Schlagwort-Archiv: Logbuch-Mikrogramme ADN

ADN-Logbuch VII – NATUR

Natur
Der Watzmann (Ludwig Richter – 1824)
Ausschnitt und Fotomontage

Editorische Vorbemerkung

Mein ADN-Blog kann Neudeutsch als eine Art „Edition in Process“ verstanden werden, d.h. während ich die Logbücher Anselm Dals (siehe auch meine Vorbemerkungen zum Logbuch VI) editiere, stelle ich meine Ergebnisse hier in den Blog, so daß jeder Besucher des Blogs meine Arbeit – die wahrscheinlich noch Jahre dauern wird – mitverfolgen kann.

Anselm Dal hat seine Nachtmeerfahrten in sieben Logbüchern dokumentiert.

Alle Eintragungen sind wie in einem Logbuch durchgehend nummeriert nach dem Schema: LB-VII-100-01 was soviel bedeutet wie: Logbuch Nummer VII (NATUR) / Haupteintrag mit der Nummer 100 / Untereintrag mit der Nummer 01.

Auf zeitliche Hinweise wird bei den Logbucheintragungen verzichtet, ich nehme an – einen Beweis dafür kann ich leider nicht erbringen – daß damit jedem Versuch einer Interpretation einer zeitlicher Weiterentwicklung vorgebeugt werden sollte (selbst wenn die Eintragungen niemals von Dal zur Veröffentlichung bestimmt waren, kann dieses Vorgehen doch auch als Selbstschutz vor eigener Geschichtsfälschung betrachtet werden!), ein Eintrag also der z.B. 1979 (dem ersten Jahr aus dem Einträge stammen) vorgenommen wurde, soll völlig gleichwertig neben einem Eintrag von 2012 stehen, die quantitative Zeitspanne von 33 Jahren soll nicht in eine qualitative Weiterentwicklung uminterpretierbar sein.

Diese These wird auch dadurch untermauert, daß Dal seine Eintragungen in den Logbüchern nicht im Fortgang der Seiten von 1 bis 210 vorgenommen hat, sondern auf den ersten Blick völlig willkürlich vornahm. Ein Eintrag von 1979 kann nicht nur auf Seite 1 sondern auch auf Seite 100 stehen. Durch den Fortgang der Eintragungen kann dadurch ein Eintrag von 2001 neben einem Eintrag von 1984 stehen und so weiter.

Erst wenn wir einen größeren Teil der Einträge entziffert haben, können wir vielleicht eine Theorie entwickeln, daß die Platzierungen der Einträge einem strukturellen Plan für das Ganze entsprechen, bislang ist es aber noch zu früh, um solche Überlegungen anzustellen.

Noch ein Wort zu der Art wie Anselm Dal seine Eintragungen vorgenommen hat. Alle Eintragungen wurden mit Füllfederhalter und in der Regel mit schwarzer aber auch mit roter und grüner Tinte ausgeführt ( auf die rote und grüne Tinte weise ich bei den einzelnen Eintragungen hin).

Die Schrift Dals ist mikroskopisch klein insofern hat sie mich an die Microgramme Robert Walsers erinnert, dieser hatte seine Notizen allerdings mit einem extrem fein gespitzten Bleistift ausgeführt, während Anselm Dal immer Füllfederhalter mit einer SF (superfeinen) Spitze benutzt hat.

Jedes Logbuch beginnt immer mit einem Bild, wie dem hier abgebildeten von Ludwig Richter, das wohl summarisch für den gesamten Inhalt des Logbuchs stehen soll. Aber auch sehr viele Eintragungen hat Dal durch eingeklebte Bilder ergänzt, ich versuche diese soweit es technisch möglich ist, im Blog aufzunehmen, ihre Herkunft und u.U. auch ihre Bedeutung näher zu erklären, soweit es aus den Eintragungen Dals nicht selbst schon ersichtlich wird.

Was man hier an dem Bild „Der Watzmann“ von Ludwig Richter exemplarisch sehr gut sehen kann, hat Anselm Dal in seinen Logbüchern fast niemals komplette Bilder übernommen, er hat fast immer nur Ausschnitte gewählt, die ihm besonders wichtig waren, darüber hinaus hat er Bilder oft auch stark montiert und verfremdet – wie man hier sehen kann (ich komme darauf zurück bei dem entsprechenden Logbucheintrag).

Logbuch-VIIWas erwartet uns im Logbuch VII

Ich versuche nun einige Gedanken zusammenzutragen, warum das siebte und damit letzte Logbuch von Dal die Bezeichnung „Natur“ trägt.

Diesem Logbuch merkt man deutlich an, daß hier in Dals Brust unentwegt zwei Seelen miteinander gerungen haben, einerseits eine unglaubliche Leidenschaft für alles unmittelbare Erleben der Natur und anderseits, beinahe gleichzeitig ein Verzweifeln an der Unmöglichkeit die Natur überhaupt noch unmittelbar erleben zu können.

Dieses ständige Erleben von Zauber und Entfremdung, das Verschwimmen von Kultur(geschichte) und Natur(geschichte). Immerwieder versucht Dal in seinen Gedanken dieses Ineinanderfließen der beiden Welten zu beschreiben und immer wieder thematisiert es das Scheitern, so wie er an einer Stelle aus Klaus Modicks Erzählung „Moos“ in seinem Logbuch notiert:

„Ich kam nach hier. Nun bin ich im hier. Jetzt und immer. Wenn ich mit dem Moos in die letzte Landschaft geschwommen sein werde, an den Ort der bewegten Ruhe, dann wird der See auch wieder See sein, der Wald wieder Wald, das Moos einfach Moos. Und sonst gar nichts. Ich werde Wald sein, See sein, Moos.“ (Seite 119)

„Unter dem grauenhaften Terminus „Leucobryum glaucum“ wird die Schönheit des Weißmooses, der Ordenskissen, unter wissenschaftlicher Kontrolle gehalten. (…) Die Vernichtung des Namens durch den Begriff, des lebendigen Ausdrucks durch den Terminus, hat die Entfremdung des Menschen von der ihn umgebenden Natur beschleunigt und besiegelt.“ ( S. 122 + 35f.)

Ich bin der Meinung, daß Dal sich dieses Zitat kommentarlos deshalb notiert hat, weil er ebenso, wie der dreiundsiebzigjährige Botanikprofessor Lukas Ohlburg empfindet.

