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Das Internet

Schon im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung legte Ptolemaios II. den Grundstein für den wunderbaren Traum, an einer zentralen Stelle die gesamte verfügbare Literatur der Welt aus allen Wissengebieten zu sammeln.

Er gründete die Bibliothek von Alexandria und mit Ihren zuletzt 490.000 Schriftrollen kam sie der Verwirklichung dieses Traums in den Antike schon enorm nahe. Aber wie es in der Menschheitsgeschichte immer ist, wo Weisheit und Denken gepflegt und weitergegeben wird, findet sich auf der Unterseite der Medaille immer auch Ignoranz und Dummheit und so verwundert es nicht, daß zunächst im Zuge der Christianisierung des römischen Reichs im 4. nachchristlichen Jahrhundert der größte Teil der Bibliothek und durch den Islam – wenn die Legende stimmen sollte – im 7. Jahrhundert der restliche Teil der Bibliothek zerstört wurde.

Der Befehl des Kalifen Umar ibn al-Chattab, den er angeblich 642 n.u.Z. gegeben hat: „Bücher, deren Inhalt mit dem Koran übereinstimmen, werden nicht benötigt, diejenigen, die dem Koran widersprechen, werden nicht gewünscht. Zerstört sie also.“, kann als ein wesentlicher Topos weltgeschichtlicher – religiös verursachter – Ignoranz und Dummheit gelten! Das der Legende nach die Handschriften zur Beheizung der öffentlichen Bäder verbrannt wurden, rundet das Bild sehr schön ab. Internetsymbol

Die neue Bibliotheca Alexandrina, die am 16. Oktober 2002 in Zusammenarbeit mit der UNESCO in Alexandria errichtet wurde, greift den alten Menschheitstraum einer weltumspannenden Bibliothek wieder auf. Für uns interessant ist, daß die Bibliothek nicht nur 8 Millionen Büchern auf 45000 m² Platz bietet, sondern gleichzeitig auch kontinuierlich die weltweiten Inhalte des Internets archiviert.

Wahrscheinlich sollten wir uns klar machen, daß das Internet unsere Bibliothek von Alexandria ist und was wir uns auch überlegen können, ist, ob die Tatsache der enormen Datenfluten, die das Internet – von Außen und von Innen – produziert, nicht auch einen enormer Schutz – eine Firewall der besonderen Art – vor der abermaligen Vernichtung des Weltwissens bietet. Hinzukommt, daß das Internet keinen Raum mehr für entscheidbare Kriege bietet, zwar finden im Internet jede Menge Kriege ideologischster Art statt, aber es gibt keine Gewinner und Verlierer mehr, die Cyber-Warlords dieser Welt produzieren nur Verlierer, schon alleine deshalb, weil wir mit dem Internet eine Maschine erschaffen haben, die uns längst beherrscht und nicht mehr wir sie beherrschen können.

Im positiven Fall können wir dies schon seit einiger Zeit bei den kläglichen Versuchen der Internetunterdrückung durch allerlei Diktaturen und Diktatoren dieser Welt beobachten. Das Gute und das Böse sind im Internet fest miteinander verbunden, wir können es nicht mehr trennen, wir können uns aber getreu der Aufklärungsmaximen des 18. und 19. Jahrhundert zum Selber-Denken und zum ethisch sauberen Verhalten entschließen, niemand zwingt uns im Internet, den ein oder anderen Weg zu gehen, solange wir uns nicht in einen konsumistischen Sog der Passivität hineinziehen lassen und wir unser Denken nicht abschalten, stehen uns alle Wege im Internet offen, offener als jemals zuvor.