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Was bedeutet TTIP für uns?

TTIP StoppenIch bin gegen das Freihandelsabkommen TTIP / Deshalb möchte ich unterschreiben!

Was bedeutet das Freihandelsabkommen für uns?
Quelle: campact.de  –  Demokratie in Aktion

Das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU birgt viele Gefahren:

  • US-Produkte müssten nicht mehr europäische Verbraucherschutz- und Tierschutzstandards einhalten, um in der EU verkauft zu werden. Damit EU-Unternehmen dann nicht benachteiligt sind, müssten die Standards hierzulande gesenkt werden.
  • Der durch das Abkommen ausgelöste Preiskampf bei Lebensmitteln würde auf beiden Seiten des Atlantiks naturschonend wirtschaftende Bauernhöfe massenweise zur Aufgabe zwingen.
  • Die durch die EU-Chemikalienverordnung REACH vorgeschriebene Gefahrenprüfung vor der Markteinführung von Substanzen wird umgehbar: Ein Konzern müsste nur ein Produkt in den USA anbieten – und schon könnte er es auch in Europa verkaufen.
  • TTIP wird die Einfuhr gentechnisch veränderter Lebensmittel, von Hormonfleisch und Chlorhühnern erleichtern – und die Kennzeichnungspflicht aufweichen.
  • Wenn öffentliche Dienstleistungen als Märkte interpretiert werden, wie es die Pläne bisher vorsehen, wird eine Welle an Privatisierungen folgen.
  • Im Bereich des so genannten „geistigen Eigentums“ drohen Verschärfungen: weniger Rechte für Internetnutzer und ein lascher Datenschutz.
  • Investoren sollen die Möglichkeit bekommen, Staaten vor Schiedsgerichten zu verklagen, wenn sie ihre Gewinnaussichten durch demokratische Beschlüsse verletzt sehen. Auf eine solche Investitionsschutzklausel in einem anderen Abkommen beruft sich heute schon Vattenfall – und verklagt derzeit Deutschland auf 3,7 Milliarden Euro Schadensersatz für den Atomausstieg.

Wer verhandelt?

Die Verhandlungen finden statt zwischen der EU-Kommission, vertreten durch den Handelskommissar, und dem US-Handelsministerium. In der EU haben weder die Mitgliedsstaaten noch die anderen EU-Kommissare, noch gar die Abgeordneten von Europaparlament und nationalen Parlamenten Einblick in die meisten Verhandlungsdokumente. Auf massiven öffentlichen Druck hin stellt die EU-Kommission inzwischen einige ihrer Verhandlungspositionen online – allerdings weigert sich die US-Seite dasselbe zu tun.

Deshalb bleibt ungewiss, wo mögliche Kompromisslinien liegen werden. Da beide Verhandlungspartner eine „Paketlösung“ – also einen Kuhhandel – anstreben wird die EU-Kommission massive Zugeständnisse machen müssen, soll das Abkommen jemals unterschriftsreif werden.

Unterdessen haben einige hundert Industrielobbyisten exklusiven Zugang und die Möglichkeit, ihre Interessen direkt in den Vertrag zu diktieren. Ziel der Verhandlungs-Elite ist es, die Verhandlungen geheim abzuschließen und den demokratisch gewählten Vertretungen der Bürger/innen dann nur noch die Wahl zwischen Zustimmung und Ablehnung zu lassen.

Warum wissen wir so wenig über die Inhalte?

Die EU-Kommission und die US-Regierung halten die wichtigsten Verhandlungsdokumente geheim. Die Verhandlungsrunden finden jeweils an geheim gehaltenen Orten statt. Auf den Pressekonferenzen nach den jeweiligen Verhandlungsrunden werden lediglich Allgemeinplätze zum Besten gegeben. Jegliche öffentliche Information bleibt äußerst vage. Die EU-Kommission ist noch nicht einmal bereit, das Verhandlungsmandat – also das, worüber sie verhandelt – offen zu legen. Dieses Mandat ist jedoch von der US-Regierung veröffentlicht und auf diesem Weg bekannt geworden.

Wie viele Arbeitsplätze und wie viel Wachstum bringt der Vertrag?

Die Europäische Kommission rechnet, gestützt auf eine Studie des Centre for Economic Policy Research (CEPR 2013), für das Jahr 2027 mit einem Wachstum des realen Einkommens der EU von bis zu 0,48 Prozent. Das bedeutet pro Jahr ein Wachstum von 0,048 Prozent, also unter der Nachweisgrenze. Die Kommission schließt Anpassungseffekte zwar nicht aus, gesamtwirtschaftlich sollen jedoch Beschäftigungsgewinne und Lohnzuwächse überwiegen. Schon diese positiv gefärbte Schätzung geht also von einem äußerst geringen wirtschaftlichen Nutzen in sehr ferner Zukunft aus.

Nicht berücksichtigt sind dabei mögliche negative Effekte. Neben Arbeitsplatzverlusten in ländlichen Gebieten droht eine Ausweitung niedrig entlohnter Beschäftigung, zunehmende Einkommensungleichheit, verschärfte Sparpolitik der öffentlichen Haushalte und eine geringere Tarifbindung. Privatisierungen, Ausgliederungen und Deregulierung vor allem im Dienstleistungsbereich können einfach genutzt werden, um Niedriglohn-Jobs zu schaffen. Weil sie anständig bezahlte Jobs mehr und mehr verdrängen, wirkt sich das auf das allgemeine Lohnniveau und damit auf die „Normalarbeitsverhältnisse“ aus.

Die am meisten zitierte Studie zu wirtschaftlichen Effekten stammt von der Bertelsmann-Stiftung. Sie wird wegen massiver methodischer Fehler bei der Berechnung von Arbeitsplatzeffekten vom ifo-Institut kritisiert. Die Bertelsmann-Stiftung hat nämlich nur die Gewinne im Exportsektor gezählt, und die Verluste von Arbeitsplätzen in anderen Sektoren nicht davon abgezogen. Dieser Fehler ist möglicherweise kein Zufall, denn die Bertelsmann-Stiftung macht mit einer Road-Show im Auftrag der EU-Kommission Werbung für TTIP in den USA.

Hat die EU-Kommission nicht transparente Verhandlungen unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft versprochen?

Dieses Versprechen ist leider eine leere Hülse. Die EU-Kommission veranstaltet einige so genannte Stakeholder Briefings, bei denen sie Vertreter/innen der Zivilgesellschaft mit Allgemeinplätzen, ausweichenden Antworten und bewusstem Verschweigen hinhält. Dem gegenüber stehen hunderte Gespräche mit Industrielobbyisten, bei denen diese unmittelbar Einfluss auf die Verhandlungstexte nehmen können.

Die EU-Kommission hat ein beratendes Kommitee eingerichtet, das die Verhandlungen begleiten soll. In ihm sollen neben sieben Industrievertretern zwei handverlesene Vertreter von Umweltschutzverbänden, zwei von Gewerkschaften, einer von Transparenz-Organisationen sitzen. Die bisher veröffentlichten Protokolle der Sitzungen zeigen, dass über Belanglosigkeiten geredet wurde, nicht über die wirklich kritischen Fragen. Und auch diesem Komitee werden voraussichtlich keine Vertragstexte zugänglich gemacht. Genauso wenig wie dem Europaparlament. Wenn Abgeordnete oder die wenigen ausgewählten Vertreter der Zivilgesellschaft Verhandlungsunterlagen sehen dürfen, dann nur in speziellen Leseräumen. Sie sind zu Stillschweigen verpflichtet, dürfen also ihr Wissen nicht mit Experten und vor allem nicht mit uns Bürger/innen teilen.

Wie ist der Zeitplan?

Die Verhandlungen wurden im Juni offiziell aufgenommen. Ziel der Verhandlungspartner ist ein schneller Abschluss, bis 2015. Der genaue Zeitplan hängt vom Fortschritt der Verhandlungen ab. Klar ist bisher nur, dass die nächste Verhandlungsrunde im März 2014 in Brüssel stattfindet.

In den USA gibt es zunehmend Widerstand gegen den geplanten „Fast Track“ Prozess, der der Obama-Administration eine Verhandlung ohne Beteiligung des Kongresses erlauben würde. Der Ausgang des Konflikts ist derzeit offen.

Was passiert nach den Verhandlungen?

Das Europaparlament und die Europäischen Regierungen müssen dem Vertrag auf jeden Fall zustimmen. Strittig ist, ob der Vertrag außerdem in jedem einzelnen Mitgliedsstaat „ratifiziert“ werden muss. Die EU-Kommission möchte dieses Abkommen allein auf europäischer Ebene durchsetzen und die nationalen Parlamente außen vor lassen! Dagegen regt sich Widerstand aus den Mitgliedsstaaten – sehr zu recht. Wenn die EU-Kommission nicht einlenkt, ist eine Klage vor dem EuGH in dieser Sache wahrscheinlich.

Würde der Vertrag auch von den Mitgliedsstaaten ratifiziert, bedeutet das in der Regel, dass die Parlamente abstimmen. Möglich sind aber auch Volksentscheide in einzelnen Mitgliedsländern. Wird der Vertrag von nur einem EU-Staat nicht ratifiziert, ist er gescheitert.

In Deutschland hängt es vom Inhalt des endgültigen Vertrages ab, ob nur der Bundestag entscheidet oder auch der Bundesrat zustimmen muss.

Wie funktionieren die Konzernklagen?

In vielen Handelsverträgen gibt es mittlerweile so genannte Investitionsschutzklauseln. Sie erlauben ausländischen Konzernen, vor einem „Schiedsgericht“ zu klagen, wenn es seine Gewinnerwartung durch politische Entscheidungen eines Staates verletzt sieht. Das „Schiedsgericht“ ist kein Gericht im herkömmlichen Sinne. Es besteht ausschließlich aus Anwälten, die in einem Prozess die Rolle des Kläger-Anwalts, im nächsten Verfahren die Rolle des Anwalts der Beklagten, und ein anderes Mal die Rolle des Richters übernehmen. Eine exklusive Minderheit von hoch spezialisierten Rechtsexperten entscheidet also über Entschädigungen in Milliardenhöhe – die Steuerzahler/innen dann bezahlen müssen. Die Verhandlungen sind nicht öffentlich, eine Revision gibt es nicht. Die Anwälte und Richter kassieren Honorare in Millionenhöhe.

Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Klagen vor solchen Schiedsgerichten ständig an, die Summen der zugebilligten Entschädigungen wachsen ständig. Am klagefreudigsten sind US-Investoren mit bisher 123 Klagen. Danach folgen die Niederlande mit 50, Großbritannien mit 30 und Deutschland mit 27 Klagen.

Eine neue Studie der London School of Economics hat jetzt (wie auch schon eine ältere Studie der Heinrich-Böll Stiftung) nachgewiesen, dass Investorenklagen nicht sinnvoll sind. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die von der Kommission genannten Fälle kein Indiz dafür sind, dass man ISDS im TTIP braucht. In den von der Kommission angebrachten Fällen, bei den InvestorInnen Schwierigkeiten in den USA hatten, hätte ein Investor-Staat-Klagemechanismus auch nicht geholfen.

An Pfingstmontag im Jahre 2014

Mohn_und_Gedächtnis
Mohn und Gedächtnis, der erste Gedichtband Celans, der Spannungsbogen Czernowitz – Paris, die Bokowina ein Land von echten Multikultis – da lebten sie noch zusammen, Paris eine Stadt der Gegensätze, da rezipierten Marxisten und glühende Kämpfer der Résistance noch Heidegger…

Mohn und Gedächtnis, das flüchtige, kurze, alles vergessenmachende, glühend rote Aufblühen – der Mohn, die Liebe, das Durchatmen, die Erleichterung – auf der anderen Seite des schmalen Grades: Belastung, Schmerz, Erinnerung, das Gedächtnis. Mohn und Gedächtnis, Tag und Nacht, das grelle Licht des Bewußtseins und das ewige Dunkel des Unbewußten, Leben und Tod, die unio mystica. „Wir waren tot und konnten atmen.“ Mohn und Gedächtnis, das Erinnern knebelt nicht die Freiheit, eines stärkt sich am anderen, der utopische Mohn des Vergessens gedeiht nur gut auf dem Boden der Erinnerns, Utopie kann nicht ohne Erinnerung sein.
Mohn und Gedächtnis, nichts hilft den täglichen Widerspruch besser gestalten. Mohn und Gedächtnis, das ist auch das „Geheimnis der Begegnung“, es ist das „Würgen“ an den Nichtverrechenbarkeiten, es ist zum einen jenes Gedicht „Wirk nicht voraus“ aus Celans letzten Gedichtband „Lichtzwang“:

„Wirk nicht voraus,
sende nicht aus,
steh
herein:

durchgründet vom Nichts,
ledig allen
Gebets,
feinfügig, nach
der Vor-Schrift,
unüberholbar,

nehm ich dich auf,
statt aller
Ruhe“

Und es ist zum anderen oder vielmehr zugleich Heideggers Antwort darauf:

„Wage die Stille
Stille die Waage

Höre das Her
Schweige das Hin

Schwanke nicht mehr
Danke und sinn‘

Stille die Waage
Wage die Stille“

Leben und Denken ist eben beides, es ist Mohn UND Gedächtnis, es ist auch Mönch UND Krieger. Soll man die Kunst vielleicht erweitern,  damit die Antipoden in uns beide Raum finden? „Nein. Sondern geh mit der Kunst in deine allereigenste Enge. Und setz dich frei.“

MohnundGedächtnis„Es ist Zeit, daß der Stein sich zu blühen bequemt,
daß der Unrast ein Herz schlägt.
Es ist Zeit, daß es Zeit wird.“

Wie es in Paul Celans Gedicht „Corona“ heißt.

2012 zum 60sten Jahrestag des Erscheinens von Paul Celans erstem Gedichtband „Mohn und Gedächtnis“ hat die DVA diesen Band in einer der Erstausgabe nachempfundenen, bibliophilen Ausgabe wieder veröffentlicht. Wer die Gedichte dieses Band in seinem Herzen immer dabei hat, der kann eigentlich nicht fehl gehen…

Als 1952 „Mohn und Gedächtnis“ erschien, war der Autor, der als Paul Antschel 1920 als Sohn deutschsprachiger Juden in Czernowitz/Bukowina geboren wurde, der literarischen Öffentlichkeit vollkommen unbekannt. Seine Eltern wurden 1942 während der deutschen Besatzung deportiert und ermordet. Er selbst überlebte den Krieg in einem Arbeitslager. Danach gelangte er über Bukarest und Wien nach Paris, wo er bis zu seinem Tod als Dichter, Übersetzer und Lektor an der École Normale Supérieure lebte und arbeitete. 1970 beendete er sein Leben.

Heute zählen die 56 Gedichte des Bandes, darunter die »Todesfuge«, zu den bedeutendsten des 20. Jahrhunderts, aber wie es immer so ist, wenn etwas erstmal zu dem Bedeutendsten zählt, dann wird es leicht vergessen, deshalb würde ich mich freuen, wenn möglichst viele diese eindringlichen Gedichte lesen oder wieder lesen würden, auch oder gerade weil sie nicht mehr in unsere „hippe“ Zeit passen, in der es vor lauter „gelebten Augenblicken“, kein Gedächtnis mehr für die Vergangenheit und Zukunft gibt. Denn schließlich hatten wir als Menschheit mal eine Zukunft und schließlich wollten wir uns mal mahnend der Vergangenheit erinnern.

Celan wurde 1960 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. In seiner Büchner-Preis-Rede finden wir viele Steine des Erinnerns, wir finden den „20. Jänner“: Der 20. Jänner 1778, an dem Lenz durch das Gebirge zum Pfarrer Oberlin nach Waldersbach übers Gebirge ging, der 20. Jänner 1942, an dem in der Wannseekonferenz die planmäßige Endlösung, die endgültige Vernichtung der europäischen Juden in „freundlicher Atmosphäre“ erörtert  wurde, der 20. Jänner 1948, an dem Celan Ingeborg Bachmann kennenlernt, der 20. Jänner 1968, an dem er sein Gedicht „Der zwanzigste Jänner 1968“ schrieb:

„Ich höre, die Axt hat geblüht,
ich höre, der Ort ist nicht nennbar,

ich höre, das Brot, das ihn ansieht,
heilt den Erhängten,
das Brot, das ihm die Frau buk,

ich höre, sie nennen das Leben
die einzige Zuflucht.“

„Ich finde das Verbindende und wie das Gedicht zur Begegnung Führende. Ich finde etwas – wie die Sprache – Immaterielles, aber Irdisches, Terrestrisches, etwas Kreisförmiges, über beide Pole in sich selbst Zurückkehrendes und dabei – heitererweise – sogar die Tropen Durch-kreuzendes –: ich finde… einen Meridian.“ (Büchner-Preis-Rede, 1960)

Zauberpflanze Mohn, im Eingedenken alles Kreatürlichen bist du die Chiffre, die Grenze zwischen vernichtender Gefahr und beglückender Heilung, der Absturz in’s Bodenlose ist immer mit im Gepäck.

Wenn du blühst, kann der Sommer nicht mehr weit sein, deine borstige Behaarung gibt dir Abwehrstärke in den wenigen Stunden, in denen du feuerrot glühst. Du bist die Pflanze des Augenblicks,  Glücks- und Totenblume zugleich, als Pionier besiedelst Du Gegenden, die längst dem Vergessen anheim fielen – so wie all die vielen Soldatengräber, zu denen du als erster kamst. Für mich bist Du das Signal, wo du blühst ist der Mensch schon weitergezogen, es geht vorwärts, die Passion hat sich erfüllt, der Samen des Gedächtnisses ist aufgegangen.

Mohn UND Gedächtnis – ein Pfingstmontag im Jahre 2014

YOLO – Das Mehrgenerationen-Projekt

Endlich ist es soweit, die Jungen und die Alten sind sich einig, Schluß mit lustig, jetzt wird’s ernst, jetzt kommt das YOLO-Projekt.
Klar Hip-Hop mäßig geht’s bei den Aktiv-Senioren nicht mehr so zur Sache, aber krachen lassen tun sie’s auch, schließlich lebt man doch nur einmal, da heißt es, nichts verschieben auf die Zukunft, wer weiß, was noch alles kommt, man hat ja schließlich schon Pferde kotzen gesehn.

YOLO-Jugend20122012 war YOLO ja das Jugendwort des Jahres, klar you only live once, da muß halt was gehn auf breiter Front, wenn sonst schon nix geht, da haun wir kräftig auf den Putz und wenn dann Leere statt Lehre kommt, dann nix wie ab zum Koma-Saufen, auf die scheiß Gesellschaft hab ich sowieso kein Bock und ne andere klappt ja doch nie…

Klar! In ihrer Resignation, da sind sich die Jungen und die Alten einig und deshalb: Party bis die Schwarte kracht, wir nehmen uns alles und zwar jetzt, der Tanz auf dem Vulkan (war da nicht schon mal was mit „Tanz auf dem Vulkan“ vor 90 Jahrn?) macht bock, wir wollen noch was von der Welt sehn, mir doch egal mit dem scheiß CO², die andern machens doch auch, solln sich doch die Jungen kümmern, wir wollen noch was vom Alter haben, denn schließlich und endlich „You Only Live Once!“. Und deshalb kriegen wir auch dieses Jahr das goldene YOLO-Kalb, wir haben es uns redlich verdient.

YOLO-Senioren2014Da fragt man sich doch, als unbeteiligter Zuschauer, wo haben diese beiden Gruppen die Idee nur geklaut? Na klar von den Superreichen, den gehts doch schon lange am Arsch vorbei, was in der Zukunft mit diesem Planeten passiert, wenn sie immer nur kurzfristig ‚ihre‘ Kohle abschöpfen können, um Party in ihren 10 Ferienhäusern rund um den Globus zu machen und den Rest in irgendwelchen offshore-Paradiesen zu bunkern, anstatt die Knete in nachhaltige Zukunftprojekte zu investieren. Die Superreichen, die haben schon lange den Grundsatz: „You Only Live Once!“ – was dabei herauskommt, das kann man ja schon schön auf diesem Globus beobachten…

Komisch eigentlich – warum die sich manchmal doch wieder mit ihrem Gewissen belasten und dann mit ihrer Kohle ganz plötzlich auf Charity machen, paßt eigentlich wieder gar nicht ins Bild, wollen die jetzt nur ’ne gute Presse – aber die ätzt ja eigentlich nur über solche Aktivitäten, am Ende wollen die vielleicht wirklich noch helfen, das wär ja noch schöner, uns unsere hart erarbeitete Verelendung und unser revolutionäres Potential klauen, nur um ein Paar Leuten, die am Verhungern sind ’ne Schrippe ohne alles rüberzuschieben. Na, ich denk vielleicht doch noch mal drüber nach, weil wenn ich mir’s so recht überlege, verhungern aus ideologischen Gründen will ich ja eigentlich auch keinen lassen…

Naja und vielleicht geht’s den Yolos ja auch mal so, wenn sie keinen Bock auf Dauer-Yolo haben. Dann gucken die sich am Ende auch noch Charity ab und machen Yolo-Charity, kann ja alles passieren auf diesem Planeten, war schon so mancher für  eine Überraschung gut.

Ich wills mal so sagen: Klar es ist wirklich wichtig im Augenblick zu leben und keine Sekunde des kostbaren Lebens zu verschwenden und niemand kann im Ernst was dagegen haben, daß jeder auch mal Party machen muß, um seine Batterien mit viel Lachen und vielen echten Freunden wieder aufzuladen, aber muß es denn der nonstop Tanz ums goldene YOLO-Kalb sein, das ist in der Geschichte doch schön öfter mal schief gegangen, dieser Tanz ums goldene Kalb…

Angst vor der Materie

Angst vor der MaterieMaterie macht uns Angst, unsere Entfremdung von allem Vorgefundenen auf diesem Planeten schreitet immer weiter fort (bitte jetzt keine Linearität propagieren). Natur ist nichts, was uns begeistert und erschafft, sondern was abgeschafft gehört. Jetzt sind aber einerseits unsere wissenschaftlichen Bemühungen noch nicht weitgenug fortgeschritten, damit wir die Materie vollständig unter Kontrolle bringen können, andererseits ist unsere transzendentale Obdachlosigkeit aber auch schon wieder so weit fortgeschritten, daß wir mit der Materie nicht mehr on speaking terms sind.

