Angelika Kaufmann // LB II-137-01

Kauffmann.
Curriculum vitae

Plan-Materialisierung / Sternzeit im Kalender GregorX3: 1741-10-30

Im Sternbild Skorpion

Terrestrischer Spannungsbogen in dieser Materialisierungsphase
Chur – London – Rom

Plan-Ent-Materialisierung / Sternzeit im Kalender GregorX3: 1807-11-05

Lebensdaten siehe Wikipedia >>>

.

Wenn sie nicht wahrhaft schön waren, die sie malte, dann hat sie die innere Schönheit der Menschen auf die Leinwand gebracht, manche – wie Goethe – waren darüber irritiert, viele aber wollten sich gerne an der Wand so hängen sehen, wie sie von ihr gesehen wurden, deshalb zahlten sie gut, so gut, daß sie in ihren Londoner Jahren von 1766 bis 1781 fast so viel verdiente, wie der große Reynolds – der sie gerne geheiratet hätte, den sie aber nur als guten Freund akzeptieren wollte.

Ihr Ruhm hatte sich in London sehr schnell entwickelt, schon 1768 wurde sie vom König neben Mary Moser (deren Blumenbilder wir noch heute bewundern) als einzige Frau neben 32 Herren zum Gründungsmitglied der Royal Academy ernannt.

Wenn es um Schönheit ging, verlor sie bisweilen Ihren sicheren Instinkt! Der Hallodri Brandt, der verkrachte Heckenbankert vom Grafen Horn, der hät’ sie nie zur Heirat bringen können, wenn er halt net gar so schön gewesen wär, der falsche Herr Graf … die Ehe nach 4 Wochen wieder zu scheiden, das hat sie einen großen Teil ihres beträchtlichen Vermögens – das sie sich mit äußerster Disziplin hart ermalt hatte – gekostet.

Schwarzenberg – London – (nein nicht New York sondern) Rom waren die wichtigsten Orte ihres Lebens – mit Winckelmann verband sie eine lebenslange Freundschaft, schade, daß er zwar an Schönheit und Kunstgeschichte sehr interessiert war, aber nicht wirklich an der Schönheit des weiblichen Geschlechts. Naja, als sie schließlich 1782 aus London mit ihrem zweiten Ehemann, dem Maler und Ihrem zukünftigen Manager (ihr Vater war im Januar 1782 gestorben) Antonio Zucchi aus London nach Rom zurückkehrte, da war Winckelmann schon 13 Jahre tot, ob er übrigens nur aus Habgier oder auch aus Leidenschaft eines jungen Liebhabers in Triest ermordet wurde, ist nie wirklich geklärt worden.

Angelika Kauffmann wurde in Chur geborenen, das ist schon einige Fußmärsche von Schwarzenberg im Bregenzerwald entfernt, aber es gibt so etwas wie eine geistige Heimat, die sich mit intensiven Bildern einer Region verbindet. Ihre ersten Jahre sind mit unendlich vielen Reisen verbunden, als Maler mußte der Vater sehn, wer ihm Aufträge gab und schließlich ging es ja auch um die gute Ausbildung der Tochter und da war der Comer See natürlich besser als Schwarzenberg, trotzdem blieb die Verbundenheit des Vaters mit der Heimat immer bestehen (und noch kurz vor seinen Tod reiste er noch mal mit seiner Tochter in die Heimat des Bregenzerwalds).

Dieses Heimatgefühl übertrug sich auch auf seine Tochter, obwohl sie nie wirklich in Schwarzenberg gelebt hatte, schenke sie zum Zeichen ihrer Verbundenheit noch viele Jahre später, als sie schon längst die überaus bedeutende Künstlerin mit Wohnsitz in Rom geworden war, der kleine Kirche in ihrem Heimatdorf Schwarzenberg ein von ihr passend gemaltes Altarbild, wovon der Ort heute noch lebt, oder wer würde Schwarzenberg schon kennen, wenn es Angelika Kauffmann nicht gäbe, wegen der unendlich vielen Kartoffelkisten, die seit Jahren im Bregenzerwald gebaut werden und die eine Schande für den wunderbaren Werkstoff Holz (und die wunderbare Landschaft) sind, würde sicher kaum jemand dorthin reisen. Holz wächst übrigens immer noch üppig im Bregenzerwald und wunderbare alte Architektur des Bregenzerwalds kann man in Schwarzenberg immer noch besichtigen.