Die im Logbuch VII eingetragenen Gedanken sind einerseits von dem Versuch gekennzeichnet, dem unmittelbaren Naturerleben nachzuspüren und andererseits ein Abschildern von Wahrnehmungen bei sich selbst hinnehmen zu müssen, die durch die Brille einer mehrtausendjährigen Kulturgeschichte entfremdet sind vom unmittelbaren Sein, die gezeichnet sind von der Seinsvergessenheit, in der sich Kulturgeschichte vollzogen hat und immernoch vollzieht.

So wie dem dreiundsiebzigjährigen Lukas Ohlburg in Modicks Erzählung gegen Ende seines Lebens die Klassifikationssysteme der Naturwissenschaft fremd werden, weil er verstand hat, daß die Klassifikationssysteme der Naturwissenschaft den Menschen von der Natur entfremden, so mißtraut meiner Meinung nach auch Anselm Dal immer mehr den Begriffen und wendet sich immer mehr den Bildern, besonders den tief sitzenden archetypischen Bildern zu.

Immer wieder finden sich Eintragungen in denen die Naturwissenschaft Goethes der modernen Art von Wissenschaft gegenüber gestellt wird. Oder aber Zitate Adornos aus der „Negativen Dialektik“ bei denen es z.B. heißt: „Die Utopie der Erkenntnis wäre, das Begriffslose mit Begriffen aufzutun, ohne es Ihnen gleichzumachen.“ (ND, S.19)

So kommt neben dem Wahrnehmen des Naturschönen immer wieder Dals Wunsch zum Ausdruck, der Mensch möge endlich bedingungslos vor der Natur kapitulieren, den Krieg, den er gegen sie führt, beenden, die weiße Fahne schwingen und endlich damit beginnen wahrhaft von Ihr zu lernen.

Was sich allerdings auch immer wieder in diesem Logbuch findet, sind Exzerpte und Gedanken zur Naturzerstörung, zum Klimawandel und zu den wunderbaren Kreisläufen, die es in der Natur gibt, den Kreisläufen, die auch immer wieder an ihren Ausgangspunkt zurückfindet, anstatt wie bei allem Menschengemachten in den diversen Katastrophen anzukommen.

ADN-Logbuch VI – ÜBER DAL

ÜBER DALEditorische Vorbemerkung

Mein ADN-Blog kann Neudeutsch als eine Art „Edition in Process“ verstanden werden, d.h. während ich die Logbücher Anselm Dals (siehe auch meine Vorbemerkungen zum Logbuch 6) editiere, stelle ich meine Ergebnisse hier in den Blog, so daß jeder Besucher des Blogs meine Arbeit – die wahrscheinlich noch Jahre dauern wird – mitverfolgen kann.

Anselm Dal hat seine Nachtmeerfahrten in sieben Logbüchern dokumentiert.ADN-Logbuecher-1-7

Alle Eintragungen sind wie in einem Logbuch durchgehend nummeriert nach dem Schema: LB-VI-100-01 was soviel bedeutet wie:
Logbuch Nummer VI (ÜBER DAL) / Haupteintrag mit der Nummer 100 / Untereintrag mit der Nummer 01.

Auf zeitliche Hinweise wird bei den Logbucheintragungen verzichtet, ich nehme an – einen Beweis dafür kann ich leider nicht erbringen – daß damit jedem Versuch einer Interpretation einer zeitlicher Weiterentwicklung vorgebeugt werden sollte (selbst wenn die Eintragungen niemals von Dal zur Veröffentlichung bestimmt waren, kann dieses Vorgehen doch auch als Selbstschutz vor eigener Geschichtsfälschung gewertet werden!), ein Eintrag also der z.B. 1979 (dem ersten Jahr aus dem Einträge stammen) vorgenommen wurde, soll völlig gleichwertig neben einem Eintrag von 2012 stehen, die quantitative Zeitspanne von 33 Jahren soll nicht in eine qualitative Weiterentwicklung uminterpretierbar sein.

Diese These wird auch dadurch untermauert, daß Dal seine Eintragungen in den Logbüchern nicht im Fortgang der Seiten von 1 bis 210 vorgenommen hat, sondern auf den ersten Blick völlig willkürlich vornahm. Ein Eintrag von 1979 kann nicht nur auf Seite 1 sondern auch auf Seite 100 stehen. Durch den Fortgang der Eintragungen kann dadurch ein Eintrag von 2001 neben einem Eintrag von 1984 stehen und so weiter.

Erst wenn wir einen größeren Teil der Einträge entziffert haben, können wir vielleicht eine Theorie entwickeln, daß die Platzierungen der Einträge einem strukturellen Plan für das Ganze entsprechen, bislang ist es aber noch zu früh, um solche Überlegungen anzustellen.

Noch ein Wort zu der Art wie Anselm Dal seine Eintragungen vorgenommen hat. Alle Eintragungen wurden mit Füllfederhalter und in der Regel mit schwarzer aber auch mit roter und grüner Tinte ausgeführt ( auf die rote und grüne Tinte weise ich bei den einzelnen Eintragungen hin).

Die Schrift Dals ist mikroskopisch klein insofern hat sie mich an die Microgramme Robert Walsers erinnert, dieser hatte seine Notizen allerdings mit einem extrem fein gespitzten Bleistift ausgeführt, während Anselm Dal immer Füllfederhalter mit einer SF (superfeinen) Spitze benutzt hat.

Jedes Logbuch beginnt immer mit einem Bild (wie dem hier abgebildeten von Ephraim Moshe Lilien, das er für seinen Freund Verthold Feiwel 1902 als Ex Libris gezeichnet hat), das wohl summarisch für den gesamten Inhalt des Logbuchs stehen soll. Aber auch sehr viele Eintragungen hat Dal durch eingeklebte Bilder ergänzt, ich versuche diese soweit es technisch möglich ist, im Blog aufzunehmen, ihre Herkunft und u.U. auch ihre Bedeutung näher zu erklären, soweit es aus den Eintragungen Dals nicht selbst schon hervor geht.

Logbuch-VIWas erwartet uns im Logbuch VI

Ich versuche nun einige Gedanken dazu zu entwickeln, warum das sechste Logbuch von Dal mit den zwei Wörtern „ÜBER DAL“ bezeichnet wurde und wie ich bei der Aufarbeitung des sechsten Logbuchs vorgegangen bin und weiter vorgehen möchte.

