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Gaia und die kambrische Explosion

Ich würde behaupten, daß sich in einem dialektischen, evolutionären Prozeß der lebendige Organismus „Erde“ entwickelt hat, in jenem Augenblick in dem „Gaia“ zu voller selbstorganisierender Funktionalität sich entwickelt hatte, konnte die kambrische Explosion starten.

Ich würde weiter behaupten, daß der Begriff „Anthropozän“ ein treffendes Schimpfwort für eine erdgeschichtliche Periode ist, in der der Mensch den über Jahrmillionen entwickelten, selbstorganisierenden Organismus „Gaia“ durch seine grenzenlose Dummheit und Ignoranz zerstört hat.

Siehe dazu meinen Beitrag: „Der Neocortex ist an allem Schuld“

Schubladendenken – Nein Danke!

SchubladendenkenNeinDankeUm jedem Schubladendenken und Etikettie-rungswahn vorzubeugen, möchte ich unter den grundsätzlichen Seiten kurz etwas zum Schubladendenken sagen:

Natürlich ist ganz klar, daß Ignoranz und voreiliges Abhaken ständig dazu führt, daß es neue Denkansätze, die sich an der Sache, genauer an den echten Problemen orientieren, so schwer haben, Gehör zu finden und Veränderungen in Gang zu setzen. Aber warum ist das so, daß Appelle hier gar nicht zu fruchten scheinen. Wenn dem so ist, dann steckt meistens eine jahrtausende alte Geschichte dahinter und diese Geschichte hat sehr viel mit unserem vorzeitlichen Jäger- und Sammlerleben zu tun. Instinkte und schnelle Auffassungs- gabe, bzw. schnelle Entscheidungsfähigkeit waren in diesen Zeit überlebensnotwendig. Die Verbindung von allem was man erlebte mit Gefühlsmarkern wie Angst oder Freude hat uns in die Lage versetzt, schnell auf einen gefühlsmäßig klassifizierten Sachverhalt zu reagieren.

Bei der kulturgeschichtlichen Diversifi-zierung der menschlichen Fähigkeiten mußte auch der Neocortex sich weiterent- wickeln, trotzdem hat er seine Grundver-haltensweise, alles schnell zu kategorisieren und in entsprechende Schubladen einzuordnen immer noch beibehalten. Aus diesem Grund ist es beim Schubladendenken nicht wie bei einem Lichtschalter, der das Licht AN oder AUS schaltet, es läßt sich nur durch grundsätzliche Einsicht, entsprechende frühkindliche Erziehung und lebenslanges Üben verändern. Wer eine glückliche und von den Ereignissen her besonders vielfältige Kindheit erleben durfte, tut sich da natürlich leichter, trotzdem neigen wir alle dazu, ständig Schubladen aufzuziehen und neue Erlebnisse in vorhandene Schubladen wegzusortieren.

Der Übergang zwischen Schubladendenken und psychologischen Abspaltungsvorgängen ist natürlich auch fließend, z.B. bei PTBS (posttraumatischen Belastungsstörungen) werden belastende Ereignisse oder Erfahrungen, die außergewöhnliche Bedrohung von  katastrophalem Ausmaß besitzen, z.B. dadurch bearbeitet, daß man sie quasi in eine Schubladen steckt und ein unterbewußtes Schild anbringt: Achtung! diese Schublade auf keinen Fall öffnen.

Wenn man bedenkt wie katastrophal die Ausmaße in den letzten 30 Jahren angewachsen sind bei der durch Menschen verursachten Umweltzerstörung, dann läßt sich leicht erklären, warum so viele Menschen das Thema Umweltschutz so stark in ihrem Denken abgespaltet haben und sich nicht mehr damit beschäftigen wollen, zumal ja die Anstrengungen wirklich riesig seien müßten und die Erfolge so gering sind, wenn es überhaupt welche gibt, daß Abspaltung und Resignation bei den meisten Menschen eine Überlebensstrategie darstellen.

Aber gerade weil die Probleme so riesig sind und bisher nichts wirklich nachhaltig funktioniert hat, sind wir alle auf Menschen mit innovativen Ideen angewiesen, die neue Wege zu gehen versuchen. Und gerade deshalb kann es nur sinnvoll sein, wenn wir alle unsere eingefahrenen neuronalen Wege so umprogrammieren, in dem wir uns z.B. das Mantra geben: „Schubladendenken Nein Danke!“, daß neue Wege und Denker überhaupt eine Chance haben, uns in eine bessere Zukunft zu führen.

Der Neocortex ist an allem Schuld …

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Der Neocortex ist entwicklungs-geschichtlich der Teil des Gehirns, der als letztes dazu kam und wie es immer so ist, wer zuletzt kommt, der bringt das Spiel der anderen nur in Unordnung.

Alles war schon schön in der Natur geregelt auch ohne ihn – zumindest vom Standpunkt der Natur aus betrachtet, plötzlich tritt einer auf, der nicht mal an der Basis der Sensorien steht, schwitzt und arbeitet, sondern nur dick und fett von weiter oben die Dinge aus zweiter Hand betrachtet und den Chef spielt.

Später wird er dann vollkommen größenwahnsinnig und reklamiert für sich, alles besser zu wissen und seinen Werkzeugkasten, den er mit sich trägt, nennt er dann “Die Vernunft”.

Jetzt wissen wir ja seit Goyas Radierung von 1799 “Der Traum/Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer”, daß es eine durchaus zweischneidige Sache ist mit der Vernunft, hält sie nun die Ungeheuer unter dem Deckel oder läßt sie sich einspannen für jedweden instrumentellen Irrsinn?

Entstehen die Ungeheur, z.B. der industriellen Vernichtungsmaschinerie, trotz oder gerade durch die Vernunft.

Ohne Neocortex keine Vernunftdebatte, ohne Vernunftdebatte keine planmäßige Vernichtung – Goyas Radierung ist dazu ein phantastisches Denkbild – wobei es hier, wie immer, um das Strukturelle und nicht um das flüchtige Augenblickliche geht, darüber haben sich bereits Heerscharen von Kunsthistorikern geäußert.

Klar bleibt auch: aus den dunklen Tiefen des Unbewußten steigen viele Ungeheuer auf und oft werde sie es erst im Moment Ihrer Realisierung, dann, wenn sie durch die dünne Oberfläche des tiefen Sees, der glatten Wasseroberfläche, die wir auch Vernunft nennen, hindurchstoßen und ans Tageslicht kommen.