Der alte Turmhahn

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Der alte Turmhahn

von Eduard Mörike mit einer
Illustration von Ludwig Richter

Zu Cleversulzbach im Unterland
Hundertunddreizehn Jahr ich stand,
Auf dem Kirchenturm ein guter Hahn,
Als ein Zierat und Wetterfahn.
In Sturm und Wind und Regennacht
Hab ich allzeit das Dorf bewacht.
Manch falber Blitz hat mich gestreift,
Der Frost mein’ roten Kamm bereift,
Auch manchen lieben Sommertag,
Da man gern Schatten haben mag,
Hat mir die Sonne unverwandt
Auf meinen goldigen Leib gebrannt.
So ward ich schwarz für Alter ganz,
Und weg ist aller Glitz und Glanz.
Da haben sie mich denn zuletzt
Veracht’t und schmählich abgesetzt.
Meinthalb! So ist der Welt ihr Lauf,
Jetzt tun sie einen andern ‘nauf.
Stolzier, prachtier und dreh dich nur!
Dir macht der Wind noch andre Cour.

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Der achtfache Pfad

Im Buddhismus gibt es einen fundamentalen Schulungsweg, um zur Erleuchtung, zur Befreiung von unserer Lebensangst zu kommen.

Dieser Schulungsweg wird als der achtfache Pfad bezeichnet,wenn wir lange genug darüber meditieren, dann können wir ihn ansatzweise verstehen und uns aus dem Kreislauf des Samsara befreien:

Blume

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1.Wegmarke:

Als erstes benötigen wir eine rechte Einsicht
in die Notwendigkeit des Schulungsweges

2. Wegmarke:

Dann benötigen wir das rechte Denken,
die rechte Gesinnung

3. Wegmarke:

Wenn wir das rechte Denken verwirklicht haben,
können wir die rechte Rede führen

4. Wegmarke:

und im nächsten Schritt auch recht Handeln

5. Wegmarke:

Wenn wir die ersten 4 Wegmarken erreicht haben, dann müssen wir uns auch um den rechten Lebenserwerb kümmern.

6. Wegmarke:

Die ganzen Wegmarken können wir nur erreichen, wenn wir von einer rechten Anstrengung getragen werden.

7. Wegmarke:

All diese Schritten bleiben vergebens, wenn wir nicht die rechte Achtsamkeit entwickeln, die uns hilft jedes Detail auf unserem Schulungsweg wahrzunehmen.

8. Wegmarke:

Wenn wir all diese Wegmarken absolviert haben, sollten wir rechte Konzentration gewonnen haben, um in rechter Meditation uns von unserer Lebensangst immer wieder zu befreien.

Der achtfache Pfad ist keine Übung, die wir einmal zu durchlaufen haben und dann ein neues Leben beginnen können, dieser Schulungsweg ist unser ganzes Leben lang immer und immerwieder zu gehen!!!

Tag der Abrechnung

Ist’s an Lichtmess hell und rein,P1100810
wird ein langer Winter sein.
Wenn es aber stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit.

Am 2. Februar zu Mariä Lichtmeß wird abgerechnet, es beginnt ein neues Bauernjahr, der Herr und “sein” Knecht, sie können sich entscheiden, ob man ein weiteres Jahr zusammen arbeiten will. Fällt der Rest des Jahreslohnes mager aus, ist’s besser, trotz Schnee und Eis, aufzubrechen, anderenfalls verlängert man per Handschlag um ein weiteres Jahr.

Aber auch jedem Anfang wohnt ein Zauber inne und Gott sei Dank geht’s ja dem Frühjahr zu und das Licht scheint schon eine Stunde länger als zur Wintersonnenwende.

Im Schwäbisch-Alemannischen soll ja die Fastnacht beginnen und dem Winter wird der Gar ausgemacht. Hoffentlich hat der Bauer noch die Hälfte vom Futter, sonst geht’s den Tieren bald an den Kragen.

Mariä Lichtmeß – neue Schuhe – neue Liebe – neues Glück, im nächsten Tal kann noch vieles Unbekannte auf einen warten und Essen kann man jetzt den ganzen Tag bei Licht und die Sonne erstrahlt auch schon zur Frühmesse.

Auch die wandernden Händler machen sich jetzt mit ihrer Kraxe auf den Weg, um im nächsten Dorf oder auch über die Alpen, wenn die Kraft es zuläßt, die eine oder andere Uhr aus dem Schwarzwald zu verkaufen.

Dann hoffen wir mal, daß das Murmeltier für die nächsten 6 Wochen nicht wieder zurück in seinen Bau geht  . . .

Das Abendmahl

Egal ob man das Original von Leonardo da Vinci, das er in den Jahren 1494 bis 1498 im Auftrag des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza im Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand geschaffen hat, ansieht oder eine der zahlreichen Kopien seiner Schüler oder der Maler, die zum Kreis Leonardos in Mailand gehörten, immer drängt sich Maria Magdalene und die V-Symbolik in die aufmerksame Betrachtung, egal was mir die Kunsthistoriker über den androgynen Lieblingsjünger Johannes erzählen. Schaut Euch doch mal eine der vielen Kopien vorurteilsfrei an, z.B. diese, seht Ihr Johannes oder seht Ihr Maria Magdalena, vor allem wenn man bedenkt, daß man ansonsten eigentlich nur gestandene Kerle sieht?

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