Zunächst wird sich jeder Leser fragen, weshalb Dal im Logbuch VI von sich in der dritten Person singular und nicht in der ersten Person spricht. Das kann ich inzwischen leicht beantworten, Dal hat es sich über die Jahre zur Gewohnheit werden lassen, bei allem was er tut und erlebt immer einen Schritt neben sich zu stehen und zu beobachten, was er Anselm Dal so alles unternimmt im Leben.

Bei seiner achtsamen Selbstbeobachtung hat es Dal bisweilen selbst bis in den vierten Level geschafft, was das zu bedeutet hat, werde ich bei den entsprechenden Eintragungen erläutern, soweit es nicht unmittelbar verständlich ist.

Darüber hinaus werden viele Leser – ich eingeschlossen – bei der Bezeichnung „ÜBER DAL“ sofort vermuten, daß sich in diesem Logbuch – quasi tagebuchähnliche Eintragungen Dals zu seiner Person finden (dritte Person, hin oder her) – diese Annahme bewahrheitet sich jedoch nicht.

Allenfalls indirekt erfahren wir etwas über Dal, da hier vor allem Gedanken festgehalten wurden, die für das Leben und Denken Dals einmal eine wichtige Rolle gespielt haben. Die sozusagen der Vorstellungswelt aufhelfen, sich die Lebens- und damit Gedankenwelt Dals besser, also lebendiger vorzustellen.

Dal hat in seinen Logbüchern notiert, daß er inmitten einer großen Familie von Denkern aller Art inmitten einer Landschaft gelebt hat, in der Bücher wie Menschen lebten. Von hierher ist es auch leicht zu erklären, warum mir Dal vor seiner Abreise seine sieben Logbücher zur Herausgabe im Blog zu treuen Händen hinterlassen hat. Er möchte sich bei all diesen Familienmitglieder, bei all diesen großen und wunderbaren Denkern bedanken, daß sie bereit waren, ihr Leben in den Dienst ihres Werkes zu stellen. Diese Werke haben das Leben Dals wie Freunde begleitet und es sehr, sehr reich gemacht.

In wie viele Gedankenwelten – egal ob sie in Form von Texten, Bildern oder Musikstücken auftraten – konnte Dal in seinen Nachtmeerfahrten ungehindert reisen, diese Reisen hat er in seinen Logbüchern immer wieder festgehalten, nicht in Form von Faktenwissen (das kann sich gerade in heutigen Internetzeiten jeder innerhalb von Sekunden im Internet erwerben) sondern im Erzählen von ganz individuellen Reiseerlebnissen, denn die Künstler, die Menschen, die hinter den Werken stehen, waren ihm immer kommunikationsfreudige Reisebegleiter mit denen er vieles erlebte.

Darüber hinaus erfahren wir hier einiges Grundsätzliche zum Aufbau der Logbücher und warum er überhaupt sich immer wieder der Mühe unterzogen hat, diese Logbücher seiner Nachtmeerfahren fortzuführen.

Der Versuch in diesem unendlich flüchtigen Mahlstrom von Daten, Gedanken und Bildern etwas zu gewinnen, woran man sich halten kann und was gleichzeitig das Flüchtige mit in sich trägt.

Genauso wie Dal hinter seine Logbüchern als Person ganz und gar zurücktreten wollte, so möchte auch ich es – als Herausgeber dieser Logbücher – handhaben. Ohnehin gibt es über mich nicht viel zu sagen, ich bin von meiner wissenschaftlichen Provenienz her – ähnlich wie Dal Literaturwissenschaftler und promovierter Philosoph. Ich lebe auf Metavier, einem kleinen Reflexionsplaneten im Sonnensystem Anselm Dals. Meine Heimatgalaxie ist die Milchstraße und mein Familienstand ist verheiratet.

Weiter..

ADN-Logbuch V – FLASCHENPOST

Flaschenpost
Foto eines unbekannten Meisters

Editorische Vorbemerkung

Mein ADN-Blog kann Neudeutsch als eine Art „Edition in Process“ verstanden werden, d.h. während ich die Logbücher Anselm Dals (siehe auch meine Vorbemerkungen zum Logbuch VI) editiere, stelle ich meine Ergebnisse hier in den Blog, so daß jeder Besucher des Blogs meine Arbeit – die wahrscheinlich noch Jahre dauern wird – mitverfolgen kann.

Anselm Dal hat seine Nachtmeerfahrten in sieben Logbüchern dokumentiert.

Alle Eintragungen sind wie in einem Logbuch durchgehend nummeriert nach dem Schema:
LB-V-100-01 was soviel bedeutet wie: Logbuch Nummer V (FLASCHENPOST) / Haupteintrag mit der Nummer 100 / Untereintrag mit der Nummer 01.

Auf zeitliche Hinweise wird bei den Logbucheintragungen verzichtet, ich nehme an – einen Beweis dafür kann ich leider nicht erbringen – daß damit jedem Versuch einer Interpretation einer zeitlicher Weiterentwicklung vorgebeugt werden sollte (selbst wenn die Eintragungen niemals von Dal zur Veröffentlichung bestimmt waren, kann dieses Vorgehen doch auch als Selbstschutz vor eigener Geschichtsfälschung gewertet werden!), ein Eintrag also der z.B. 1979 (dem ersten Jahr aus dem Einträge stammen) vorgenommen wurde, soll völlig gleichwertig neben einem Eintrag von 2012 stehen, die quantitative Zeitspanne von 33 Jahren soll nicht in eine qualitative Weiterentwicklung uminterpretierbar sein.

Diese These wird auch dadurch untermauert, daß Dal seine Eintragungen in den Logbüchern nicht im Fortgang der Seiten von 1 bis 210 vorgenommen hat, sondern auf den ersten Blick völlig willkürlich vornahm. Ein Eintrag von 1979 kann nicht nur auf Seite 1 sondern auch auf Seite 100 stehen. Durch den Fortgang der Eintragungen kann dadurch ein Eintrag von 2001 neben einem Eintrag von 1984 stehen und so weiter.

Erst wenn wir einen größeren Teil der Einträge entziffert haben, können wir vielleicht eine Theorie entwickeln, daß die Platzierungen der Einträge einem strukturellen Plan für das Ganze entsprechen, bislang ist es aber noch zu früh, um solche Überlegungen anzustellen.

