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Zu meiner Motivation

Wenn man den Entschluß fast, einen nicht unerheblichen Teil seiner Lebenszeit in so etwas wie diesen Blog zu stecken, dann macht es Sinn, sich selbst und allen, die wiederum einen Teil Ihrer Lebenszeit dafür investieren, Beiträge dieses Blogs zu lesen, Rechenschaft darüber abzuleben, warum man diesen Blog eigentlich macht.

Deshalb für eilige (Schubladen-)Leser hier einige Gründe vorab:

1. Wenn die Natur die Henne und der Mensch das Ei ist, dann ist doch wohl sonnenklar, wer zuerst da war, weil das auch immer so bleiben wird, kann Öko.logie niemals ein Thema unter anderen sein. Öko.logie umfaßt alle Bedingungen von Leben auf diesem Planeten, und sie tut es in logischen Analysen aller aufeinander bezogener Faktoren.
Was wir auf diesem Planeten vorfinden, sind wunderbare über Jahrmillionen in der Evolution entwickelte Kreisläufe, die vermögen, alles mit allem im Gleichgewicht zu halten!
In absolut unverantwortlicher Weise beherzigen wir Menschen jedoch nicht den Grundsatz: „Never change a running system!“ Wir beherzigen es weder bei unseren Computern noch bei unserem Verhalten in öko.logischen Fragen. Diese Verhaltensweise möchte ich in diesem Blog untersuchen.

2.  Nun ist es aber so, das wir nicht nur in unverantwortlicher Weise in öko.logische Kreisläufe eingreifen, sondern auch Ressourcen, die dieser Planet uns ursprünglich im Übermaß zur Verfügung gestellt hat, dermaßen hemmungslos verbrauchen, als würde es kein Morgen mehr geben, nach dem Motto: „Leute rafft was das Zeug hält und wenn nix mehr da ist, setzen wir uns ab.“ Diese Strategie wird nicht aufgehen, da die Wahrscheinlichkeit für eine solche Absetzbewegung in den nächsten Jahrhunderten doch äußerst gering ist. Da ein Planeten-hopping also nicht funktioniert, sollten wir den Raubbau, den hemmungslosen Verbrauch von nicht erneuerbaren Ressourcen, schnellstmöglich stoppen (anstatt zum Beispiel mit Milliarden Banken zu retten) – solange vielleicht noch eine winzige Chance besteht, den Karren rumzureißen. Der größte Feind dieses Anliegens ist die Ignoranz und da kommt sie wieder, meine Motivation: Mit meinen bescheidenen Mitteln in diesem Blog gegen die Ignoranz anschreiben.

3.  Wir sind ständig von einer Dialektik zwischen gesamtgesellschaftlichen Strukturen – die sich in ähnlicher Weise in allen Lebensbereichen wiederfinden!!! – und individuellen, in der Evolution über Jahrtausende entstandene Bewußtseinsstrukturen und Verhaltensweisen bestimmt, beide Bereiche durchdringen sich fortwährend und müssen immer gemeinsam betrachtet werden, ich halte deshalb eine Vorgehensweise, die z.B. nur die kapitalistischen Gesellschaftsstrukturen für alles Elend auf dieser Welt verantwortlich macht, für genauso verfehlt wie jene, die nur die individuelle Gier und den Neid für eine temporäre Entgleisung in eine turbokapitalistische Frühzeit ansehen, und ansonsten von einem wunderbar funktionierenden, freien Weltmark schwärmen .
Meine Motivation für diesen Blog ist, für eine echte Dialektik zwischen Sein und Bewußtsein zu schreiben, für ein möglichst komplexes, ganzheitliches Analysieren von Strukturen und Bedingungen auf der einen Seite und bewußtes, achtsames Wahrnehmen und Verändern von Lebensweisen auf der anderen Seite. Bedingungen werden von Menschen gemacht und können durch Menschen auch geändert werden, alles andere ist Mythos!

4. Im Laufe unseres Lebens baut sich unser Gehirn eine mehr oder weniger große Schubladenkommode in deren Schubladen alle Eindrücke und Erfahrungen abgelegt werden, die Schubladen sind mit entsprechenden Gefühlsmarkern adressiert und können bei Bedarf über diese Adressen angesprochen, oder um im Bild zu bleiben, aufgezogen werden und neue Erfahrungen werden dann hineingepackt. Wir versuchen also um jeden Preis, alles was wir neu erleben, in bereits vorhandene Schubladen abzulegen.
Meine Motivation für diesen Blog ist die Hoffnung, bei dem ein oder anderen und natürlich auch bei mir selbst möglichst viele neue Schubladen an der Kommode anzubauen, aber vor allem auch eine sehr, sehr große Schublade zu konstruieren, in die alles hineinkommt, was sich der Zuweisung zu anderen Schubladen entzieht.

5. Was mich seit vielen Jahrzehnten stört ist das Schwarz/Weiß Denken, das sich aus Punkt 4 ergibt – ich möchte mit sehr viel Ironie und Provokation in meinen Beiträgen immer wieder versuchen, bei dem ein oder anderen und natürlich auch bei mir selbst  dieses digitale Denken aufzuknacken. Damit wir alle die Fähigkeit entwickeln, Widersprüche nicht immer sofort miteinander verrechnen zu wollen, sondern diese einfach mal aushalten, Widersprüche als Widersprüche so stehen lassen, wie sie nun mal sind. Leben heißt Widersprüche konstruktiv zu bewältigen und sie damit täglich immer wieder neu und anders zu gestalten.

Auch wenn Marx die Philosophen immer wieder gerügt hat, daß sie nicht immer nur die Welt verschieden interpretieren sollten, weil es schießlich und endlich doch darauf ankommt, sie zu verändern, bleibt die Interpretation, die Analyse immer eine notwenige Vorbedingung und gerade in der heutigen Zeit, in der Informationen über einzelne Bereiche exponentiell zunehmen und damit eine massive Spezialisierung einhergeht, haben Philosophen als die Vollprofis fürs Zusammendenken bald wieder Hochkonjunktur. Wo alles auseinanderfällt braucht man auch Leute, die alles wieder zusammensetzen.

Buddha wie Marx haben in ihrer Philosophie einen grundsätzlich holistischen, ganzheitlichen Ansatz und bei dem Patienten Kapitalismus, der sich krakenartig (die arme Krake) in alle Bereiche des Lebens vorgearbeitet hat und kein Schlupfloch mehr bleibt, um der Zwangsökonomisierung aller Lebensbereiche zu entgehen, bedarf es schon einer sehr ganzheitlichen Radikalkur. Für eine solche Radikalkur muß man natürlich erstmal eine Anamnese vornehmen, was wir dazu brauchen, ist Transparenz. Nun habe ich in meinem Leben aber immer wieder die Erfahrung gemacht, das Transparenz nicht nur eines ehrlichen Absenders von transparenten Informationen bedarf, sondern gleichermaßen auch ein gelehrter Empfänger notwendig ist, der von seinem Wissen her in der Lage ist, Transparenz-Informationen richtig einzuordnen, denn Transparenz existiert nicht per se, sie gewinnt immer nur durch den Kontext an Bedeutung.

Ich gebe mal ein plumpes Beispiel aus der Wirtschaft: Wenn eine Aktiengesellschaft mit einem Jahresumsatz von 1 Milliarde einen Jahresüberschuß von 1 Million ausweist und diese Information ohne jeglichen Kommentar im Wirtschaftsteil einer Zeitung als Kurzmeldung weitergegeben wird, dann könnte ein unwissender Zeitungslesen – der nicht in der Lage ist, diese Meldung in ihrem Kontext, also in ihrer Verhältnismäßigkeit zu beurteilen, der Ansicht sein, daß diese Firma wieder einen „satten“ Gewinn – immerhin eine Million Euro – eingefahren hat, in Wahrheit ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, daß diese „schwarze Null“ eher darauf hinweist, daß diese Aktiengesellschaft kurz vor der Pleite steht und man sich u.U. schleunigst nach einem neuen Job umsehen sollte – es könnte aber auch sein, daß diese Aktiengesellschaft durch entsprechende Lizenzverträge ihre Gewinne in Steueroasen verschiebt.

Kurz um: Zur Transparenz gehören immer zwei Seite, die, die ehrlich mit Ihren Adressaten, in der Politik z.B. den Wählern, umgehen wollen und die, die diese Informationen richtig zu bewerten und einzuordnen im Stande sind, wozu wiederum Wissen, also Bildung die Voraussetzung ist.

Aber jetzt möchte ich doch nochmal auf meine Motivation diesen Blog zu machen zurückkommen:
Vor rund eineinhalb Jahren habe ich damit begonnen, die Notizbucheintragungen meines alten Freundes Anselm Dal in einem Editionsblog, genannt Anselm-Dals-Nachtmeerfahrten.de zu veröffentlichen, dabei ging es mir weniger um eine literaturwissenschaftlich korrekte Arbeitsweise, als darum die Beiträge Anselm Dals selbst, die er in seinen 7 Notizbüchern über 30 Jahre hinweg vorgenommen hatte. Dieses Projekt ist noch lange nicht abgeschlossen und falls es je von den Texten her abgeschlossen sein sollte, dann wartet noch jede Menge Arbeit auf mich, um dieses Projekt wissenschaftlich korrekt mit einem anständigen wissenschaftlichen Apparat zu Ende zu bringen.

Nun! Diese Editionsarbeit hat mich auf den Geschmack gebracht und mein alter Freund Anselm Dal wird es mir vielleicht verzeihen, ich habe für den Moment mal den Entschluß gefaßt, einen eigenen Blog zu beginnen und die Arbeit an dem Anselm Dal Blog zur Zeit etwas ruhen zu lassen.

Was mir nämlich in dem ADN-Blog etwas gefehlt hat, ist die Kommunikation mit dem Leser! und die Möglichkeit auch andere hochinteressante Blogs mit einem Link in den eigenen Blog einzubeziehen. Das wird sich – so hoffe ich zumindest – in meinem eigenen Blog ändern lassen.