Haben wir vielleicht doch zu voreilig unsere guten Kontakte zu den  Göttern aufgegeben oder liegt alles vielleicht daran, daß Materie etwas ganz anderes ist, als wir all die Jahrhunderte gedacht haben, nichts Unveränderliches, Starres von dem wir uns ein festes Bild machen können und das uns auch noch im Untergang (wie hier auf dem Bild) Sicherheit schenkt.

Es kommt darauf an, einen neuen Materiebegriff zu entwickeln!

Wenn wir Überlegungen der Quantenphysik in unser tägliches Denken integrieren, sollten wir dann nicht viel eher den Begriff der Materie mit einer bunt schillernden, utopischen Welt verknüpfen. Können wir nicht zu einer „Docta spes“ (Ernst Bloch) kommen, wenn wir die Superposition der Quanten – dem Ort aller potentiellen Seinsmöglichkeiten – als die grundlegende Wurzel jeder Utopie und der auf sie gerichteten gelehrten Hoffnung verstehen. Ist im Kern unseres Universums nicht der ständige Wandel, die Veränderung, die Utopie angelegt? Ist Utopie nicht gerade der Ort, den es fest umschlossen nirgends gibt und der dennoch überall anwesend ist – als das Meer der Möglichkeiten?

Ein ‚Wirk‘ (H.P. Dürr) lebt in Utopia, kein Ort nirgends ist seine Heimat, aber mit den Algorithmen und der Theorie der Quantenmechanik können wir doch immerhin auf der Grundlage von Wahrscheinlichkeiten mit diesem Ort kommunizieren. D.H. wir haben eine ideale utopische Situation, wir kommunizieren und lernen viel von den ‚Wirk‘, weil wir die richtige Umgangssprache halbwegs gefunden haben und wir knebeln ihre Wirkungslinien trotzdem nicht, wir zwingen sie nicht fein sortiert, durch den ein oder anderen Spalt unserer Doppelspaltexperimente zu fliegen, so wie der arme Tiger immer durch den einen Ring muß.

Mit der Quantenmechanik pflegen wir einen nicht usurpatorischen Umgang mit Utopia, der wunderbaren Wurzel all unserer Materie und damit unseres Seins. Wir diskutieren und leben gleichzeitig die Offenheit!

Ist nicht gerade ein System – wie der Kapitalismus – von dem immer wieder stur behauptet wird, es sei das stabilste und natürlichste System der Welt, gerade auch unter diesem Aspekt das widernatürlichste. Natürlich ist die Evolution, die immer wieder gerne als Begründung herangezogen wird, die Triebfeder der Entwicklung, daß sich aber hartnäckig die falsche Übersetzung von Darwins/Spencers „survival of the fittest“ hält, erscheint mir ein leicht zu entlarvender Marketingtrick eines auf Ellbogen und gnadenlosen Wettbewerb fixierten Systems.

Letztlich können wir auf der Basis dieses falsch verstandenen evolutionären Grundsatzes tausende von Ideologie aufbauen, die Macht des Faktischen wird sie alle niederreißen, wenn wir nicht verstehen, daß wir nur dann überleben, wenn wir uns den Grundlagen unseres Lebens möglichst optimal anpassen und das sind nunmal einzig und allein die Ressourcen und Regelkreisläufe der Natur auf diesem Planeten, dann gehen wir als Menschheit einfach unter,  aus die Maus, eigentlich schade drum, es gab immer mal wieder ein paar gute Ansätze, ohne Hass, Gier und Ignoranz hätte was draus werden können.

Die Materie aber wird immer triumpfieren und weiter ihre utopischen Orte besuchen…

Warum? Weil sie einfach weiß, daß das Unbestimmte, Offene der einzige Ort ist, an dem man leben und das Leben genießen kann. Wäre es nicht nach so vielen Jahrzehnten der Quantenphysik eine Überlegung wert, das sie endlich als  Grundlage unseres Denkens in unser alltägliches Leben und Handeln einzieht?!

Der Penner Diogenes im Gespräch

Diogenes: Eh’ haste mal ‘nen Euro?

Arbeiter: Nee – du asozialer Penner, sich ‘nen schlaues Leben machen und andere für sich schaffen lassen und dann von meinem sauer verdienten Geld noch ‘nen Euro abhaben wollen, das kannste vergessen, geh’ selber arbeiten du Versager, dann brauchste auch nich’ betteln. Und überhaupt mit deinem Hunderudel mir auf die Mitleidstour kommen, den Hunden gibste doch sowieso nix ab von dem was die Leute dir geben, tuste doch eh alles nur versaufen.

Diogenes: Das ist zynisch – die armen Hunden brauchen mich – so wie ich sie brauche!

Arbeiter: Na von mir aus – aber ganz sauber im Kopf kannste eigentlich auch nich’ sein oder was soll die brennende Laterne mitten am Tag – spar dir doch die Kerze für die Nacht?

Diogenes: Ich such’ einen Menschen!

Wohlhabender Bürger: Oh Du armer Obdachloser – ich wäre so froh, wenn ich Dir einen Wunsch erfüllen könnte?

Diogenes: Geh mir aus der Sonne!

Arbeiter: Die spinnen doch wohl beide oder was …

Diogenes_Jean_Léon_Gérôme

Warum wir einen BruttoNationalGlücksFaktor brauchen!

1979 – also bereits vor 35 Jahren – hat Jigme Singye Wangchuck, der damalige König von Bhutan den Ausdruck BruttoNationalGlück, in Entgegnung auf ein Interview mit einem indischen Journalisten, geprägt. Der Journalist hatte sich nach dem Bruttoinlandsprodukt von Bhutan erkundigt und der König wollte zum Ausdruck bringen, dass er sich einer Wirtschaftsentwicklung verpflichtet fühle, die Bhutans einzigartiger Kultur und ihren buddhistischen Werten gerecht werde.

Aber bereits 1972 hatte der König das „Glück“ zum obersten Ziel der nationalen Politik ausgerufen. Die Idee reicht allerdings viel weiter zurück. Schon im 18. Jahrhundert wurde in einem Gesetzestext formuliert, die Regierung hätte keine Berechtigung, wenn sie nicht für das Glück seiner Bürger sorgen könne (würde mich mal interessieren, welche Reaktionen kämen, wenn das ein Politiker bei uns im Bundestag vortragen würde).

Während jedenfalls konventionelle Entwicklungsmodelle das Wirtschaftswachstum immer zum herausragenden Kriterium politischen Handelns machen, nimmt die Idee des Bruttonationalglücks an, dass eine ausgewogene und nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft nur im Zusammenspiel von materiellen, kulturellen und spirituellen Faktoren geschehen kann, die einander ergänzen und bestärken. Bruttonationalglück ist der Versuch, den Lebensstandard in breit gestreuter, humanistischer und psychologischer Weise zu definieren und somit dem herkömmlichen Bruttonationaleinkommen, einem ausschließlich durch Geldflüsse bestimmten Maß, einen ganzheitlicheren Bezugsrahmen gegenüberzustellen (siehe auch Wikipedia).

Die vier Säulen des BruttoNationalGlücks:
– die Förderung einer sozial gerechten Gesellschafts- und Wirtschaftsentwicklung,
– Bewahrung und Förderung kultureller Werte,
– Schutz der Umwelt und
– gute Regierungs- und Verwaltungsstrukturen.

Auch wenn sich der BruttoNationalGlücksFaktor nur schwer objektiv messen läßt und einer Reihe von subjektiven Werturteilen unterliegt, kann man diesen Faktor dennoch durch entsprechende BewertungsSkalen in repräsentativen Meinungsumfragen errechnen. Natürlich ist die entscheidende Frage, wer die Eckpunkte des Bezugsrahmens definiert. Damit kommt der Art und Weise der politischen Willensbildung insbesondere der Diskussion im Rahmen der Verfassungsgebung eine große Bedeutung zu. Bhutan hat seit 2008 das Bruttonationalglück als zentralen Wert in der Verfassung verankert. Mit einem Gross National Happiness (GNH) Faktor mißt Bhutan das Glück seiner Einwohner.
Der GNH Index umfasst neun Bereiche (psychologisches Wohlbefinden, die Verwendung von Zeit, die Vitalität der Gesellschaft, kulturelle Diversität, ökologische Resilienz, Lebensstandard, Gesundheit, Bildung und Good Governance) die mit Hilfe von 33 aggregierten Indikatoren messbar gemacht werden. Das GNH Konzept ist somit ein multidimensionales Konzept, das nicht nur subjektives Wohlbefinden und Glück umfasst, sondern auch alle ökologischen und soziale Aspekte mit einbezieht.
Einen ähnlichen Weg wie Bhutan sind Ecuador und Bolivien gegangen mit der Verankerung des indigenen Prinzips des Sumak kawsay („gutes Leben”, span. „buen vivir”) in der ecuadorianischen Verfassung von 2008 und der bolivianischen Verfassung von 2009.
In einem vom New Economic Foundation’s Centre for Well-Being in London erstellten Happy Planet Index, der Lebenserwartung und Zufriedenheit der Bevölkerung in Relation zum ökologischen Fußabdruck (Ressourcenverbrauch) setzt, belegt Costa Rica 2012 den ersten Platz, gefolgt von Vietnam. Deutschland findet sich auf dem 46 Platz und die Vereinigten Staaten stehen in dieser Liste auf Platz 105, noch hinter einigen Entwicklungsländern.

Das Wirtschaftsmodell, das mit dem BruttoNationalGlücksFaktor bestimmt wird, geht meiner Meinung nach absolut in die richtige Richtung, denn es versucht dem Fetisch des Wachstums im Kapitalismus ein ganzheitliches Modell für persönliches Glück im Einklag mit einem sinnvollen ökologischen Fußabdruck entgegenzusetzen. Wer dieses Modell wirklich ernst nimmt hat alle Aspekte, die eine glückliche Gesellschaft auf einem glücklichen Planeten ausmachen, mit berücksichtigt.

Jeder Versuch, für ein derartiges Wirtschaftsmodell ein Bewußtsein zu schaffen und damit auch immer die Zusammenhänge zu untersuchen und auszuzeigen, muß erstmal gelobt werden, deshalb empfinde ich es als einen mutigen Schritt der Gemeinde Schömberg, gleich hier bei uns in der Nähe, also im Nordschwarzwald, sich zur Glücksgemeinde zu erklären.

Warum Marx doch nicht tot ist!

Was kann ein „Schöpfer“ dafür, wenn die Menschen zu dämlich sind, seine Grundideen vernünftig umzusetzen, so hat es schon mit Nietzsches Übermenschen nicht geklappt, den Alten abzusetzen bzw. ihn gleich für tot zu erklären und so hat es auch bei Marx nicht geklappt. Erst bringen wir es nicht auf die Reihe seine Ideen im 20. Jahrhundert sinnvoll umzusetzen und dann soll am Schluß auch noch der alte Marx an unserer Unfähigkeit schuld sein.

Gott sei Dank ist es bei den besonders Fähigen in der Geschichte so, man kann Sie – oder sagen wir mal ihre Ideen – halt doch nicht so leicht umbringen, auch wenn man sich noch so doof anstellt bei der Umsetzung brillianter Ideen, die Doofheit springt meistens nicht auf den Schöpfer über oder, wenn die Doofes es gar zu heftig getrieben haben und es so aussieht, als ob der Schöpfer selbst auch mit untergeht, dann! nach einer kleinen Ruhephase kommt die Idee gelassen wieder zurück und schaut, ob es vielleicht inzwischen weniger Doofe gibt, dann beginnt das Spiel von vorne. So kommt es, daß Marx doch noch nicht tot ist, obwohl viele gehofft haben, daß man ihn durch 100 Jahre überwiegenden Schwachsinn endgültig los wäre und das Gespenst, das Marx in Europa mit auf die Reise geschickt hat, ein für alle Mal nicht mehr umgeht.

Ein Genie bleibt ein Genie, könnte man es aufhalten, wäre es niemals eins gewesen – und so ist es auch mit klugen Ideen. Auf lange Sicht kann man sie nicht aufhalten und wenn doch, dann sind es halt keine klugen Ideen gewesen! Binsenweisheiten treffen oft den Nagel auf den Kopf und eine solche Binsenweisheit ist: „Hinter einer klugen Idee steckt immer ein kluger Kopf“

Einer, der sich wirklich ehrlich bemüht hat, dem alten Marx zu seinem Recht zu verhelfen, ist Terry Eagleton. In seinem Buch „Warum Marx Recht hat“, das ich als Einführung in das Thema „Zur Aktualität von Karl Marx“ empfehlen möchte, fragt Eagleton am Ende des Buches leidenschaftlich: „Ist irgendein Philosoph jemals so entstellt worden?“ und wir ahnen es schon, natürlich nicht, aber es haben bisher auch recht wenige Philosophen so gewaltige Dinge in Bewegung gesetzt…

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Karl-Marx

Nun! Warum Marx doch nicht tot ist, beantwortet Terry Eagleton anhand von 10 Thesen aus der gegenwärtigen Diskussion, damit versucht der englische Literaturwissenschaftler seine Meinung zu begründen, daß man eigentlich nur mal ideologiefrei auf den historischen Marx schauen müßte, um sofort zu sehen, daß sich alle Kritik eigentlich immer an der ideologisch völlig verzerrten Kunstfigur des 20. Jahrhunderts abarbeitet.

Aus diesem Grund setzt er sich dann flugs – auf sehr unterhaltsame Weise, mit viel englischem Humor – in 10 Kapiteln mit 10 ständig vorgebrachten Thesen gegen Marx auseinander. Diese Thesen lauten wie folgt:

Der Marxismus ist erledigt
Der Marxismus ist in der Praxis nicht umsetzbar
Der Marxismus hat ein deterministisches Weltbild
Der Marxismus ist die Utopie einer arbeitsscheuen Freizeitgesellschaft
Der Marxismus reduziert alles auf die Wirtschaft
Der Marxismus hat keine geistigen Werte und reduziert alles auf reinen Materialismus
Der Marxismus ist auf eine Klassengesellschaft fixiert, die es gar nicht mehr gibt
Der Marxismus propagiert die gewaltsame Revolution
Der Marxismus glaubt an den allmächtigen Staat
Der Marxismus ist von anderen Bewegungen abgelöst worden

Ich verrate nicht zuviel, wenn ich ein wenig aus dem Resümee, das Terry Eagleton am Schluß seines Buches zieht, zitiere:

„Marx glaubte leidenschaftlich an das Individuum und hegte tiefen Argwohn gegen abstrakte Lehren.

Er hatte nichts für die Idee einer vollkommenen Gesellschaft übrig, misstraute dem Gleichheitsbegriff und träumte nicht von einer Zukunft, in der wir alle in Overalls mit unserer Sozialversicherungsnummer auf dem Rücken herumlaufen.

Er hoffte auf Vielfalt, nicht Einförmigkeit.

Auch lehrte er nicht, das die Menschen das hilflose Spielzeug der Geschichte seien.

Er stand dem Staat noch ablehnender gegenüber als rechte Konservative und erwartete vom Sozialismus eine Stärkung und keine Schwächung der Demokratie.

Sein Modell des guten Lebens beruhte auf dem Gedanken des künstlerischen Selbstausdrucks.

Er glaubte, daß einige Revolutionen friedlich verlaufen könnten und hatte nichts gegen soziale Reformen.

Weder war er einseitig auf die Arbeiterklasse fixiert, noch war sein Gesellschaftsbild von zwei polarisierten Klassen bestimmt.

Er machte keinen Fetisch aus der materiellen Produktion. Ganz im Gegenteil, er glaubte, sie sollte so weit wie möglich beseitigt werden.

Sein Ideal war Muße, nicht Arbeit.

Wenn er seine Aufmerksamkeit vor allem auf die Wirtschaft richtete, dann, um ihre Macht über die Menschheit zu verringern.

Seinen Materialismus vermochte er durchaus mit tiefen moralischen und geistigen Überzeugungen zu vereinbaren.

Er war voll des Lobes für die Mittelklasse und sah den Sozialismus als Erben ihrer großen Errungenschaften: Freiheit, Bürgerrechte und materiellen Wohlstand.

Mit seinen Anschauungen über Natur und Umwelt war er seiner Zeit in vielen Punkten erstaunlich weit voraus.

Nie hat es einen entschiedeneren Befürworter von Frauenemanzipation, Weltfrieden, Kampf gegen Faschismus und für Befreiung der Kolonialvölker gegeben als die politische Bewegung, die durch sein Werk ins Leben gerufen wurde.“ (a.a.O. Seite 271/272)

Selbst wenn man in der Bewertung des Lebenswerks von Karl Marx ganz anderer Meinung sein sollte als Terry Eagleton, macht es Sinn, in Anbetracht dieser Sichweise sich nochmals mit diesem Denker auseinandersetzen, denn er war im positivsten Sinne ein Revolutionär und wenn wir auf diesem Planeten noch was reißen wollen, dann brauchen wir vor allem Leute, die nicht nach dem Motto leben: „Weiter so“. An die Wurzeln der Probleme zu gehen ist die einzige Chance nachhaltig etwas für den Patienten zu tun, alles andere ist nur Symptom-Doktorei und hilft dem Unternehmen “MENSCH & PLANET” langfristig nicht weiter!

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Terry Eagleton ist Professor für Englische Literatur an der University of Manchester und Fellow der British Academy. Auf Deutsch ist von Ihm zuletzt erschienen:
Warum Marx recht hat
Hardcover, 288 Seiten
Ullstein-Verlag
ISBN-13:  9783550088568

Mönch und Krieger

moench_und_kriegerNach der Lektüren von Konstantin Weckers neuem Buch ist mir wieder klargeworden, daß er wahrscheinlich einer der ganz wenigen ist, der mein Lebensmotto voll ausgelebt hat: „Täglich den Widerspruch gestalten!“

Den Leuten einfach mal eine freche These vor den Latz zu knallen! Das gefällt mir! Endlich mal nicht nur medienkonforme Weichgespültheit. Provokation ist doch auch der Ausdruck eines gefühlsmäßig verankerten Engagements, eines tiefen Gefühls von Gerechtigkeit und Liebe für die Welt.
Herr Wecker warum treten Sie denn oft so aggressiv auf? Man hat sich all zu gerne an die Leisen und Sampften gewöhnt, die lassen sich besser wegdrücken – vor allem in den Medien – aber wo steht geschrieben, daß der Habitus des bajuwarischen Polterns nur Franz Josef Strauß und der CSU vorbehalten wäre, man kann ihn durchaus auch mal für menschenfreundliche Themen einsetzen und nicht nur fürs Geschäft (ich gebe zu, das war polemisch).

Aber trotzdem – schließlich und endlich – kommt das Wort Aggression ja aus dem Lateinischen und leitet sich von dem Wort aggredere ab. Das bedeutet unter anderem „voranschreiten“ und an die Dinge „nahe herangehen“, also jemand der aggressiv ist, ist jemand, der sich nicht in der falschen, verwalteten Welt behaglich einrichten möchte, ohne rechts und links zu sehen, sondern der Veränderung möchte, der eben voranschreiten will und der nahe an die Dinge herangeht, um die Zusammenhänge besser zu verstehen, die er verändern will.
In manchen Schulen des Zen-Buddhismus, dem man ja nun wirklich keine militanten Ziele unterschieben kann, wir das Anbrüllen ja auch als Lehrmethode benutzt, um auf Zusammenhänge nachhaltiger aufmerksam zu machen. Auch das tibetische Streitgespräch lebt nicht nur von inhaltlichen Aspekten des Dharma, sondern auch vom Abbau innerer Gewalt durch brüllen.

Seit dem ich jedenfalls Weckers Buch „Mönch und Krieger“ gelesen habe, weiß ich endlich viel genauer, warum mir die Person Konstantin Wecker immer gefallen hat.

Da man in diesem Buch ganz grundsätzlich so viel lernen kann (auch weil es voll von wunderbaren Mantras ist!), wollte ich in meinem Blog nicht einfach nur für das Buch Werbung machen, sondern auch ein paar meiner Gedanken, die mir beim Lesen des Buch eingefallen sind, hier aufschreiben.

Wecker hat beim Vorstellen seines Buches Es geht ums Tun und nicht ums Siegen: Engagement zwischen Wut und Zärtlichkeit“, das er zusammen mit Bernard Glassman geschrieben hast, gesagt: „Ich würde mir einfach wünschen, das Spiritualität und politisches Engagement viel mehr zusammenkommen“. Diesem Wunsch ist mein Blog – der unter dem Motto steht: „Täglich den Widerspruch gestalten“ – auch sehr stark verpflichtet, deshalb habe ich mir auch das provozierende Konzept „bumap2.3“ ausgedacht, vor allem weil ich Schubladendenken und Ignoranz für ganz wesentliche Übel und Hemmnisse von uns allen halte.