Noch ein Wort zu der Art wie Anselm Dal seine Eintragungen vorgenommen hat. Alle Eintragungen wurden mit Füllfederhalter und in der Regel mit schwarzer aber auch mit roter und grüner Tinte ausgeführt ( auf die rote und grüne Tinte weise ich bei den einzelnen Eintragungen hin).

Die Schrift Dals ist mikroskopisch klein insofern hat sie mich an die Microgramme Robert Walsers erinnert, dieser hatte seine Notizen allerdings mit einem extrem fein gespitzten Bleistift ausgeführt, während Anselm Dal immer Füllfederhalter mit einer SF (superfeinen) Spitze benutzt hat.

Ganz viele Eintragungen hat Dal durch eingeklebte Bilder ergänzt, ich versuche diese soweit es technisch möglich ist, im Blog aufzunehmen, ihre Herkunft und u.U. auch ihre Bedeutung näher zu erklären, soweit es aus den Eintragungen Dals nicht selbst schon ersichtlich wird.

Logbuch-VWas erwartet uns im Logbuch V

Ich versuche nun einige Gedanken dazu zu entwickeln, warum das fünfte Logbuch von Dal mit dem Wort „Flaschenpost“ bezeichnet wurde.

So weit ich sehen kann, spielt hier zunächst Anselm Dals Liebe zur Lyrik Paul Celans und zur Philosophie Adornos eine wichtige Rolle. Celan bezeichnete seine hermetische Lyrik oft (z.B. Bremer Rede und Büchnerpreisrede) als „Flaschenpost“, „aufgegeben in dem – gewiß nicht immer hoffnungsstarken – Glauben, sie könnte irgendwo und irgendwann an Land gespült werden, an Herzland vielleicht.” (GWIII, 186)

So sind die Gedankensplitter, die hier im Logbuch V von Anselm Dal gesammelt wurden, auch eine Flaschenpost, die ohne klares Ziel bei Tage und bei Nacht im großen Meer der Unwissenheit und Ignoranz treiben und vielleicht niemals an Land gespült und von jemanden Gefunden werden.
Ich bin allerdings der Meinung, daß diese sieben Logbuch-Bände insgesamt etwas von einer Flaschenpost haben, die im riesigen Meer des Internets treibt ohne die geringste Hoffnung jemals an „Herzland“ (Celan) gespült zu werden, daß Anselm Dal diese Logbücher trotzdem über 33 Jahre geführt hat, ist seine eigentliche Leistung.

Was findet sich also in diesen Flaschenposten? Aphorismen, Sentenzen, Sprichworte, Wahrspruchworte, kurz jede Art von scharfen Denkbildern in knappen Worten, die aufgrund ihrer bündelnden Brennglaswirkung einen wichtigen vor allem aber auch im komplexen Ganzen eingebunden Ausschnitt der Welt und des gesamten Kosmos zu beleuchten verstehen.

Oft hat Dal zu den Denkbildern, die er aus der Kulturgeschichte gesammelt hat, Gedanken hinzugefügt, um sich selbst darüber zu vergewissern, wie er sie versteht und was sie für sein Leben und Denken bedeuten könnten.

ADN-Logbuch IV – MEDITATIONEN

Meditation
Buddha-Kopf in Ayudthaya (Thailand)

 Editorische Vorbemerkung

Mein ADN-Blog kann Neudeutsch als eine Art „Edition in Process“ verstanden werden, d.h. während ich die Logbücher Anselm Dals (siehe auch meine Vorbemerkungen zum Logbuch 6) editiere, stelle ich meine Ergebnisse hier in den Blog, so daß jeder Besucher des Blogs meine Arbeit – die wahrscheinlich noch Jahre dauern wird – mitverfolgen kann.

Anselm Dal hat seine Nachtmeerfahrten in sieben Logbüchern dokumentiert.

Alle Eintragungen sind wie in einem Logbuch durchgehend nummeriert nach dem Schema: LB-IV-100-01 was soviel bedeutet wie: Logbuch Nummer IV (Meditationen) / Haupteintrag mit der Nummer 100 / Untereintrag mit der Nummer 01.

Auf zeitliche Hinweise wird bei den Logbucheintragungen verzichtet, ich nehme an – einen Beweis dafür kann ich leider nicht erbringen – daß damit jedem Versuch einer Interpretation einer zeitlicher Weiterentwicklung vorgebeugt werden sollte (selbst wenn die Eintragungen niemals von Dal zur Veröffentlichung bestimmt waren, kann dieses Vorgehen doch auch als Selbstschutz vor eigener Geschichtsfälschung gewertet werden!), ein Eintrag also der z.B. 1979 (dem ersten Jahr aus dem Einträge stammen) vorgenommen wurde, soll völlig gleichwertig neben einem Eintrag von 2012 stehen, die quantitative Zeitspanne von 33 Jahren soll nicht in eine qualitative Weiterentwicklung uminterpretierbar sein.

Diese These wird auch dadurch untermauert, daß Dal seine Eintragungen in den Logbüchern nicht im Fortgang der Seiten von 1 bis 210 vorgenommen hat, sondern auf den ersten Blick völlig willkürlich vornahm. Ein Eintrag von 1979 kann nicht nur auf Seite 1 sondern auch auf Seite 100 stehen. Durch den Fortgang der Eintragungen kann dadurch ein Eintrag von 2001 neben einem Eintrag von 1984 stehen und so weiter.

Erst wenn wir einen größeren Teil der Einträge entziffert haben, können wir vielleicht eine Theorie entwickeln, daß die Platzierungen der Einträge einem strukturellen Plan für das Ganze entsprechen, bislang ist es aber noch zu früh, um solche Überlegungen anzustellen.

Noch ein Wort zu der Art wie Anselm Dal seine Eintragungen vorgenommen hat. Alle Eintragungen wurden mit Füllfederhalter und in der Regel mit schwarzer aber auch mit roter und grüner Tinte ausgeführt ( auf die rote und grüne Tinte weise ich bei den einzelnen Eintragungen hin).

Die Schrift Dals ist mikroskopisch klein insofern hat sie mich an die Microgramme Robert Walsers erinnert, dieser hatte seine Notizen allerdings mit einem extrem fein gespitzten Bleistift ausgeführt, während Anselm Dal immer Füllfederhalter mit einer SF (superfeinen) Spitze benutzt hat.

Ganz viele Eintragungen hat Dal durch eingeklebte Bilder ergänzt, ich versuche diese soweit es technisch möglich ist, im Blog aufzunehmen, ihre Herkunft und u.U. auch ihre Bedeutung näher zu erklären, soweit es aus den Eintragungen Dals nicht selbst schon ersichtlich wird.