Im Einzelnen sind für mich folgende weitere Aspekte für meinen ÖkoRadiX Blog von Bedeutung:

6. Als Ökosoph und Anhänger des „bumap2.3“ Konzepts ist mir natürlich die Transparenz meiner eigenen Motivation und meiner eigenen zunächst immer vagen Meinungen besonders wichtig, diese Transparenz läßt sich besonders gut dadurch herstellen, daß man versucht, seine eigenen Meinungen in möglichst verständliche und in sich schlüssige Worte zu fassen, wozu der Blog hervorragend geeignet ist.
Hier heißt es nämlich einen Beitrag über ein bestimmtes Thema, daß einem am Herzen liegt, durch Recherchen, also Wissensaufbau nicht nur so aufzuarbeiten, daß man es selbst zu verstehen glaubt, sondern auch die Anstrengung des Begriffs und der Darstellungen so auf sich zu nehmen, so Zusammenhänge aufzubereiten, daß ein fremder Dritter das Thema verstehen und sogar meine eigene Meinung dazu auch noch nachvollziehen kann. Für mich eine sehr schwierige aber durchaus lohnende Motivation!

7. Ich war nie der Typ, der jede Woche an der Barrikade steht und für irgendwelche dringend notwendigen Veränderungen kämpft. Trotzdem möchte ich einen winzigen Beitrag für eine bessere Welt – wenn auch nur vermeintlich bessere Welt – irgendwie zu leisten versuchen.
Das einzige aber, was ich in meinem Leben ansatzweise etwas gelernt habe und von dem ich hoffe, daß ich es ein klein wenig beherrsche, ist Denken (und Philosophieren) und ich habe ein starkes Interesse daran, diese Fähigkeit nicht nur im Geheimen zu benutzen und im Geheimen durch Übung weiterzuentwickeln.
Deshalb hoffe ich, daß ich durch diesen Blog ein paar Menschen kennenlerne, mit denen ich mich intensiv über Sachthemen auseinandersetzen kann, neue Denkanstöße erhalte, aber vielleicht auch anderen durch mein lebenslang aufgebautes Know How nützlich sein kann.

8. Ich sehe mich in der Tradition des Frankfurter Instituts für Sozialforschung, bin also ein undogmatische Anhänger der kritischen Theorie. Nach ihrem Selbstverständnis sollte die kritische Theorie immer eine Theorie sein, die auf dem avanciertesten Standpunkt der Zeit steht, also immer auch die aktuellsten Entwicklungen in ihr Denken einbezieht, analysiert und Tendenzen frühzeitig erkennt. Adorno hat in seiner negativen Dialektik einmal davon gesprochen, daß die Negation der Negation nicht unbedingt eine neue Position bedeuten muß, sondern auch so gedeutet werden kann, daß die Negation nicht weit genug ging, diesen Denkansatz halte ich gerade heute für besonders wichtig.

9. Etwas mental gestärkt durch die buddhistischen Lehren ist eine ganz wichtige Motivation für diesen Blog, wieder den Zweifel „salonfähig“ zu machen, der Zweifel kann sehr stark gegen Vereinnahmung und Integration ehemals kontroverser Positionen in herrschende Machtsysteme immunisieren.
Wer Kritik übt und Zweifel anmeldet ist nicht! automatisch in der Bringschuld einen eigenen Vorschlag zu machen für ein bestimmtes Problem, ich halte es für einen großen Fehler, daß die Linke sich diesen Schuh immer wieder hat anziehen lassen.
Weil es erstens oft gar keine vernünftigen Vorschläge zur Lösung bestimmter Probleme gibt, die man eigentlich gar nicht hätte, wenn man nicht irgendwelchen schwachsinnigen Wirtschaftprämissen nachlaufen müßte, zweitens die Methode, immer konstruktive Vorschläge einbringen zu müssen, berechtigte Zweifel und Kritik im Keim ersticken hilft und drittens der Zweifel – in Form eines grundsätzlichen Falsifikationsprinzips – für mich die ehrlichste und wissenschaftlich effektivste Methode ist. Wir sollten nicht nach Belegen suchen, daß eine Theorie richtig ist, sondern nach Belegen, daß sie falsch ist, das bringt uns viel weiter!

10. Kommen wir zur Motivation Streitgespräch: Das andauernde Grundgefühl der Ohnmacht bei den wirklich brennenden Themen auf diesem Planeten, hat dazu geführt, daß es kaum noch Streitgespräche gibt, die früher oft nächtelang geführt wurden, als man noch der Meinung war, man könne alles verändern.
Viele haben sich in der Grundhaltung eingerichtet, daß man sowieso nichts wirklich verändern kann angesichts der Größe der Probleme und der Winzigkeit der Schritte und da man sowieso nichts wirklich verändern kann, kann man auch gleich alle Versuche einstellen und Party machen. Vergessen wird dabei, daß Streitgespräche Wissen aufbauen, sozial integrativ wirken und oft helfen das Gefühl der Ohnmacht zu verringer.

11. Was man nie vergessen sollte, transnationale Konzerne sehen das mit den Veränderungsmöglichkeiten ganz anders, diese sind unentwegt der Meinung, daß man natürlich alles verändern kann – oder bedeutet die massive Umverteilung des Vermögens von unten nach oben in den letzten Jahrzehnten keine Veränderung?
In allen Konzernzentralen wird eifrig an multinationalen Konzepten gestrickt, werden z.B. weltweit Rohstoffquellen aufgekauft oder erobert, Land gegrapped, Arbeitermassen – wie Maschinen, eben Gebrauchs- bzw. Verbrauchsgegenstände – von einem Land ins andere verschoben, aber auch Patente erstellt oder erworben, Lizenzverträge mit Firmen in Steueroasen geschlossen usw. usw. usw.
Vermögensumverteilungen im großen Stil gehen nicht wie durch Zauberhand ganz geheimnisvoll und unerklärlich von statten, da wird hart dran gearbeitet und da sind ganz, ganz viele helfende Hände aus Wirtschaft und Politik in der ganzen Welt daran beteiligt.

12. Es gibt nichts Gutes außer man tut es – dieser Sinnspruch hört sich leichter an, als er umzusetzen ist. Aber auch deshalb so schwer umzusetzen ist, weil wir uns alle ein stark quantitatives Denken angewöhnt haben, entweder bewegt man ganz, ganz viel, oder man kanns auch gleich ganz lassen, in allem steckt ein digitales Denken, 1 oder O, ja oder nein, bis du für mich oder gegen mich, bis du mein Freund oder mein Feind, hast du einen konstruktiven Vorschlag sonst halts Maul, was ist denn deine Kernaussage, worauf läßt sich denn dein Ansatz reduzieren, etc. etc. So funktioniert Leben nicht, so funktioniert nur das Bild vom Leben, das wir ständig in unserem Hirn produzieren (siehe Punkt 4).
Um bei sich und seiner Umwelt etwas zu verändern, gehört vor allem Ruhe und Beharrlichkeit, deshalb habe ich mir selbst das Mantra gegeben: „Schubladendenken – Nein danke!“.
Offenheit ist keinesfalls Beliebigkeit, und verschiedene Aspekte können auch gut unvermittelt nebeneinander stehen, man muß nicht immer sofort das eine mit dem anderen verrechnen, um zu einem festen Gesamtbild zu kommen. Eß ich Hummer – bin ich ein Kapitalistenschein, eß ich Frankfurter Würstchen mit Schrippe und Mostrich, bin ich aufrechter Proletarier. Das ist Schwachsinn.
Leben ist Vielfalt und nicht Einfalt. Und ob man politisch etwas Gutes getan hat, läßt sich oft genauso schwer beantworten, wie man objektiv nicht wirklich feststellen kann, ob man vor einem halbvollen oder einem halbleeren Bierglas sitzt.

13. Meine Motivation für diesen Blog ist, pauschale Zuschreibungen aufzuknacken, weil ich sie in einem nicht unerheblichen Teil für das Elend auf dieser Welt verantwortlich mache. Frontbildungen sind gut und falsch zugleich und wenn ich diese Aussage einfach mal so stehen lasse, dann werde ich dadurch nicht beliebig und indifferent in meiner politischen Haltung.
Der Kapitalismus hat sich da viel flexibler gezeigt und so gut wie alles in seinem System integriert, auch wenn es noch so revolutionär daher gekommen ist! Ein buddhistisch geschulter Marxist läßt sich nicht so leicht durch kostbare materielle Geschenke einfangen, er hat es viel leichter an den Sachthemen dranzubleiben.
Wie ich oben schon sagte, wir leben auf einem Planeten, der in Jahrmillionen der Evolution ganz wunderbare Kreisläufe entwickelt hat, aber ein Kreislauf verträgt sich eben nicht mit einem Wirtschaftssystem das auf Wachstum und Verzehr von unwiederbringlichen Ressourcen ausgelegt ist. Den Krieg, den wir Menschen gegen diese Kreisläufe führen, den Raubbau, den wir ständig betreiben, den müssen Menschen bezahlen und in der Regel sind es nicht die selben, die diese Kriege verursacht haben.

14. Der Sinn des Lebens ist so viel Glück wie möglich zu erlangen! So einfach wie dieser Satz klingt, so schwer ist es diesen Satz wirklich mit Inhalt zu füllen. Die Glücksforschung ist für einen buddhistischen Marxisten von ganz besonderer Bedeutung, deshalb möchte ich in diesem Blog versuchen dieser Frage immer wieder nachzugehen.
Wir haben uns einen gewissen Tunnelblick auf unseren eigenen Wohlstand angewöhnt, der sogenannte Andere kommt eigentlich nur noch in Sonntagsreden vor.
schon der Perspektivenwechsel, also sich anzugewöhnen einen Sachverhalt nicht nur aus der eigenen Perspektive, sondern auch aus der Perspektive des Anderen zu sehen, kommt in der Praxis auch kaum vor, wäre es anders, würden nicht so viele Coaches in der Wirtschaft ein so gutes Auskommen finden.

