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Wissenschaftliche Inspiration

Als Werner Heisenberg in dem warmen Sommer 1919 – ein Jahr nach dem ersten Weltkrieg – auf einem Dach lag und sich von der Sonne wärmen ließ, las er Platons Dialog Timaios, den einzigen naturphilosophischen Dialog Platons, in dem es z.B. auch um die platonischen Körper geht (davon an anderer Stelle mehr).

Jetzt kann man sich natürlich fragen, weshalb ein angehender Naturwissenschaftler Platon liest, so ein asbach-uraltes Zeug, wie manche meinen.

Warum sollen wir denn überhaupt noch so alten Kram lesen, doch wohl nicht um den alten Schriften historische Gerechtigkeit und Dankbarkeit zukommen zu lassen, z.B. dafür, daß wir heute so eine wunderbare, aufgeklärte Demokratie besitzen, die ohne die antiken Philosophen sich so nicht entwickelt hätte.

Dieser Ansatz hätte Heisenberg nicht weiter gebracht, was ihn aber offensichtlich weitergebracht hat, ist die Idee, daß hinter unserer Welt der Erscheinungen Ideen, Strukturen, Informationen walten und das es von Urkörpern zu Urfeldern kein sehr weiter Weg ist und das griechische Philosophen, wenn sie an Arché (altgriechisch ἀρχή für ‚Anfang, Prinzip, Ursprung) oder Apeiron (altgriechisch τὸ ἄπειρον, „das Unendliche“, „das Unbegrenzte“) dachten, schon sehr nahe an der Vorstellung von Energiefeldern, die Materie in die Lage versetzen, Arbeit zu leisten, dran waren.

Dahinter steckt die Frage, wie kommen Wissenschaftler, hier besonders Physiker auf grundlegende Ideen und dies oft Jahrzehnte, Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende vor anderen.  So vertrat z.B. Pythagoras bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. die Ansicht, daß die Erde und alle anderen Himmelskörper kugelförmig seien und, um einen großen Sprung zu machen, wie kam im 20. Jahrhundert n. Chr. Wolfgang Pauli z.B. auf den grundsätzlichen Spin der Elektronen, nicht in dem er den Elektronen sondern einer Tänzerin zugesehen hat und diese Struktur bei ihm eine Idee auslöste.

Nun das Auslösen von Ideen funktioniert meiner Meinung nach durch das Prinzip der Ähnlichkeiten, weil das gesamte Universum und insbesonderen unser Planet immer wieder von ähnlichen Strukturen bestimmt werden, können wir auch in ALLEN Bereichen immer wieder ähnliche Strukturen finden, und genau deshalb kann auch jemand – wie Benoît Mandelbrot –   auf die Idee kommen, die fraktale Geometrie zu entwickeln.

Hans-Peter Dürr – Mitarbeiter und Nachfolger von Werner Heisenberg – klassifiziert Physiker nach 3 grundsätzlichen Kriterien: Physiker die Künstler sind, Physiker, die Ingenieure sind und Physiker die Mathematiker sind. Werner Heisenberg ist innerhalb dieser Klassifizierung eindeutig der Künstler-Physiker und dies nicht nur weil er ein brillianter Pianist und der Kosmos für ihn ein tönendes Ganzes war, sondern auch, weil er die Inspirationen für sein wissenschaftliches Denken aus ganz anderen Bereichen beziehen konnte und umgekehrt komplizierteste physikalische Theorien mit Bildern aus ganz anderen Bereichen erklären konnte.

Es gibt keine Einbahnstraße für Ähnlichkeiten!

Geschichte der Spiritualität

Sieht man in den beiden Spätwerken Timaios und Kritias von Platon nach, so stößt man auf seine historische Darstellung der Spätphase von Atlantis, die er auf die Mitte des 10. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung verortet.

Es macht Sinn eine Geschichte der Spiritualität mit Platons Darstellung und damit mit dem Untergang von Atlantis beginnen zu lassen und Atlantis als die Wiege der Spiritualität anzusehen. Ganz gleich welcher Lokalisierungsthese man im Zusammenhang mit Atlantis auch anhängen mag – mir persönlich erscheint die These vom mittelatlantischen Rücken nach wie vor die plausibelste zu sein – kommt man um die Frage, wie in ganz kurzer Zeit über die ganze Welt verteilt ähnlich strukturierte Hochkulturen entstanden, nicht herum.