Logbuch-IVWas erwartet uns im Logbuch IV

Ich versuche nun einige Gedanken vorzustellen, warum das vierte und damit mittlere Logbuch Dals die Bezeichnung „Meditationen“ trägt.

Schon nach einem ersten Entziffern konnte ich feststellen, daß Dal einen sehr weitgefaßten Begriff von Meditation hat und deutlich mehr darunter subsummiert, als man gemeinhin vielleicht annehmen mag.

Während z.B. im buddhistischen Kontext Achtsamkeit und Meditation das siebte und achte Glied des achtfachen Pfads sind, versteht Dal die Achtsamkeit als einen wesentlichen Teil von Meditationen.

Immer wieder finden wir im Logbuch IV Denkbilder, in denen detailierte Meditationen im Alltag geschildert und gedanklich durchdrungen werden.

Im Bereich der Meditation ist es für Dal besonders wichtig, daß kein Baustein höher zu bewerten ist, als ein anderer, denn wenn Steine im Fundament nicht sorgfältig verbaut wurden, dann kann das Gebäude noch so schön sein, irgendwann stürzt es in sich zusammen.

ADN-Logbuch III – WERKE

WERK
„Der arme Poet“ (Carl Spitzweg – 183)

Editorische Vorbemerkung

Mein ADN-Blog kann Neudeutsch als eine Art „Edition in Process“ verstanden werden, d.h. während ich die Logbücher Anselm Dals (siehe auch meine Vorbemerkungen zum Logbuch VI) editiere, stelle ich meine Ergebnisse hier in den Blog, so daß jeder Besucher des Blogs meine Arbeit – die wahrscheinlich noch Jahre dauern wird – mitverfolgen kann.

Anselm Dal hat seine Nachtmeerfahrten in sieben Logbüchern dokumentiert.

Alle Eintragungen sind wie in einem Logbuch durchgehend nummeriert nach dem Schema: LB-III-100-01 was soviel bedeutet wie: Logbuch Nummer III (Werke) / Haupteintrag mit der Nummer 100 / Untereintrag mit der Nummer 01.

Auf zeitliche Hinweise wird bei den Logbucheintragungen verzichtet, ich nehme an – einen Beweis dafür kann ich leider nicht erbringen – daß damit jedem Versuch einer Interpretation einer zeitlicher Weiterentwicklung vorgebeugt werden sollte (selbst wenn die Eintragungen niemals von Dal zur Veröffentlichung bestimmt waren, kann dieses Vorgehen doch auch als Selbstschutz vor eigener Geschichtsfälschung gewertet werden!), ein Eintrag also der z.B. 1979 (dem ersten Jahr aus dem Einträge stammen) vorgenommen wurde, soll völlig gleichwertig neben einem Eintrag von 2012 stehen, die quantitative Zeitspanne von 33 Jahren soll nicht in eine qualitative Weiterentwicklung uminterpretierbar sein.

Diese These wird auch dadurch untermauert, daß Dal seine Eintragungen in den Logbüchern nicht im Fortgang der Seiten von 1 bis 210 vorgenommen hat, sondern auf den ersten Blick völlig willkürlich vornahm. Ein Eintrag von 1979 kann nicht nur auf Seite 1 sondern auch auf Seite 100 stehen. Durch den Fortgang der Eintragungen kann dadurch ein Eintrag von 2001 neben einem Eintrag von 1984 stehen und so weiter.

Erst wenn wir einen größeren Teil der Einträge entziffert haben, können wir vielleicht eine Theorie entwickeln, daß die Platzierungen der Einträge einem strukturellen Plan für das Ganze entsprechen, bislang ist es aber noch zu früh, um solche Überlegungen anzustellen.

Jedes Logbuch beginnt immer mit einem Bild, wie dem hier abgebildeten von Carl Spitzweg, das wohl summarisch für den gesamten Inhalt des Logbuchs stehen soll (Wie z.B. hier im Fall des armen Poeten (fast schon ein Topos) des Künstlers, der jede Art von materiell elendem Leben hinnimmt, um sich ganz seinem Werk zu widmen).

Sehr viele Eintragungen hat Dal durch eingeklebte Bilder ergänzt, ich versuche diese soweit es technisch möglich ist, im Blog aufzunehmen, ihre Herkunft und u.U. auch ihre Bedeutung näher zu erklären, soweit es aus den Eintragungen Dals nicht selbst schon hervor geht.

Logbuch-IIIWas erwartet uns im Logbuch III

Ich versuche nun einige Gedanken dazu zu entwickeln, warum das dritte Logbuch von Dal mit dem Wort „Werke“ bezeichnet wurde und wie ich bei der Aufarbeitung des dritten Logbuchs vorgegangen bin und weiter vorgehen möchte.

Wenn ich die Eintragungen im dritten Logbuch bisher richtig verstanden habe, dann kann man dieses Logbuch als eine Art kommentierte Insel-Bibliothek verstehen, in anderen Logbüchern verweist Dal immer wieder auf Logbucheintragungen aus diesem Band III.

Wichtig zu bemerken ist, daß es sich bei den Werken NICHT ausschließlich um Werke in Buchform handelt, Anselm Dal begreift alles, was wahrnehmbar ist, als eine Textur, die lesbar ist, so man sich in sie einlebt, deshalb findet man im Logbuch III Klavierkonzerte ebenso wie Gemälde, Romane oder philosophische Abhandlungen, eben alles worin sich ein Mensch selbst entäußert und entfaltet hat im hegelschen Sinne von Mensch und Werk letztlich bis an jene Grenze, die Josef Beuys mal mit dem Ausspruch „Jeder Mensch ist ein Künstler“ benannt hat und damit natürlich auch die Vergegenständlichung des Künstlers im Kunstwerk impliziert hat.

An einer Stelle im Logbuch VI zitiert Dal C.G.Jung mit den Sätzen: „Die Grundlage der Alchemie ist das Werk […] Jeder originelle Alchemist sozusagen baut sich ein mehr oder weniger individuelles Gedankengebäude zusammen, bestehend aus dem ´dicta´ der Philosophen und einer Kombination von Analogie […] , die oft aus aller Welt hergeholt worden sind.“ (C.G. Jung GW12/332f).