15. Zu guter letzt möchte ich nicht verheimlichen, daß ich mit meinem alten Freund Anselm Dal eine Wette abgeschlossen habe, bei der ich gewettet habe, daß es mir in den nächsten Jahren gelingen wird, meinen bescheidenen Lebensunterhalt für mich und meine Frau dadurch zu verdienen, daß ich mein in rund 35 Jahren aufgebautes know how in Projekte investiere, die mir politisch sinnvoll erscheinen.
Mir ist es nach wie vor völlig unverständlich, wie wenig Wertschätzung soliden Erfahrungen und älteren Mitarbeitern entgegengebracht wird. Wer meint, das Rad immer wieder neu erfinden zu müssen, vergeudet einen großen Teil seiner Ressourcen in Bereichen, die schon längst ausführlich erprobt und geklärt sind. Die, die wirklich – und nicht nur in der Werbung – den Weg für Innovationen freimachen, sind Mitarbeiter, die in Ihrer Geschichte schon vieles probiert und überall Erfahrungen gesammelt haben. Auf erfahrene Mitarbeiter zu hören, hilft jede Menge Fehlinvestition zu vermeiden! Das ältere Mitarbeiter nicht mehr in der Lage seien, den modernen Anforderungen gerecht zu werden und nicht mit jungen Mitarbeitern zusammen arbeiten wollen und können, halte ich wieder für so eine Schublade, die ich in diesem Blog mal durch Zahlen aufräumen möchte

Jedenfalls werde ich über meine Erfahrungen bei der Umsetzung meiner Wette ebenfalls regelmäßig in diesem Blog berichten, natürlich nur wenn es wirklich etwas zu berichten gibt…

Zwei Welten und ein Gedanke

Weit, weit entfernt von allen Schubladen, in die man sie schon versucht hat hineinzustopfen, empfinde ich gegenüber zwei großen Denkern eine ganz besondere Wertschätzung: Buddha und Marx.

Beide sind in einem sehr positiven Sinne „radikal“, beide gehen an die Wurzeln der Probleme heran. Der eine – Buddha – konzentriert seinen Blick auf den einen Menschen, mit all seinen Bewußtseinsebenen, seinen Ängsten und Hemmnissen, der andere – Marx – sieht den Menschen als Getriebenen, in den gesellschaftlichen Strukturen Gefangenen.

Dementsprechend will Buddha den Menschen ändernMarx die gesellschaftlichen Strukturen – beide wollen das Glück als zentrale Kategorie!

In diesem Grundsatzartikel möchte ich ganz kurz die beiden Denker vorstellen:

Buddha war ein Meister des MitgefühlsBuddha

Das Wort „Buddha“ bedeutet „der Erwachte“  und wird vor allem für den indischen Religionsstifters Siddhartha Gautama. Buddha Shakyamuni, wie man ihn oft auch nennt (also der Erwachte/Weise aus dem Geschlecht der Shakya) hat in der Achsenzeit (Karl Jaspers) des 5. vorchristlichen Jahrhunderts gelebt, so rund  zwischen 563 v. Chr. und 483 v. Chr. (die Zahlen schwanken etwas hin und her – je nachdem welcher wissenschaftlichen Meinung man sich anschließen will) also etwa 100 Jahre vor Sokrates in Griechenland. Das 5. und 4. vorchristliche Jahrhundert war in Asien und in Europa eine sehr dichte Zeit, wobei ich in späteren Beiträgen mal etwas darüber schreiben möchte, daß nicht jede Analogie auch Genealogie bedeutet…

Buddha wuchs in adligen und sehr wohlhabenden Verhältnissen auf, alle im Palast trachteten danach, ihn nicht mit den leidvollen Dingen des Lebens zu konfrontieren. Eines Tages sah er sich aber doch der Realität des Lebens und dem Leiden der Menschheit gegenübergestellt und erkannte eine Sinnlosigkeit in seinem bisherigen Leben: Die Legende berichtet von Begegnungen mit einem Greis, einem Fieberkranken, einem verwesenden Leichnam und schließlich einem Mönch, woraufhin er beschloss, nach einem Weg aus dem allgemeinen Leid zu suchen.

Mit 29 Jahren, bald nach der Geburt seines einzigen Sohnes Rahula („Fessel“), verließ er sein Kind, seine Frau Yasodhara und seine Heimat und wurde auf der Suche nach der Erlösung ein Asket. Sechs Jahre lang wanderte der Asket Gautama durch das Tal des Ganges, traf berühmte religiöse Lehrer, studierte und folgte ihren Systemen und Methoden und unterwarf sich selbst strengen asketischen Übungen. Da ihn all dies seinen Zielen nicht näher brachte, gab er die überlieferten Religionen und ihre Methoden auf, suchte seinen eigenen Weg und übte sich dabei vor allem in der Meditation. Er nannte dies den „Mittleren Weg“, weil er die Extreme anderer religiöser Lehren vermeiden wollte.

Mit 35 Jahren, am Ufer des Neranjara-Flusses bei Bodhgaya unter einer Pappelfeige (Bodhibaum) sitzend wurde er erleuchtet, was jedoch nicht etwa eine göttliche Eingebung bedeutet, sondern ein vollständiges Wachsein. Nach dem Erwachen hielt der Buddha, im Wildpark bei Isipatana nahe Benares vor einer Gruppe von fünf Asketen, seinen früheren Gefährten, seine erste Lehrrede. Damit setzte er das Rad der Lehre in gang. Diese fünf wurden damit die ersten Mönche der buddhistischen Mönchsgemeinschaft (Sangha). Von jenem Tage an lehrte und sprach er 45 Jahre lang – jenseits aller Kastenordnungen –  vor Männern und Frauen aller Volksschichten, vor Königen und Bauern, Brahmanen und Ausgestoßenen, Geldverleihern und Bettlern, Heiligen und Räubern.

Die 3 Kostbarkeiten sind also nicht nur ein Spezialgericht beim Chinesen um die Ecke, sondern auch die Juwelen, die Schätze der buddhistischen Gemeinschaft: Der Buddha, der Dharma, die Sangha. Buddhisten nehmen also Zuflucht zu diesen 3 Schätzen, der Person des historischen Buddha – die strenggenommen kein Gott ist sondern nur ein Vorbild – die Lehre dieses Buddha, der Dharma – und die Gemeinschaft all derer, die die Lehren des Buddha im täglichen Leben praktizieren, die Sangha (ursprünglich was damit nur die Mönchsgemeinschaft gemeint).

Im Alter von 80 Jahren verstarb Gautama der Legende nach in Kushinagar, nachdem er ein verdorbenes Gericht verzehrt haben soll.

Die Lehre Buddhas geht von 4 Wahrheiten aus:

Es ist dies die Wahrheit von der Angst, ihres Ursprungs, ihres Aufhörens und des Weges, der zu ihrem Aufhören führt.

Diese 4 Wahrheiten sind keine Glaubenssätze sondern Handlungsaufforderungen:

Die Angst muß zunächst verstanden werden, dann muß von ihrem Ursprung abgelassen werden und auf dem Weg des Alltäglichen dieses Aufhören verwirklicht werden. Um dies alles zu realisieren bedarf es eines Schulungswegs, auf dem die ersten 3 Wahrheiten geübt werden können.

Diesen Übungsweg, der sich in 3 Gruppen aufteilt, nennt der Buddha den 8fachen Pfad zum rechten Leben:

I. Weisheit

1 Rechte Erkenntnis (ist die Einsicht in die Vier Edlen Wahrheiten von der Angst, ihres Ursprungs, ihres Aufhörens und des  Achtfachen Edlen Pfades, der zu ihrem Aufhören führt).

2 Rechte Gesinnung (ist die Aufforderung, die Gedankenwelt ständig zu prüfen: Handelt es sich um einen heilsamen Gedanken, also einen Gedanken, der mir und den anderen Wohl beschert, oder um einen unheilsamen Gedanken, der mir und anderen Ungemach oder Leiden beschert?).

II. Sittlichkeit

3 Rechte Rede (meidet Lüge, Verleugnung, Beleidigung und Geschwätz)

4 Rechtes Handeln (vermeidet Töten, Stehlen und sinnliche Ausschweifungen

5 Rechter Lebenserwerb (bedeutet  einen Beruf auszuüben, der anderen Lebewesen nicht schadet und der mit dem Edlen Achtfachen Pfad vereinbar ist. Buddhisten sollen besonders fünf Arten von Tätigkeiten weder selbst ausüben noch Andere dazu veranlassen: Der Handel mit Waffen, der Handel mit Lebewesen, die Tierzucht und der Handel mit Fleisch, der Handel mit Rauschmitteln, der Handel mit Giften).

III. Konzentration

6 Rechtes Streben (oder rechte Einstellung bezeichnet den Willen, Affekte wie Begierde, Hass, Zorn, Ablehnung usw. bei Wahrnehmungen und Widerfahrnissen zu kontrollieren und zu zügeln. Wie beim „rechten Denken“ geht es hier um das Prüfen seiner Gedanken, und das Austauschen unheilsamer Gedanken durch heilsame Gedanke)

7 Rechte Achtsamkeit (betrifft zunächst den Körper, also die Bewusstwerdung aller körperlichen Funktionen wie Atmen, Gehen, Stehen usw., dann im weiteren die Bewusstwerdung gegenüber allen Sinnesreizen, Affekten und allen Denkinhalten. Sie sollen umfassend bewusst gemacht sein, ohne sie kontrollieren zu wollen. Die Achtsamkeit auf das „Innere“ prüft die Geistesregungen und benennt sie. Es geht um ein Bewusstwerden des ständigen Flusses der Gefühle und der Bewusstheitszustände. Die Achtsamkeit auf das „Äußere“ bewirkt, ganz im Hier-und-Jetzt zu sein, nicht der Vergangenheit nachzugrübeln und nicht in der Zukunft zu schwelgen. Das heißt auch ganz bei einer Sache oder Person zu sein, mit der man in diesem Augenblick konfrontiert ist, oder bei einem Gespräch, das man führt).

8 Rechte Sammlung (bezeichnet die Fertigkeit, den unruhigen und abschweifenden Geist zu kontrollieren. Häufig auch als höchste Konzentration bezeichnet, ist sie ein zentraler Teil der buddhistischen Spiritualität. Es geht hier im Wesentlichen um die Meditation, die vor allem die Konzentration auf ein einziges Phänomen (häufig der Atem) verwendet, wodurch der Geist von Gedanken befreit wird und zur Ruhe kommt.