Da wir nicht davon ausgehen können, daß es damals schon Düsenjets und das Internet gab, müssen wir uns fragen, ob man nach wie vor eine Zufalls-These gelten lassen möchte, wofür vom logischen Denken her sehr wenig spricht oder ob wir von geistigen Informationsfeldern ausgehen können, deren Gebrauch durch eine aus Atlantis ausgewanderte Priesterschaft anderen Kulturen weitergegeben und damit neue Hochkulturen initiiert wurden. Wenn wir den Untergang von Atlantis mit dem Ende der letzten Eiszeit im 12. bis 10. Jahrtausend v.u.Z. und einer kosmischen Katastrophe (Einschlag eines Planetoiden im Südatlantik) in Zusammenhang bringen, dann wird auch verständlich, weshalb sich plötzlich über die gesamte Welt verteilt überall in den Jahrtausenden danach kosmologische Forschungsstationen (z.B. Gizeh oder Angkor Wat) finden, die alle nach ähnlichen Schemata, mit ähnlichen Grundmaßen und einem extrem hohen Maß an Wissen erbaut wurden und alle als ein kosmologisches Spiegelbild der Sternenkonstellationen, wie sie in der Mitte des 11. vorchristlichen Jahrtausend waren, gelten können.

Wenn wir bei der Ursache des Untergangs von Atlantis von einer kosmischen Katastrophe ausgehen, in deren Folge sich das jahrtausende alte  Wissen der Hochkultur Atlantis über die Welt verstreut hat, dann wird deutlich weshalb es bei der Geschichte der Spiritualität nicht nur um die Fragen und das Verhältnis des Menschen zum Urgrund allen Seins und der Entstehung des Universums  und des Menschen geht, sondern daß die Eingeweihten der Jahrtausende immer auch den Kosmos und das Verhältnis des Menschen zum Kosmos verstehen und wenn möglich auch günstig beeinflussen wollten, um eine Wiederholung des Untergangs von Atlantis zu verhindern.

Spiritualität ist deshalb in erster Linie die Geschichte des redlichen Bemühens um geistiges Wissen für den und von dem Menschen, es ist der Versuch eine universale Dialogfähigkeit zwischen Mensch, Erde und Kosmos zu schaffen, um Katastrophen zu verhindern…

Atlantis-Lokalisierungsgruppe-Atlantik
Ähnlich wie im 20 Jahrhundert sich durch den Exotus der gelehrten, buddhistischen Priesterschaft aus Tibet, der Buddhismus über die ganze Welt verteilt hat, so kann man auch im Falle Atlantis davon ausgehen, daß die frühen Hochkulturen in Südamerika, Ägypthen, im vorderen Orient und in Asien stark von dem Untergang von Atlantis beeinflußt waren, da man durchaus die Hypothese aufstellen kann, daß sich auch vor dem Untergang von Atlantis ein großer Teil der Priesterschaft über die Welt verteilt hat und dort in Laufe von Jahrtausenden neue Hochkulturen initiiert hat.
Wir dürfen uns durch die Stigmatisierung, die Atlantis als waberndes, mythisches Phantasiegebilde, in der Neuzeit und durch den Siegeszug der Naturwissenschaft erfahren hat, nicht beeindrucken lassen, noch bis ins 16. Jahrhundert hinein – vor allem dann in der Renaisssance – war Atlantis eines der ganz großen Themen in der Philosophie und Kulturgeschichte.

Wenn wir von Steiners Entwicklungsmodell des Doppelstroms der Zeit ausgehen, wonach die nachatlantische Zeit von einer zunächst evolutiven Entwicklung später in eine involutive Phase wieder überging, landen wir zunächst in der Achsenzeit (Karl Jaspers) des 5. vorchristlichen Jahrhunderts und bei so bedeutenden Denkern wie Buddha, Konfuzius und PythagorasPythagoras, die man alle drei als Kristallisationspunkte in der menschlichen Kulturgeschichte ansehen kann und die bis in die Jetztzeit hinein immernoch zentrale spirituelle Lehrer geblieben sind. Die spirituelle Bedeutung z.B., die Pythagoras für das Abendland bis heute hat, kann gar nicht hoch genug bewertet werden.