Das Kapitel „Revolution beginnt innen“ hätte ich auch zum Grundlagentext meines Blogs nehmen können, wenn ich es vor einem Jahr schon gekannt hätte, im Grunde würde ich hier am liebsten das ganze Kapitel zitieren, was ich natürlich aus Urheberrechtsgründen nicht machen will, aber ich hoffe, daß es mir niemand übel nimmt, wenn ich wenigstens ein paar mir besonders wichtige Stellen daraus zitiere:

„wir brauchen keine Reformen, sondern eine Revolution […] Die Revolution beginnt mit einem Umstrukturieren nicht nur des eigenen, sondern auch des gesellschaftlichen Denkens. […] sie sollte beginnen mit einem Zusammenwachsen einer neuen Spiritualität mit einer engagierten sozialen Politik. […] Spiritualität […] eröffnet […] die Chance, sich selbstständig zu revolutionieren, sein eigenes Denken permanent zu hinterfragen, beziehungsweise es durch Stille und Schweigen erst zu entdecken. Das bedeutet auch, sich der Betriebsamkeit zu widersetzen, die uns mitreißt und mit der wir uns abzulenken versuchen. […]

Wir stehen unmittelbar vor dem Abgrund, und es ist schon lächerlich, stolz darauf zu sein, daß die Menschheit ein paar Raketen ins All geschickt hat, während sie gleichzeitig dabei ist, ihren Heimatplaneten zu zerstören. […] Mit einem Bruchteil der für Waffen ausgegebenen Gelder könnten alle satt werden. […]

Ich glaube nicht an Gewalt, und ich begrüße es, daß die überwältigende Mehrheit der auch jungen Mitstreiter in den verschiedenen modernen Protestbewegungen friedlich bleibt. […]

Zur Demokratie gehört der Ungehorsam. […] Damit wir unsere demokratischen und sozialen Errungenschaften erhalten können, müssen wir ungehorsam sein […]

Ich bin für eine Revolution, aber zunächst für eine Revolution des Geistes. Es muß eine Revolution sein, die anders ist als all jene, die wir in den  letzten Jahrhunderten erlebt haben. Man kann nicht mit einer kriegerischen Revolution ein friedliches Zeitalter einläuten. Es muß  eine Revolution sein, die nicht in Gleichschaltung und Kollektivismus ausartet, sondern eine Revolution der Einzelnen, in der jeder jedem auch seinen spezifischen Wahnsinn läßt. […] Das Einzige, was wir schon jetzt tun können und müssen, ist Arbeit auf den Gebieten des Geistes, der Kultur und der Bildung leisten. […]

Humanitäres Engagement ist für mich eine Brücke zwischen gesellschaftlichem Engagement und Spiritualität. Das konkrete tätige Mitgefühl ist quasi die Schnittstelle aus beiden Welten. […] Genügt es, den Armen Brot zu geben oder muß man das System angreifen. […] Meine Antwort ist: beides. Ich mißtraue allen Ideologen, die humanitäres Handeln ausschließlich unter dem Gesichtspunkt sehen, daß dadurch ‚das System‘ stabilisiert wird. […]

Ich will mir das Wort ‚Revolution‘, ebenso wie das Wort ‚Pazifismus‘, nicht mit Blick auf den Mißbrauch dieses Begriffs rauben lassen. […] Revolution bedeutet, in der Lage zu sein, sich selbst und sein Leben immer wieder umzuwälzen. Auf dieser Basis kann und soll dann längerfristig auch die Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse erfolgen.“ (siehe Seite 168 – 179)  So weit mal Kontantin Weckers wunderbarer Text.

An dieses Kapitel schließen sich Überlegungen zum Utopiebegriff an. Hier schließt sich für mich ein wichtiger Kreis. In der Tat bin ich auch der Meinung, das Utopie etwas Geistiges in der ansonsten verdinglichten Welt repräsentiert. Was uns  als Linke an dieser Thematik immer so zu schaffen macht, ist die orthodoxe Lehre vom Materialismus, die man immer im Hinterkopf hat, und die ja allen gesellschaftlichen Prozessen zugrunde liegen soll.

Ich bin der Meinung, daß im falschen Materiebegriff, der grundsätzlich hinter einer materialistischen Philosophie steckt, das Zentrum des Problems liegt. Würden wir unseren Materiebegriff stärker einer postmodernen, quantenphysikalischen Sicht öffnen, könnten wir viel eher verstehen, daß Materie kein Antipode zur Utopie ist, sondern die Utopie gerade im Zentrum der Materie zu finden ist. Materie, die ja letztlich wohl nichts als geronnene Quanteninformation oder wie Hans-Peter Dürr sagt, gefrorenes Licht ist, hat eine durch und durch utopische Wurzel, die kommt aber erst zum Vorschein (siehe dazu auch Blochs Vorstellung vom utopischen Vorschein), wenn niemand hinsieht, also wenn sie nicht wechselwirkt. Solange Quanten im Zustand der Superposition sind, also quasi im utopischen Meer der Möglichkeiten, sind sie an keinem festen Ort auszumachen, erst wenn wir sie beobachten, packen wir sie in eine bestimmbare Schublade bzw. schießen wir sie fein säuberlich getrennt durch den vorgeschriebenen Doppelspalt.

Man könnte also sagen: Materie ist geronnene Utopie, die immer da ist, weil sie die Wurzel von Allem, also auch von Leben ist. Nach dem Grundgesetz der Ähnlichkeiten sind alle unsere Utopien strukturell dieser einen großen Utopie nachgebildet. Wer also religiös ist, wer sich also rückverbindet zum Urgrund allen Seins, der landet bei dieser utopischen Wurzel des Seins. Mir egal, ob ein knallharter Betonphysiker sofort schreit: „das ist alles metaphysischer Eso-Kitsch“ weil ehrlich gesagt, die Kritik, daß das angeblicher Eso-Kitsch ist, kommt nur durch die poetische Sprachwahl zustande. Soll doch einer mir mal wirklich nachweisen, weshalb Ed Wittens M-Theorie (Stichwort Paralleluniversen) kein Eso-Kitsch ist, bloß weil der seine M-Theorie in eine für kaum jemand verständliche mathematische Form gegossen hat und deshalb eminent wichtig und natürlich sehr wissenschaftlich daher kommt.

Was mir jedoch an Konstantin Weckers Buch, beim Stichwort Parallel-Universen super gut gefallen hat, daß es diese Idee der Parallel-Universen mit den verschiedenen Facetten eines Menschen verglichen hat (siehe Seite 186), mir geht es nämlich schon ziemlich lange auf den Kecks, daß ganz viele Menschen dazu neigen, verschiedene Aspekte eines Menschen immer zu einer sogenannten Gesamtpersönlichkeit zu verrechnen, als ob man verschiedene Charakterzüge – wahrscheinlich ob man sie persönlich gut oder schlecht findet – mathematisch bewerten und sie dann summieren und subtrahieren könnte.
Da fühl ich mich immer sofort an den fantastischen Film „Per Anhalter durch die Galaxis“ (nach dem super Buch von Douglas Adams) erinnert und da natürlich an die Episode auf dem Planeten Magrathea, wo „Deep Thought “ der größte aller Computer, bevor es die  Erde gab, auf die Frage: „Was ist der Sinn des Lebens“, nach sieben Millionen Jahren Rechenzeit die Antwort gibt 42. Genau so kommt es mir vor wenn Menschen Facetten von anderen Menschen solange mit einander verrechnen, bis die Gesamtpersönlichkeit 38 herauskommt, anstatt wie es viel sinnvoller wäre, zunächst mal unbewertet die verschiedenen Aspekte nebeneinander stehen zu lassen um sich dann vielleicht im Detail damit auseinanderzusetzen oder sie eben gar nicht weiter bewerten. Diese Haltung ist völlig unabhängig davon, daß man sich gegen Personen mit menschenverachtenden Handlungsweisen zur Wehr setzen muß, auch wenn das immer gerne mit dem Verrechnen in einen Topf geworfen wird, dann heißt es immer, aber letztlich, aber letztlich ist nicht nur der Nazi „Schindler“, aber letztlich ist auch „Schindlers Liste“…

Das Zitat von Emile M. Cioran „Geschwätz ist jede Konversation mit einem, der nicht gelitten hat.“ aus dem Buch „Die verfehlte Schöpfung“, das Wecker auf Seite 193 zitiert, lenkt meine Gedanken noch mal auf das Thema Leid. In den Übersetzungen buddhistischer Texte wird das Wort „Leid“ ja relativ häufig verwendet, daß liegt natürlich vor allem an den „4 edlen Wahrheiten“ des Buddha, in denen es um den Pali-Begriff „dukkha“ geht, der zumeist mit „Leid“ übersetzt wird. Ich bevorzuge jedoch eher die Übersetzungsvariante „Angst“, weil sie meiner Meinung nach viel stärker den existentiellen Aspekt der Lebens-  und Todes-Angst betont und damit viel universaler alle fühlenden Wesen betrifft. In den 4 Wahrheiten geht es meiner Meinung nach eher um die Angst, ihre Ursachen, ihr Aufhören und den Schulungsweg, damit die Angst aufhört.

Es geht aber natürlich vor allem um die Freiheit, so wie sie Weckers Willy ausdrückt : „Freiheit, des hoaßt koa Angst hab’n vor nix und neamands“ (S.206)

Ich habe nicht selten Menschen getroffen, die das „Leid“ aus abendländischer Sicht völlig falsch als Funktion verstanden haben, sozusagen als Mittel zum Zweck, so nach dem Motto, nur wer viel Leid empfindet und erlebt hat, kann auch ein guter Buddhist werden. Nichts könnte dem Anliegen Buddhas ferner liegen, Angst, wie ich also lieber sage, ist ein Grundexistential, unter dem jeder Mensch steht und von dem er sich befreien kann, z.B. durch den buddhistischen Schulungsweg des achtfachen Pfads, im Detail gibt es natürlich so viele Wege, wie es Menschen gibt. Da Wecker ja auch noch das C.G. Jung Zitat bringt: „Ein kräftiges Leid erspart oft zehn Jahre Meditation“ wird der Eindruck, daß Leid sei Mittel zum Zweck leider noch etwas verstärkt, obwohl ich sicher bin, daß weder Konstantin Wecker noch C.G. Jung das so gemeint haben.

Das universale Mitgefühl, um das es Wecker ja in seinem Buch sehr stark geht, sollte sich auch ohne viel eigenes Leid entwickeln können. Leute, die mit viel Geld gesegnet sind, die Puppen tanzen lassen und feiern das die Schwarte kracht, werden sicher nicht das Gefühl haben, daß sie viel Leid in Ihrem Leben zu ertragen haben, und das Elend, daß sie bei einem Einkaufsbummel zwischen Granit- und Glasfassaden in Form eines obdachlosen Bettlers erleben, haben sie längst psychisch maskiert und als unvermeidlichen Zustand dieser Welt abgespalten.

Jetzt ist es ja nicht unbedingt sinnvoll, bei  einem derartigen YOLO-Typ zu warten, bis er einen schweren Autounfall mit seinem 911er hat oder sein ihm liebster Mensch stirbt, aber niemand kann soviel Partymachen, daß er nicht doch ab und an mit verschiedenen Spielarten seiner Lebensangst konfrontiert ist, an diesem Punkt kann, wenn er auf die richtigen Menschen trifft, doch plötzlich sich das maskierte Mitgefühl demaskieren. Das heißt nicht, daß er dann hinter her keine Party mehr macht, aber es wird sich etwas verändert haben, ein Same wird ganz langsam mit dem Aufgehen beginnen und schon am nächsten Samstag wird er vielleicht nicht mehr arrogant am Obdachlosen vorbeischlendern, sondern ihm zusammen mit einem guten Wort einen Euro in den Hut werfen. Ich hör da schon wieder etliche schreien: „Alles sozialromantischer Scheiß, dem fetten YOLO-Schwein gleich eins in die Fresse, was anderes versteht der doch nicht.“ Auch da schließt sich dann auch wieder der Kreis.

Ein anderer Aspekt kommt noch hinzu: Gerade bei dem Thema „Depressionen“, kommt man gar nicht weiter, wenn man darauf warten will, bis jemand durch eigene Depressionen Verständnis für einen durch und durch depressiven Menschen hat, bis dieser Glücksfall mal eintritt, ist der Depressive schon vom Dach gesprungen, also da bedarf es doch eines ganz tiefen, gelehrten Mitgefühls und der Empathie von Menschen, die selbst nichts ähnliches erlebt haben und die trotzdem nicht einem derart armen Menschen durch die Blume das Gefühl vermitteln, „stell Dich nicht so an, geh einfach mal kalt duschen“, wie es Wecker wunderbar beschrieben hat und das möchte ich noch hinzufügen, nicht wenige Depressive, die ja ständig auf solche Menschen stoßen, sind deshalb schon vom Dach gesprungen (pars pro toto natürlich).

Noch ein Beispiel, bei dem ich Mühe habe, die eigene Erfahrung zur Vorbedingung zu machen: Es ist – glaub ich – jedem klar,  daß ein Mensch, der die Grauen des letzten Weltkriegs noch mitgemacht hat und seit dem, also seit nunmehr 70 Jahren jede Nacht davon träumt, mit aller Kraft und aller Furchtlosigkeit, z.B. gegenüber Neonazis, auf die Straße gehen kann, und dafür auf der Grundlage seiner eigenen Erfahrungen streiten kann, daß es Nie wieder Krieg gegen soll. Aber! Es gibt doch auch jede Menge Menschen, die ein behütetes, materiell auskömmliches Leben, mit Strom aus der Steckdose und Geld vom Automaten geführt haben, auch die sollten sich ja – wenn möglich – einreihen und dafür ’streiten‘, daß es Nie wieder Krieg gibt, die kann man ja nicht als Vorbedingung erstmal in einen der vielen Kriege, die immer irgendwo auf dem Planeten geführt werden, schicken und sagen: Sammle mal erst Erfahrungen mit dem Krieg, dann wirst Du dich besser dafür einsetzen können, daß es Nie wieder Krieg gibt. Das würde zwar funktionieren, wäre aber wohl am Ziel vorbeigeschossen.

Es ist doch eigentlich die Aufgabe eines Künstlers, in welcher Kunstsparte auch immer, natürlich funktioniert’s bei Lieder besonders gut, die Menschen nicht nur zu unterhalten und ihnen fröhliche Stunden zu schenken, sondern auch, sie nachdenklich zu machen, sie aufzurütteln damit sie sich engagieren, ihnen Mut zu machen, sich darin zu vertrauen aus kleinen Erfahrungen auf große Zusammenhänge zu schließen, so daß dann wirklich aus dem alltäglichen Krieg mit sich, der Familie und Kollegen, die großen Zusammenhänge sichtbar werden.

Ja Konstantin Wecker hat recht: „Es ist an der Zeit, die Wahrheiten zu integrieren. Es ist an der Zeit, die Kriege zu beenden – die in unseren Herzen, in unseren Köpfen und die auf den Schlachtfeldern. All diese Kriege sind in Wirklichkeit ein einziger großer Krieg in uns selbst, entstanden aus der Angst, seine Vorstellung von sich und der Welt zur Verwandlung freizugeben.“ (siehe Seite 195)

Es ist wirklich wahr, diese Unversöhnlichkeit der verschiedenen Lager, wie er sie ab Seite 197 beschreibt, stelle ich auch seit Jahren immer wieder fest, wer sich politisch links verortet, lehnt jede Art von Diskussion über spirituelle Dinge brüsk ab, bei mehr an spirituellen Dingen Interessierten, herrscht bei politischen Themen totales Desinteresse und der Dalai Lama, der sich ja häufig auch ganz konkret zu politischen Themen äußert und sich sehr dafür einsetzt (ähnlich wie Küng es mit seinem Weltethos-Projekt getan hat) ethische Werte ohne einen religiösen/kirchlichen Hintergrund in den Gesellschaften zu integrieren, hat sich bei Deutschlands Linken sowieso total unbeliebt gemacht, weil man ihn zusammen mit Roland Koch gesehen hat und der dann auch noch behauptet hat, der Freund des Dalai Lamas zu sein. Die Häme, die in den Medien über den Dalai Lama ausgeschüttet wird, weil der ja angeblich mit jedem befreundet ist, ist doch sehr entlarvend, umgekehrt wird doch gerade ein Schuh daraus, was ist daran so schlimm mit allen Menschen befreundet zu sein, Freunde schießen nicht aufeinander. Aber klar das Verrechnen und die alltägliche Ignoranz sind immer am Werk.

Was ist tätige, alltägliche Ignoranz! Wecker erwähnt in seinem Buch häufig Eugen Drewermann, dessen Bücher ich ebenfalls sehr schätze, nun, tätige Ignoranz ist für mich, wenn jemand, der keine einzige Zeile von diesem Menschen gelesen hat, geschweige denn darüber nachgedacht hat, wenn der sagt: „Drewermann? Wer ist das denn? Ach ja, das ist doch der mit der Strickjacke und der weinerlichen Stimme, den kam man doch sowieso nicht erst nehmen.“

Aber das haben die großen Denker, die auch nur Kinder ihrer Zeit waren, leider auch getan und wir tun es leider alle auch immer wieder. Ernst Bloch, den ich wirklich sehr schätze, hat z.B. von Rudolf Steiner immer nur sehr abfällig vom „lunatischen Steiner“ und in der Tat vom reaktionären Jung gesprochen, da war er halt voll auf der damals gültigen, marxistischen Linie, in anderen Fällen hat er wieder sehr positiv über Walter Benjamins „Aura-Theorie“ gesprochen, eine Theorie, die für Sheldrakes „morphische Felder“ sehr fruchtbar gemacht werden kann, also die ihrer Zeit weit voraus war. Sheldrake hat wiederum behauptet, seine morphischen Felder, die sehr stark wandlungsfähig seien, hätten nichts mit C.G. Jungs statischem, kollektiven Unbewußten zu tun. Und so  geht’s halt immer munter weiter, soll man das denn jetzt alles miteinander verrechnen und am Schluß kommen die einen ins gute Töpfchen und die anderen ins schlechte Töpfchen, und dann Deckel drauf und fertig.

Ein gutes Buch setzt immer viele Dinge im Leser in gang, ich merke, mein Beitrag wird immer länger und länger, vielleicht sollte ich jetzt doch mal so langsam zu Schluß kommen, aber eh ich das tue, möchte ich doch noch mal in Weckers Buch etwas zurückgehen, er zitiert auf Seite 73: „Die wahren Abenteuer sind im Kopf (und sind sie nicht im Kopf dann sind sie nirgendwo) wie ich das André Heller Zitat noch ergänzen möchte. Dann schreibt er weiter „Ich habe meine Abenteuer immer ganz körperlich und real zu erleben versucht,“

Mir ist schon klar, was er damit meint, wenn er das kalte, analytische Zerlegen von Erlebnissen dem prallen, unmittelbaren Lebensgenuß, also dem körperlichen, realen Leben kontrastierst, das einfach auch mal die Ratio ausschalten will. Ich möchte aber doch mal zu bedenken geben, daß das auch nur wieder einer dieser miesen Tricks ist, die sich der Neocortex über Jahrtausende ausgedacht hat und unser Bewußtsein damit an der Nase herumführt und ihm suggeriert, wir würden quasi etwas ganz direkt ohne den Umweg des Verstandes erleben können.

In Wirklichkeit – also sagen wir mal genauer aus neurowissenschaftlicher Sicht – drängt sich unser Neocortex überall dazwischen, macht und tut, bewertet ohne Ende, vergleicht, berücksichtigt gesellschaftlich antrainierte Erlebnisschranken und Verhaltensweisen und am Schluß kommt das ganze abenteuerliche Erlebnis ganz spontan und unbewertet rüber. Ja mit dem Neocortex ist es ein bisschen so, wie mit dem Kapitalismus, Du glaubst, Du hast jetzt mal wirklich was ganz Antikapitalistisches gemacht und hast dich seiner universalen Kapitalverwertungsgier entschlagen, schon hängt er sich wieder dazwischen und kommt grinsend um die Ecke.

Naja wie wir ja alle aus Konstantin Weckers Liedern schon wissen: „Genießen war noch nie ein leichtes Spiel“, denn leider wird eine Erfahrung erst durch unsere neuronale Verarbeitung zur Genußerfahrung. Nur durch diese Zwischenverarbeitung können sich zwischen die Erfahrung und unsere Genußerfahrung so viele Hemmnisse dazwischen schieben, alle möglichen gesellschaftlichen Doktrin, die uns daran hindern wollen, eine Erfahrung mit vielen positiv besetzen Gefühlsmarkern als Genußerfahrung in unseren Speichern abzulegen.

Also ein Abenteuer wahrhaft als Abenteuer in den Kopf zu bekommen – und das Abenteuer Leben ist ja wohl wirklich ein Abenteuer – ist kein leichtes Spiel, noch dazu, wenn man bedenkt, daß durch die ständige Reizüberflutung der Neocortex sowieso immer öfter die Schotten dicht macht. Kein Wunder, daß es jede Menge Leute gibt, die ständig zu Abenteuerreisen rund um den Globus unterwegs sind und die hinterher mit einem leeren Kopf an Erinnerungen und Abenteuern zurückkommen. Gottseidank gibt es aber auch Ameisenforscher, die  tagelang geduldig einem Ameisenstaat dabei zusehen können, wie die Ameisen jede Menge Abenteuer bestehen und die nach ihrer Forschungsexpedition mit jeder Menge an Abenteuern im Kopf zurückkommen.

Ich würde sagen, auch wenn das Genießen kein leichtes Spiel ist, versuchen wir so viel wie möglich davon in unseren Kopf zu bekommen und wie Wecker selbst ja auf Seite 155 beschreibt, sind die Abschrankungen, die durch z.B. eine linke Ideologie entstehen, auch nicht so leicht zu überwinden, es ist also eine subversive, revolutionäre Tat manche Genußerfahrungen wirklich in den Kopf zu bekommen, wenn man von allen Seiten nur hört, daß man sich doch diesen Kitsch schenken solle, weil Genuß doch konterrevolutionär ist.