Wie man sieht geht es beim Buddha auf der Basis einer ganz klaren ethischen Grundlage um die Bewußtseinsschulung des Einzelnen.

In einzelnen Beiträgen werde ich immer wieder darauf zurückkommen.

Lebensdaten siehe Wikipedia >>>

Ich komme zu dem zweiten Denker, dem ich sehr große Wertschätzung entgegenbringe und der im 20. Jahrhundert ganz besonders viel an Schubladen-Zuweisungen ertragen mußte, so daß man heute sich fast schon der Verteidigung des Massenmords (z.B. Stalins und Maos) schuldig macht, wenn man es wagt etwas Positives über Marx zu sagen. Dabei hat Marx soviel mit diesen Massenvernichtungsmaschinen zutun wie Jesus mit den Kreuzzügen oder der Inquisition viel mehr gilt im Gegenteil:

Karl Marx war ein radikaler Demokrat!Karl-Marx

Die Zeiten der theoriestarken, kritischen „Alleszermalmer“, wie z.B. Kant und Marx, sind natürlich vorbei. Die Herkulesarbeit des Begriffs ist dem proseccotrunkenen, smarten Werbeslogan gewichen. Hinter der kernigen, empörten Fassade vieler sogenannter Linker gähnt die Leere der Begriffe und Analysen.

Im Sinne einer anti-ideologischen Aktion kann es von Nutzen sein, den Weg auf Denker und ihre Schriften freizumachen, die mit dem Untergang ihrer chefideologischen Interpreten des sogenannten Ostblocks im riesigen Sog des Vergessenwollens mit in die Tiefen der Geschichte hinabgerissen wurden.

Einer der in der kollektiven Amnesie einer ganzen Generation besonders betroffen war und deshalb im letzten Jahrzehnt des vorigen und ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts aus dem kritischen Diskurs ganz schnell verschwand, war Karl Marx. Schon zu Lebzeiten wollte er nie ein Marxist sein und jede Apologetik einmal entwickelter Lehren war ihm immer suspekt und zuwider. Die strukturelle, systemische Gewalt hat er hinter der glatten Fassade der kapitalistischen Welt, in deren System alle zu Getriebenen werden, freilich mehr oder weniger gut alimentiert, an die Oberfläche gezerrt und demokratisch, humanistisch bewertet. Sein Befund, daß die Krise für die kapitalistische Wirtschaftsordnung konstitutiv ist, haben wir in den letzten Jahren genauso schmerzlich miterlebt, wie den menschenverachtenden Akkumulationsprozeß des Kapitals, in dem humanistischen Werte im System der Profitmaximierung keine Rolle mehr spielen.

Nachdem Marx nun nicht mehr – freilich post hum – herhalten muß, um unterschiedlichste Arten von menschenverachtenden und diktatorischen Auswüchsen zu rechtfertigen, kann man sich nun dem hochintelligenten, messerscharf denkenden Sozialwissenschaftler zuwenden, dessen Analysen und Methoden zwar historisch kontextualisierbar sind, aber dennoch nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt haben.

Begriffe wie Verdinglichung, Entfremdung, Warencharakter, Kapitalverwertbarkeit und Pauperisierung können nach den exegetischen Religionskriegen des 20. Jahrhunderts wieder gehoben und ideologiefrei benutzt werden. Eine Pauperisierung des Mittelstands durch Produktivkraftentwicklung, globalen Wettbewerb und Enthumanisierung des Finanzmarktes können mit ideologiefreiem, wissenschaftlich ermitteltem Zahlenmaterial belegt werden.

Viele moralisch anständige Menschen haben Angst, daß durch historische Kontextualisierungen und ideologiefreie Interpretationen von Denkern der Geschichte, die Sprengkraft und Vitalität ihres Denkens in der Beliebigkeit untergeht und einer, wie der andere Denker gleichermaßen Recht wie Unrecht hat. Die Gefahr kann in rechtem Licht betrachtet aber eigentlich nicht bestehen, die globale Gemeinschaft der fühlenden Wesen ist für ihr Überleben insgesamt von ihren natürlichen Grundlagen abhängig und als Gesellschaft von ihrem menschenwürdigen Umgang miteinander – also dem, was man mit den Schlagworten – Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit benennen könnte. Mit diesen Prämissen sind aber gleichzeitig Kriterien benannt, an denen sich jede Theorie und jeder Denker messen lassen muß.

Das Untergehen der Blöcke, der bipolaren Welt von Kommunismus und Kapitalismus macht den Weg wieder frei für eine dialektische Bewegung der Geschichte und diskrediert in keinster Weise die inhaltlichen Aspekte von Demokratie und Menschenwürde. Wenn auf einem Planeten, der vor Reichtum überquillt und dessen landwirtschaftliche Produktivität mehr als 10 Milliarden Menschen ernähren könnte, rund 1 Milliarde Menschen hungern und alle 5 Sekunden ein Kind unter 10 Jahren an Hunger stirbt, dann ist das keine Frage der richtigen oder falschen Ideologie, um diese Tatsache als menschenverachtend und ungerecht zu brandmarken. Menschenwürde und Gerechtigkeit sind keine beliebig zu füllenden Kategorien oder von naturgesetztlicher Art.

Wie Marx in seinen Schriften immer wieder gezeigt hat, ist eigentlich alles, was wir als vermeintlich objektiv anzusehen und deren Zwangsläufigkeiten wir uns eben unterwerfen müssen, wenn wir vernünftig sind, in Wahrheit von Menschen gemachte und von Menschen veränderbare Strukturen mit einer verdinglichten Fassade, wie in einem Marionettentheater. Die Sachzwanglogik ist durch und durch falsch und ideologisch. Sie funktioniert nur deshalb so gut, weil sie in einer komplexen und undurchsichtigen, globalen Welt unserem Gehirn die Möglichkeit bietet, vermeintlich Anker an Orten zu setzen, an denen die Wirklichkeit dies eigentlich völlig unmöglich macht. Wer sich von der Sachzwanglogik befreit, befreit sich von Illusionen und Ideologien.

Der Warencharakter und die Zwangsökonomiesierung aller Lebensverhältnisse und zwischenmenschlichen Beziehungen kann mit dem Werkzeugkoffer, den Marx uns hinterlassen hat, immer wieder aufgedeckt und benannt werden. Die instrumentelle Vernunft, die inzwischen den ganzen Globus erfasst hat, ist eine immanente, system- und strukturstabilisierende Vernunft, die nur durch ideologiefreie Kritik transzendiert und überwunden werden kann. Mit der Perpetuierung alter Ideologie und überkommener Gesellschaftsmodelle können wir aber die Probleme von heute und morgen nicht mehr lösen, wir brauchen Offenheit und Kreativität, um neue Wege jenseits der Fronten des kalten Kriegs einzuschlagen und gerade hier helfen uns kritische, strukturanalytische Sozialwissenschaftler wie Marx ausgezeichnet.

Wenn man von Marx und seiner Arbeitsweisen etwas lernen kann, dann ist es Kritikfähigkeit allem und jedem gegenüber, vor allem aber auch sich selbst gegenüber. Wir sollten uns immer wieder klarmachen, daß unser Bedürfnis immer wieder nach Beweisen für einmal gemachte Erfahrungen und damit verbundene Bewertungen zu suchen, nur die eine Seite unseres Gehirns ausmacht, die andere Seite ist unsere Fähigkeit zur neuronalen Plastizität, also daß wir in der Lage sind einzelne Bausteine und Erfahrungen durch Reflexion und Kritik immer auch wieder zu neuen Bildern zusammenbauen können.

Wenn wir also mit Marx unsere Kritik- und Analysefähigkeit immer wieder verbessern, dann tun wir auch etwas für unsere Gesundheit und gegen wachsende Senilität im Alter. Es ist nie zu spät, um Kritikfähigkeit zu lernen. Und so sollten auch die Schriften des Demokraten Karl Marx von Ihrer unheilvollen Wirkungsgeschichte entlastet werden und eine zweite Chance erhalten.

Auch auf diesen Denker werde ich in meinem Blog immerwieder zurückkommen

Lebensdaten siehe Wikipedia >>>

MEWWer mal in den Werken von Marx und Engels lesen will, kann dies gleich auf meinem Blog tun

Das bumap2.3 Konzept

Menschen, die in der Sache etwas bewegen, etwas verändern wollen, haben in den letzten Jahrzehnten viel dazu gelernt und vermeiden heute in öffentlichen Diskussion oft den Gebrauch von Reizworten – und dies mit sehr gutem Grund – müssen wir doch alle ständig die Erfahrung machen, daß es ganz vielen Menschen nicht um einen sachlich nüchternen Blick auf dringend veränderungswürdige Dinge geht, sondern um das Beharren und Bestätigen ihrer Vorurteile um vermeintlich „sicher und smart“ durchs Leben zu kommen.

Vor diesem Hintergrund mag es sicher eher kontraproduktiv sein in diesem Blog das Akronym „bumap2.3“ einzuführen. Was sich hinter dieser Abkürzung „bumap 2.3“ verbirgt, ließe sich natürlich problemlos rein inhaltlich beschreiben und damit könnte ich auf jegliche Reizworte verzichten.

Da mein Blog aber unter dem Motto steht „Schubladendenken – Nein Danke!“, möchte ich bewußt die beiden Reizworte „Buddhismus“ und „Marxismus“, die sich neben dem Wort Philosophie hinter dieser Abkürzung „bumap2.3“ verbergen, zugegebenermaßen in provokativer Absicht, benutzen, wohl wissend, daß bei der Verwendung eines der beiden Worte oder auch beider Worte gemeinsam sofort jede Menge Rolladen runtergelassen werden!

