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Wintersonnenwende und Rauhnächte

Ein Weihnachtslied von
Christian Morgenstern

Wintersonnenwende!
Nacht ist nun zu Ende!
Schenkest, göttliches Gestirn,
neu dein Herz an Thal und Firn!

O der teuren Brände!
Hebet hoch die Hände!
Lasset uns die Gute loben!
Liebe, Liebe, Dir da droben!

Wintersonnenwende!
Nacht hat nun ein Ende!
Tag hebt an, goldgoldner Tag,
Blühn und Glühn und Lerchenschlag!

O du Schlummers Wende!
O du Kummers Ende!

Rauhnächte_2-2

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Vieles was uns Heutigen als mystisch, geheimnisvoll erscheint, weist lange Traditionsketten nicht nur im sog. ‘Volksglauben’, sondern auch in seiner praktischen Bedeutung für das Leben früherer Generationen auf.

Z.B. die Wintersonnenwende vom 21. auf den 22. Dezember. Nach dieser längsten Nacht des Jahres werden die Tage wieder länger und das Licht wird quasi neu geboren, so daß es bis zum Lichterfest an Weihnachten wieder einen schöpferisch, kraftenden Platz im Jahreslauf der Menschen inmitten der Natur einnimmt.

Für uns ‘technisch Hochzivilisierten’ spielt Licht nicht mehr annähern die Rolle in unserem Alltag wie z.B. für die Menschen des 19. Jahrhunderts, deren Jahr in den meisten Fällen noch analog zum Jahreslauf von Natur und Kosmos verlief. Wenn jedoch “am Weihnachtsbaum die Lichter brennen”, dann wird unser Herz nicht nur durch Erinnerungen an unbeschwerte, selige Kindertage, sondern auch durch die mächtigen Erinnerungsfelder früherer Generationen erhellt.

Wenn wir zwischen der Wintersonnenwende und Dreikönig die 12 wilden Rauhnächte durchleben (egal ob von der Wintersonnenwende bis Neujahr oder von Weihnachten bis Dreikönig), dann sollten wir in dieser Zeit nicht nur den Torweg zwischen altem und neuem Jahr durchschreiten, in dem wir das vergangenen Jahr wie ein altes paar Schuhe zurücklassen, sondern auch die Wirkkraft dieses Erinnerungsfeldes versuchen wahrzunehmen. Das hat nichts mit Esoterik zu tun aber sehr, sehr viel mit einer Verfeinerung unseres Wahrnehmungsvermögens, das unser Leben vielleicht nicht einfacher aber reicher macht und ohne einen einzige Euro investieren zu müssen.

Die Differenz der 12 Nächste zwischen dem Mond- und dem Sonnenkalender kennen wir als alten Brauch – quasi als Meditationsraum, in dem man sich konzentriert auf das neue Jahr vorbereitet – nutzen wir diesen alten Brauch für unser ganz eigenes Leben. Der Neustark wird uns kraftvoller gelingen.