Weil mir das Thema Mitgefühl so wichtig ist, möchte ich auch auf diesen Aspekt nochmal aus einem anderen Blickwinkel zurückkommen.
Natürlich tabuisieren wir viele Bereiche, die uns Schmerzen zufügen könnten, wenn wir uns mit ihnen auseinandersetzen würden. Wenn wir keine Gefühle aufkommen lassen, brauchen wir auch kein Mitgefühl zu üben, weder mit uns noch mit anderen. Wir haben eben Angst vor jeder Art von Materie, die uns bedroht und nur wenn wir Materie als festumbauten Raum begreifen, den wir handhaben und in eine Schublade stecken können, dann beruhigen wir damit unsere Angstgefühle. Dieser Umstand ist sicher einer der tieferen Gründe, warum wir uns nach über 80 Jahren Quantenphysik immer noch so schwer mit diesem unbestimmten Denken und dem Materiebegriff als geronnener Quanteninformation, tun. Wenn mehr Menschen den Denkansatz Hans-Peter Dürrs (den Wecker ja auch öfters zitiert) nachvollziehen würden, der konsequenterweise nicht mehr von Teilchen sondern von „Wirks“ spricht und dies unserer „Apfelpflücksprache“ kontrastiert, könnte sich auch viel ändern und unsere ständige Angst vor der sich ständig wandelnden Materie und vor der Veränderung allgemein würde eine andere werden.

Mitgefühl mit allen fühlenden, lebendigen Wesen, wie es im Buddhismus praktiziert wird, geht weit über das Mitleid, daß immer ein Herrschaftsgefälle mit einschließt, hinaus und wahres Mitgefühl setzt voraus, daß man die Angst vor sich selbst, die man  immer mit einem übergroßen Ego und tausenderlei schillernden Bildern von sich selbst überschminkt hat, überwindet. Auch deshalb gefällt mir Konstantin Weckers Buch so gut, denn es bebildert (z.B.  ab Seite 109ff) auf wunderbare Weise das, was Buddhisten meinen, wenn sie sagen: „drop your ego, befreie dich von deinem übergroßen Ego und den illusionären Bildern, die du von dir hast, werde einfach der du bist …“

Ich empfinde Weckers Buch als sehr mutig und ermutigend, weil er sich ganz offen dem Gelächter der sogenannten knallharten Realisten aussetzt, die vieles von dem, was er erzählt in der Tat als „Banalen Quatsch!“ (Seite 113) bezeichnen würden, wenn sie es denn läsen. Dazu kann ich nur sagen, aus Lebens- wie aus Leseerfahrung heraus: An Stellen, an denen am meisten geschimpft und polemisch vernichtend kritisiert wird, liegt meistens der Hund begraben. Ich erinnere nur mal an Freuds Bollwerk gegen die „schwarze Schlammflut des Okkultismus“, das er gerne mit C.G. Jung aufbauen wollte, wenn der ihm nicht an dieser Stelle die Gefolgschaft versagt hätte.

Darüber hinaus hat das Spirituelle für den Kapitalismus auch immer den „unangenehmen“ Nebeneffekt, daß man einfach nicht mehr so viel konsumieren muß, wenn man sich erstmal der Leere, die man mit Konsum zuschütten wollte, also wenn man sich der Hohlheit des vielen Konsums bewußt geworden ist. Das passiert meistens, wenn man nach echten Sinnkategorien des Lebens fragt und dann ist man halt sehr schnell bei  spirituellen Themen und wenn diese Themen um sich greifen würden, oh je was wäre dann mit unserem Wirtschaftswachstum. Deshalb sollte man das Spirituelle schon aus wirtschaftlichen Gründen total ablehnen, schließlich geht’s doch um Arbeitsplätze. Aber Gott sei Dank geht’s ja dann doch nicht um Arbeitsplätze sondern um Profit und der Kapitalismus wäre nicht der Kapitalismus, wenn er nicht auch da Abhilfe schaffen könnte, der Eso-Markt ist ja inzwischen ein millionenschwerer Business geworden und da kommt es dann auch nicht mehr darauf an, wieviel Schaden man hilfs- und mitgefühlbedürftigen Menschen zufügt, da darf mal halt nicht so zimperlich sein, dazu ist man doch Realist genug.
Auch dafür danke ich Konstantin Wecker, daß er in seinem Buch hier eine klare Differenzierung vornimmst und weiter hinten auch mal ordentlich den Eso-Markt – natürlich mit Worten – abwatschst.

Ich danke auch dafür, daß er den wunderbaren Friedrich Weinreb in seinem Buch zitiert, ihm sozusagen einen Kieselstein auf seinen Grabstein legst. Nachdem 2010 Christian Schneider, der Herausgeber der Schriften Weinrebs ebenfalls verstorben ist, steht zu befürchten, daß Friedrich Weinreb – wie der Chassidismus insgesamt – fast dem vollständigen Vergessen anheim fallen wird.

Danke auch für die Ausführungen zum Thema „Memento mori“, zur Hospizbewegung und vor allem auch danke für die Überlegungen zum Thema „nutze den Tag, als wenns dein letzter ist“. Ich finde, es ist wirklich wichtig, mal ein paar Dinge, die den „Carpe diem Terror“ (so wie ich ihn inzwischen nenne) betreffen, in ein anderes Licht zu rücken. Viele Leute haben ja inzwischen Banner über der Tür und Fußmatten vor der Tür, alle im Baumarkt gekauft, auf dem zu lesen steht „carpe diem“ und was viele darunter verstehen, stellt man dann auch gleich fest,  genau das, was Wecker in seinem Buch beschreibt, nämlich täglich 24 Stunden die Sau raus lassen, alles mitnehmen bis die Schwarte kracht, kurz mal zwischendrinn arbeiten gehen und dann gehts aber auch gleich schon wieder los zum „carpe diem bowling“, alle Neune wer bietet mehr.

Das hat ja nun wirklich sehr, sehr wenig damit zu tun, was Buddhisten damit meinen, wenn Sie sagen, man solle jeden Tag so nutzen, als wäre es der letzte, nämlich genau das, was Du schreibst: Mit sich und den Menschen im Reinen zu sein (Seite 124)!

Ich würde sagen, es wäre schön, wenn die auf Äußerlichkeiten programmierten Selbstoptimieren, auch mal ihr Denken etwas optimieren würden, es könnte dies in Anbetracht der echten, inhaltlichen Probleme auf diesem Planeten nichts schaden. Sie könnten ja mal Konstantin Weckers Buch dafür zur Hilfe nehmen.

Als vorläufig letzten Punkt möchte ich aber doch noch etwas zum Thema Karma (ab Seite 100) sagen.

Ich kann gut nachvollziehen, daß Wecker einen dicken Hals bekommt, wenn ein Eso die industrielle Massenvernichtung der Juden durch die Nazis in einen Zusammenhang mit dem Karma-Gedanken bringt, das ist Schwachsinn und hängt viel mehr mit der christlichen Vorstellung des alles sehenden und gerecht strafenden Gottes zu sammen, den er ja auch in seinem Buch so detailreich schildert. Aber! Natürlich kommt jetzt wieder das „aber“, wenn wir die Menschheitsgeschichte nicht als einen langen, ruhigen Fluß begreifen, von dem wir abhängen und dem wir gegenüber verantwortlich sind, sondern dem goldenen YOLO-Kalb huldigen, dann passiert es eben, daß wir nur aus kurzfristigem Profitstreben einfach mal die grüne Lunge dieses Planeten platt machen. Eine hundertjährige Eiche zu Brennholz zerhacken – also bitte – da wäre mir ein bisschen Karmadenken schon recht…

Darüber hinaus, wer echtes, also belastbares, tätiges  Mitgefühl in sein Leben und Handeln integriert hat, der kann gar nicht auf so absurde Argumentationen verfallen, wie Wecker sie in seinem Buch zu Recht negativ zum Thema Karma zitiert hat.
Ich gebe gerne zu, daß der Begriff des Karmas durch ständigen, unsinnigen Gebrauch (ich denke nur an das Buch „Mieses Karma“) zu einem Wort geworden ist, das man eigentlich nicht mehr benutzen sollte, wenn es einem um die Sache geht, die Sache ist aber in der Tat die von Ursache und Wirkung! und hat erstmal gar nichts mit moralinsaurem Geschwätz am Hut.

Was mir an buddhistischem Denken so gut gefällt und an dem Gedanken des universalen Mitgefühls, ist, das Buddhisten durch achtsame Bewußtseinserforschung in der Lage sind jedem schnellen Bewerten mit erhobenem moralischen Zeigefinger zu entgehen.

Wie Wecker ja auch in seinem Buch referiert, bestimmt sich für Buddhisten der Wert eines Lebens durch die eigenen Handlungen und nicht durch die  moralisch astreine Kritik von anderen und so heißt Karma für mich zum einen Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen, in meinem Handeln, so gut es mir halt möglich ist, alles zu vermeiden, was fühlenden Wesen nicht nur in der Gegenwart sondern auch in der Zukunft Leid zuführen kann. Beispiel: Dringend notwendige Lebensmittel (alle 5 Sekunden verhungert ein Kind unter 10 Jahren auf diesem reichen Planeten) in Agrartreibstoffe zu verwandeln und dabei ein gutes Gefühl zu haben, „Biodiesel“ zu fahren, ist mit dem Gedanken des Karmas – Ursache und Wirkung – nicht vereinbar. Wer den Gedanken des Karmas beherzigt, dem geht’s einfach nicht am A. vorbei, daß kommende Generationen keine Lebensgrundlage mehr haben.

Das Karma-Konzept ist halt einfach kein YOLO-Projekt – das muß man zugeben, aber ehrlich gesagt mit einem Konzept, das davon ausgeht, das man es jeden Tag krach lassen muß, weil schließlich, man lebt ja nur einmal – you only lives once, sind wir genau so weit gekommen, daß es niemanden mehr interessiert, was meine Handlungen heute, mein Macht und Gewinnstreben, mein Raubbau der Resourcen für diesen Planeten und unsere Lebensgrundlagen morgen bedeuten werden. Feiern ist ok – aber bitte mit einem footprint von 1!

So heißt Karma für mich eben auch ständig in Achtsamkeit die Wirkungen, die Konsequenzen meines Handels zu bedenken. Unser Problem auf diesem Planeten ist doch gerade, daß wir uns den Konsequenzen, die aus unserem Handeln erwachsen, nicht mehr stellen wollen, weil wir einerseits unser Handeln – zum Beispiel maximal Geld zu scheffeln – nicht aufgeben möchten, andererseits dieses Handeln inkompatibel ist, mit einem vernünftigen, ressourcenverantworlichen Leben. Die Probleme, die aus unseren Handlungen entstehen, können wir nicht lösen, deshalb spalten wir in unserer Psyche immer mehr Themen ab, über die wir nicht mehr nachdenken und nicht mehr reden wollen oder wir verpacken sie in nette, nachhaltige Eierkartons, die wir dann beim Discounter erwerben – Thema erledigt…

Genau an diesem Problem setzt der Karma-Gedanke an, Ursache und Wirkung. Kleines Beispiel: Weil wir gerne Eier essen, lassen wir zu, daß mit jedem Ei gleichzeitig niedliche, kleine, männliche Küken lebendig geschreddert oder vergast werden (da kennen wir uns ja aus).

Und noch ein wichtiger Punkt fällt mir zum Thema Karma ein: Wenn wir auf diesem Planeten für uns als Menschen noch etwas reißen wollen, dann kann es nur dadurch passieren, daß wir uns für diesen Planeten und unser Überleben auf diesem Planeten sinnvoll weiterentwickeln, darüber schreibt Konstantin Wecker ja im zweiten Teil seines Buches sehr viel, was man nur 100%ig bejahen kann.

Für mich spielt aber bei dem Thema Karma und Weiterentwicklung der Gedanke Rudolf Steiners von der Ewigkeit des Lebenskerns (der zum Urgrund unseres Seins gehört) eine wichtige Rolle, das Karma ist der Mechanismus, der diesen Lebenskern weiterträgt, in Anlehnung an Klaus Volkamer, der im Feinstofflichen Bereich – wissenschaftlich korrekt – wirklich echte Pionierarbeit leistet, spreche ich lieber von einem verschränkten Quantenfeld als Teil des riesigen, vereinten Quantenfelds, als vom Lebenskern (obwohl ich das Wort schöner, aber auch angreifbarer finde). Normalerweise halte ich mich mit dieser Thematik immer sehr zurück, weil ich da sowieso immer nur Kopfschütteln und Desinteresse ernte, aber da Wecker ja in seinem Buch auch erwähnt, daß er Steiner gelesen hat wage ich es an dieser Stelle trotzdem mal wieder.

Also! Wenn dieser Lebenskern durch ensprechende Achtsamkeit und Konzentration von einem Leben zum nächsten immer gepflegt wird, kann er sich entfalten und weiterentwickeln, wird er jedoch in einem Erdenleben lieblos und wenig achtsam behandelt, zerfällt er einfach nach dem Tod, soweit mal Steiners Interpretation, zumindest wie ich sie verstehe. Konstantin Wecker erzählt in seinem Buch viel über Spiritualität und auch öfter über Meditation, gerade diese beiden Begriffe stehn doch für einen intensiven, konzentrierten Dialog mit dem Lebenskern, der geistigen Welt oder dem vereinten Quantenfeld, es ist eigentlich wurscht wie man es nennt, Hauptsache man tut es – das nenne ich Arbeit am Karma – Wecker nennt es auf Seite 112 das Erarbeiten der Seele, das Ringen um die Seele, um den Sinn des Daseins.

Karma ist der Flavour des Lebens!

Auch ein Genie wie Mozart – den Wecker ja auch erwähnt – kommt nicht als tabula rasa auf die Welt, so einer wie Mozart hat einfach unglaublich viel Schwein gehabt, daß frühere Träger seines Lebenskerns achtsam und entwickelnd mit diesem Lebenskern umgegangen sind und er in seiner Materialisierungsphase (also seinem doch recht kurzen, aber intensiven Leben) sofort aus dem Vollen schöpfen konnte  und mir scheint, daß auch Konstantin Wecker bei der sehr frühen Entfaltung seiner musikalischen Begabungen natürlich auch durch die große Unterstützung, die er sicher in seinem Elterhaus erfahren hat, schon am Anfang seines Lebens gleich in die Vollen gehen konntest, die Arbeit am Karma, die frühere Träger seines Lebenskerns geleistet haben, hat sich doch wohl gelohnt, wenn man an die vielen positiven Dinge, Wirkungen denkt, für die Konstantin Wecker die Ursache ist.

Es gibt soviele gebrochene Menschen, die einfach nicht das Glück hatten, das ein toller Lebenskern mit einem super Elternhaus – wie bei Konstantin Wecker – zusammenkommen und für die man eben auch Mitgefühl entwickeln sollte, selbst wenn man selbst diese Erfahrungen nicht gemacht hat. Ich danke Konstantin Wecker, daß er an dem Glück, das er in seinem Leben hatte, andere Menschen teilhaben läßt. Daran erkennt man eben die Stärke seiner Persönlichkeit.

Die Insignie einer starken Persönlichkeit ist der kaum zu brechende Wille, ein Geschenk, das nur wenigen zuteil wird, dahin zu kommen, ganz offen und frei auch über seine Schwächen zu sprechen, wie Wecker es in diesem Buch vor einem Millionenpublikum tut, verlangt eben auch eine sehr starke Persönlichkeit.

Konstantin Wecker erinnert mich oft an Milarepa, der Weise aus dem Himalaya, der mit seinen 1000 wunderschönen Liedern die Menschen im 12. Jh. erfreute, ihnen Mut gab und sie aber auch auf freundliche Weise durch seine Lieder belehrte. An diesem Milarepa ist für mich in diesem Zusammenhang aber etwas ganz anderes interessant, es ist dieser ungeheure Wille, den man auch bei ihm sieht. Marpa, Milarepas spiritueller Lehrer, hat ihn Jahre lang wie den letzten Dreck behandelt, dann mußte er auch noch mit einem dünnen Kittelchen bekleidet in einer eiskalten Höhle im Himalaya 9 Jahre einsam meditieren und erst dann wurde er zu dem Yogi der 1000 Lieder, wie ihn heute alle kennen.

Der Wille ist es, täglich sich nicht zu schonen, in den Ring zu steigen mit sich selbst und wenn man mal von sich selbst wieder so richtig eine verpaßt bekommen hat, weil man voreilig und siegessicher schon aus der Deckung gekommen war, dann wieder aufzustehen, weiterzumachen und am Ende sein Gegenüber (sein eigenes Selbst) zu umarmen, das ist für mich Wille.

Einen Gefängnisaufenthalt zur eigenen, zur spirituellen Entwicklung zu nutzen und dabei noch einen wahrscheinlich mehr oder weniger kalten Entzug durchzustehen und als Person – nicht als Ego – gestärkt aus dem ganzen hervorzugehen, das können einfach nur wenige Menschen, die meisten zerbrechen täglich an solchen Herausforderungen, man kann ihnen das nicht vorwerfen, es ist einfach kein zu verallgemeinerndes Rezept,  da braucht’s halt doch die 3 Faktoren, die auf glückliche Weise zusammenkommen müssen: Ein starker Lebenskern, eine starke Unterstützung im Elternhaus und der eigene Wille aus diesen Anlagen etwas zu machen.

Und genau nach diesem Schema kann es weitergehen und was das Schöne an diesem Schema ist, wir brauchen gar nichts Außersinnliches mehr, weil wir einfach durch Karma-Arbeit alle unsere Sinne wieder so schärfen und erweitern, daß wir Dinge, die andere übersinnlich, außersinnlich, mystisch, wissenschaftlich nicht messbar usw. nennen, ganz normal in jedem Augenblick wahrnehmen, als würde das Telefon klingeln. Daß wir so viele Dinge als etwas ganz Besonderes wahrnehmen, wenn wir sie überhaupt wahrnehmen, liegt daran, daß wir in seltenen Momenten der Verkümmertheit unserer Sinne inne werden und damit gleichzeitig einen kleinen Zipfel von der Größe und Schönheit der Natur auf diesem Planenten erleben. Dann werden wir EINS – treten in vollkommene Resonanz mit allem Sicht- wie Unsichtbaren (was dann allerdings nicht mehr unsichtbar ist) erleben das Wunder im Alltäglichen...

Ab Seite 128 schreibt Wecker über den Schatten des Kriegers, also entsprechend der analytischen Psychologie C.G. Jungs von der dunklen Seite seiner Psyche, die er hat, die er aber auch nicht wahrhaben will. Das ganz vorbildhaft Große an Weckers Buch ist aber gerade, daß er immer wieder die „Insignien“ seines Schattens so deutlich und klar benennt, sie also aus dem Schattendasein heraus ans Licht zerrt, und es ist immerhin das erbarmungslose Licht der Öffentlichkeit. Eine antifaschistische Grundhaltung zu entwickeln, funktioniert auch meiner Meinung nach viel nachhaltiger, wenn ich frank und frei erkenne und auch verbalisiere, wie viel von dieser Grundhaltung auch in mir selbst vorhanden ist, als wenn ich immer nur mit dem moralischen Zeigefinger auf die Anderen zeige und bei der erstbesten Gelegenheit mein antifaschistisches Kartenhaus zusammenfällt. Fantastisch die Beschreibung seines Schattens, die er auf Seite 130 gibt – vielen Dank dafür.

Wenn man den 2. Grundsatz der französischen Revolution statt mit Gleichheit mit Gerechtigkeit übersetzt, was mir wesentlich angenehmer ist, dann kann man doch wohl sagen, daß alle 3 Grundsätze vollkommen auf Weckers politisches Engagement zutreffen, weil sie wahrscheinlich auch auf seine ganze Person zutreffen: Freiheit – Gerechtigkeit – Brüderlichkeit (natürlich auch Schwesterlichkeit, was soll man rumreden, Solidarität eben).

Ja ganz genau! „Der Vogel der großen Revolution des Mitgefühls braucht also zwei Flügel, um abheben zu können: einen politisch-weltlichen und einen spirituell-geistigen.“ (Seite 206)

Ich sagte es schon am Anfang dieses Beitrags. Für mich ist Konstantin Wecker ein Mensch, der auf ganz besondere Weise mein Lieblingsmotto lebt: „Täglich den Widerspruch gestalten!“

„Kein noch so klug durchdachtes System ist es wert, auch nur ein einziges Menschenleben dafür zu opfern“, also „Laßt Ideologien und nicht Menschen sterben!“

Der betrügerische Ökokonkurs

footprintIst es nicht sonderbar, daß in unserer ‚globalisierten‘ Welt, die eigentlich nur noch wirtschaftliche Aspekte für die Beurteilung von Fakten und Entscheidungen zuläßt, hinsichtlich des globalen Unternehmens „MENSCH & PLANET“ jede Art von wirtschaftlich vernünftigem Denken und Handeln versagt?

Oder wie soll man die Tatsache anders verstehen, daß wir weltweit seit mindestens 30 Jahren weit über unsere Verhältnisse leben, denn seit diesem Zeitpunkt haben wir das ausgewogene Verhältnis zwischen unserem Verbrauch, unserem Lebensstandard wenn man so will, und der Biokapazität des Planeten, also die regenerierbaren Ressourcen, die uns der Planet jeden Tag zur Verfügung stellt, verlassen. D.h. wir zerstören planmäßig und vorsätzlich unsere Geschäftsgrundlage, indem wir Ressourcen verbrauchen, die wir gar nicht haben und nur um uns persönlich zu bereichern. So ein Verhalten nennt man im Wirtschaftsleben betrügerischen Bankrott und verfolgt es auch strafrechtlich.

Ein Unternehmen also, daß so agiert ist normalerweise im höchsten Maße unseriös zu nennen und geht – trotz mancher Zahlenspiele, die gewissenlose Manager oft noch eine Zeit lang betreiben – der sicheren Insolvenz entgegen. Kettenbrief-Unternehmen können niemals erfolgreich sein und genau wie ein Kettenbrief-Unternehmen wird das globale Unternehmen „MENSCH & PLANET“ betrieben und jedes Jahr sind wir in der Lage, einen Tag des zweifellos verschleierten Ökokonkurses dieses Unternehmens zu errechnen, betrügerisch muß man also diesen Konkurs deshalb nennen, weil die Menschen diesen Konkurs wissentlich hinnehmen, um sich kurzfristig und skrupellos vorab zu bereichern und dabei den Untergang des Planeten, als Lebensraum für Mensch und Tier billigend in Kauf nehmen.