Bumap-Logo
Was wäre, wenn alle Vorurteile und Schubladen über Buddhismus und Marxismus, im Kern diese beiden Weltanschauungen gar nicht treffen würden, Buddha & Marx gleichermaßen Recht hätten und sich dem vergesellschafteten Glück ALLER Menschen nur von verschiedenen Seiten genähert hätten, dann würde man trotzdem zwischen den Stühlen sitzen, die Frage ist nur, kann man nicht zwischen den Stühlen auch bequem stehen oder den aufrechten Gang üben?

Viele verbinden mit dem Wort „Buddhismus“ nichts als apolitischen Eso-Kitsch mit dem allerdings die Lehre des historischen Buddha so viel zu tun hat, wie eine glückliche allgäuer Kuh mit dem Spitzentanz, genauso verbinden viele mit dem Wort „Marxismus“ nichts als die Kunstfigur des 20. Jahrhunderts, die man nicht verteidigen oder positiv rezipieren darf, weil man damit gleichzeitig den russischen oder chinesischen Massenmord unter Stalin oder Mao verteidigt, wobei auch hier der historische Marx soviel mit diesen Ereignissen zu tun hat, wie Jesus mit den Kreuzzügen und der Inquisition.

Wer aber trotzdem damit Probleme hat, daß ich hier den Konzeptversuch einer „buddhistisch-marxistischen Philosophie“ auf den Weg bringen möchte, sollte am besten diesen Blog gleich wieder zumachen. Wer sich jedoch mit mir gemeinsam darin üben möchte, nicht sofort alle Vorurteile auf den Tisch zu knallen und sich erst mal in aller Ruhe anhören, bzw. lesen möchte, was ich unter dem Akronym „bumap 2.3“ verstehe, ist herzlich eingeladen in diesem Blog weiterzulesen.

Was mir in den vergangenen 40 Jahre bei meiner zyklisch wiederkehrenden Beschäftigung mit dem Marxismus des 20. Jh. immer wieder aufgefallen ist, ist die Tatsache, daß sich Linke oder ich sag mal summarisch viele, die sich auf die Thesen und Analysen von Karl Marx berufen, sich sehr schwer damit tun, sich über den kalten, analytischen Verstand hinaus auf den Menschen mit all seinen Gefühlen, Ängsten, Zweifeln, Sorgen zu beziehen und ihn auch auf diesen emotionalen Ebenen anzusprechen und um es gleich zu sagen, damit möchte ich in keiner Weise die pragmatische Hilfe, die von Linken (natürlich von vielen anderen auch, um die es aber hier nicht geht) ganz selbstverständlich in den letzten 150 Jahren geleistet wurde schmälern, sondern nur darauf hinweisen, daß Menschen auch immer gefühlsmäßigen Beistand brauchen und Widerstand, wie Veränderung ohne Mitgefühl nicht auskommen kann.

Was ich damit meine, hat Ernst Bloch mal in einer kurzen Geschichte vom Ende der zwanziger Jahre (des letzten Jahrhunderts) in etwa so erzählt (die genaue Stelle habe ich gerade nicht zur Hand): Ein Sozialist und ein Nazi halten einen Vortrag über Limonade, der Sozialist referiert akkribisch über alle Inhaltsstoffe der Limonade, beschreibt alle Gefahren, die von Ihnen ausgehen und welche riesigen Gewinne der Unternehmer mit der Limonade einfährt. Dann geht er ohne große Regungen des Publikums vom Rednerpult ab.

Nun tritt der Nazi-Redner ans Pult. Er bedankt sich kurz und förmlich bei seinem Vorredner und beginnt ohne große Umwege sofort über den wunderbaren Geschmack, das Prickeln und die tolle Farbe der Limonade zu schwärmen, dann verbindet er bruchlos dieses Gefühlserlebnis beim Trinken der Limonade mit dem großartigen und Gemeinschaft stiftenden Erlebnis einer Jugendgruppe, die am Lagerfeuer gemeinsam diese Limonade – ein Meisterwerk deutscher Lebensmittelkunst – konsumiert. Kaum hat er seinen Vortrag beendet, brandet überschäumender Ablaus auf, alle sind voller Begeisterung für die Limonade und die gemeinsame Sache, jetzt wird die Limonade gleich im Saal verteilt und viele trinken jetzt gemeinsam diese rein deutsche Limonade. Manche treten gleich im Vorraum des Festsaals dieser überzeugenden Partei bei, deren Redner so wunderbar die Herzen der Menschen mit seiner glühenden Rede über die Limonade und über das Gemeinschaft stiftende Erlebnis, das vom Trinken der Limonade ausgeht, gesprochen hat.

Der Sozialist hat längst den Festsaal verlassen, Wut und Verbitterung bestimmen seine Gedanken, denn er kann es nicht fassen, welchen Lügen über die Limonade die Zuhörer euphorischen Ablaus gespendet haben.

Bloch beschließt seine Geschichte mit der nüchternen Feststellung, daß die Nazis wahrscheinlich nie an die Macht gekommen wären, wenn der Sozialist in der Lage gewesen wäre, die Gefühlswelten der Zuhörer zu erreichen (Ich habe die Geschichte aus meiner Erinnerung erzählt, vielleicht kennt ein Leser dieser Zeilen das Buch und die Stelle und teilt mir die Literaturangabe mit, ich würde die Geschichte gerne einmal wieder im Original lesen).

Ich möchte sofort betonen, daß es in dieser Geschichte nicht um den Marketing-Aspekt gehen kann, der heute in der Werbung bis zum Überdruss benutzt wird, sondern um den Aspekt, daß es immer Menschen mit ihren Ängsten, Wünschen, ihrem defizitären Denken sind, um die es geht. Allzuleicht wird dies bei einer brillianten Strukturanalyse – wie dies bei Marx der Fall ist – vergessen, muß aber bei allem Handeln immer mit einbezogen werden!

Aus dieser Geschichte ergeben sich also einige Aspekte, die ich für meine Intention, buddhistische Philosophie mit marxistischem Denken zu verbinden, kurz ansprechen möchte – sicher werde ich im Fortgang meines Blogs immer wieder einzelne Aspekten noch detaillierter besprechen können:

1. Natürlich ist die mit der Aufklärung und den letzten 500 Jahren der Entwicklung einer modernen Naturwissenschaft verbundene kalte, also nüchterne, Rationalität eine wesentliche und positiv zu beurteilende Entwicklung. Was diese Entwicklung jedoch nicht vermochte, war, das Vakuum der religiösen, mythischen, numinosen Bedürfnisse der Menschen, die sich über zehntausende von Jahren entwickelt haben, mit neuen Inhalten zu füllen, die in der Lage sind, die emotionalen, lebensnotwendigen Felder des Menschen positiv zu besetzen.

2. So wichtig und richtig die strukturelle Analyse der Gesellschaft auch ist und das Aufdecken kapitalistischer, menschenverachtender, systemische Zustände eine unabdingbare Grundlage für sinnstiftendes politisches Handeln ist, so wichtig ist doch auch die simple Tatsache, daß Gesellschaften aus realen Menschen bestehen und das wir Gesellschaften deshalb nicht allein durch die Veränderungen von Gesellschaftsordnungen und Veränderungen in Machtapparaten ändern können sondern sich die Menschen selbst gleichzeitig mitverändern oder besser noch vorher verändern müssen.

3. Genau weil wir es mit einer Dialektik von gesellschaftlichen Verhältnissen, im marxistischen Sinn dem „Sein“ auf der einen Seite, und Menschen, mit Ihren Ängsten, Nöten, Sorgen, also ihren Leiden, im buddhistischen Sinn ihrem „Bewußtsein“ auf der anderen Seite zu tun haben, deshalb halte ich eine buddhistisch-marxistische Philosophie, die sich nicht durch Schubladendenken und Vorurteile abwürgen läßt, für eine sinnvolle Verbindung.

4. Natürlich ist es ungeheuerlich, wenn auf einem Planeten, der vor materiellem Reichtum überquillt, alle 5 Sekunden ein Kind unter 10 Jahren jämmerlich verhungert (siehe Jean Zieglers Bücher) und insgesamt durchschnittlich 1 Milliarde Menschen dauerhaft schwerstens unterernährt sind, aber wir können diese schrecklichen Mißstände nicht alleine durch zahlenmäßig untermauerte Appelle an die Machthaber auf diesem Globus angehen, es bedarf gleichzeitig einer individuellen, detaillierten Entwicklung von wahrem Mitgefühl (nicht Mitleid – wo immer ein Machtverhältnis impliziert ist!) um Menschen dazu zu bewegen, etwas für die Veränderung auf diesem Planeten zu tun. Niemand wird im Ernst bestreiten können, daß Buddhisten bei der wirklichen, also tragfähigen Entwicklung von Mitgefühl die absoluten Vollprofis sind.

5. Natürlich ist die nüchterne marxistische Analyse der strukturell zwangsläufigen Verelendung des Proletariats und des Mittelstand bei einem immer weiter fortschreitenden Konzentrationsprozesses des internationalen Kapitals absolut korrekt und jederzeit wiederum mit Zahlen unterlegbar, trotzdem wird niemand bei genauerem Blick auf die Akteure dieses Konzentrationsprozesses in Abrede stellen können, daß die Wurzeln dieser Entwicklung nicht nur in der strukturellen Getriebenheit der Kapitaleigner liegt, wie es aus der marxschen Analyse hervorgeht, sondern auch in der grenzenlosen Überbewertung des ICHS mit all seiner Gier, seinem Hass und seiner Unwissenheit. Und auch hier wird niemand ernsthaft bestreiten können, daß Buddhisten bei der Entwickung des Schulungsweg, auf dem man lernt, sein Ich nicht so wichtig zu nehmen und seine Gier, seinen Hass und seine Unwissenheit zu überwinden, wiederum die absoluten Vollprofis sind.