Der Denker und sein Werk sind wohl zwei Seiten einer Medaille für Dal, niemals kann das eine ohne das andere exitieren, das ist nicht platt pragmatisch zu verstehen sondern im Sinne eines Denkens, daß nur dann Denken genannt werden kann, wenn es einen Sitz im Leben des Denkers hat.

Anders als im Logbuch II habe ich es hier jedoch vorgezogen, keinen Vorabüberblick über die von Dal besprochenen Werke zu geben, sondern dies nur im Rahmen des Fortgangs meiner Editionsarbeit zu tun – diese Vorgehensweise erscheint mir legitim, da wir in keinem Logbuch zu den Werken etwas ähnliches finden, wie bei der Familienaufstellung der Denker.

InselBibliothek

Im Logbuch III steht vor allem der Gedanke der Insel-Bibliothek im Vordergrund und in dieser Weise werde ich es auch zu editieren versuchen.

Deshalb habe ich auch an allen Stellen in den Logbüchern, an denen Dal auf Werke, die er im Logbuch III besprochen hat, verweist, zusätzlich zum Logbucheintrag das nachfolgende kleine Symbol und einen Link eingefügt, um dem Leser die Orientierung zu erleichtern.

Das Emblem findet sich immer wieder in allen Logbüchern und wurde von Dal – allerdings nicht konsequent – auch in die Bücher seiner Bibliothek eingeklebt, die er für Wert befand, in seiner Insel-Bibliothek aufgenommen zu werden.

ADN-Logbuch II – DENKER

Denker
Ex Libris eines „Buchgelehrten“
(Ephraim Moshe Lilien – 1902)
Fotomontage mit dem Schriftzeichen „Tao“

Editorische Vorbemerkung

Mein ADN-Blog kann Neudeutsch als eine Art „Edition in Process“ verstanden werden, d.h. während ich die Logbücher Anselm Dals (siehe auch meine Vorbemerkungen zum Logbuch VI) editiere, stelle ich meine Ergebnisse hier in den Blog, so daß jeder Besucher des Blogs meine Arbeit – die wahrscheinlich noch Jahre dauern wird – mitverfolgen kann.

Anselm Dal hat seine Nachtmeerfahrten in sieben Logbüchern dokumentiert.

Alle Eintragungen sind wie in einem Logbuch durchgehend nummeriert nach dem Schema: LB-II-100-01 was soviel bedeutet wie: Logbuch Nummer II (Denker) / Haupteintrag mit der Nummer 100 / Untereintrag mit der Nummer 01.

Wobei ich der Meinung bin, daß die endgültige Nummerierung der Eintragungen im Logbuch II erst anfang des neuen Jahrtausends vorgenommen wurde, wahrscheinlich zum Zeitpunkt, als die „Familienaufstellung der Denker“ entstand. Viele Denker, die im Logbuch eine niedrige Nummer haben, waren in den 80er Jahren noch gar nicht relevant oder mit Büchern am Markt vertreten, ich gehe deshalb davon aus, daß die Nummerierung vorgenommen und auch gleich abgeschlossen wurde, als für Anselm Dal alle Denker feststanden, die zur Familie gehören. Diese wurden dann alphabetisch in einer Liste geordnet und mit Nummern versehen. Weitere Denker wurden ja auch nicht mehr im Logbuch II, sondern im Logbuch I besprochen.

Im Logbuch II kann man sehr schön den Sinn der zweistufigen Nummerierung erkennen, in einer quasi chaotischen Lagerhaltung der Einträge lassen sich zu einem späteren Zeitpunkt alle Eintragungen, die zu einem Hauptthema oder z.B. zu einem Denker gehören, problemlos zusammenfassen, ohne, daß man moderne Technik bemühen müßte!

Auf zeitliche Hinweise wird bei den Logbucheintragungen verzichtet, ich nehme an – einen Beweis dafür kann ich leider nicht erbringen – daß damit jedem Versuch einer Interpretation einer zeitlicher Weiterentwicklung vorgebeugt werden sollte (selbst wenn die Eintragungen niemals von Dal zur Veröffentlichung bestimmt waren, kann dieses Vorgehen doch auch als Selbstschutz vor eigener Geschichtsfälschung gewertet werden!), ein Eintrag also der z.B. 1979 (dem ersten Jahr aus dem Einträge stammen) vorgenommen wurde, soll völlig gleichwertig neben einem Eintrag von 2012 stehen, die quantitative Zeitspanne von 33 Jahren soll nicht in eine qualitative Weiterentwicklung uminterpretierbar sein.

Diese These wird auch dadurch untermauert, daß Dal seine Eintragungen in den Logbüchern nicht im Fortgang der Seiten von 1 bis 210 vorgenommen hat, sondern auf den ersten Blick völlig willkürlich vornahm. Ein Eintrag von 1979 kann nicht nur auf Seite 1 sondern auch auf Seite 100 stehen. Durch den Fortgang der Eintragungen kann dadurch ein Eintrag von 2001 neben einem Eintrag von 1984 stehen und so weiter.

Erst wenn wir einen größeren Teil der Einträge entziffert haben, können wir vielleicht eine Theorie entwickeln, daß die Platzierungen der Einträge einem strukturellen Plan für das Ganze entsprechen, bislang ist es aber noch zu früh, um solche Überlegungen anzustellen.

Noch ein Wort zu der Art wie Anselm Dal seine Eintragungen vorgenommen hat. Alle Eintragungen wurden mit Füllfederhalter und in der Regel mit schwarzer aber auch mit roter und grüner Tinte ausgeführt ( auf die rote und grüne Tinte weise ich bei den einzelnen Eintragungen hin).

Die Schrift Dals ist mikroskopisch klein insofern hat sie mich an die Microgramme Robert Walsers erinnert, dieser hatte seine Notizen allerdings mit einem extrem fein gespitzten Bleistift ausgeführt, während Anselm Dal immer Füllfederhalter mit einer SF (superfeinen) Spitze benutzt hat.

Ganz viele Eintragungen hat Dal durch eingeklebte Bilder ergänzt, ich versuche diese soweit es technisch möglich ist, im Blog aufzunehmen, ihre Herkunft und u.U. auch ihre Bedeutung näher zu erklären, soweit es aus den Eintragungen Dals nicht selbst schon ersichtlich wird.