Anhand des ökologischen Fußabdrucks, der diese Relation zwischen Verbrauch und Biokapazität darstellt, lässt sich jedes Jahr der Tag berechnen, von dem ab wir für den Rest des Jahres über unsere Verhältnisse leben. Aktuell leben wir dann auf Kosten und zu Lasten fremder Dritter, von denen alle 5 Sekunden ein Menschen-Kind stirbt durch unser Verhalten und auf Zukunft und Nachhaltigkeit bezogen ruinieren wir den Planeten und damit auch die Lebensgrundlage unserer Nachkommen.

Hier mal ein grobes Rechenbeispiel für das Subunternehmen „Europa“ und dem Jahrestag für den betrügerischen Ökokonkurs:

In Europa müssen wir mit einem durchschnittlichen ökologischen Fußabdruck von 4,7 rechnen, d.h. wenn alle Menschen auf der Welt so leben würden, wie wir in Europa, dann würden wir für unseren Lebensstandard die Fläche von 4,7 Welten benötigen, wobei wir noch in der „glücklichen“ Lage sind, daß wir in Europa auch eine Biokapazität von 2,2 besitzen, rein rechnerisch verbrauchen wir also „nur“ mehr als das Doppelte, von dem, was wir an Biokapazität haben.

Berechnet wird der „Welterschöpfungstag“ – den man eben auch den betrügerischen Ökokonkurstag nennen kann – durch die Division der Biokapazität (im Falle von Europa 2,2), also der während eines Jahres von der Region Europa zur Verfügung gestellten natürlichen Ressourcen, durch den ökologischen Fußabdruck der Europäer, multipliziert mit der Zahl 365, der Anzahl von Tagen im Gregorianischen Kalender.

Wir rechnen also mit den Zahlen von 2012:   2,2 / 4,7 * 365 = 171

Damit ergibt sich – auf Europa bezogen – unser ganz persönlicher Jahrestag 2014, also der Tag von dem an wir unseren betrügerischen Ökokonkurses betreiben, für den

Donnerstag, den 20. Juni 2014

Lassen wir uns doch nicht einreden, daß unsere globalen Probleme nur an der ständig wachsenden Überbevölkerung liegen, allein mit den Biokapazitäten, die uns der Planet zur Verfügung stellt und den modernen agrarischen Produktionsmethoden, wären wir in der Lage, nahezu doppelt so viele Menschen (rund 12 Milliarden) auf diesem Planeten zu ernähren, als wir derzeit sind, unser Problem ist nicht die Überbevölkerung sondern unsere eigene Unfähigkeit, unsere Ignoranz und unsere Gier nach Geld und Macht und den daraus resultierenden Verteilungsproblemen, denn immerhin kann man doch klar und deutlich heute errechnen, daß die reichen, hochentwickelten Staaten, wie z.B. die USA mit einem „footprint“ von 7,2, diejenigen sind, die diesen Planeten für den Menschen zerstören, tragisch ist auf diesem Weg vor allem die Tatsache, daß erstmal die die Zeche bezahlen werden, die die Zerstörung am allerwenigsten verursacht haben, die Ärmsten der Armen dieser Welt, von deren Kindern sowieso heute schon alle 5 Sekunden ein Kind durch Unterernährung ermordert wird und die zunächst am stärksten unter den ökologischen Katastrophen, die auf uns zurollen, betroffen sein werden.

Und dann sprechen wir immer noch allen Ernstes – als wenn nichts wäre – von dem dringend notwendigen Wachstum, das wir doch „alle“ brauchen!

Was wir wirklich brauchen, ist, daß wir unsere Ausgaben endlich unseren Einnahmen anpassen und das wir „global gesehen“ nicht mehr verbrauchen, als uns durch die Biokapazität des Planeten sowieso schon großzügig zur Verfügung gestellt wird. Und da wir reichen, hochentwickelten Staaten ja diejenigen sind, die weltweit über unsere Verhältnisse leben, sind auch wir und niemand anderes aufgerufen, dieses Mißverhältnis zu beseitigen – ansonsten wird uns der Planet irgendwann in absehbarer Zeit beseitigen . . .

Erster Eindruck von der Europa-Wahl

Europawahl2014Die Europawahl ist vorbei, die Wahlbeteiligung war wohl in Europa insgesamt deutlich besser als beim letzten Mal.
Rechtspopulisten mit einfachen Themen, wie, keine Zuwanderung in unsere Sozialsysteme, weg mit dem Euro, nieder mit Brüssel, haben in Frankreich (Front National, die Partei von Marine Le Pen erreichte rund 25 Prozent der Wählerstimmen) und Großbritannien (die rechtspopulistische Unabhängigkeitspartei UKIP mit ihrem Parteichef  Nigel Farage holte rund 15 Prozent der Wählerstimmen) sehr hohe Wahrergebnisse erzielt. In den Niederlanden haben die Wähler dem Rechtspopulisten Geert Wilders und seiner „Partei für die Freiheit“ jedoch einen deutlichen Denkzettel verpasst in dem er weit unter 20% blieb.
Zumindest kann man mal festhalten, daß die Rechten im Europaparlament nicht – wie befürchtet – so viele Sitze erhalten werden, daß Sie ernsthaft Entscheidungen beeinflussen können.

Eine Partei wie DIE LINKE, die einen inhaltlich ausgezeichneten Wahlkampf geführt hat, mit vielen differenzierten Positionen zu den Problemen in Europa, konnte aus diesem Grund leider nur Ihre Stammwähler in Deutschland mobilisieren und ist deshalb mit einem kleinen Zuwachs fast gleichgeblieben zur letzten Wahl. Schade, ich würde mir wünschen, daß die Wähler sich mehr inhaltlich mit den Sachthemen der Linken auseinandersetzen würden. Aber da sind wahrscheinlich im Moment noch zu viele Vorurteile vorhanden, die sich naturgemäß immer sehr viel langsamer abbauen als sie sich aufbauen.

Alexis_Tsipras_SyrizaZumindest kann man doch mal festhalten, daß im Geburtsland der Demokratie, in Griechenland, die Wähler sich für einen sachlichen Kurs im Umgang mit der EU entschieden haben. Der große Sieger der Europawahlen in Griechenland ist das linke Wahlbündnis „Syriza“ mit ihrem Vorsitzenden Alexis Tsipras, der auch gleichzeitig als Kandidat der „Europäischen Linken“ (EL) für das Amt des Kommisionspräsidenten aufgestellt wurde .
Syriza erzielte nach ersten Ergebnissen rund 26,7 Prozent der Stimmen in Griechenland und lag damit vor der konservativen Regierungspartei Nea Dimokratia (ND), die weniger als 23 Prozent errang. Auch bei den zugleich stattfindenden Kommunalwahlen schnitt Syriza sehr gut ab.
Es bleibt zu hoffen, daß sich die politischen Kreise, die das Elend in Griechenland verursacht haben, jetzt mal etwas zurückhalten und die Syriza mal machen lassen, anstatt schon wieder aus allen Rohren zu tönen, daß mit dieser Wahl Griechenland unregierbar geworden ist, im Klartext also, weil die Interessen des Kapitals nicht mehr hinreichend vertreten werden.

Eine Partei, die von sich selbst behauptet hat, ausschließlich an Sachthemen – egal ob sie von rechts oder links kommen – interessiert zu sein, hat ebenfalls mit den Ängsten der Wähler einen – wider alle Beteuerungen der politischen Führung – populistischen Wahlkampf geführt und war damit sehr erfolgreich. Für meine Themen in diesem Blog ist vor allem ein Umstand besonders interessant, die AfD zieht im Moment Wähler aus allen Bereichen vom rechten Rand über die Mitte bis zum linken Rand an und mit diesem heterogenen Gemisch aus allen politischen Bereichen muß sie jetzt Politik machen.
D.h. aber auch im Umkehrschluß, daß die AfD eine Partei ohne echte eigene Wähler ist. Wähler, die wirklich tuto completo an allen Sachthemen der AfD interessiert sind und nicht nur aus Protest ihrer angestammten Parteien gegenüber die AfD gewählt haben.
Auf Dauer braucht eine demokratisch Partei immer auch die passenden Wähler. Die AfD Wähler hingegen bilden im Moment viele, viele kleine Schnittmengen mit der Partei aus der Retorte und der Einzug der AfD ins Europaparlement wird jetzt zeigen, welchen Weg die Partei wirklich gehen wird und wie sie mit diesem heterogenen Gemisch an Mitgliedern umgeht.

Wissenschaft in 7 Schritten und 49 Thesen

Eule der Minerva„De omnibus dubitandum“

Es kommt darauf an, das Zweifeln zu lernen.
Seine Arbeit entsagt nicht, sie ist ins Gelingen
verliebt – statt ins Scheitern.

Schön wäre es, wenn das Lieblings-Motto von Karl Marx:
„An allem ist zu zweifeln!“ auch zur Grundlage des
wissenschaftlichen Arbeitens würde.

Natürlich versuchen wir seit Jahrtausenden die Natur und den Kosmos, in dem wir leben, immer besser zu verstehen, um uns vor den Gefahren und Widrigkeiten, die uns von “Außen” drohen, besser zu schützen. Aber wir haben inzwischen auch gelernt, daß wir von “Innen” bedroht sind, durch uns selbst nämlich. Wissenschaft, also die systematische Erkundung der Welt aber auch des Wissens selbst, soll uns nicht nur gegen Bedrohungen helfen, sondern auch unseren BruttoGlücksFaktor steigern helfen (Jigme Singye Wangchuck). Um Erfolge und Risiken unserer modernen Wissenschaft vernünftig einzuschätzen, sollten wir uns zunächst von ideologischen Betrachtungsweisen der Wissenschaft soweit als möglich befreien?

Das einzige Werkzeug, das es für ein wahrhaft wissenschaftliches Denken geben kann, ist der Zweifel! Weder Glauben noch Nicht-Glauben sind dazu angetan den Weg der Wissenschaft zur wahren Wirklichkeit zurückzulegen und jeder ist gut darin beraten, diesen Satz sofort zu bezweifeln, um zu sehen, ob er ihn für sein eigenes wissenschaftliches Denken akzeptieren kann.

Der Mythos von “Atlantis” kann uns als doppeltes KulturDenkBild besonders gut helfen, das Zweifeln zu lernen, denn der Untergang von Atlantis – zunächst mal völlig egal, ob es existiert hat oder nicht, wurde sowohl durch seine Binnenprobleme wie durch seine unerkannten, kosmischen Außenprobleme verursacht und durch die mächtigen Idelogien des Glaubens und Nicht-Glaubens. Die atlantischen Wissenschaftler (Hohenpriester) die das Wissen dieser Hochkultur über den ganzen Globus verteilt haben, haben diesen beiden Gefahrenbereichen Rechnung getragen, in dem sie sowohl das kosmologische Wissen in entsprechenden architektonischen Denkbildern bewahrten und der Menschheit wissenschaftliche Untersuchungsstätten – wie das Observatorium von Gizeh – hinterließen und damit die Grundlagen der modernen (Astro)Physik lieferten, als auch durch ethisch-moralische Anweisungen, die zunächst in mündlicher Form später in schriftlicher an nachfolgende Generationen weitergegeben wurden.

Die Theorien, die wir uns über die Welt und uns in der Welt machen, sind erstmal nichts weiter als Vermutungen, die wir durch mehr oder weniger gut fundierte Beobachtungen und Erfahrungen erschaffen, wenn wir im weiteren Verlauf nicht nach Verifikationen unserer Theorien suchen, in dem wir letztendlich doch nur mit unserer selbsterschaffenen ‘Vor’urteilsbrille die Welt betrachten und immer nur überall Bestätigungen unserer Theorien finden, sondern nach Falsifikationen, also nach Möglichkeiten, Beobachtungen oder Denkwegen suchen, um unsere Theorien zu widerlegen, dann sind wir auf dem richtigen Weg, wenn wir auch als Menschen in unserem grundsätzlichen Streben nach Anerkennung und Bestätigung uns radikal ändern müssen. Der kritische Rationalismus ist für uns sicherheitsbedürftige Menschen eine riesige Herausforderung, die kein Stein auf dem anderen läßt!

Auf dieser Grundlage habe ich mir für mein eigenes Denken ein siebenstufiges Modul-Schema zur Wissenschaft zusammengestellt, das jederzeit revidierbar und erweiterbar ist und das mir und vielleicht auch uns helfen soll, das Zweifeln zu lernen:

1.    Wir sind Teil einer untrennbaren Wirklichkeit.

1.1.    Wir sind kein Subjekt das dem Objekt ‘Wirklichkeit’ gegenüber steht.
1.2.    Wir und die gesamte Wirklichkeit sind in ständiger Evolution begriffen.
1.3.    Wir fühlen wie überlebensnotwendig ein Verständnis dieser Wirklichkeit ist.
1.4.    Wir fühlen unsere grundsätzliche Begrenztheit bei der Veränderung der Wirklichkeit.
1.5.    Wir verändern unseren Einflußbereich in der Geschichte nur unwesentlich.
1.6.    Wir fühlen, daß unsere Wahrnehmungen nur Annäherungen an die Wirklichkeit sind.
1.7.    Wir fühlen, daß unsere Wahrnehmungen kulturgeschichtlich bedingt sind.

Eule der Minerva
Die Eule der Minerva beginnt Ihren Flug erst in der Dämmerung,
aber geht es der Nacht oder einem neuen Morgen entgegen, wir leben
im Zwielicht, auf der Grenzen, uns bleibt nichts als der Zweifel an
allem, er ist der Königsweg zur untrennbaren Wirklichkeit!

 

2.    Wir versuchen beobachtete Erfahrungen dieser Wirklichkeit zu systematisieren.

2.1.    Wir konzentrieren uns auf sich wiederholende Erfahrungen.
2.2.    Wir versuchen unsere Wahrnehmungen zu verfeinern.
2.3.    Wir versuchen Hilfsmittel zu entwickeln für unsere Wahrnehmungen.
2.4.    Wir versuchen allgemein wiederholbare Wahrnehmungsmethoden zu entwickeln.
2.5.    Wir Systematisieren ‘entweder/oder’ und ‘sowohl/als auch’ Erfahrungen.
2.6.    Wir Problematisieren grundsätzlich jede Erfahrung.
2.7.    Wir wählen intuitive Ehrlichkeit zum Maßstab unserer systematisierten Erfahrungen.

Eule der Minerva
Die Eule der Minerva beginnt Ihren Flug erst in der Dämmerung,
aber geht es der Nacht oder einem neuen Morgen entgegen, wir leben
im Zwielicht, auf der Grenzen, uns bleibt nichts als der Zweifel an
allem, er ist der Königsweg zur untrennbaren Wirklichkeit!

 

3.    Wir entwickeln Theorien aufgrund dieser Erfahrungen unter bestimmten Prämissen.

3.1.    Wir abstrahieren von unseren konkreten Erfahrungen und erzeugen Abbilder.
3.2.    Wir akzeptieren grundsätzlich, daß unsere Theorien nicht automatisch besser werden.
3.3.    Wir versuchen Ursachen und Wirkungen in ‘wenn => dann’ Modellen zu erfassen.
3.4.    Wir entwickeln Theorien, die in sich schlüssig, kohärent und widerspruchsfrei sind.
3.5.    Wir entwickeln Theorien, die immer zeitlich bedingt und jederzeit veränderbar sind.
3.6.    Wir erkennen, daß Widerspruchsfreiheit nicht Homogenität der Aussagen bedeutet.
3.7.    Wir können keine letztgültig verifizierbaren Theorien entwickeln.

Eule der Minerva
Die Eule der Minerva beginnt Ihren Flug erst in der Dämmerung,
aber geht es der Nacht oder einem neuen Morgen entgegen, wir leben
im Zwielicht, auf der Grenzen, uns bleibt nichts als der Zweifel an
allem, er ist der Königsweg zur untrennbaren Wirklichkeit!

 

4.    Wir entwickeln Voraussagen aufgrund dieser Theorien unter bestimmten Prämissen.

4.1.    Wir entwickeln quantifizierbare Voraussagen über Sachverhalter dieser Wirklichkeit.
4.2.    Wir versuchen auch qualitative Voraussagen zu entwickeln.
4.3.    Wir entwickeln Voraussagen logisch und möglichst in mathematischen Termen
4.4.    Wir sagen Konsequenzen, die sich bei verschiedenen Ergebnissen ergeben, voraus.
4.5.    Wir bestimmen klare Grenzen, Geltungsbereiche unserer Voraussagen.
4.6.    Wir versuchen ethisch-moralische Konsequenzen unserer Theorien vorauszusagen.
4.7.    Wir machen keine Voraussagen über die ökonomische Verwertbarkeit unserer Theorien.

Eule der Minerva
Die Eule der Minerva beginnt Ihren Flug erst in der Dämmerung,
aber geht es der Nacht oder einem neuen Morgen entgegen, wir leben
im Zwielicht, auf der Grenzen, uns bleibt nichts als der Zweifel an
allem, er ist der Königsweg zur untrennbaren Wirklichkeit!

 

5.    Wir entwickeln Experimente, die diese Voraussagen widerlegen sollen.

5.1.    Wir achten daraus, das jeder unsere Experimente wiederholen kann.
5.2.    Wir dokumentieren die Experiment mit allen notwendigen Details.
5.3.    Wir benutzen eine mathematisch logische und allgemein verständlich Dokumentationsmethode.
5.4.    Wir entwickeln keine Experimente die ethisch-moralisch verwerflich sind.
5.5.    Wir verfeinern und dokumentieren durch Experimente unsere Beobachtungen.
5.6.    Wir entwickeln Experiment- und Prüfkaskaden und keine singulären Experimente.
5.7.    Wir entwickeln Experimente, die Antworten auf viele Aspekte unserer Theorien ergeben.

Eule der Minerva
Die Eule der Minerva beginnt Ihren Flug erst in der Dämmerung,
aber geht es der Nacht oder einem neuen Morgen entgegen, wir leben
im Zwielicht, auf der Grenzen, uns bleibt nichts als der Zweifel an
allem, er ist der Königsweg zur untrennbaren Wirklichkeit!

 

6.    Wir entwickeln bei Theoriefalsifikationen konzentrische Relevanzkreise.

6.1.    Wir ordnen um unser Paradigmenzentrum unsere Relevanzkreise konzentrisch an.
6.2.    Wir wählen die Abstände der Relevanzkreise vom Zentrum entsprechen ihrer Relevanz zum Zentrum.
6.3.    Wir ordnen Falsifikationen entsprechenden Relevanzkreisen zu und gewichten sie damit.
6.4.    Wir ordnen auf unseren Relevanzkreisen Module und Einzelvermutungen an.
6.5.    Wir setzen unsere Module aus Axiomen, Hypothesen, Grundannahmen zusammen.
6.6.    Wir erkennen die Wirklichkeitsrelevanz der Module in ihrer Aussagekraft über die Wirklichkeit.
6.7.    Wir bemühen uns bei jeder Falsifikationsmöglichkeiten um ideologiefreie Bewertungen.

Eule der Minerva
Die Eule der Minerva beginnt Ihren Flug erst in der Dämmerung,
aber geht es der Nacht oder einem neuen Morgen entgegen, wir leben
im Zwielicht, auf der Grenzen, uns bleibt nichts als der Zweifel an
allem, er ist der Königsweg zur untrennbaren Wirklichkeit!

 

7.    Wir entwickeln neue Theorien wenn Paradigmen nicht mehr haltbar sind.

7.1.    Wir geben bei einer Falsifikation des Paradigmenzentrums die Theorie insgesamt auf.
7.2.    Wir zerstören bei einer Falsifikation des Paradigmenzentrums nicht zwangsläufig alle Relevanzkreise.
7.3.    Wir erstellen mit neuen Paradigmen sowie neuen und alten Modulen eine neue Theorie.
7.4.    Wir durchlaufen mit dieser Theorie wieder alle sieben Phasen unseres Wissenschaftsschemas.
7.5.    Wir versuchen unsere Erfahrungen mit der alten Theorie in der neuen umfassend zu berücksichtigen.
7.6.    Wir versuchen bei neuen Theorien umfassend Schnittstellen zu anderen Theorien zu definieren.
7.7.    Wir verknüpfen Paradigmen nicht mit sachfremden Themen und anderen zeitlich begrenzten Theorien.

Eule der Minerva
Die Eule der Minerva beginnt Ihren Flug erst in der Dämmerung,
aber geht es der Nacht oder einem neuen Morgen entgegen, wir leben
im Zwielicht, auf der Grenzen, uns bleibt nichts als der Zweifel an
allem, er ist der Königsweg zur untrennbaren Wirklichkeit!

Ohne Menschen ginge es der Erde besser …

Baumaufkleber

… so der Dalai Lama in einem Interview mit Franz Alt 2008:

“Von … ökologischen Zusammen-hängen nimmt die Welt fast keine Kenntnis. Die ökologische Situation auf der ganzen Welt ist natürlich eine Katastrophe: Treibhauseffekt, Wasserknappheit, Artensterben, Waldrodungen, chemisierte Landwirtschaft! Wenn wir so weitermachen, hinterlassen wir unseren Kindern und Enkeln eine einzige Wüste. Wir sind dabei, uns selbst auszurotten. Für die Erde wäre es ohnehin das Beste, wenn wir Menschen bald verschwinden. Ohne Menschen ginge es der Erde besser. Aber noch haben wir eine Chance, uns zu ändern (lacht laut und lange). Aber niemand weiß, ob wir die Chance wirklich nutzen (lacht weiter).”

Weiter zum Interview

In der Regel tun wir Menschen so, als wären es genau umgekehrt, als wären wir besser dran ohne Natur, diesem unordentlichen, schwer zu beherrschenden Etwas aus Dreck und weiß ich was…

Es gibt auch eine negative Trinität: Hass, Gier und Ignoranz – kann man wirklich noch näher an dem “anthropischen Grundproblem” dran sein  –  alles andere ist doch nur Petersilie!!!

