Vorher – Nachher

Liebe Freunde der Weisheit,

wenn etwas grundsätzlich schief läuft, kann man bei wachem Verstand die Probleme in jedem Detail erkennen, weil Grundsätzlichkeit immer mit ähnlichen Strukturen verbunden ist und damit durch einen systemischen Ansatz erkennbar wird.

Nehmen wir mal Weihnachten, also die Zeit, die man früher mal „die Zeit der Stille“ und der Einkehr  nannte und das nicht nur bei christlich geprägte Menschen, sondern auch bei solchen, die von einem – wie auch immer gearteten – spirituellen Materialismus getragen waren und etwas für innere Festlichkeit übrig hatten.

Diese „Zeit der Stille“ ist von der Zeit der lärmenden, anarchischen Warenproduktion abgelöst worden, also von Konsum, Hektik, glänzender Leere, marketingmässiger Äußerlichkeit, Größenwahn und selbstoptimierter Sinnfreiheit. Das wäre nicht so schlimm, wir sind schließlich keine Moralisten um der Moral selbst willen. Verheerend wir es eigentlich nur dadurch, dass diese Entleerung der Formen jede Menge Ressourcen entgültig verbraucht, nicht zuletzt auch menschliche und wir eigentlich nur noch auf Pump leben, ein Pump, den wir nie wieder zurückzahlen werden.

Immer wieder ahnen wir etwas von unsere Zukunftsvergessenheit, aber wir betäuben diese Ahnung der Sinnlosigkeit unseres Tuns mit immer lauteren und grelleren Effekten.

Sagt doch einmal selbst, wo soll der Unterschied sein, zwischen einer Tüte Marihuana und einem berauschenden, glühweindurchtränkten Massenerlebnis auf einem Weihnachtsmarkt? Vielleicht ist das Marihuana biologisch angebaut, der Glühwein ganz sicher nicht?

Gut – der Unterschied ist, auf dem Weihnachtsmarkt kann man das Opfer einer nach wie vor ideologisch verblendeten, dogmatisch verengten Welt werden. Gott sei Dank, das Böse ist immer das Andere, das das schon mal klargestellt wird, ein Schelm, der jetzt an Heckler & Koch denkt. Wir tragen nichts mehr von alle dem in uns, wir sind längst übergelaufen in das friedliche Lager der globalisierten Konsumfreunde, wir sind vereint im Konsum und den lassen wir uns durch einen wahnsinnigen Terroristen nicht nehmen, dafür kämpfen wir gemeinsam.

Eines zeigt sich in der Krise deutlich, das Ziel ist erreicht, endlich wird der massenhafte Konsum symbolisch zum politisch motivierten Kampf für die freiheitlich demokratische Grundordnung. Mögen andere mit zweckentfremdeten LKWs, Maschinengewehren, Panzern und Drohnen kämpfen, wir stehen aufrecht dagegen, wir kämpfen mit Glühwein, Rostbratwürsten, Zuckerwatte und süßem Weihnachtsgedudel. Immerhin, das bringt zumindest kurzfristig keinen um.

Und das Schöne ist doch, jeder kann mittun, der eine mehr, der andere weniger, geradeso wie es der persönliche Geldbeutel hergibt und wer nicht genug hat, dem schieben wir durch unsere vielfältigen Transfersysteme ein paar Spielmarken rüber, damit der auch mittun kann, man will gerade an Weihnacht mal nicht so sein.

Alles ist wieder in bester Ordnung: Die Guten haben den Bösen erschossen, jetzt kann Weihnachten kommen.

Viel Spaß noch …

weihnachten-die-zeit-der-stille

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

Joseph von Eichendorff

nachher

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