Wenn ich an Schwarzenberg, die imaginäre Heimat Angelika Kauffmanns denke, dann fällt mir immer auch zugleich der alte Adalbert Stifter ein, der noch ein Jahr vor seinem Tod seine Heimat im Böhmerwald besuchte und den wunderbaren kurzen Text: “Mein Leben” verfaßte, in dem wir am Schluß lesen können: “”Ich mache Schwarzbach!” In meiner Erinnerung ist lauter Sommer, den ich durch das Fenster sah, von einem Winter ist von damals gar nichts in meiner Einbildungskraft.”

Schwarzbach oder Schwarzenberg, Böhmerwald oder Bregenzerwald, es ist der Topos, das Fenster auf dessen Fensterbank jeder Künstler sitzt. Jeder Kreative hat dies Fenster, durch das er auf die Welt und sein Leben blickt, um dies alles künstlerisch zu verarbeiten. Und ganz ehrlich, es hat für das, was später der Nachwelt als Kunstwerke hinterlassen wurde, eine nicht unerhebliche Bedeutung, ob die Fensterbretter in den Kindheiten der Künstler groß genug und gemütlich genug ware, um die Welt von dort aus zu betrachten!

In dem winzigen Nest mit seinen alten Bregenzer Stuben, gab es jedenfalls genügend Fensterbretter, die ihre Dienste ein ganzes Leben lang der Phantasie anbieten konnten. Schwarzenberg war zu Angelika Kauffmanns Zeiten noch ganz ohne befestigte Straße, ohne Anbindung an den schon im 18. Jahrhundert tobenden Nord-Südverkehr, aber es hatte einen großen melancholischen Reiz, von dem man noch heute etwas zu spüren vermag.

Wenn man bedenkt wie es war, als ein Ausnahmetalent wie Angelika Kauffmann in diesem Nest aufgetreten ist und schon mit 16 Jahren die Apostel schöner und ausdrucksstärker als ihr Vater und Lehrmeister an die Wand der nach dem Brand neu errichteten Kirche gemalt hat (was man heute noch sehen kann!), dann muß man sich schon fragen, ob z.B. künstlerische Größe wirklich nur eine Frage der Epigenetik, also der durch das familiäre und genetische Umfeld umgelegten Genschalter und die unmittelbare Vererbung von Talenten, also Informationen ist, oder ob man es hier nicht doch eher mit einem künstlerischen Akkumulationsprozeß durch viele Wiedergeburten zu tun hat.

Dieser geistige Akkumulationsprozeß über viele Leben, in denen sich nicht nur der Geist den Körper, sondern auch der Körper den Geist sucht, kann schließlich in einem entsprechenden Umfeld, wie im Falle Angelika Kauffmanns der malende Vater oder wie z.B. im Falle Mozarts die musizierende Familie, zum “genialischen Ausbruch” kommen und schon haben wir es in der Kunstgeschichte wieder mit einem Wunderkind zu tun.

Jedenfalls und leider fing für Angelika Kauffmann das Leben mit 66 Jahren nicht an, sondern war erstmal zuende und wir können nur vermuten, daß nach so einem intensiven Leben der akkumulierte Geist entweder zerfällt oder für eine Weile in Ruhestand geht, zumindest hat man  von keinen Reinkarnationen der Angelika Kauffmann je gehört oder etwas in diese Richtung Hindeutendes gesehen.

Kauffmann hinundhergerissen zwischen Musik und Malerei

Veröffentlicht unter ADN-Logbuch II – Denker | Hinterlasse einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.