sicher nicht?

Gut – der Unterschied ist, auf dem Weihnachtsmarkt kann man das Opfer einer nach wie vor ideologisch verblendeten, dogmatisch verengten Welt werden. Gott sei Dank, das Böse ist immer das Andere, das das schon mal klargestellt wird, ein Schelm, der jetzt an Heckler & Koch denkt. Wir tragen nichts mehr von alle dem in uns, wir sind längst übergelaufen in das friedliche Lager der globalisierten Konsumfreunde, wir sind vereint im Konsum und den lassen wir uns durch einen wahnsinnigen Terroristen nicht nehmen, dafür kämpfen wir gemeinsam.

Eines zeigt sich in der Krise deutlich, das Ziel ist erreicht, endlich wird der massenhafte Konsum symbolisch zum politisch motivierten Kampf für die freiheitlich demokratische Grundordnung. Mögen andere mit zweckentfremdeten LKWs, Maschinengewehren, Panzern und Drohnen kämpfen, wir stehen aufrecht dagegen, wir kämpfen mit Glühwein, Rostbratwürsten, Zuckerwatte und süßem Weihnachtsgedudel. Immerhin, das bringt zumindest kurzfristig keinen um.

Und das Schöne ist doch, jeder kann mittun, der eine mehr, der andere weniger, geradeso wie es der persönliche Geldbeutel hergibt und wer nicht genug hat, dem schieben wir durch unsere vielfältigen Transfersysteme ein paar Spielmarken rüber, damit der auch mittun kann, man will gerade an Weihnacht mal nicht so sein.

Alles ist wieder in bester Ordnung: Die Guten haben den Bösen erschossen, jetzt kann Weihnachten kommen.

Viel Spaß noch …

weihnachten-die-zeit-der-stille

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

Joseph von Eichendorff

nachher

Die Erde wird den Kapitalismus besiegen

Liebe Freunde der Weisheit,LeonardoBoff
nachdem ich zur Zeit nicht die notwendige Ruhe finde, eigene Beiträge zu verfassen, möchte ich heute gerne einen Beitrag von Leonardo Boff veröffentlichen, der in vielen Punkten genau meiner Einschätzung der Weltlage entspricht.

Während meines Theologiestudiums in Berlin Ende der 70er / Anfang der 80er Jahre wurde die Befreiungstheologie Lateinamerikas, die verbunden war mit Namen wie Leonardo Boff oder Ernesto Cardenal, in den theologischen Studentenkreisen heiß diskutiert.

Was uns natürlich besonders empörte, war die Haltung, die die röm.kath. Amtskirche gegenüber der Befreiungstheologie einnahm. Daß die Glaubenskongregation, seit 1542 besser bekannt unter dem Namen “Inquisition” Theologen wie Leonardo Boff 1985 ein Rede- und Lehrverbot aufgrund seiner “Irrlehren” erteilte, empfanden wir als einen Skandal, daß Jahre später der damalige Leiter der Glaubenskongregation Kardinal Joseph Ratzinger noch zum Papst Benedikt XVI. wurde, werteten wir als eine Bestätigung unserer Einschätzung der röm.kath. Amtskirche.

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»Docta spes« meine Damen und Herren, »Docta spes«

“Der Mensch ist etwas, was erst noch gefunden werden muß”
Ernst Bloch, Spuren
Ernst-Bloch_2
Als ich vor mehr als 30 Jahren an einem mehrhundertseitigen Manuskript zur Eschatologie im Denken Ernst Blochs schrieb, auch weil ich damals die Hoffnung damit verband, damit promoviert zu werden, war meine transzendentale Obdachlosigkeit (Lukács) vollständig substituiert von der Blochschen Hoffnung auf ein sozialistisches Reich Gottes. Später als das Manuskript auf unerklärliche Weise in den Tiefen eines undurchdringlichen Dickichts, genannt Dachboden, verschwand, verblaste auch nach und nach die Erinnerung an die Utopie einer besseren Welt im neuronalen Spinnwebwald meines Gehirns.

Trotzalledem! Heute, 30 Jahre später, wird mir bei der erneuten Lektüren von “Atheismus im Christentum”, des “Geist der Utopie” oder des “Prinzip Hoffnung” schlagartig bewußt, wie tief mein Denken noch heute von der Philosophie Ernst Blochs und dem “In-Möglichkeit-Sein” geprägt ist und wie viel ich dem Studium seines Werkes in jungen Jahren für mein Leben zu verdanken habe.

Spurensuche!

Der Blick aufs merkwürdige Detail, das Dunkel des gelebten Augenblicks, die elastische Zeitstruktur, Vor-Schein, aufrechter Gang, NochNichtSein, beerbte Religion, Ungleichzeitigkeit, Tendenzkunde, Novum, Experimentum mundi, Unabgegoltenheit und noch viele, viele weitere Begriffe kommen mir aus der Dunkelheit des Vergangenen entgegen und lassen ein vages trotzdem behagliches Gefühl von “Heimat” im Raum des Denkens entstehen. »Docta spes« meine Damen und Herren, »Docta spes« weiterlesen