Von dieser Schwellenzeit des 5. Jahrhunderts gelangen wir dann nach Alexandria, zu der großen Bibliothek und zu dem großen Gelehrten Ammonios Sakka (der zwischen 180 und 250 n.u.Z. lebte, der selbst keine Schriften hinterließ, von dem wir nur über Porphyrios, einem Schüler Plotins etwas wissen), den man wohl als ein geisteswissenschaftliches Genie ansehen kann, der alle Stränge der spirituellen Entwicklung bis zu seiner Zeit in sich bündelte und von dem dann wiederum in der nachchristlichen Zeit zwei bedeutende Linien sich entwickelten.

Bibliotek
OrigenesSeine großartigen Schüler Origenes und Plotin, die beide zunächst in der Tradition Platons standen Plotinund die in der Mitte des dritten nachchristlichen Jahrhunderts bei Ammonios Sakka studierten, haben selbst wieder sehr wichtige philosophisch-spirituelle Schulen ins Leben gerufen, die bis ins 16. Jahrhundert intensiv rezipiert wurden. Der frühchristliche Kirchenvater Origenes z.B. hat die gesamte mittelalterliche und frühneuzeitliche, christliche Mystik z.B. eines Meister Eckhart stark beeinflußt und die gesamte neuplatonische Tradition in dieser Zeit ist ohne Plotin undenkbar.

Wenn wir die spirituelle Entwicklung weiterverfolgen und einen etwas größeren Sprung bis zur Rennaissance machen, landen wir bei Marsilio Ficino, der von 1433 bis 1499 in Florenz lebte und dessen Aktivitäten von Cosimo de’ Medici großzügig unterstützt wurden und der ihm die materielle Basis für ein ganz der Philosophie und Theologie gewidmetes Leben verschaffte. Ficino war der Erste, der Platons Dialoge ins Lateinische übersetzte und so einer großen Zahl von Gelehrten diesen wichtigen Denker zugänglich machte. Bekanntlich liegt die große Bedeutung der Rennaissance ja gerade in dem Zugänglichmachen der antiken Literatur für die Neuzeit und dabei spielte Ficino eben eine bedeutende Rolle, wobei sein Hauptanliegen eine zeitgemäße Erneuerung der antiken Philosophie war.

Ficino

Von diesem Brennpunkt Marsilio Ficino und dem Florenz seiner Zeit gehen dann wiederum die ganzen in die Neuzeit und Moderne hineinreichenden Entwicklungen der Spiritualität aus, z.B. im Rosencreutzertum, der jüdischen Mystik der Kabbala, der christlichen Mystik eines Jakob Böhme oder Angelus Silesius usw..
Was unsere Auseinandersetzung mit der Renaissance und der Geschichte der Spiritualität so wertvoll und so wichtig macht, ist der ganzheitliche Ansatz, der in diesen Traditionen immer wieder betont wurde, das Eingebettetsein des Menschen in den Kosmos und in ein Universum, in dem alles mit allem zusammenhängt. Stellen wir uns nur vor, wie gering die Chance globaler Unternehmen wäre, uns vom Sinn der Kernenergie zu überzeugen, wenn wir alle ganzheitlich, also an alle Implikationen denken würden, anstatt uns in wachsender Ignoranz einzurichten.

BlavatskyWenn wir unsere Reise in der Geschichte der Spiritualität fortsetzen, können wir wieder einen großen Sprung machen und im Jahre 1875 in New York landen, auch hier finden wir wieder eine geistig, spirituelle Schwellensituation, in der sich wieder das spirituelle Wissen aus Jahrhunderten, gar Jahrtausenden sammelt und konzentriert. Auch diesmal kann man die Entwicklung wieder auf eine Person fokusieren (auch wenn hier rein äußerlich mehrere Personen beteiligt waren).
Diese Person ist Helena Petrovna Blavatsky, eine russische Aristokratin, die sowohl aus der christlichen Mystik seit der Renaissance, der jüdischen Kabbala, dem Rosencreutzertum und vor allem aus der indisch-asiatischen Tradition des Hinduismus und Buddhismus schöpfte. Zusammen mit dem Bürgerrechts-Anwalt Henry Steel Olcott gründete Sie 1875 in New York die Theosophische Gesellschaft, die bis zum heutigen Tage weltweit eine der einflußreichsten spirituellen Bewegungen, zumindest von Ihren Wirkungen her, geblieben ist.