Unsere 4 großen Fragen

Den meisten Menschen passiert das Leben, während sie eifrig damit beschäftigt sind, das Leben zu planen . . .

Auf unserer Suche nach Sinn kommen wir an den 4 großen Fragen nie vorbei:

1. Wer sind wir

2. Woher kommen wir

3. Was ist unsere Aufgabe

4. Wohin gehen wir

Wirklich interessant werden diese Fragen allerdings
erst dann, wenn wir uns klar machen, daß sich der
Buddha diese Fragen nie stellen würde.

buddha108

Tiefenökologisches Thesenpapier

Dhttp://www.oekoradix.de/wp-content/uploads/2013/06/arne-n%C3%A6ss-portrait.jpgie aus dem Kontext gerissene Sentenz Adornos aus seinen Minima Moralia: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ hat für Jahrzehnte vielen als Generalabsolution für jede Art von ethisch-moralischem Fehlverhalten gedient. Nach dem Motto, wenn es sowieso kein richtiges Leben im falschen gibt, dann brauche ich mich auch partiell gar nicht mehr anzustrengen, weil ich ja doch nicht richtig leben kann.

Diese digitale Denkweise des „Ja oder Nein“, die strukturell totalitär im Entweder-Oder, im Schwarz oder Weiß, im Freund oder Feind seinen Ausdruck findet, könnte im Hinblick auf das Gemeinte nicht falscher sein. Gerade wenn wir uns dem universalen, instrumentellen, gesellschaftlichen Vernunftzusammenhang entschlagen wollen, dann kommt es vor allem darauf an, sich in der subversiven Welt der Zwischentöne einzurichten.

Und damit sind wir bei der komplexen, variantenreichen Denkwelt von Arne Næss, für den es immer besonders wichtig war, alles mit allem zu verbinden und den vielfältigen Lebensformen einen Wert an sich beizumessen.

Auch wenn sich in unserem Denken – als ökologisch ausgerichtete Menschen – vieles aus den Thesen von Arne Næss fast von selbst versteht, macht es Sinn sich immer wieder mit seinen Thesen auseinanderzusetzen.

Deshalb schreibe ich sie mir hier nochmal aus dem Gedächtnis auf – ergänzt um Themen, die mir persönlich als ebenso wichtig erscheinen.

These 1 Die Entfaltung des gesamten lebendigen Planeten, des gesamten Ökosystems, ist ein Wert an sich. Ihr Wert darf also nicht davon abhängig gemacht werden, ob diese Entfaltung einen Wert für den Menschen oder gar einer bestimmten Interessengruppe darstellt.

These 2 Nicht nur die Entfaltung sondern auch die Vielfalt der Lebensformen ist ein Wert an sich. Erst diese Vielfalt – vor allem auch der Reichtum und das Übermaß an Diversität der Lebensformen – machen eine gedeihliche Entwicklung der menschlichen und nicht menschlichen Lebensformen auf diesem Planeten erst möglich. Es darf zu keiner schein-evolutionären Bewertung im Sinne von höherer und niederer Lebensform kommen, bei der manche Lebensformen nur als Etappe auf dem Weg zu höheren Lebensformen gelten.

These 3 Der Mensch hat kein Recht diese Vielfalt zu zerstören vielmehr hat er dafür zu sorgen, daß er sein eigenes Leben nur im Einklang mit dem Naturkreislauf reproduziert, anstatt gegen ihn.

These 4 Die Thesen 1 bis 3 stehen in einem krassen Gegensatz zu dem heutigen menschlichen Verhalten der Natur gegenüber und der massiven Zerstörung des globalen Ökosystems, dessen Geschwindigkeit für uns immer bedrohlich wird. Seit Mitte des 19. Jh. sind mehr Lebensformen von diesem Planeten verschwunden, als in jeder anderen Epoche der Erdgeschichte und die Zerstörung steigt im Moment exponential an.

These 5 Wenn es uns nicht gelingt, die menschliche Bevölkerungsexplosion auf diesem Planeten zu stoppen, bzw. sogar zu reduzieren wird ein gedeihliches Zusammenleben mit anderen Lebensformen in mitten des globalen Ökosystems vollkommen unmöglich, zumal wir nicht bereit sind, die Standards, die wir bei unserem Lebensstil inzwischen ansetzen, wieder zu reduzieren und diese andererseits auch nicht für uns alleine reklamieren können. Hier tickt eine Zeitbombe der Gerechtigkeit!

These 6 Der allgemeine Untergang sozialistischer Wirtschaftssysteme bedeutet nicht im gleichen Maße ein Ja zur umwelt-zerstörenden, anarchischen Kraft globaler, kapitalistischer Wirtschaftsordnungen.
Wachstum, Konsum, Verfügbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Marktwert dürfen nicht länger die ultima ratio jeder politisch-gesellschaftlichen Entscheidung sein. Wir brauchen einen allgemein gesellschaftlich akzeptierten Verhaltens- und Moral-Codex dessen oberstes Entscheidungskriterium die Harmonie von Mensch und Natur ist – wollen wir nicht den Ast, auf dem wir sitzen, absägen.

These 7 Wir müssen aus dem Teufelskreis ausbrechen, indem ein hoher Lebensstandard ausschließlich durch die Akkumulation materieller Wert bestimmt wird und nicht durch Fortschritte in einem geistig reichen Leben.Von Ismen und Ideologien müssen wir uns befreien.

These 8 Vor allem müssen wir uns von unserem Selbstbild als „Krone der Schöpfung“ befreien und uns in Demut angesichts der Unermeßlichkeit von Natur&Kosmos üben. Das Universum, in dem auch wir leben, besteht wohl primär aus Energie und geistiger Struktur. Gerade mal mit 5% dieses Universums pflegen wir regelmäßigen, bewußten Umgang in Form der Materie, von der wir uns einbilden, sie ansatzweise zu begreifen. 95% unseres Universums können wir nicht mal ansatzweise begreifen oder Theorien, die wir darüber entwickeln, mit naturwissenschaftlich korrekten Methoden nachprüfen, sollte es nicht angesichts dieser schlichten Tatsachen selbstverständlich sein, daß wir uns gegenüber der außermenschlichen Welt in der wir leben dürfen, etwas zurücknehmen und uns in Demut statt im Zerstören üben?

These 9 Wer die Thesen 1 bis 8 anerkennt, erkennt auch an, daß das Primat bei der Tat liegt, daß er sich also für die Thesen 1 bis 8 aktiv in Wort und Tat und seiner Lebensführung einsetzt, ungeachtet der Erfolgsaussichten, die sich aus seinem Handeln ergeben und ungeachtet der These, daß wir uns niemals einbilden können, daß wir richtig leben können, in der falschen Welt. Je mehr wir uns von unseren Grundlagen entfernen und entfremden, je mehr wird diese Welt zu einer „falschen“ Welt.  – aber immer nur auf uns bezogen.

Sapere aude!

Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

Immanuel Kant / 30.09.1784 aus dem Text: Was ist Aufklärung?

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Bedenkt – was oft zitiert wird am wenigsten umgesetzt – wäre es in diesem Fall anders, die Welt wäre nicht mehr wiederzuerkennen!

Das Paradoxon der Toleranz

Wir weichgespülten Multikultis, die seit Jahrzehnten in offener, freundlicher, weltbürgerlicher Absicht von einem Land zum anderen reisen und die ganz Welt zu verstehen suchen, tun uns schwer mit dem, was Karl Popper 1945 als das Paradoxon der Toleranz bezeichnet hat:
»Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.«

Laßt uns auch daran denken, in welcher geschichtlichen Situation Popper diesen Satz formulierte, der Faschismus war zwar äußerlich zuende gegangen, der Faschismus in den Seelen und Gedanken der Menschen war aber noch lange nicht zuende und hätte man den Faschismus nicht verhindern können, wenn man bei Zeiten über das Paradoxon der Toleranz nachgedacht hätte und auf der Grundlage humanistisch, aufklärerischer Tradition, die Grenze benannt hätte, an der Toleranz gegenüber Intoleranz auf jeden Fall hätte beendet werden müßen. Das Wort “hätte” sollte uns zu einer Triebfeder werden, um aus der Geschichte zu lernen.

Wir befürchten, daß wir durch das Nichttolerieren der Intoleranz selbst intolerant werden, wir quasi selbst zur Abschaffung der Toleranz beitragen.

Der Grundsatz

Keine Toleranz für Intoleranz!

ist uns eben suspekt, sollte er aber – richtig verstanden – gar nicht sein! Denn der Limes der Toleranz ist die körperliche und geistige Unversehrtheit des Anderen und damit die Grundrechte, die sich zwangsläufig daraus ergeben. Wenn wir auch immer konsequent bedenken, das Gewalt in einem wechselwirkenden Prozeß auch immer wieder auf den Gewaltausübenden zurückweist, dann können wir durch intensives Denken, den Limes  des Toleranz immer bestimmen.

Auch bedeutet die Ablehnung von Toleranz gegenüber Intoleranz keinen Freibrief für Krieg und Gewalt gegen anders Gläubige, anders Denkende, sie bedeutet zunächst mal nur, klar Stellung zu beziehen und nicht an Stellen Verständnis zu heucheln, also politisch korrekt zu formulieren, wo man eigentlich gar kein Verständnis haben will, wenn man seinen tief sitzenden, humanistischen, aufklärerischen Wertekanon ehrlich befragt!

Ich glaube, daß wir uns dieser Gefahr, selbst intolerant zu werden, wenn wir gegen Intoleranz klar Stellung beziehen, nicht aussetzen, wenn wir uns bemühen, den Begriff der Toleranz inhaltlich zu füllen, in dem wir uns unserer humanistisch, aufklärerischen Tradition immer wieder verpflichtet zeigen und den Begriff der Toleranz vor allem nicht inflationär bei jeder Kleinigkeit ins Feld führen, wo sich Menschen, gleich welchen ethnischen Hintergrunds, sich einfach nur ignorant gegenüber anderen aufführen. Alles sollte Maß und Ziel bewahren, wir sollten nicht immer gleich mit der ganz großen Keule der nicht duldbaren Intoleranz daherkommen und dies vor allem deshalb, um die Schärfe und Wichtigkeit des Begriffs der Toleranz nicht unnötig abzunutzen!

Die Frage, inwieweit Toleranz Intoleranz dulden muß, ist immer die Frage nach der Grenze des Nichttolerierbaren und diese Grenze wird bei der Verletzung von Grundrechten überschritten! Die Menschenwürde ist inzwischen- wie die Toleranz – auch zu so einem leeren, abgedroschenen Begriff geworden, trotzdem bleibt aber der Tatbestand dessen, was Menschenwürde meint, bestehen. Mit Grenzüberschreitungen haben wir es dann zu tun, wenn das Leben, die Freiheit, die körperliche Unversehrtheit, die Gleichberechtigung der Menschen verletzt oder gefährdet wird, wenn Menschen gedemütigt oder zu bestimmten Zwecken missbraucht werden, solche Grenzüberschreitungen sind nicht tolerierbar – und dies sollten wir ganz vorsichtig und umsichtig auf alle fühlenden Wesen ausweiten, denn letztlich ist es ja der Mensch, der in seinem Größenwahn ständig Grenzen der Grundrechte anderer Menschen überschreitet.

Natürlich können wir anderen Meinungen gegenüber, und kommen sie noch so intolerant daher, nicht wirklich selbst intolerant begegnen, wenn diese Meinungen aber Menschen dazu bringen, in dem sie sie massiv indogtrinieren, gegen die Grundrechte anderer Menschen zu verstoßen, dann haben wir es wieder mit einer Grenzüberschreitung zu tun, die wir nicht tolerieren können.

Wir dürfen uns nicht der Gefahr aussetzen, daß über die Unschärfe der Grenzen, die Beurteilungen der Umstände, unter denen Intoleranz stattfindet, beliebig werden und wir uns besser gar nicht verhalten, weil wir nicht genau zu sagen wissen, was eine Grenzüberschreitung darstellt. Dabei ist eine Grenzüberschreitung doch in den meisten Fällen, deutlich zu sehen, nämlich immer dann, wenn die Grenzen des anderen, des Gegenübers mißachtet werden. Wenn wir in weltbürgerlichen Absichten unterwegs sind, dann doch wohl deshalb, weil wir die Fahne eines ethisch-moralisch anständigen Verhaltens in der globalisierten Welt hochhalten wollen und es nicht dulden wollen, das Teile von Gesellschaften das Leben, die Gleichberechtigung, die Religions- und Meinungsfreiheit der anderen mit Füßen treten und ständig Grenzüberschreitungen der Tolerierbarkeit begehen.

Natürlich können wir nur als freie Bürger, die in weltbürgerlicher Absicht unterwegs sind, über Toleranz und Intoleranz urteilen, alles andere geht gar nicht, Rasse, religiöse Gebundenheit oder andere ethnische Aspekte haben weder begrifflich noch faktisch etwas in der Toleranz-Intoleranz-Diskussion verloren, das sollten wir alles spätestens seit dem HGP, dem Human-Genom-Projekt, konsequent hinter uns gelassen haben.

Wir sollten einmal darüber nachdenken, was dieser wirklich überaus weise Dalai Lama seit einiger Jahren propagiert, wenn er ein weltbürgerlich, ethisch-moralisch anständiges Verhalten JENSEITS DER RELIGIONEN einfordert! Es stimmt doch, wir können uns auch ohne jeglische religiöse Bindung anständig verhalten und unsere Toleranzfähigkeit trainieren. Der religionsfreie Wertekatalog in uns ist jederzeit von uns abrufbar.

Gegenüber fundamentalistischen Strömungen, gleich welcher religiösen Couleur sie seien mögen – da darf es eben z.B. keinen Unterschied zwischen islamistischen oder christlichen Aktivitäten geben – dürfen wir keine falsch verstandene Toleranz üben, wenn es darum geht das Grundrechte massiv verletzt werden. Wenn es aber um die Ausübung friedlicher religiöser Riten und Gebräuche geht, muß Toleranz immer geübt werden. Hier ist die Grenze in Wahrheit doch klar zu ziehen, geht es gegen die Grundrechte von fühlenden Wesen, Mensch und Tier gleichermaßen, dann keine Toleranz, geht es um Religionsfreiheit in den Grenzen religionsfreier Grundrechte, dann jede Toleranz.

Wir lernen am meisten von unseren Feinden und unsere Feinde müssen wir zu allererst mal in uns selbst suchen, da können wir schon mal üben, uns wahrhaft tolerant zu verhalten und die Grenzen bei uns selbst analysieren, die wir nicht mehr tolerieren dürfen.

Das Geheimnis der Toleranz ist letztlich die Wechselwirkung, also wechselwirk ich mit Dir, wechselwirkst Du mit mir, dieses Geheimnis müssen wir immer konsequent zuende denken, es geht also gerade nicht darum, daß ich gegenüber dir so viel mehr Durchblick habe und so viel mehr aufgeklärt bin, daß ich berechtigt bin, dir die Bratpfanne überzuhaun und daß du dann mir die Bratpfanne überhaust, quasi in Wechselwirkung, sondern daß wir uns gemeinsam in der Bratpfanne was Leckeres braten.

Und dann gilt doch bei alledem immer wieder der transzendierende Sinnspruch:

“Für Leute, die sich jetzt entzweit seh’n
empfehlen wir eins Korinther dreizehn!”

PS. Ich empfehle zum Thema auch noch folgenden Aufsatz:

Herbert Marcuse: „Repressive Toleranz“

„Ein wirklicher kluger Text – langsam lesen und genießen!
Hilft bei der Herstellung emanzipatorischen Kopfwerkzeugs“
dieser Bewertung von Jutta Ditfurth schließe ich mich an…

Ein Mandala als Strukturmodell

Kalachakra-MandalaWir bekommen immer die Antworten, die wir zuvor als Mensch bzw. Menschheit mit unseren Fragen vorherbestimmt haben. Spätestens seit Kant wissen wir, daß sich nicht unser Denken um die Dinge der Welt, sondern die Dinge der Welt um unser Denken drehen, wie die Dinge ansich sind, können wir ganz prinzipiell nicht wissen.

Und spätestens seit der Revolution der Quantenphysik wissen wir auch, daß das passiv beobachtende Subjekt passé ist, das wiederum beleuchtet das Problem des Dings ansich noch mal von einer ganz anderen Seite, können wir trotzdem von einem Ding ansich ausgehen, daß von uns völlig unabhängig und prinzipiell nicht erkennbar ist? Und wenn es so ist, daß eine von uns beobachtete Wirklichkeit eine andere ist, als eine unbeobachtete, dann fragt man sich doch, ob das Ding ansich jenseits dieser Wirklichkeiten liegt…

Wenn wir von dieser Situation ausgehen, dann kommen wir in die Welt der Strukturanalysen, so wie wir sie bereits aus der Philosophie Platons als die Welt der Ideen kennen. Wir können tausende von Bäumen mit unseren Sinnen wahrnehmen, aber die Idee von einem Baum werden wir niemals mit unseren Sinnen ausfindig machen…

Damit können wir erkennen, daß unser Denken niemals nur von Bildern der Realität – die irgendwann einmal durch unsere Erfahrung in unser Denken gelangt sind – bestimmt wird, sondern auch ganz maßgeblich durch Strukturen aber woher kommen die Strukturen.

Woher kommen z.B. die Strukturen, die in einem Mandala dargestellt werden. Kommen sie rein aus unserem Denken?

Mandalas sind der strukturanalytisch, systemische Versuch das komplexe Wechselspiel zwischen Mensch – Kosmos – Gottheit in einer zwei bzw. dreidimensionalen Darstellung abzubilden. Die Vergeblichkeit alles menschlichen Tuns und natürlich auch menschlicher Erkenntnisfähigkeit wird bei der Herstellung eines Sandmandalas zum grundsätzlichen Prinzip erhoben. Dabei ist es zunächst nicht wichtig, ob der Wandel und die Vergänglichkeit auch Gegenstand der Darstellung des Mandalas sind – sondern nur das grundsätzliche procedere der Herstellung und der Vernichtung des Sandmandalas.

Insofern kann das Mandala nicht nur von seinem inhaltlichen Aspekt – Muster einer komplexen Wirklichkeit zu sein – der Meditation – wie im Vajrayana hervorragende Hilfe sein, sondern auch durch seinen grundsätzlichen Lebenszyklus, der uns eine elementare Erfahrung ermöglicht.

Mandala_Trichter_mit_ZahnleisteWenn man einmal mit wachem Bewußtsein tibetische Mönche bei der akribischen Arbeit an einem Sand-Mandala beobachtet, mit welcher Konzentration und Hingabe das Sandmandala von Innen nach Außen von ihnen aufgelegt wird und dann nach tage- ja manchmal nach wochenlanger Arbeit wieder zusammengewischt wird und dann in einer feierlichen Zeremonie, der zusammengekehrte Sand einem Fluß übergeben wird, dann ist es eben nicht nur ein theoretisches, symbolhaftes Ritual, um die vielfältigen Anhaftungen des ICHs zu zeigen und darüber zu meditieren,  um sie möglichst aufzulösen, sondern auch eine mit starken Gefühlsmarkern belegte Erfahrung.

Die emotional starke Erfahrung rührt zum einen von der grundsätzlichen Zerstörung des Mandalas her, dann ist es aber auch die soghafte Wirkung, die von der strukturhaft dargestellten und damit scheinbar handhabbaren Wirklichkeit ausgeht. Diese scheinbare Sicherheit durch das visualisierte, strukturiert-komplexe Ganze des Wechselspiels von Mensch – Kosmos und Gottheit wird am Ende des Tages mit einem “Besenstrich” zusammengeschoben und im Wasser des ewig dahinfließenden Flusses aufgelöst.

Strukturen und ihre Auflösung sind das Geheimnis des Lebens. Mandalas sind Archetypen dieses Geheimnisses.

Dogmen & Theorien

Atombombe.Wenn man bedenkt, daß alles Wissen doch nur ein Vermuten, ein Raten ist und das mit unserem Zuwachs an Wissen nur unsere Erfahrung, nichts zu wissen, ständig zunimmt, dann sollten wir uns doch von unserer jahrtausende alten Ignoranz und Überheblichkeit befreien und vor allem nicht mehr im Namen von richtiger gegen falsche Gesinnung Kriege führen.

Wir sollten nicht mehr zulassen, daß Menschen für „ismen“ und „Dogmen“ töten und getötet werden.

Es gibt keinen gerechten Krieg und es gibt auch keine Naturnotwendigkeit für einen Krieg in Stahlgewittern!

Unser Motto sollte sein:

Laßt Dogmen & Theorien sterben
und nicht Menschen!

Und der Erfinder dieses Spruchs, Karl Popper, hätte wahrscheinlich nichts dagegen, wenn wir hinzufügen, daß mit Krieg nicht nur der Krieg Mann gegen Mann, sondern alle in der Geschichte sich entwickelden Formen von Krieg gemeint sind, der Krieg gegen Frauen, gegen die Natur, die Tiere, eben gegen alle fühlenden Wesen…

Principiis obsta

fukushimaIn unserem gedankenlosen Wahn, daß es chic ist, alles und jedes zu delegieren und zu kontrollieren, delegieren wir unser Denken an Politiker, Wirtschaftslenker, Wissenschafter und weitere sogenannte Eliten, ohne an den zweiten Teil des Grundsatz noch zu denken, an das Kontrollieren . . .

In den Exzellenz-Clustern dieser Welt, den Denkfabriken der Eliten wird Denken produziert, dadurch kommen Produkte in die Welt, die wir eigentlich gar nicht haben wollen, bzw. was noch schlimmer ist, wir können es gar nicht mehr beurteilen, also kontrollieren, was wir haben wollen und was nicht.