6. Ein ganz großes Verdienst der Aufklärung war es, den triebgesteuerten, unreflektierten Verhaltensweisen der Menschen in voraufklärerischen Jahrhunderten, die Kraft und Umfassendheit der Vernunft gegenüber gestellt zu gaben. Bildung, also Wissen sollte „den Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit herausführen“ (Kant). Die rasante, instrumentell vernünftige Produktivkraftentwicklung des modernen Kapitalismus wäre ohne die Aufklärung undenkbar gewesen, darüber herrscht sicher auch bei Marxisten Einigkeit.
Nun ist aber Unwissenheit durch die Aufklärung nicht ein für alle mal verschwunden, im Gegenteil durch die Datenfluten die uns heute unaufhörlich überschwemmen, nimmt das Maß an Unwissenheit dramatisch zu. Das Dauergefühl der Ohnmacht angesichts der Masse von Informationen – natürlich drastisch verstärkt durch die globalisierte Medienwelt – führt zu einem massiven Abwehrmechanismus des Gehirns, das einer ständigen Reiz-/Informationsüberflutung ausgesetzt ist.

7. In dieser ständig an Geschwindigkeit zunehmenden Welt ist der Aufbau von beständigem Wissen, beziehungsweise der Abbau der Unwissenheit, der ja auch für jeden Marxisten von zentraler Bedeutung ist, nicht nur eine Frage der richtigen Entscheidungen. Gerade heute ist ruhige Konzentrationsfähigkeit, bewertungslose Gelassenheit und messerscharfe, ganzheitliche Analyse eine schwer zu erreichende aber unbedingt notwendige Voraussetzung um Unwissenheit abzubauen. Auch hier wird niemand ernsthaft bestreiten können, daß Buddhisten durch ihren spezifischen achtfachen Schulungsweg Vollprofis sind, wenn es um das Erlernen hoher Konzentrationsfähigkeit und messerscharfer, ganzheitlicher Analysemethoden geht.

8. Gerade weil der Marxismus eine umfassende, sozialwissenschaftliche Strukturwissenschaft ist, was vor allem der brillianten, scharfen und auf universale Bildung gegründeten Methoden von Karl Marx und seinen akkribischen Untersuchungen von Ursachen und ihren Wirkungen zu verdanken ist, ist der Marxismus so wunderbar mit buddhistischem Denken zu verbinden, denn niemand wird ernsthaft abstreiten können, zumindest sobald er seine Vorurteile abzulegen bereit ist, daß auch der Buddhismus eine Strukturwissenschaft ist, die vom Aufdecken der Zusammenhänge zwischen Ursachen und Wirkungen lebt. Wenn wir z.B. heute nicht umweltpolitisch nachhaltig handeln, wird unser heutiges Versagen die Ursache dafür sein, daß unsere Enkel übermorgen die Wirkungen dieses Versagens erleiden müssen, kann es denn richtig sein, daß wir etwas, das wir von unseren Kindern nur geborgt haben, „nachhaltig“ zerstören.

9. Wer sich heute als Marxist versteht, der weist immer wieder auf die grundsätzlichen Strukturen hin, die mit dem Kapitalismus verbunden sind und die dafür verantwortlich sind, daß es auf diesem Planeten so viele Mißstände gibt (ehe jetzt einer sofort wieder schreit, alles Schwachsinn, es ist uns doch noch nie so gut gegangen wie heute – möchte ich doch mal den einfachen Hinweis geben, daß man hier mal in aller Ruhe und so komplex und achtsam wie möglich, darüber nachdenken, man könnte auch sagen meditieren, sollte, was eigentlich unter dem kleinen Wort „UNS“ zu verstehen ist!).
Um diese strukturelle Denkmethode wirklich zu verinnerlichen, ist eine intensive Beschäftigung mit buddhistischer Philosophie besonders effektiv, hier beziehe ich mich natürlich vor allem auf das buddhistische Konzept der „Leerheit“ (übrigens eines der am häufigsten mißverstandenen Konzepte im Buddhismus). Was das Konzept der „Leerheit“ meint, ist kurz gesagt nichts weiter als die schlichte, aber schwer zu lebende Einsicht, daß es nichts auf diesem Planeten geben kann, was eine eigenständige, von allem anderen unabhängige Existenz hat, denn grundsätzlich hängt immer alles mit allem zusammen, nichts verändert sich allein aus sich selbst heraus, unabhängig von allem Anderen und jede Veränderung hat Konsequenzen für tausend andere „Dinge“!
Ein plattes Beispiel mag hier genügen: Wenn wir ein saftiges, 350g schweres Steak genüßlich verspeisen, dann hat dieses Steak, bis es bei uns im Magen ist, rund 3500g CO² produziert, hängt also alles mit allem zusammen oder nicht? Aber! will es denn jemand wissen? Natürlich nicht! Genau an dieser Schnittstelle und an millionen weiteren kommt Marxismus und Buddhismus zusammen (diese Aussage möchte ich dann in späteren Beiträgen näher beleuchten)!

10. Viele Buddhisten weisen inzwischen immer wieder darauf hin, daß ein ethisches Verhalten nicht an Religionen gebunden ist und daß die „transzendentale Obdachlosigkeit“ (Lukács) keine Entschuldigung dafür sein kann, sich moralisch wie ein Schwein (das arme Schwein) zu verhalten. Gerade weil auf diesem Planeten soviele schreckliche Dinge im Namen von Religionen passieren, halte ich diesen buddhistischen Ansatz für sehr nützlich und zwar für alle Menschen und auch Karl Marx – so wie ich ihn kenne – würde dies sofort unterstützen.
Menschenwürde für alle fühlenden Wesen, echte ökologische Nachhaltigkeit (siehe zunächst meine grundsätzlichen Ausführungen zum Namen dieses Blogs), Solidarität, Gerechtigkeit und Demokratie sind doch keine Ziele oder Kriterien die an eine Religion gebunden sind, diese Ziele kann auch ein Atheist oder Agnostiker unterstützen. Wichtig ist nur, daß man sie in seinem täglichen Handeln so gut als möglich berücksichtigt. An dieser Stelle ist es für manchen sicher nicht uninteressant zu wissen, daß im buddhistischen Denken ein Mensch als die Summe seiner Handlungen gilt. Eine Denkweise, die besonders in Zeiten der bunt schillernden Fassaden hinter denen die Leere gähnt, interessant ist und dafür sensibilisieren sollte, daß die vollmundige Ankündigung von Handlungen nicht mit der Handlung selbst verwechselt werden sollte, eine Gefahr, die in virtuellen Zeiten, wie der unseren, besonders groß ist.

11. Der Werbespot, den die Partei „Die Linke“ zur Europawahl 2014 produziert hat und den ich auf der Sidebar dieses Blogs verlinkt habe, weil er mir so ausnehmend gut gefällt, zeigt einen sogenannten Wutbürger, der über Wissen und Erfahrung verfügt und der sich von den schönen Fassaden der Mächtigen nicht mehr länger „verarschen lassen will“ und auf ensprechende Fakten hinweist. Auch hier wird es für ein buddhistisch-marxistisches Zusammenspiel sehr interessant.
Natürlich ist es durch und durch verständlich, daß sich der Bürger in dem Spot extrem ärgert, wichtig zunächst für ihn selbst ist aber, schon aus gesundheitslichen Gründen (hoher Blutdruck etc.), daß er lernt so schnell wie möglich die massive negative Emotion an sich vorbeiziehen zu lassen, aber – und jetzt kommt’s – nicht um möglichst schnell wieder in einem Gefühl resignativer Ohnmacht zu versinken, sondern um alleine oder gemeinsam mit anderen die Situation zu analysieren und darüber gelassen und in aller Ruhe nachzudenken, was man tun könnte und das vor dem Hintergrund grenzenlosen Mitgefühls für all die, die z.B. keine angemessene Pflege bekommen oder die Folgen eines Freihandelsabkommens der EU mit den USA ausbaden müssen etc. etc.

12. Ein Frühwarnsystem für negative Emotionen ist besonders für politisch aktive Linke von ganz besonderer Bedeutung, weil sie nach dem Wegfall der politischen Blöcke und dem scheinbaren Siegeszugs des Kapitalismus besonders häufig in die Situation geraten, daß sie allein dastehen und sich gegen ein Meer von Ignoranz verteidigen, beziehungsweise anargumentieren müssen. Eine ausgebildete innere Stimme kann uns frühzeitig darauf hinweisen, daß wir uns in blinder Wut verrennen oder polemisch werden, anstatt uns auf die Fakten zu konzentrieren, und hier hat die Linke – wie ich in den letzten 40 Jahren immer wieder feststellen konnte – wirklich keinen Grund sich zu verstecken. Zu Menschenwürde für alle fühlenden Wesen, ökologische Nachhaltigkeit, Solidarität, Gerechtigkeit und Demokratie gibt es keine Alternativen, nur im Weg diese Ziele zu verfolgen gibt es Alternativen wahrscheinlich so viele wie es Individuen gibt.
Linke sind oft Menschen, die sich nicht gerne mit summarischen Stammtischparolen abspeisen lassen wollen, Wissensaufbau über die Dinge und Zusammenhänge in dieser Welt wird in der Regel von Linken bejaht. Nun ist es aber so, daß durch sehr gut vernetztes und global aktives Wirtschafts- und Finanzkapital im gleichen Maße, wie deren Aktivitäten steigen – und bei schwindenden Resourcen müssen legale wie illegale Aktivitäten immer steigen, auch das Maß der mentalen Belastungen für kritisch denkende Menschen ständig zunimmt. Bei der Bewältigung dieses mentalen Problems, also die wachsende Zahl an globalen Problemen mental zu verkraften, ergänzen sich Buddhismus und Marxismus auf wunderbare Weise, denn buddhistische Philosophie gibt uns die Möglichkeit sich mit diesen Problemen zu befassen, ohne wahnsinnig zu werden oder in ohnmächtige Starre und Resignation zu verfallen.

13. Kommen wir mal noch zu den beiden Zahlen „2.3“ am Ende der Abkürzung, da ich die Begegnung der beiden Weltanschauungen, der des Buddhismus und der des Marxismus für ein erfolgversprechendes, dialektisches Geschehen von 2 einander durchdringenden Thesen halte, verwende ich zunächst die Zahl 2 als Symbol und teile diese mit einem Punkt von der Zahl 3, die für die emergente Synthese dieser beiden Weltanschauungs-Ansätze steht, in der Synthese von buddistischem und marxistischem Denken, bleibt keines von beiden das alte, die Synthese weist Eigenschaften auf, die sich nicht mehr aus den Einzelbausteinen erklären lassen, ist also emergent, der dialektische Prozeß hat also etwas Neues zu Tage gefördert, das könnte dem historischen Buddha und dem historischen Marx gefallen, denn beide Personlichkeiten sind ausgesprochene Prozeßdenker und das könnte auch der Evolution gefallen, die ja bzgl. dialektischer, emergenter Prozesse ein echter Vollprofi ist.

