Der Neocortex ist an allem Schuld …

Goya-Capricho-43

Der Neocortex ist entwicklungs-geschichtlich der Teil des Gehirns, der als letztes dazu kam und wie es immer so ist, wer zuletzt kommt, der bringt das Spiel der anderen nur in Unordnung.

Alles war schon schön in der Natur geregelt auch ohne ihn – zumindest vom Standpunkt der Natur aus betrachtet, plötzlich tritt einer auf, der nicht mal an der Basis der Sensorien steht, schwitzt und arbeitet, sondern nur dick und fett von weiter oben die Dinge aus zweiter Hand betrachtet und den Chef spielt.

Später wird er dann vollkommen größenwahnsinnig und reklamiert für sich, alles besser zu wissen und seinen Werkzeugkasten, den er mit sich trägt, nennt er dann “Die Vernunft”.

Jetzt wissen wir ja seit Goyas Radierung von 1799 “Der Traum/Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer”, daß es eine durchaus zweischneidige Sache ist mit der Vernunft, hält sie nun die Ungeheuer unter dem Deckel oder läßt sie sich einspannen für jedweden instrumentellen Irrsinn?

Entstehen die Ungeheur, z.B. der industriellen Vernichtungsmaschinerie, trotz oder gerade durch die Vernunft.

Ohne Neocortex keine Vernunftdebatte, ohne Vernunftdebatte keine planmäßige Vernichtung – Goyas Radierung ist dazu ein phantastisches Denkbild – wobei es hier, wie immer, um das Strukturelle und nicht um das flüchtige Augenblickliche geht, darüber haben sich bereits Heerscharen von Kunsthistorikern geäußert.

Klar bleibt auch: aus den dunklen Tiefen des Unbewußten steigen viele Ungeheuer auf und oft werde sie es erst im Moment Ihrer Realisierung, dann, wenn sie durch die dünne Oberfläche des tiefen Sees, der glatten Wasseroberfläche, die wir auch Vernunft nennen, hindurchstoßen und ans Tageslicht kommen.

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