Da halten wir uns doch lieber gleich, an den Spruch unserer Großeltern, die ihren Ovid noch kannten: “Wehre(t) den Anfängen!”, natürlich nur soweit sie – unsere Großeltern – selbst gedacht haben und vorausschauend waren und gesehen haben, was da am Horizont heraufzieht. Und wenn sie das alles waren, dann haben auch sie sich schon noch lieber an die Maxime Immanuel Kants und der Aufklärung gehalten:

Jederzeit selbst zu denken

Sonst geht’s uns so, wie dem Zauberlehrling bei Goethe: Die Geister, die wir riefen, die werden wir nicht mehr los . . .

Mathematische Formeln und Wahrscheinlichkeitsberechnungen sollen uns Vertrauen in beinahe sichere Wahrheiten suggerieren, weil sie uns eine berechenbare Welt vorgaukeln – hier helfen uns nur Bilder weiter, Bilder die unsere Emotionen erreichen können. Das Bild vom Zauberlehrling hat einen sicheren Stand bzgl. der limbischen Index-Gefühls-Marker! Wie ein Mantra können wir uns immerwieder vorsagen: Denk an den Zauberlehrling!

Und wenn es dann mal wieder fröhlich auf geht zur Hatz mit Genmais und Atomkraft, dann denken wir an unser Mantra, und dann sagen wir, daß wir doch nicht blöd sind und uns zum Zauberlehrling aufschwingen, dann sagen wir einfach NEIN.

Warum denn NEIN? Man ist doch gar nicht vom Fach, man kann doch gar nicht mitreden, man weiß doch gar nicht was technisch so abgeht!
Ganz einfach – weil Selber-Denken nicht heißt, das Nach-Denken, was andere Vor-Denken, sondern Selber-Denken!

Und wenn wir beim Selber-Denken feststellen, daß wir beim Be-Denken von Konsequenzen, Risiken und Wagnissen diese Selbst-Gar-Nicht-Be-Denken können, dann lassen wir die neuen Besen erst gar nicht tanzen, dann haben wir auch hinterher nicht das Problem, das die Besen ihren eigenen Tanz tanzen und ein wirklich schönes Stück von unserem kleinen Planeten einfach unbewohnbar machen . . .

Im Zweifelsfall hilft uns auch die sokratische Maxime:
Bedenken, daß Du nichts weißt, dann weißt Du schon sehr viel . . .

Gottfried Wilhelm Leibniz einer der
letzten Universalgelehrten

Leibniz

Man muß kein Universalgelehrter sein, um ganzheitlich zu denken, das kann sich wie im Falle von Gottfried Wilhelm Leibniz mal so ergeben, aber das eine ist eine quantitative Betrachtungsweise von Wissen und der Geschichte der letzten Gelehrten der abendländischen Kulturgeschichte, die noch alles Wissen Ihrer Zeit überblickt haben sollen.

Das andere – das ganzheitliche Denken – ist eine strukturelle, qualitative Betrachtungsweise, die, unabhängig von der jeweiligen quantitativen Menge an Wissen, die eine jeweilige Zeit so hat, den Blick grundsätzlich mit einem möglichst hohes Maß an Komplexität der Einflußfaktoren aus den unterschiedlichsten Bereichen, dem Forschungsgegenstand zuwendet.

Man bezeichnet dieses ganzheitliche Denken auch gerne als einen holistischen Denkansatz und verbindet diesen oft mit dem Denkbild eines Hologramms. Interessant am Hologramm ist, daß jeder Teil das Ganze enthält und der Unterschied zwischen dem  Teil und dem Ganzen, die Klarheit und Schärfe ist, genau so funktioniert auch das morphische Feld von Sheldrake, genau so funktioniert aber auch die Leibnizsche Monade.
Monaden lassen sich also als holographische Elementarbausteine, als kleinstmögliche holographische Areale verstehen, in die die holistische Gesamtstruktur eines Gebildes holografisch eingefaltet ist. Eine Monaden ist eine form- und strukturverursachende Wirkmatrix, die zwischen Energie, Materie und Information vermittelt und selbst aber auch das Ganze ist, eine Dualität zwischen Geist und Materie gibt es kein Leibniz nicht.

Leibnis war aber in mehr als in dieser Hinsicht ein Visionär: Infinitesimalrechnung, Binäre Zahlensysteme, Algorythmen, Rechenmaschinen (die alle Grundrechenarten beherrscht hat), das Unbewußte, Sprachwissenschaft, I Ging Experte um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Was mir auf jeden Fall immer wieder an Leibniz auffällt, die enorme Neuroplastizität von dem sein Leben und Werk bestimmt gewesen zu seien scheint. Immer wieder hat er seine Theorien und Denkmodell revidiert und wenn nötig über den Haufen geworfen, klar seine Kindheit hat er nicht in einem bildungsfernen Zusammenhang verbracht, sein Vater war Professor und die Mutter immerhin die Tochter eines Professors.
Griechisch und Latein hat er sich wie all die kleinen Genies früherer Jahrhunderte natürlich mit 8 Jahren selbst beigebracht und mit 12 hat er schon eine mathematische Zeichentheorie entwickelt, mit 20 war er schon promoviert und er war noch keine 30 als er schon Mitglied der renomierten englischen Royal Society war. Was Leibniz an moderner Strukturwissenschaft durch seine Ideen einheitlicher mathematischer Zeichensysteme antizipiert hat, kann kaum überschätzt werden!

Sein berühmter Satz von der „besten aller möglichen Welten“ ist oft missverstanden worden und meint nicht eine grundsätzlich positive Beurteilung der Welt, in der wir leben, was im Grunde eine beleidigende Interpretation des Leibnizschen Denkens wäre, sondern es geht ihm vor allem darum, daß man sich immer wieder, jeden Tag klarmachen muß, daß wir nur diese eine Welt, diesen einen Planeten haben, auf dem wir in Theorie und Praxis gleichermaßen immer wieder versuchen müssen unser Bestes zu geben, da sie auf die Entfaltung aller Seinsmöglichkeiten angelegt ist. Träumt nicht von besseren, anderen Welten, diese hier ist die einzige, die ihr habt und sie bietet die besten Möglichkeiten unsere Potentialitäten voll auszuschöpfen und zu entwickeln.

LeibnizhausDie Denkstruktur, die dahinter steht ist meiner Meinung nach folgende. Was das Universum und damit auch unsere kleine Welt bewegt, ist die Frage nach Gott, die Frage nach Gott ist die Frage nach dem Sein, die Frage nach dem Sein ist die Frage nach dem Logos, alles dreht sich letztlich also darum, ob dem Universum eine allumfassende Vernunft inhärent ist und diese Frage läßt sich durch den Hinweis vielleicht beantworten, daß man die Vernunft als ein grundsätzliches Spiel aller Seinsmöglichkeiten miteinander verstehen kann.

Die Totalität aller Seinsmöglichkeiten ist das Ganz Andere, nach dem wir in unserer Begrenztheit immer wieder suchen und das wir als entwicklungsgeschichtliches Movens und als Garant der Grenze unseres Größenwahns begreifen können.

Und wenn ich es noch anführen darf, ich weiß, daß es immer schärfer werdende Widerstände gegen den Wiederaufbau einmal in der Geschichte zerstörter Gebäude gibt (das durch den 2. Weltkrieg zerstörte Leibnizhaus würde heute eher durch eine Einkaufsmall ersetzt, als das es wieder aufgebaut würde), weil sie eine Art Barikade gegen den sogenannten Fortschritt darstellen, ich möchte aber zu bedenken geben, daß es nicht nur die unwiederbringlich zerstörte Architektur ist und das menschliche Maß, das in dieser alten Architektur noch von Bedeutung war, um die es in den Diskussionen geht, es geht auch um die Frage des Denkmalschutzes, und dieser dokumentiert – wie man wissen sollte – nicht die Asche vergangener Zeiten, sondern das Feuer, das es weiterzutragen gilt.

Wir sollten uns mit Denkmalen inhaltlich beschäftigen, sie als Herausforderung und Korrektiv für unser Denken wahrhaft schätzen und nicht als Hindernisse auf dem Weg in eine blühende Zukunft verteufeln…

Sehr lesenswert ist das Buch: „Leibniz: Das Lebenswerk eines Universalgelehrten“
Das von Hans Heinz Holz, einem der Herausgeber der Werke von Leibniz bei der WBG verfaßt wurde. Holz ist leider im Jahr 2011 gestorben

Eine interessante Auseinandersetzung mit Hans Heinz Holz findet sich  in der ZME von Thomas Collmer: „Hans Heinz Holz, Weltentwurf und Reflexion“

Das Internet

Schon im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung legte Ptolemaios II. den Grundstein für den wunderbaren Traum, an einer zentralen Stelle die gesamte verfügbare Literatur der Welt aus allen Wissengebieten zu sammeln.

Er gründete die Bibliothek von Alexandria und mit Ihren zuletzt 490.000 Schriftrollen kam sie der Verwirklichung dieses Traums in den Antike schon enorm nahe. Aber wie es in der Menschheitsgeschichte immer ist, wo Weisheit und Denken gepflegt und weitergegeben wird, findet sich auf der Unterseite der Medaille immer auch Ignoranz und Dummheit und so verwundert es nicht, daß zunächst im Zuge der Christianisierung des römischen Reichs im 4. nachchristlichen Jahrhundert der größte Teil der Bibliothek und durch den Islam – wenn die Legende stimmen sollte – im 7. Jahrhundert der restliche Teil der Bibliothek zerstört wurde.

Der Befehl des Kalifen Umar ibn al-Chattab, den er angeblich 642 n.u.Z. gegeben hat: „Bücher, deren Inhalt mit dem Koran übereinstimmen, werden nicht benötigt, diejenigen, die dem Koran widersprechen, werden nicht gewünscht. Zerstört sie also.“, kann als ein wesentlicher Topos weltgeschichtlicher – religiös verursachter – Ignoranz und Dummheit gelten! Das der Legende nach die Handschriften zur Beheizung der öffentlichen Bäder verbrannt wurden, rundet das Bild sehr schön ab. Internetsymbol

Die neue Bibliotheca Alexandrina, die am 16. Oktober 2002 in Zusammenarbeit mit der UNESCO in Alexandria errichtet wurde, greift den alten Menschheitstraum einer weltumspannenden Bibliothek wieder auf. Für uns interessant ist, daß die Bibliothek nicht nur 8 Millionen Büchern auf 45000 m² Platz bietet, sondern gleichzeitig auch kontinuierlich die weltweiten Inhalte des Internets archiviert.

Wahrscheinlich sollten wir uns klar machen, daß das Internet unsere Bibliothek von Alexandria ist und was wir uns auch überlegen können, ist, ob die Tatsache der enormen Datenfluten, die das Internet – von Außen und von Innen – produziert, nicht auch einen enormer Schutz – eine Firewall der besonderen Art – vor der abermaligen Vernichtung des Weltwissens bietet. Hinzukommt, daß das Internet keinen Raum mehr für entscheidbare Kriege bietet, zwar finden im Internet jede Menge Kriege ideologischster Art statt, aber es gibt keine Gewinner und Verlierer mehr, die Cyber-Warlords dieser Welt produzieren nur Verlierer, schon alleine deshalb, weil wir mit dem Internet eine Maschine erschaffen haben, die uns längst beherrscht und nicht mehr wir sie beherrschen können.

Im positiven Fall können wir dies schon seit einiger Zeit bei den kläglichen Versuchen der Internetunterdrückung durch allerlei Diktaturen und Diktatoren dieser Welt beobachten. Das Gute und das Böse sind im Internet fest miteinander verbunden, wir können es nicht mehr trennen, wir können uns aber getreu der Aufklärungsmaximen des 18. und 19. Jahrhundert zum Selber-Denken und zum ethisch sauberen Verhalten entschließen, niemand zwingt uns im Internet, den ein oder anderen Weg zu gehen, solange wir uns nicht in einen konsumistischen Sog der Passivität hineinziehen lassen und wir unser Denken nicht abschalten, stehen uns alle Wege im Internet offen, offener als jemals zuvor.

Die DenkWerkStätten des Fin de siècle

Cafe Griensteidl

Bis im Januar 1897 das Café Griensteidl abgerissen wurde, weil es der neuen Zeit Platz machen mußte, war es der Treffpunkt der Wiener Avantgarde, hier sammelte sich alles was schon einen oder noch keinen Rang und Namen hatte und zwar aus den unterschiedlichsten politischen und kulturrellen Bereichen. Hier traf man nicht nur Arthur Schnitzler, Karl Kraus oder Peter Altenberg, hier konnte einem auch Rudolf Steiner über den Weg laufen, der temporär sogar das Café Griensteidl zu seiner Postadresse machte.

Die kulturgeschichtliche Werkstätte der Zeit von 1890 bis 1910 ist das Kaffeehaus. Diese Zeit wird enger (weil lokaler) gefaßt als “Wiener Moderne” bezeichnet, weiter gefaßt wird sie als “Fin de siècle” beschrieben. Alles was sich in den 100 Jahren danach an Ereignissen entfaltet hat, konnte hier im Kern schon beobachtet werden. Das “Fin de siècle” ist nicht nur zeitlich die Umschlagphase vom 19ten ins 20ste Jahrhundert, sondern auch inhaltlich der Übergang von der Romantik zur Moderne, was an solchen Wendezeiten immer besonders interessant ist, daß die Akteure auf der Bühne immer zwei Welten verkörpern, sie sind noch halb im alten gefangen – z.B. der Naturschwärmerei – und schon vom Neuen – z.B. der Faszination für neue, moderne Techniken und Naturwissenschaften – hinfortgerissen. Diese dichten Zeiten tragen immer das gesamte kreative Potential der nachfolgenden Epoche!

Im Kaffeehaus kam hinzu, daß hier die dialektische Apotheose des Transitorischen mit dem Emphatischen gefeiert wurde. Während anderswo auf der Welt das Transitorische sich immer mit dem Beliebigen verband und immer noch verbindet,  wurde im Kaffeehaus das Transitorische gefeiert, als wäre es eine über 1000 Jahre gesuchte und jetzt endlich gefundene Lösung für alle Probleme der Welt. Am nächsten Tag hatte man immer noch genügend Neuroplastizität übrig, um sich euphorisch auf die nächste Theorie einzulassen und sie emphatisch zu begrüßen.

Nachdem das Café Griensteidl und mit ihm die Literatur “demoliert” war (Karl Kraus erhielt aufgrund dieser Bemerkung von Felix Salten am letzten Abend des Café Griensteidl eine schallende Ohrfeige) zogen die Wiener Intelektuellen weiter ins Café Central, daß schon im Jahre 1868 im Palais Ferstel in der Herrengasse im 1. Wiener Gemeindebezirk eröffnet worden war, aber erst jetzt seine volle Bedeutung für die Wiener Moderne erlangte. Jetzt entwickelte sich das Café Central zum geistigen Zentrum des Fin de siècle, 250 Zeitungen in 22 Sprachen und Nachschlagewerke wurden hier angeboten.

Peter Altenberg

Man sagte: “Auf jedem zweiten Thonetstuhl ein reifendes Dichter-Genie, ein Austromarxist, oder Adeliger, ein Zwölftonmusiker oder wenigstens ein Psychoanalytiker, hinter jeder Zeitung ein kluger Kopf, jeder Disput ein literarisches Bonbon, jeder Tropfen Obers eine Weltanschauung.”

Peter Altenberg (Teil des berühmten Trios Peter Altenberg – Alfred Polgar – Anton Kuh) gehörte praktisch zum Inventar des Cafés, deshalb sitzt er auch heute noch als Pappmache-Figur im Eingang des Cafe Central, wie vor 100 Jahren in Wirklichkeit.

Alfred Polgar hat mal in dem Essay “Café Central” die entsprechende Theorie dieser weltberühmten Werkstatt aller “Kulturschaffenden” verfaßt:
Das Central ist nämlich kein Caféhaus wie andere Caféhäuser, sondern eine Weltanschauung. Seine Bewohner sind größtenteils Leute, deren Menschenfeindlichkeit so heftig ist  wie ihr Verlangen nach Menschen, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen.

Cafe Central

Unser Sehen

NäheKarl Kraus hat 1911 in seiner Fackel mal den Satz geschrieben:

“Je näher man ein Wort ansieht,
desto ferner sieht es zurück.”

Seit 1979 habe ich diesen Satz für mich zur Wiener Blumenpredigt erweitert:

“Je näher man etwas ansieht, desto ferner sieht es zurück.”

Je mehr ich wirklich intensiv über diesen Satz nachgedacht habe oder Ihn z.B. auch in den Zusammenhang mit anderen Gedankenwelten, als der Wiens um die Jahrhundertwende gestellt habe, wie z.B. mit Buddhas “Blumenpredigt”, je mehr hat er angefangen, mir zu gefallen und unerhörte Horizont zu eröffnen, die unbeschreiblich weit sind!

Aber klar! Leider ist es wie vor 2500 Jahren … nur Mahakasyapa hat den Satz verstanden oder glaubte ihn zu verstehen, indem er lächelte  …  muß man noch mehr sagen, ist jemand bereit, Lebenszeit über Jahre an einen Satz zu “verschwenden”?

Unser Hab & Gut

Bias_of_PrieneManche Sätz trägt man sein Leben lang mit sich herum – ist mit Ihnen vertraut und hält sich trotzdem niemals daran.

Genau so ist es mit diesem Satz, den Cicero dem griechischen Philosophen Bias von Priene vage zugeschrieben hat:

“Omnia mea mecum porto”  (“All meinen Besitz trage ich bei mir” – Wie sonderbar, die Übersetzung ist nur noch halb so viel wert???)

Bias von Priene, einer der sieben Weisen, soll diesen Ausspruch auf der Flucht aus seiner Heimatstadt (in der Achsenzeit (Jaspers) um 550 v.u.Z.) ausgerufen haben, als er sah, wie seine Mitbürger versuchten, mit Unmengen ihres materiellen Hab und Guts aus der Stadt zu fliehen:

Denn sein wahrer Besitz liegt in seinen Fähigkeiten und seinen charakterlichen Eigenschaften – und nicht in materiellen Dingen.

Also mit freiem Rücken neu durchstarten – jeder der es kann, kann es zu sich selbst sagen, niemals aber sage es der, der vorher sich am Hab und Gut des Anderen bereichert hat.

Der Neocortex ist an allem Schuld …

Goya-Capricho-43

Der Neocortex ist entwicklungs-geschichtlich der Teil des Gehirns, der als letztes dazu kam und wie es immer so ist, wer zuletzt kommt, der bringt das Spiel der anderen nur in Unordnung.

Alles war schon schön in der Natur geregelt auch ohne ihn – zumindest vom Standpunkt der Natur aus betrachtet, plötzlich tritt einer auf, der nicht mal an der Basis der Sensorien steht, schwitzt und arbeitet, sondern nur dick und fett von weiter oben die Dinge aus zweiter Hand betrachtet und den Chef spielt.

Später wird er dann vollkommen größenwahnsinnig und reklamiert für sich, alles besser zu wissen und seinen Werkzeugkasten, den er mit sich trägt, nennt er dann “Die Vernunft”.

Jetzt wissen wir ja seit Goyas Radierung von 1799 “Der Traum/Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer”, daß es eine durchaus zweischneidige Sache ist mit der Vernunft, hält sie nun die Ungeheuer unter dem Deckel oder läßt sie sich einspannen für jedweden instrumentellen Irrsinn?

Entstehen die Ungeheur, z.B. der industriellen Vernichtungsmaschinerie, trotz oder gerade durch die Vernunft.

Ohne Neocortex keine Vernunftdebatte, ohne Vernunftdebatte keine planmäßige Vernichtung – Goyas Radierung ist dazu ein phantastisches Denkbild – wobei es hier, wie immer, um das Strukturelle und nicht um das flüchtige Augenblickliche geht, darüber haben sich bereits Heerscharen von Kunsthistorikern geäußert.

Klar bleibt auch: aus den dunklen Tiefen des Unbewußten steigen viele Ungeheuer auf und oft werde sie es erst im Moment Ihrer Realisierung, dann, wenn sie durch die dünne Oberfläche des tiefen Sees, der glatten Wasseroberfläche, die wir auch Vernunft nennen, hindurchstoßen und ans Tageslicht kommen.

KulturDenkBilder

Einsamer Baum
KulturDenkBilder – wie der “Einsame Baum” von Caspar David Friedrich – sind reale oder imaginierte Bilder, die uns auf ganz unmittelbare – nicht reflektiert willendliche – Weise dazu veranlassen, über sie nachzudenken. Diese unmittelbare Wirkung kommt dadurch zustande, daß ein Denkbild im Unterschied zum Text, Aphorismus oder Symbol immer ein Zusammenspiel ganz unterschiedlicher Erlebniswelten darstellt. Darüber hinaus sind wir entwicklungsgeschichtlich dem Bild viel näher als dem Wort, deshalb vermag das Denkbild eine so große Wirkung zu entfalten, indem es Bild ist, spricht es uns unmittelbar an, indem es ein Zusammenspiel unterschiedlicher Themenwelten ist, setzt es in uns einen rationalen Reflexionsprozess in Gang – es initiiert einen assoziativen Denkvorgang. Ein Denkbild spricht uns direkt, ohne unseren kulturgeschichtlich entfalteten Ratiofilter, auf ganz vielen Ebenen an, limbische Gefühlsmarker werden so wie unsere Kellergeschosse des Unbewußten affiziiert.

Mönch am Meer

KulturDenkBilder – wie der “Mönch am Meer” von Caspar David Friedrich – sind in der Regel verstörend – wären sie affirmativ, wären sie keine Denkbilder – oft bringen sie unsere “normalen” Denkwege und -strukturen vollkommen durcheinander – wenn sie besonders gut sind, sprengen sie den Eingang in die farbenfrohe Welt des komplexen Denkens frei.
Was in Denkbildern dargestellt wird, ist auf unterschiedliche Weise verstörend, zum einen sind es die unterschiedlichen Themen, die für sich selbst schon aufwühlend sind und dann um so mehr in der Zusammenziehung in einem einzigen Bild, dann aber sprechen Denkbilder in der Art ihrer Darstellung und Präsentation viele verschiedene Sinne an, oft können wir in ihnen etwas sehen, etwas hören und etwas lesen.