14. Die Verfechter des Kapitalismus haben in den letzten rund 100 Jahren immer wieder gerne – mehr oder wenig kosmetisch verpackt – sozialdarwinistische Thesen geschwungen – wie auch jetzt wieder im Europawahlkampf – so nach dem falsch verstandenen Grundsatz, der Stärkere setzt sich halt durch, wir wollen keine Faulenzer und Sozialflüchtlinge in unseren hart erarbeiteten Sozialsystemen, es ist doch kein Wunder das der Kapitalismus sich gegen den Kommunismus durchgesetzt hat, der Stärkere setzt sich halt immer durch.
Aber für die Erdgeschichte und die darin ablaufende Evolution ist die Menschheitsgeschichte jedoch nur ein winziger Tropfen auf einem heißen Stein – von einem Anthropozen zu sprechen, entspricht nur dem üblichen menschlichen Größenwahn – und am Ende des Tages könnte sich herausstellen, daß der aus der Evolution hervorgegangene Mensch es halt doch nicht geschafft hat, sich den Lebensverhältnissen auf diesem Planeten so anzupassen, daß er überleben kann, bzw. sich sogar weiterentwickelt (dazu mehr im Grundsatzbeitrag zum Namen dieses Blogs „Ökoradix“), man sollte halt doch etwas besser Englisch können, dann würde man den Ausspruch „survival of the fittest“ doch etwas besser übersetzen können.

15. Drop your Ego – nehm dich selbst nicht so wichtig (frei übersetzt)! Dieser buddhistische Grundsatz trifft auf ganz viele Linke, auf politisch arbeitende Menschen in den unterschiedlichsten Bereichen, besonders in den vielen NGOs dieser Welt zu, denn sonst würden diese Menschen nicht so viel ihrer kostbaren Lebenszeit für ihr politisches Engagement investieren. Im Kontrast dazu gibt es natürlich auch die, die ständig ihren Körper, also ihre Fassade optimieren müssen, also Maskenbildner ganz besonderer Art sind, die kein Verständnis und kein wahres Mitgefühl für die haben, die auf dieser Welt durchs Raster fallen und millionenfach elendiglich verrecken müssen, weil wir es bei all unserem angehäuften Reichtum nicht fertig bringen, daß niemand mehr hungern muß. Das Zarteste ist eben nicht die richtige Hautcreme! „Zart wäre einzig das Gröbste: daß keiner mehr hungern soll“ wie Adorno in seinen Reflexionen aus dem beschädigten Leben so treffend formuliert hat (Adorno, Minima Moralia, Text 100).

16. Der Abtausch von Vorurteilen, das schnelle Einordnen in Schubladen bringt uns nicht weiter, alle fühlenden Wesen auf diesem Planeten haben das Recht auf Glück, der zentralen Sinnkategorie allen Lebens. Was allerdings unter Glück zu verstehen ist und das sich das Glück weniger, niemals auf dem Unglück vieler gründen läßt, das ist ein wesentliches Themenfeld in diesem Blog. Ich benutze nicht gerne den Slogan „Wohlstand für alle“, weil er mir nicht universal genug und zu sehr auf materiellen Wohlstand eingeengt ist.
Für einen buddhistisch-marxistischen Philosophen wie mich ist die dialektische Bewegung zwischen Sein und Bewußtsein ganz wichtig, selbstverständlich bestimmt das Sein das Bewußtsein massiv, das betrifft aber einen im Verhungern begriffenen Afrikaner genauso wie einen Multimilliardär mit Privatjet und Luxusyacht. Würde nicht auch der umgekehrte Weg vom Bewußtsein zum Sein eine Rolle spielen, wäre alles (was den Menschen betrifft) bereits längst verloren. Das Bewußtsein verändert das Sein in ganz erheblichem Maße, eine Dialektik zwischen Sein und Bewußtsein ist vorhanden und wirkt seit Menschen Gedenken – und wenn ein kapitalistische Hartliner mit Millionenvermögen einmal in die Augen eines elend untergehenden „Sozialflüchtlings“ aus Libyen oder Tunesien gesehen hat und im Angesicht des untergehenden Flüchtlinge vor der italienischen Insel Lampedusa sein Bewußtsein veränderte und dadurch seinen Einfluß und sein Geld einsetzt, um diesen armen Mensch zu helfen, dann verändert das Bewußtsein auch das Sein!

17. An dieser Stelle möchte ich das „bumap2.3“ Konzept nochmal zusammenfassen: Der Buddhismus ist keine missionarische Religion, er kommt ohne ein Gottesbild und ohne Götter aus, der Buddhismus ist weder Opium des noch für das Volk, der historische Buddha hat von sich selbst immer gesagt, daß er nichts als ein „wacher Mensch“ sei – also gerade keingöttlicher  Opiumesser ist – und als Sinnbild seiner Lehre hat er eine Butterblume hochgehalten, als Ausdruck dafür, daß immer alles mit allem zusammenhängt, er also ein wacher, ganzheitlicher Denker ist, der die Wahrheit auf dem mittleren Weg sucht. Sind dies nicht alles Belege dafür, daß man das gute und analytisch messerscharfe Denken des historischen Karl Marx durch die philosophischen Lehren des historischen Buddha ergänzen sollte. Wachheit, Ganzheitlichkeit, Beharrlichkeit, Mitgefühl, Streitkultur, Ruhe und Denkfähigkeit sind Eigenschaften, die den Marxismus stärken und durch den buddhistischen Schulungsweg geübt werden. Was wäre wenn Buddha & Marx beide recht hätten, sobald man mal alle Vorurteile hinter sich gelassen hat.

Was man außerdem zusammenfassend sagen kann: bumap2.3 ist kein YOLO Konzept!

Ich freue mich über jeden Kommentar zu diesem Thema, denn jeder Kommentar zeugt von Engagement für die Sache!

Unser Sehen

NäheKarl Kraus hat 1911 in seiner Fackel mal den Satz geschrieben:

“Je näher man ein Wort ansieht,
desto ferner sieht es zurück.”

Seit 1979 habe ich diesen Satz für mich zur Wiener Blumenpredigt erweitert:

“Je näher man etwas ansieht, desto ferner sieht es zurück.”

Je mehr ich wirklich intensiv über diesen Satz nachgedacht habe oder Ihn z.B. auch in den Zusammenhang mit anderen Gedankenwelten, als der Wiens um die Jahrhundertwende gestellt habe, wie z.B. mit Buddhas “Blumenpredigt”, je mehr hat er angefangen, mir zu gefallen und unerhörte Horizont zu eröffnen, die unbeschreiblich weit sind!

Aber klar! Leider ist es wie vor 2500 Jahren … nur Mahakasyapa hat den Satz verstanden oder glaubte ihn zu verstehen, indem er lächelte  …  muß man noch mehr sagen, ist jemand bereit, Lebenszeit über Jahre an einen Satz zu “verschwenden”?

Geschichte der Spiritualität

Sieht man in den beiden Spätwerken Timaios und Kritias von Platon nach, so stößt man auf seine historische Darstellung der Spätphase von Atlantis, die er auf die Mitte des 10. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung verortet.

Es macht Sinn eine Geschichte der Spiritualität mit Platons Darstellung und damit mit dem Untergang von Atlantis beginnen zu lassen und Atlantis als die Wiege der Spiritualität anzusehen. Ganz gleich welcher Lokalisierungsthese man im Zusammenhang mit Atlantis auch anhängen mag – mir persönlich erscheint die These vom mittelatlantischen Rücken nach wie vor die plausibelste zu sein – kommt man um die Frage, wie in ganz kurzer Zeit über die ganze Welt verteilt ähnlich strukturierte Hochkulturen entstanden, nicht herum.

Da wir nicht davon ausgehen können, daß es damals schon Düsenjets und das Internet gab, müssen wir uns fragen, ob man nach wie vor eine Zufalls-These gelten lassen möchte, wofür vom logischen Denken her sehr wenig spricht oder ob wir von geistigen Informationsfeldern ausgehen können, deren Gebrauch durch eine aus Atlantis ausgewanderte Priesterschaft anderen Kulturen weitergegeben und damit neue Hochkulturen initiiert wurden. Wenn wir den Untergang von Atlantis mit dem Ende der letzten Eiszeit im 12. bis 10. Jahrtausend v.u.Z. und einer kosmischen Katastrophe (Einschlag eines Planetoiden im Südatlantik) in Zusammenhang bringen, dann wird auch verständlich, weshalb sich plötzlich über die gesamte Welt verteilt überall in den Jahrtausenden danach kosmologische Forschungsstationen (z.B. Gizeh oder Angkor Wat) finden, die alle nach ähnlichen Schemata, mit ähnlichen Grundmaßen und einem extrem hohen Maß an Wissen erbaut wurden und alle als ein kosmologisches Spiegelbild der Sternenkonstellationen, wie sie in der Mitte des 11. vorchristlichen Jahrtausend waren, gelten können.

Wenn wir bei der Ursache des Untergangs von Atlantis von einer kosmischen Katastrophe ausgehen, in deren Folge sich das jahrtausende alte  Wissen der Hochkultur Atlantis über die Welt verstreut hat, dann wird deutlich weshalb es bei der Geschichte der Spiritualität nicht nur um die Fragen und das Verhältnis des Menschen zum Urgrund allen Seins und der Entstehung des Universums  und des Menschen geht, sondern daß die Eingeweihten der Jahrtausende immer auch den Kosmos und das Verhältnis des Menschen zum Kosmos verstehen und wenn möglich auch günstig beeinflussen wollten, um eine Wiederholung des Untergangs von Atlantis zu verhindern.