Die Grundlage der theosophischen Gesellschaft bildet die Tatsache, daß allem Dasein eine geistige, unzerstörbare Einheit zugrunde liegt, die auch das wahre Wesen des Menschen bildet. In dieser ewigen Einheit sind alle Wesen und Menschen untrennbar miteinander verbunden. In sofern war die Theosophische Gesellschaft schon 1875 eine weit in die Zukunft reichende, globale Gemeinschaft, die noch heute wesentliche Antworten auf unsere globalen Probleme geben kann.
Die drei Hauptziele der Theosophischen Gesellschaft sind:

1. Der Kern einer allgemeinen, die ganze Menschheit geistig umfassenden Gemeinschaft zu bilden, jenseits aller Grenzen von Nationalität und Hautfarbe, Glaubensbekenntnis, Stand und Geschlecht.

2. Zum vergleichenden Studium aller Religion, der Philosophie und der Wissenschaften anzuregen und

3. Die Erforschung noch ungeklärter Naturgesetze und die naturgemäße Entfaltung und Pflege der im Menschen noch schlummernden Geisteskräfte zum Wohle aller Wesen zu fördern.

Diese drei Ziele gelten letztlich auch für die Anthroposophische Gesellschaft, die 1912/13 dann durch die Trennung Rudolf Steiners von der Theosophischen Gesellschaft (der er 10 Jahre als Generalsekretär der deutschen Sektion vorstand) Steinergegründet wurde. Für Steiner war die Theosophische Gesellschaft zu stark an der asiatischen Gedankenwelt ausgerichtet und berücksichtigte seiner Meinung nach zu wenig das Mysterium von Golgatha, das Christusgeschehen und den Rosencreutzerweg, das wäre ansich für die Theosophische Gesellschaft – entsprechend ihrer Grundsätze – noch kein Problem gewesen, die Gründe für diese Abspaltung der Anthroposopischen Gesellschaft waren aber vor allem die Hinwendung der Theosophischen Gesellschaft zum Hinduismus unter der neuen Präsidentin seit 1907 Annie Besant und besonders die Verehrung Jiddu Krishnamurtis (1895-1986) als wiedergeborener Christus und kommenden Weltlehrer im Order of the Star in the East, die mit seiner Entdeckung durch Charles Webster Leadbeater im Jahre 1909 einsetzte.

DalaiLamaWenn man jedoch bedenkt wie intensiv heute die freundschaftlichen Verbindungen des tibetischen Buddhismus, besonders im Umfeld des 14. Dalai Lama mit der theosophischen Gesellschaft und andererseits die freundschaftlich, familiären Verbindungen der Theosophen und der Anthroposophen besonders in den Angelsächsischen Ländern sind, kann man wohl doch ganz vorsichtig zu dem Ergebnis kommen, daß die Geschichte der Spiritualität über alle Grenzen hinweg die Menschen eher miteinander verbindet, als das sie sie trennt.

Man sollte immer sich daran erinnern, daß Religion und Spiritualität im wörtlichen Sinne ja Rückverbindung zu den Wurzeln des Seins bedeutet, in diesem Sinne ist die Geschichte der Spiritualität die Geschichte der Frage nach dem Wesen des Seins, in diesem Sinne können wir die Worte Helena Petrovna Blavatskys am Ende dieser ganz kurzen Geschichte der Spiritualität verstehen:
“Eine Religion in dem einzig wahren und richtigen Sinne ist ein Band, das alle Menschen verbindet, nicht eine besondere Gruppe von Dogmen und Glaubensformen.
Religion an sich, in ihrer weitesten Bedeutung, ist das, was nicht nur alle Menschen sondern alle Wesen und Dinge im ganzen Universum zu einem großen Ganzen verbindet.”