Logbuch-IIWas erwartet uns im Logbuch II

Ich versuche nun einige Gedanken dazu zu entwickeln, warum das zweite Logbuch von Dal mit dem Wort „Denker“ bezeichnet wurde und wie ich bei der Aufarbeitung des zweiten Logbuchs vorgegangen bin und weiter vorgehen möchte.

Wichtig vorauszuschicken ist, daß sich im Logbuch II nur Gedanken zu den Denkern finden, die zu Anselm Dals sogenannter „Familie“ gehören, Gedanken, Zitate und Bemerkungen zu allen anderen Denkern finden sich im Logbuch I – da es ja auf jeden Fall auch Kulturleistungen sind, die diese Denker hinterlassen haben.

Wie ich bei meiner Arbeit mit dem Logbuch II sofort feststellen konnte, hat Dal einen sehr weitgefaßte Vorstellung davon, was er unter dem Begriff „Denker“ verstehen will. Hier ist es wohl sehr wichtig zu verstehen, daß es Dal in seinen Logbüchern, weder für sich selbst noch für potentielle andere Leser darum geht „Wissen zu konservieren“. Wissen ist Ihm nicht entscheidend, ihm kommt es „darauf an, was man daraus macht“, insofern ist ihm jede akademische Gelehrsamkeit, die kein Sitz im Leben des Gelehrten hat, suspekt.

Denken ist die Arbeit am und mit dem Wissen, insofern also die Arbeit mit und in der Welt, wie sie nun mal ist.

„Letztlich krank unser Planet nicht daran, daß wir zu wenig wissen, sondern daran, daß wir zu wenig denken! Es ist eine Frage von „Haben“ und „Sein“, wir haben viel Wissen, leben aber in bedenkenloser Seinsvergessenheit!“

Dieser Eintrag aus dem Logbuch I trifft wahrscheinlich recht genau den Denkansatz Dals, da er das Sein als die „Potentialität aller Seinsmöglichkeiten“ versteht, ist der Denker wohl der „Stadthalter des Seins“, will sagen: Komplexität und Offenheit, die Absage an alles Einschränkende, Schwarz-Weiße, vorher festgelegte, geschlossen Kohärente ist die Gangart des Seins und somit des Denkens selbst.

Der Denker – wie Ihn Dal als eine Art Archetypus versteht – ist jemand, der keinerlei Probleme damit hat, daß die Welt und die Dinge in Ihr komplex sind, vor allem das es Widersprüche gibt, die nicht aufgelöst oder miteinander verrechnet werden können. Ein hegelsches Synthetisieren ist Ihm suspekt – Offenheit willkommen.

Adorno ebenso wie Heidegger (auch wenn sie zu Lebzeiten immer angeblich auf verschiedenen Planeten wohnten) sind Anselms Paten im Ringen um selbstständiges, kritisches Denken (Adorno), das gleichzeitig aber auch das Handwerk des Einsamen (Heidegger) ist. Wer es mit dem Denken erst meint, muß auch bereit sein auf Masse zu verzichten! (so Heidegger frei wiedergegeben an Hanna Arendt).

Im Unterschied zu allen anderen Logbüchern habe ich es hier vorgezogen zunächst alle Denker, die in Anselm Dals „Familienaufstellung meiner Denker“ vorkommen (nach einem Satz Martin Heideggers über Aristoteles) mit folgenden kurzen Fakten als Beitrag im Blog anzulegen: „Er wurde geboren, lebte und starb!“

Da ich die Familienaufstellung, die Dal irgendwann im Logbuch II angelegt und immer wieder erweitert hat, als besonders wichtig für die Beurteilung des Denkgebäudes Dals (mit den unendlich vielen Räumen) erachte, werde ich versuchen, diese Doppelseite recht bald soweit zu entziffern, daß ich sie hier im Blog einstellen kann.

ADN-Logbuch I – KULTUR

Athen und die Agora
Akropolis und Areopag in Athen (Leo von Klenze – 1846)

Editorische Vorbemerkung

Mein ADN-Blog kann Neudeutsch als eine Art „Edition in Process“ verstanden werden, d.h. während ich die Logbücher Anselm Dals (siehe auch meine Vorbemerkungen zum Logbuch VI) editiere, stelle ich meine Ergebnisse hier in den Blog, so daß jeder Besucher des Blogs meine Arbeit – die wahrscheinlich noch Jahre dauern wird – mitverfolgen kann.

Anselm Dal hat seine Nachtmeerfahrten in sieben Logbüchern dokumentiert.

Alle Eintragungen sind wie in einem Logbuch durchgehend nummeriert nach dem Schema: LB-I-100-01 was soviel bedeutet wie:
Logbuch Nummer I (Kultur) / Haupteintrag mit der Nummer 100 / Untereintrag mit der Nummer 01.

Auf zeitliche Hinweise wird bei den Logbucheintragungen verzichtet, ich nehme an – einen Beweis dafür kann ich leider nicht erbringen – daß damit jedem Versuch einer Interpretation einer zeitlicher Weiterentwicklung vorgebeugt werden sollte (selbst wenn die Eintragungen niemals von Dal zur Veröffentlichung bestimmt waren, kann dieses Vorgehen doch auch als Selbstschutz vor eigener Geschichtsfälschung gewertet werden!), ein Eintrag also der z.B. 1979 (dem ersten Jahr aus dem Einträge stammen) vorgenommen wurde, soll völlig gleichwertig neben einem Eintrag von 2012 stehen, die quantitative Zeitspanne von 33 Jahren soll nicht in eine qualitative Weiterentwicklung uminterpretierbar sein.

Diese These wird auch dadurch untermauert, daß Dal seine Eintragungen in den Logbüchern nicht im Fortgang der Seiten von 1 bis 210 vorgenommen hat, sondern auf den ersten Blick völlig willkürlich vornahm. Ein Eintrag von 1979 kann nicht nur auf Seite 1 sondern auch auf Seite 100 stehen. Durch den Fortgang der Eintragungen kann dadurch ein Eintrag von 2001 neben einem Eintrag von 1984 stehen und so weiter.

Erst wenn wir einen größeren Teil der Einträge entziffert haben, können wir vielleicht eine Theorie entwickeln, daß die Platzierungen der Einträge einem strukturellen Plan für das Ganze entsprechen, bislang ist es aber noch zu früh, um solche Überlegungen anzustellen.

Noch ein Wort zu der Art wie Anselm Dal seine Eintragungen vorgenommen hat. Alle Eintragungen wurden mit Füllfederhalter und in der Regel mit schwarzer aber auch mit roter und grüner Tinte ausgeführt ( auf die rote und grüne Tinte weise ich bei den einzelnen Eintragungen hin).