Spiritualität ist deshalb in erster Linie die Geschichte des redlichen Bemühens um geistiges Wissen für den und von dem Menschen, es ist der Versuch eine universale Dialogfähigkeit zwischen Mensch, Erde und Kosmos zu schaffen, um Katastrophen zu verhindern…

Atlantis-Lokalisierungsgruppe-Atlantik
Ähnlich wie im 20 Jahrhundert sich durch den Exotus der gelehrten, buddhistischen Priesterschaft aus Tibet, der Buddhismus über die ganze Welt verteilt hat, so kann man auch im Falle Atlantis davon ausgehen, daß die frühen Hochkulturen in Südamerika, Ägypthen, im vorderen Orient und in Asien stark von dem Untergang von Atlantis beeinflußt waren, da man durchaus die Hypothese aufstellen kann, daß sich auch vor dem Untergang von Atlantis ein großer Teil der Priesterschaft über die Welt verteilt hat und dort in Laufe von Jahrtausenden neue Hochkulturen initiiert hat.
Wir dürfen uns durch die Stigmatisierung, die Atlantis als waberndes, mythisches Phantasiegebilde, in der Neuzeit und durch den Siegeszug der Naturwissenschaft erfahren hat, nicht beeindrucken lassen, noch bis ins 16. Jahrhundert hinein – vor allem dann in der Renaisssance – war Atlantis eines der ganz großen Themen in der Philosophie und Kulturgeschichte.

Wenn wir von Steiners Entwicklungsmodell des Doppelstroms der Zeit ausgehen, wonach die nachatlantische Zeit von einer zunächst evolutiven Entwicklung später in eine involutive Phase wieder überging, landen wir zunächst in der Achsenzeit (Karl Jaspers) des 5. vorchristlichen Jahrhunderts und bei so bedeutenden Denkern wie Buddha, Konfuzius und PythagorasPythagoras, die man alle drei als Kristallisationspunkte in der menschlichen Kulturgeschichte ansehen kann und die bis in die Jetztzeit hinein immernoch zentrale spirituelle Lehrer geblieben sind. Die spirituelle Bedeutung z.B., die Pythagoras für das Abendland bis heute hat, kann gar nicht hoch genug bewertet werden.

Von dieser Schwellenzeit des 5. Jahrhunderts gelangen wir dann nach Alexandria, zu der großen Bibliothek und zu dem großen Gelehrten Ammonios Sakka (der zwischen 180 und 250 n.u.Z. lebte, der selbst keine Schriften hinterließ, von dem wir nur über Porphyrios, einem Schüler Plotins etwas wissen), den man wohl als ein geisteswissenschaftliches Genie ansehen kann, der alle Stränge der spirituellen Entwicklung bis zu seiner Zeit in sich bündelte und von dem dann wiederum in der nachchristlichen Zeit zwei bedeutende Linien sich entwickelten.

Bibliotek
OrigenesSeine großartigen Schüler Origenes und Plotin, die beide zunächst in der Tradition Platons standen Plotinund die in der Mitte des dritten nachchristlichen Jahrhunderts bei Ammonios Sakka studierten, haben selbst wieder sehr wichtige philosophisch-spirituelle Schulen ins Leben gerufen, die bis ins 16. Jahrhundert intensiv rezipiert wurden. Der frühchristliche Kirchenvater Origenes z.B. hat die gesamte mittelalterliche und frühneuzeitliche, christliche Mystik z.B. eines Meister Eckhart stark beeinflußt und die gesamte neuplatonische Tradition in dieser Zeit ist ohne Plotin undenkbar.

Wenn wir die spirituelle Entwicklung weiterverfolgen und einen etwas größeren Sprung bis zur Rennaissance machen, landen wir bei Marsilio Ficino, der von 1433 bis 1499 in Florenz lebte und dessen Aktivitäten von Cosimo de’ Medici großzügig unterstützt wurden und der ihm die materielle Basis für ein ganz der Philosophie und Theologie gewidmetes Leben verschaffte. Ficino war der Erste, der Platons Dialoge ins Lateinische übersetzte und so einer großen Zahl von Gelehrten diesen wichtigen Denker zugänglich machte. Bekanntlich liegt die große Bedeutung der Rennaissance ja gerade in dem Zugänglichmachen der antiken Literatur für die Neuzeit und dabei spielte Ficino eben eine bedeutende Rolle, wobei sein Hauptanliegen eine zeitgemäße Erneuerung der antiken Philosophie war.

Ficino

Von diesem Brennpunkt Marsilio Ficino und dem Florenz seiner Zeit gehen dann wiederum die ganzen in die Neuzeit und Moderne hineinreichenden Entwicklungen der Spiritualität aus, z.B. im Rosencreutzertum, der jüdischen Mystik der Kabbala, der christlichen Mystik eines Jakob Böhme oder Angelus Silesius usw..
Was unsere Auseinandersetzung mit der Renaissance und der Geschichte der Spiritualität so wertvoll und so wichtig macht, ist der ganzheitliche Ansatz, der in diesen Traditionen immer wieder betont wurde, das Eingebettetsein des Menschen in den Kosmos und in ein Universum, in dem alles mit allem zusammenhängt. Stellen wir uns nur vor, wie gering die Chance globaler Unternehmen wäre, uns vom Sinn der Kernenergie zu überzeugen, wenn wir alle ganzheitlich, also an alle Implikationen denken würden, anstatt uns in wachsender Ignoranz einzurichten.

BlavatskyWenn wir unsere Reise in der Geschichte der Spiritualität fortsetzen, können wir wieder einen großen Sprung machen und im Jahre 1875 in New York landen, auch hier finden wir wieder eine geistig, spirituelle Schwellensituation, in der sich wieder das spirituelle Wissen aus Jahrhunderten, gar Jahrtausenden sammelt und konzentriert. Auch diesmal kann man die Entwicklung wieder auf eine Person fokusieren (auch wenn hier rein äußerlich mehrere Personen beteiligt waren).
Diese Person ist Helena Petrovna Blavatsky, eine russische Aristokratin, die sowohl aus der christlichen Mystik seit der Renaissance, der jüdischen Kabbala, dem Rosencreutzertum und vor allem aus der indisch-asiatischen Tradition des Hinduismus und Buddhismus schöpfte. Zusammen mit dem Bürgerrechts-Anwalt Henry Steel Olcott gründete Sie 1875 in New York die Theosophische Gesellschaft, die bis zum heutigen Tage weltweit eine der einflußreichsten spirituellen Bewegungen, zumindest von Ihren Wirkungen her, geblieben ist.

Die Grundlage der theosophischen Gesellschaft bildet die Tatsache, daß allem Dasein eine geistige, unzerstörbare Einheit zugrunde liegt, die auch das wahre Wesen des Menschen bildet. In dieser ewigen Einheit sind alle Wesen und Menschen untrennbar miteinander verbunden. In sofern war die Theosophische Gesellschaft schon 1875 eine weit in die Zukunft reichende, globale Gemeinschaft, die noch heute wesentliche Antworten auf unsere globalen Probleme geben kann.
Die drei Hauptziele der Theosophischen Gesellschaft sind:

1. Der Kern einer allgemeinen, die ganze Menschheit geistig umfassenden Gemeinschaft zu bilden, jenseits aller Grenzen von Nationalität und Hautfarbe, Glaubensbekenntnis, Stand und Geschlecht.

2. Zum vergleichenden Studium aller Religion, der Philosophie und der Wissenschaften anzuregen und

3. Die Erforschung noch ungeklärter Naturgesetze und die naturgemäße Entfaltung und Pflege der im Menschen noch schlummernden Geisteskräfte zum Wohle aller Wesen zu fördern.

Diese drei Ziele gelten letztlich auch für die Anthroposophische Gesellschaft, die 1912/13 dann durch die Trennung Rudolf Steiners von der Theosophischen Gesellschaft (der er 10 Jahre als Generalsekretär der deutschen Sektion vorstand) Steinergegründet wurde. Für Steiner war die Theosophische Gesellschaft zu stark an der asiatischen Gedankenwelt ausgerichtet und berücksichtigte seiner Meinung nach zu wenig das Mysterium von Golgatha, das Christusgeschehen und den Rosencreutzerweg, das wäre ansich für die Theosophische Gesellschaft – entsprechend ihrer Grundsätze – noch kein Problem gewesen, die Gründe für diese Abspaltung der Anthroposopischen Gesellschaft waren aber vor allem die Hinwendung der Theosophischen Gesellschaft zum Hinduismus unter der neuen Präsidentin seit 1907 Annie Besant und besonders die Verehrung Jiddu Krishnamurtis (1895-1986) als wiedergeborener Christus und kommenden Weltlehrer im Order of the Star in the East, die mit seiner Entdeckung durch Charles Webster Leadbeater im Jahre 1909 einsetzte.

DalaiLamaWenn man jedoch bedenkt wie intensiv heute die freundschaftlichen Verbindungen des tibetischen Buddhismus, besonders im Umfeld des 14. Dalai Lama mit der theosophischen Gesellschaft und andererseits die freundschaftlich, familiären Verbindungen der Theosophen und der Anthroposophen besonders in den Angelsächsischen Ländern sind, kann man wohl doch ganz vorsichtig zu dem Ergebnis kommen, daß die Geschichte der Spiritualität über alle Grenzen hinweg die Menschen eher miteinander verbindet, als das sie sie trennt.

Man sollte immer sich daran erinnern, daß Religion und Spiritualität im wörtlichen Sinne ja Rückverbindung zu den Wurzeln des Seins bedeutet, in diesem Sinne ist die Geschichte der Spiritualität die Geschichte der Frage nach dem Wesen des Seins, in diesem Sinne können wir die Worte Helena Petrovna Blavatskys am Ende dieser ganz kurzen Geschichte der Spiritualität verstehen:
“Eine Religion in dem einzig wahren und richtigen Sinne ist ein Band, das alle Menschen verbindet, nicht eine besondere Gruppe von Dogmen und Glaubensformen.
Religion an sich, in ihrer weitesten Bedeutung, ist das, was nicht nur alle Menschen sondern alle Wesen und Dinge im ganzen Universum zu einem großen Ganzen verbindet.”