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Das IV Laterankonzil von 1215 und dieser Stapel Baumstämme

Gefällte Bäume

Mancher von Euch wird sich fragen, was dieser Stapel Baumstämme mit dem IV Laterankonzil von 1215 zu tun hat. Die Antwort ist einfach: Zunächst mal gar nichts. Erst wenn man anfängt sich Fragen vorzulegen, gelangt man plötzlich in das frühe 13. Jahrhundert.

Wie das? Nun ganz einfach, wenn man alle Jahresringe, die man hier auf dem Foto sieht, zusammenzählt, dann kommt man auf 800 Jahre. 800 Jahre waren also notwendig, um diese sehr kleine Anzahl Baumstämme wachsen zu lassen. Und wenn man 800 Jahre in der Geschichte zurückgeht, dann gelangt man ins letzte Drittel des Mittelalter, z.B. in das Jahr 1215 in dem z.B. während es IV Laterankonzils der Orden der Franziskaner Mönche von der römischen Kurie anerkannt wurde.

Uns kommt diese Zeitstrecke unfaßbar lang vor, wenn wir uns klar machen, was in diesen 800 Jahren alles geschehen ist und dennoch gehen wir mit diesen Bäumen, die insgesamt 800 Jahre benötigten, um zu wachsen so um, als hätte ihr Wachstum 14 Tage gedauert.

Ohne unsere wunderbaren Wälder wäre ein Leben auf unserem schönen, blauen Heimatplaneten nicht möglich, aber Wälder sind natürlich nicht nur Balsam für unsere – in der Moderne – geschundene Seele, sie erfüllen auch wichtige Funktionen, nicht umsonst gelten sie als grüne Lungen des Planeten, sie produzieren Sauerstoff und speichern Kohlenstoff. Für unser globales wie lokales Klima sind sie von essentieller Bedeutung.

Anfang des 19. Jahrhundert, als die Romantiker den deutschen Wald besangen, waren wir schon mal soweit, daß wir durch gewachsenen Lebensstandard, aber vor allem durch die  industriellen Revolution, dem deutschen Wald fast den Garaus gemacht hatten, erst nach der Umstellung von Holz- auf Steinkohle begann man, den deutschen Wald wieder aufzuforsten und die Ideen der Nachhaltigkeit  in der Waldwirtschaft zu beherzigen, also nicht mehr Bäume zu schlagen, als in einem festgelegten Zeitraum, also z.B. einem Jahr nachwachsen würde.

Holz ist aus tausenderlei Gründen ein überaus kostbarer Rohstoff, bei dessen Verwertung wir uns sehr genau überlegen sollten, welcher Verwendung wir diesen Rohstoff zuführen. Zumindest in den hochtechnisierten Ländern Europas, ist es eine aberwitzige Idee, diesen kostbaren Rohstoff Holz wieder als regelmäßigen Brennstoff einzusetzen.
Wobei das kostbare Holz nicht nur verschwendet wird, sondern obendrein keine wirklich neutrale CO2 Bilanz aufweisen kann, da durch die gesamte Verarbeitungskette, wesentlich mehr CO2 freigesetzt wird, als der Baum vorher gebunden hat.
Wie es überall zu beobachten ist, wird der ökologische Rucksack den Pelletheizungen mit sich herumtragen wieder aus ideologischen nicht berücksichtigt, Holz gilt als CO2 neutrale, nachhaltige Energiequelle und fertig, keine weitere Diskussion erwünscht.

Leider gelangt man bei genauem Nachdenken immer in die grundsätzlichen Problemfelder hinein. Wenn wir z.B. nicht so stark auf Wachstum programmiert wären und dadurch ständig neu konsumieren müßten, dann könnten wir einen anderen Umgang mit den Waren pflegen, die aus Holz hergestellt werden.
Wenn wir z.B. einen Vollholzschrank einmal in unserem Leben anschaffen würden, wofür ein gewisses überschaubares Quantum an ökologisch sauber geschlagenem Holz notwendig wäre, dann könnten wir es problemlos akzeptieren, daß der Rohstoff Holz eben so teuer ist, wie er sein muß, wenn der Wald und sein Boden aus ökologischer Sicht nicht übergebühr beansprucht würde.
Aber da wir uns inzwischen angewöhnt haben, daß wir ständig etwas Neues brauchen und z.B. alte, voll funktionsfähige Möbel einfach wegschmeißen, z.B. einen Vollholzschrank aus dem Schwarzwald eintauschen gegen ein Pressspanteil aus China, brauchen wir ständig von allen beteiligten Rohstoffe immer mehr und natürlich auch immer billiger, weil wir uns ja nichts fürs Leben anschaffen wollen, sondern nur für ein paar Jahre.

Auch der wachsende Papierbedarf stellt ein riesiges Probleme dar, allein in Deutschland liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Papier derzeit bei rund 230 Kilogramm im Jahr, wenn man nur daran denkt, wieviel Prospekte, Werbezeitschriften und dicke Kataloge man ständig in den Papiercontainer wirft, dann braucht man sich nicht wundern, wieso wir so einen hohen Bedarf an Holz haben.

Aufgrund der Zwangsökonomisierung aller Lebensverhältnisse in den letzten 25 Jahren, müssen wir einfach davon ausgehen, daß nurmehr ökonomische Interessen die Waldwirtschaft dominieren und soziale wie ökologische Belange bestenfalls fürs Marketing und als gern gesehenes Abfallprodukt der Holzwirtschaft gut sind.

Die negativen Folgen für Umwelt und Gesellschaft sind vorprogrammiert, zumal die postmodernen Erntemethoden mit Vollerntern und riesigen Rückefahrzeugen nicht nur den Bäumen sondern auch den Waldböden den Garaus machen. Was das Schlimme dabei ist, ein Waldboden, der durch entsprechenden Maschineneinsatz versaut ist, benötigt viel viel länger als ein Baum der nachwächst, natürlich wächst er auf den maschinell verrotteten Böden nicht mehr so gut, wie auf einem guten Waldboden, aber immerhin er wächst, was man in dem zeitlichen Rahmen, den wir von den Bäumen kennen, beim Boden nicht sagen kann.

Wenn wir bei unseren nächsten Spaziergängen an solchen Stapeln von Bäumen vorbeiwandern und jetzt nach der Holzernte laufen wir an vielen solcher Holzstapel vorbei, dann sollten wir uns alle überlegen, was wir tun können, damit diese Bäume nicht ganz umsonst getötet wurden, denn Bäume sind von Ihrer biologisch-genetischen Seite her, viel näher an uns dran als wir vielleicht vermuten würde und mit jeder neuen wissenschaftlichen Erkenntnis über den Organismus Wald und seine ausgeklügelten Kommunikationssysteme, rücken sie näher an uns heran.

Sollen wir unsere Lebensgrundlage wirklich schreddern, zu Pellets verpressen und in den Ofen schieben?