Die Schrift Dals ist mikroskopisch klein insofern hat sie mich an die Microgramme Robert Walsers erinnert, dieser hatte seine Notizen allerdings mit einem extrem fein gespitzten Bleistift ausgeführt, während Anselm Dal immer Füllfederhalter mit einer SF (superfeinen) Spitze benutzt hat.

Jedes Logbuch beginnt immer mit einem Bild, wie dem hier abgebildeten von Leo von Klenze, das wohl summarisch für den gesamten Inhalt des Logbuchs stehen soll. Aber auch sehr viele Eintragungen hat Dal durch eingeklebte Bilder ergänzt, ich versuche diese soweit es technisch möglich ist, im Blog aufzunehmen, ihre Herkunft und u.U. auch ihre Bedeutung näher zu erklären, soweit es aus den Eintragungen Dals nicht selbst schon ersichtlich wird.

Logbuch-I

Was erwartet uns im Logbuch I

Ohne den jeweiligen Eintragungen Dals vorgreifen zu wollen, versuche ich nun einige Gedanken Dals, die immer wieder auftauchen, zusammenzustellen, warum das erste Logbuch von Anselm Dal mit dem Wort „Kultur“ und das letzte mit dem Wort „Natur“ bezeichnet wurde.

Vieles verbindet uns Menschen auf den unterschiedlichsten Ebenen mit allen anderen fühlenden Wesen, trotzdem sind wir Menschen diejenigen, die in der Auseinandersetzung mit der Natur – des Lebens ansich (wie Dal es gerne sehen wollte) – unsere spezifische Geschichte als Menschen immer wieder neu in Gang setzen, wir nennen diese Auseinandersetzung „Kultur“.

Alles was wir als Menschen an Umformungen, Gestaltungen, schlicht Veränderungen an dem Vorgefundenen – der „Natur“ – vornehmen ist „Kultur“. Selbst Bereiche, die wir Heutigen oft gerne mit Natur verwechseln, wie z.B. Ackerbau, Viehzucht, Waldwirtschaft sind „Kultur“ und nicht mal Zweitnatur.

Achtung! Wenn wir das Denken Anselm Dals erst nehmen wollen, dann dürfen wir einen Begriff, wie „Kulturlandschaft“ nicht als etwas Höherwertiges ansehen. Wir dürfen nicht in die Falle tappen, daß „Kultur“ auch ein bewertender Sammelbegriff ist, „Kultur“ oder oft auch „Kulturleistung“ wird schnell mal mit Begriffen, wie „Höherentwicklung“, „Weiterentwicklung“ oder gar „Fortschritt in der Menschheitsgeschichte“ zusammengebracht.

Soweit ich bisher die Logbücher Anselm Dals entziffern und verstehen konnte, liegt seinem Denken nichts ferner als die Vorstellung, der Mensch habe in seiner Auseinandersetzung mit dem Vorgefundenen, der Natur, dem Kosmos allgemein eine quantitativ oder sogar qualitativ höher zu bewertende „Kulturleistung“ hervorgebracht! Im Vergleich zur Natur wird der Mensch immer zurückstehen müssen und er tut gut daran, sich dies auch immer wieder klar zu machen.

Die Einträge Dals in seinen Logbüchern erteilen jedwedem Denkansatz eines anthropischen Prinzips, egal in welcher Verpackung es auch daherkommen mag, eine strikte Absage.

In den Logbüchern Dals wird deutlich, daß wir Menschen grundsätzlich diejenigen sind, die unser Leben entfalten zwischen den beiden Polen „Kultur“ und „Natur“. Und so wie ich es sehe, ist das der Grund, weshalb Anselm Dal seine Gedanken zwischen dem Logbuch I, das er mit dem Wort „Kultur“ beschriftet hat und dem Logbuch VII, das das Wort „Natur“ trägt, entwickelt hat.

Aber ich will hier an dieser Stelle nicht allzusehr vorgreifen, denn in seinen Eintragungen im Logbuch I / Kultur wird es immer wieder Erörterungen zum Thema „Kultur“ geben.

So wie allgemein ja auch das Wort „Nachtmeerfahrten“ ganz klar auf diese Auseinandersetzung des Menschen mit der vorgefundenen Natur, der Fahrt durch dunkle, beängstigende Nacht hinweist, insofern ist das Bild der „Nachtmeerfahrt“ sehr weit zu verstehen, nicht nur metaphorisch als Reise eines Menchen durch die Dunkelheit einer Depression, eines Geworfenseins in die Abgründe des tiefen, schwarzen Meers des Unbewußten.

Dal orientiert sich meiner Meinung nach stark an dem archetypischen Denkbild der „Nachtmeerfahrt“ so wie es C.G.Jung in seinem Buch „Symbole der Wandlung“ (1912/1952) beschrieben hatte.

Aber hier will ich nicht vorgreifen, denn Dal hat zum Denkbild der „Nachtmeerfahrten“ seit 1979 immer wieder Eintragungen gemacht – soweit ich feststellen konnte – im Nachgang zu seiner Lektüre im Jahr 1979 von C.G. Jungs Buch „Symbole der Wandlung“.

Die beängstigende Nacht der Unwissenheit aber auch des „Dunkels des gelebten Augenblicks“ (Bloch) lassen uns immer wieder den Versuch wagen, eine Arche, ein Barke zu bauen, die uns durch die Nacht tragen soll, bis der Morgen graut und die Sonne am Horizont wieder auftaucht. Dann stellen wir bestürzt fest, daß wir die Nacht nur auf einem einfachen, wackligen Floß (siehe „Das Floß der Medusa“ von Géricault) verbracht haben.

So ist unser Denken, so fragil ist unsere Kultur, aber wir geben uns immer wieder der Selbsttäuschung hin, als würden wir behaglich im gut ummauerten Bergfried im Kreise gut gesicherter Wahrheiten, geschützt vor allen Feinden der eindimensionalen Weltanschauung unser Leben verbringen.

Letzlich ist aber genau das, was wir „Kultur“ nennen doch nur ein Synonym für unsere „Nachtmeerfahrt“ – und je mehr ich von Anselm Dals Einträgen entziffert habe, je mehr habe ich im Grundsatz diese strukturelle Ähnlichkeit verstanden, im Kleinen wie im Ganzen…