Damit ist das Dargestellte ebenso problematisch wie die Darstellung selbst.

Das Denkbild war als Wort mitsamt seinem Inhalt bereits vor der Romantik – also schon in der Weimarer Klassik – im allgemeinen Sprachgebrauch z.B. bei Winckelmann, Herder und Goethe. Von dem her was ein Denkbild bedeutet, finden wir es allerdings in der gesamten Kulturgeschichte.
Ein wirklich ausgezeichnetes Beispiel für ein Denkbild ist z.B. auch der dritte Meisterstich Dürers, die “Melancolia I”. Mit der profunden Ausdeutung und gedanklichen Aufarbeitung dieses Stichs kann man sein ganzes Leben verbringen, und in der Tat man kommt dabei vom Hundertsten ins Tausendste und wird nie damit fertig. Wahrscheinlich sind große Werke der Kulturgeschichte immer Denkbilder, denn sie sprechen die Menschen über die Zeiten hinweg immer an und sie sind immer offen, lassen tausende von verschiedenen Deutungen und Reisen der Phantasie zu.

melancolia1
Vgl. auch den sehr interessanten Beitrag von Hinrich C. Seeba über Denkbilder.

Im 20sten Jahrhundert sind die Denkbilder vor allem durch die Denkbilder – als Erkenntnismethoden – Walter Benjamins (Einbahnstraße) und Theodor W. Adornos (Minima Moralia) ins Blickfeld gekommen. Bei diesen Denkbildern ist vor allem der Aspekt der Imagination, die durch die geschilderten Situationen initiiert wird und die Auswahl der Bilder, des skizzierten Imagos bedeutend.

KulturDenkBilder sind aber weitaus mehr, als ich hier in diesem Beitrag bisher erwähnt habe, deshalb werde ich hoffentlich noch oft darüber schreiben können…

Die Nachtmeerfahrt

SonnenbarkeDas archetypische Denkbild der Nachtmeerfahrt ist mir immer sehr wichtig gewesen!

Das Meer ist uns von Hause aus unheimlich, es ist unberechenbar, es entzieht sich unserer Kontrolle, alles was sich unserer Kontrolle entzieht, macht uns Angst, jede Art von Angst steht immer in Korrespondenz zu unserer grundsätzlichen Lebensangst aber auch zum Dunkeln, Undurchdringlichen. Von hierher ist die Fahrt in dunkler Nacht ein Topos doppelter Art: Es ist einerseits die abenteuerliche Fahrt über ein nicht kalkulierbares, unbeherrschbares Meer, der dauernde Kampf, seiner Angst Herr zu werden, andererseits aber auch die Dunkelheit der Nacht mit all ihren Göttern und Dämonen von denen man belagert wird, dieses Alleinsein mit nichts als sich selbst, die Ausgeliefertheit vor dem Ich.

Die Nachtmeerfahrt symbolisiert den seelische Verhaltens-Archetypus eines Menschen, der in dieser Welt bestehen muß und irgendwann in der Kulturgeschichte auch in ihr bestehen will. Dieser Archetypus hat in den Mythen der Menschheit immer wieder zu Bildern gefunden. Es ist der Held, der Odysseus der auszieht, um Abenteuer zu bestehen und seelisch gereift und gestärkt aus diesen Abenteuern zurückkehrt in die Heimat. Natürlich leben und werden Archetypen erst dadurch, daß sie Grundthemen der Menschheit durch wirkmächtige, entwicklungsgeschichtlich sehr tief verankerte Bilder zum Ausdruck bringen. Deshalb kann es gar nicht verwundern, daß der Archetypus der “Nachmeerfahrt” bis heute immer wieder, sei es in Romanen, im Kino, in Computerspielen oder aber auch im Tarot mit seinen Archetypen fortlebt.

In der analytischen Psychologie C.G.Jungs entspricht die Nachtmeerfahrt natürlich dem Bewußtwerdungsprozess im Durchgang durch die Depression, dem Umflossensein von den dunklen Mächten des Unbewußten. Dem Bestehen in dunkler Nacht und dem erlösenden Tagesanfang mit seiner Bewußtwerdung der Schrecken der Nacht. Natürlich ist die Nachtmeerfahrt nicht nur ein Durchkommen, ein Hindurchgehen durch eigene Lebenskrisen, sondern es ist auch im geweiteten Rahmen ein Durchkommen der Menschheit durch die Gefahren, denen sie im Kosmos ausgesetzt ist, dieses Ringen um ein Bestehen im Kosmos nennen wir auch Kulturarbeit, womit klar wird Kulturarbeit ist Lebensarbeit, ist die immer mehr diversifiziertes Nachtmeerfahrt. Diversifizierung findet allein schon dadurch statt, daß wir uns immer wieder mit unseren archaischen Strukturen und Bildern, die uns fortwährend beherrschen, auseinandersetzen und immer wieder auch versuchen daraus zu lernen und unsere Aufarbeitung zu verfeinern.

Können wir Träume, Traumbilder haben und von ihnen getroffen werden, die nicht ein Mosaik erlebter Erfahrungssplitter sind? Wenn ja, dann haben wir es mit einem kollektiv Unbewußten zu tun, daß außerhalb unseres neuronalen Geschehens und Gewitterns liegt. An dieser Stelle gibt die Nachtmeerfahrt als Bild uns viele Rätsel auf, denn wir fragen uns wie und warum gehen diese Bilder in das kollektiv Unbewußte ein und wie wirken sie heute noch. Nur wenn wir uns diesen ständigen Nachtmeerfahrten vollkommen ausliefern und sie ohne Tabuisierungsversuche in unser Leben vollwertig integrieren, können wir uns weiterentwickeln in dem wir vollständiger werden und nicht mehr versuchen gegen unsere dunklen Seiten Front zu machen anstatt sie als vollwertigen Teil unserer selbst anzunehmen.

Nach dem Glauben der Ägypter fuhr der Sonnengott “Re” tagsüber mit einer Sonnenbarke über den Himmelsbogen und durchquerte nachts das Wasser der Unterwelt. Für C.G.Jung hatte das Bild des Sonnengottes in seiner Barke, der mit dem Untergehen der Sonne des Nachts die Welt des Unbewußten durchfährt und mit seinem Auftauchen bei Sonnenaufgang aus dieser Welt des Dunklen, Unbewußten sehr starke Symbolkraft, nicht zuletzt auch deshalb, weil sich diese Nachtmeerfahrt in vielen Kulturkreisen und Mythen der Welt wiederfindet und z.B. auch in der christlichen Bilderwelt immer wieder vorkommt (Weidenkorb/Moses und Arche/Noah).

Wie wird man Buddhist?

Man kann ein Buddhist werden, wenn man alle 4 Siegel positiv beantworten könnte:

Siegel 1:  Alle zusammengesetzten Dinge sind vergänglich
(weil sie sich immer verändern können)

Siegel 2:  Alle Gefühle verursachen Schmerzen
(positive – weil sie gehen und negative – weil sie da sind)

Siegel 3:  Alle Dinge haben keine eigenständige Existenz
(weil sie nicht getrennt von allem anderen existieren können)

Siegel 4:  Das Nirwana ist jenseits von allen Konzepten
(die wir uns über das Nirwana machen können)

 

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Der alte Turmhahn

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Der alte Turmhahn

von Eduard Mörike mit einer
Illustration von Ludwig Richter

Zu Cleversulzbach im Unterland
Hundertunddreizehn Jahr ich stand,
Auf dem Kirchenturm ein guter Hahn,
Als ein Zierat und Wetterfahn.
In Sturm und Wind und Regennacht
Hab ich allzeit das Dorf bewacht.
Manch falber Blitz hat mich gestreift,
Der Frost mein‘ roten Kamm bereift,
Auch manchen lieben Sommertag,
Da man gern Schatten haben mag,
Hat mir die Sonne unverwandt
Auf meinen goldigen Leib gebrannt.
So ward ich schwarz für Alter ganz,
Und weg ist aller Glitz und Glanz.
Da haben sie mich denn zuletzt
Veracht’t und schmählich abgesetzt.
Meinthalb! So ist der Welt ihr Lauf,
Jetzt tun sie einen andern ’nauf.
Stolzier, prachtier und dreh dich nur!
Dir macht der Wind noch andre Cour.

Das Gedicht weiterlesen>>>

Der achtfache Pfad

Im Buddhismus gibt es einen fundamentalen Schulungsweg, um zur Erleuchtung, zur Befreiung von unserer Lebensangst zu kommen.

Dieser Schulungsweg wird als der achtfache Pfad bezeichnet,wenn wir lange genug darüber meditieren, dann können wir ihn ansatzweise verstehen und uns aus dem Kreislauf des Samsara befreien:

Blume

.

1.Wegmarke:

Als erstes benötigen wir eine rechte Einsicht
in die Notwendigkeit des Schulungsweges

2. Wegmarke:

Dann benötigen wir das rechte Denken,
die rechte Gesinnung

3. Wegmarke:

Wenn wir das rechte Denken verwirklicht haben,
können wir die rechte Rede führen

4. Wegmarke:

und im nächsten Schritt auch recht Handeln

5. Wegmarke:

Wenn wir die ersten 4 Wegmarken erreicht haben, dann müssen wir uns auch um den rechten Lebenserwerb kümmern.

6. Wegmarke:

Die ganzen Wegmarken können wir nur erreichen, wenn wir von einer rechten Anstrengung getragen werden.

7. Wegmarke:

All diese Schritten bleiben vergebens, wenn wir nicht die rechte Achtsamkeit entwickeln, die uns hilft jedes Detail auf unserem Schulungsweg wahrzunehmen.

8. Wegmarke:

Wenn wir all diese Wegmarken absolviert haben, sollten wir rechte Konzentration gewonnen haben, um in rechter Meditation uns von unserer Lebensangst immer wieder zu befreien.

Der achtfache Pfad ist keine Übung, die wir einmal zu durchlaufen haben und dann ein neues Leben beginnen können, dieser Schulungsweg ist unser ganzes Leben lang immer und immerwieder zu gehen!!!

Tag der Abrechnung

Ist’s an Lichtmess hell und rein,P1100810
wird ein langer Winter sein.
Wenn es aber stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit.

Am 2. Februar zu Mariä Lichtmeß wird abgerechnet, es beginnt ein neues Bauernjahr, der Herr und “sein” Knecht, sie können sich entscheiden, ob man ein weiteres Jahr zusammen arbeiten will. Fällt der Rest des Jahreslohnes mager aus, ist’s besser, trotz Schnee und Eis, aufzubrechen, anderenfalls verlängert man per Handschlag um ein weiteres Jahr.

Aber auch jedem Anfang wohnt ein Zauber inne und Gott sei Dank geht’s ja dem Frühjahr zu und das Licht scheint schon eine Stunde länger als zur Wintersonnenwende.

Im Schwäbisch-Alemannischen soll ja die Fastnacht beginnen und dem Winter wird der Gar ausgemacht. Hoffentlich hat der Bauer noch die Hälfte vom Futter, sonst geht’s den Tieren bald an den Kragen.

Mariä Lichtmeß – neue Schuhe – neue Liebe – neues Glück, im nächsten Tal kann noch vieles Unbekannte auf einen warten und Essen kann man jetzt den ganzen Tag bei Licht und die Sonne erstrahlt auch schon zur Frühmesse.

Auch die wandernden Händler machen sich jetzt mit ihrer Kraxe auf den Weg, um im nächsten Dorf oder auch über die Alpen, wenn die Kraft es zuläßt, die eine oder andere Uhr aus dem Schwarzwald zu verkaufen.

Dann hoffen wir mal, daß das Murmeltier für die nächsten 6 Wochen nicht wieder zurück in seinen Bau geht  . . .

Das Abendmahl

Egal ob man das Original von Leonardo da Vinci, das er in den Jahren 1494 bis 1498 im Auftrag des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza im Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand geschaffen hat, ansieht oder eine der zahlreichen Kopien seiner Schüler oder der Maler, die zum Kreis Leonardos in Mailand gehörten, immer drängt sich Maria Magdalene und die V-Symbolik in die aufmerksame Betrachtung, egal was mir die Kunsthistoriker über den androgynen Lieblingsjünger Johannes erzählen. Schaut Euch doch mal eine der vielen Kopien vorurteilsfrei an, z.B. diese, seht Ihr Johannes oder seht Ihr Maria Magdalena, vor allem wenn man bedenkt, daß man ansonsten eigentlich nur gestandene Kerle sieht?

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Die 4 edlen Wahrheiten

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Im Buddhismus gibt es

4 fundamentale Wahrheiten

wenn wir lange genug darüber
meditieren, dann können wir sie
ansatzweise verstehen:

1. Wahrheit:
Unser Leben ist ausschließlich von
Angst* bestimmt.

2. Wahrheit:
Es gibt benennbare Ursachen für diese Angst.

3. Wahrheit:
Wir können alle Ursachen unserer Angst hinter uns lassen.

4. Wahrheit:
Um unsere Angst zu besiegen, müssen wir ständig auf dem achtfachen Pfad üben.

Für den Buddhismus ist es von zentraler Bedeutung, daß diese Wahrheiten keine dogmatischen Glaubenssätze sind, die wir einfach glauben und unhinterfragt akzeptieren sollen, sondern alle diese Sätze sind Aufforderungen zum Handeln, zunächst hinsichtlich einer kritischen Prüfung und dann zu einer aktiven Überwindung unserer Lebensangst, des Leidens, was unser Leben und Tun durch und durch bestimmt.

* Der Pali-Begriff “Dukkha” hat sehr sehr viele Konnotationen, normalerweise wird der Begriff mit “Leiden” übersetzt, man könnte ihn z.B. auch mit “Schmerz” übersetzen, ich bevorzuge jedoch den Begriff “Angst”, weil ich der Meinung bin, daß die Angst vor dem Tod der unterirdische Fluß ist, der unser Leben prägt und immer – in den unterschiedlichsten Ausformungen – unser Handeln im Leben bestimmt.

Chevalier de Lamarck

Lamarck.
Bei Lamarck, bzw. beim Neo-Lamarckismus geht es im Kern um die Frage, inweit die Lebensbedingungen des Organismus nicht nur den Phäno- sondern auch den Genotyp des Organismus verändern, diese Fragestellung kann meiner Meinung nach jedoch nicht nur in der engeren Epigenetik über Genschalter und die Funktion dunkler Gensequenzen erklärt werden, sondern muß unbedingt im Zusammenhang mit dem 5. Feld und der morphogenese Sheldrakes angegangen werden. Nur durch die Interaktion von Genom und morphischem Feld (das 5. Feld) kann nach befriedigenden Antworten gesucht werden im Rahmen des Neo-Lamarckismus.

Konsequenterweise müssen wir ja bei der Weitergabe von Informationen an biologisch folgende Generationen nicht nur fragen, wird das Genom durch veränderte Umweltbedingungen verändert, sondern auch wie wirkt die “Geistige Welt” einerseits auf das Genom ein, wie wirkt es aber auch auf die Reinkarnation des geistigen Lebenskerns auf das neue Lebewesen ein.

Hier kommen sehr viele Überlagerungszustände, man könnte auch sagen Bildekräfte zusammen, die zu etwas völlig neuem emergieren.

Der Klang der Stille oder wie man Geduld lernt

Wenn wir uns mal wieder von tausend Hunden gehetzt fühlen und unser Alltag uns über der Kopf zu wachsen droht, wir nicht mal ansatzweise zu einer gewissen Gelassenheit finden können, dann sollten wir uns für knapp 3 Stunden eine Auszeit von unserem Alltag gönnen und – soweit vorhanden – in eine stille Ecke mit unserem Laptop setzen und den wunderbaren Film “Die große Stille” von Philip Gröning ansehen.

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Schon alleine über das Zustandenkommen des Films kann man sehr lange nachdenken beinahe schon meditieren:
Ein Regisseurs fragt bei dem Prior eines Klosters, noch dazu eines Schweigeklosters der Karthäusermönche an, ob er einen Film über ihr Kloster drehen könnte. Der Prior erbittet sich beim Regisseur eine Bedenkzeit aus.
16 Jahre später meldet sich der Prior wieder und erteilt dem Regisseur eine Drehgenehmigung, allerdings mit ein paar kleinen Auflagen: Kein künstliches Licht, keine zusätzliche Musik, keine Kommentare, kein zusätzliches Team, nur er, der Regisseur. Philip Gröning ist also auf sich alleine gestellt, insgesamt fast ein halbes Jahr lebt er beinahe wie ein Mönch inmitten  der Mönche und dreht seinen Film.

Der Film wird ein kleines Wunderwerk – jenseits aller unsere medialen  Konsumgewohnheiten wird der Film tatsächlich von der Stille und dem Hör- bzw. Erleb-barwerden der Zeit getragen. Kein lauter Soundtrack – nicht mal ein imposanter Mönchschor – keine dusseligen Gespräche über den Sinn des Lebens und so weiter, einfach Stille und der stark geliederte Rythmus des Mönchsalltags. Ein beinahe archaiisches Zurückgeworfensein auf die Grundbestandteile unserer Existenz.

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Wir Heutigen haben immer das Gefühl, daß unser Leben nur dann lebenswert ist, wenn es randvoll ist, jede Sekunde unseres Alltags muß “ausgemostet” werden, zweimal an den gleichen Ort zu gehen, bedeutet schon Langeweile, daß man nichts aus seinem Leben macht – carpe diem – nutze den Tag, in dem Du ihn bis zum Rand vollpackst mit jeder Form von Aktivität, Hauptsache kein Stillstand, es muß knallen, schießen, leuchten, sonst gehen wir am Leben vorbei und dann kommt einer – wie Philip Gröning – und dreht einen fast dreistündigen Film über die Stille und den immer gleichen Rythmus eines jeden Tages. Wir begegnen Menschen, die ganz in konzentrierter Kontemplation, einem immer neuen Blick auf ewig Gleiches, aufgehen.

Wer meditieren möchte, ohne sich groß darüber Gedanken machen  zu wollen, was Meditieren ist, bzw. wie es funktioniert, der überläßt sich einfach mal für knapp 3 Stunden diesem Film.

Natürlich kommt die Stärke dieses Films nicht nur durch den mutigen Regisseur zustande, der sich getraut hat, einen solchen Film in unserer heutigen, schnellebigen Zeit zu machen und der bereit war über 21 Jahre an dem Thema “dran zu bleiben”, sondern in erster Linie natürlich durch das Sujet des Films selbst, das Kloster und seine Mönche inmitten der Berge. Und immer hin sind die Karthäusermönchen inzwischen fast die einzigen Mönche weltweit, die immer noch dem Gebot der Kontemplation leben. Der Film jedenfalls ist auch deshalb so einzigartig, weil vor Philip Gröning noch niemandem eine Dreherlaubnis für die Grande Chartreuse erteilt wurde, vielleicht bleibt er auch der Einzige, denn um einen solchen Film zu drehen muß man sich ganz auf diesen Ort und die geistige Kraft, die in diesem Ort anwesend ist, einlassen können und wollen.

Schon der Ort an dem die Grande Chartreuse 1132 gebaut wurde in mitten der Berge und der immer noch archaiisch wirkenden Natur ist unbeschreiblich. Gottseidank dürfen Touristen das Kloster nicht besuchen, aber es gibt hinter dem Kloster einen wunderbaren Lehrpfad und wenn man sich einmal für einen etwas längeren Augenblick an einem der Hänge rund um das Kloster niederläßt und nur den Ort inmitten des jeweiligen Augenblicks auf sich wirken läßt, dann ist das schon ein sehr überwältigendes Erlebnis.

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Die Grande Chartreuse befindet sich heute drei Kilometer nordwestlich des Dorfes Saint-Pierre-de-Chartreuse im französischen Département Isère und wurde ursprünglich 1084 durch Bruno von Köln etwa 2 km nördlich vom jetzigen Standort (also noch etwas mehr in den Bergen) mit 6 weiteren Mönchen errichtet. Seinen Namen verdankt das Kloster dem einsamen Gebirgszug “La Chartreuse” nördlich von Grenoble. Dorthin hatten sich die 7 Mönche zurückgezogen und ihre Eremitagen  aus Holz um einen Kreuzgang, eine kleine Kirche und einen Gemeinschaftraum errichtet. 8 Mal wurde das Kloster im Laufe der Zeit von Feuer vernichtet und 8 Mal wurde es wieder aufgebaut. 1903  wurde das Kloster durch den französischen Staat dann geschlossen und erst seit 1940 leben wieder Mönche dort. Heute ist La Grande Chartreuse das Mutterkloster der 24 weltweit noch bestehenden Niederlassungen des Kartäuserordens.

Grande_Chartreuse   >>> mehr Informationen bei Wikipedia >>>

Der Zugang zur Geistigen Welt

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Die zentral Fragestellung ist doch, ob es besonderer angeborener Fähigkeiten, gar eines angeborenen Organs bedarf, um die Geistigen Welten wahrnehmen zu können oder ob es ausreicht mit Hilfe des Willens sich einem geistigen Schulungswegs zu unterziehen, um zu Erkenntnissen der Höheren, der Geistigen Welten zu gelangen.

Dazu muß man sich natürlich fragen, ob es die Höheren, die Geistigen Welten überhaupt gibt und ob man sich den Weg dahin über den Glauben oder durch wissenschaftlich exakte Methoden erschließen kann.

Wenn man sich all diese Fragen vorlegt und sich selbst bei diesem Vorgang beobachtet, sollte man sich fragen, ob das, was man da beobachtet, bereits eine Wahrnehmung von Teilen der Geistigen Welt ist und ob die Geistige Welt auch mit der Vorstellung einer materialistischen Welt im philosophischen Sinne kompatibel ist und ob eine materialistische Welterklärung heute nicht notwendigerweise eine der Informationsfelder sein muß.

Das Torii-Tor

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Auf der Grenze leben
Sonne Wasser Nacht
Schwimmen wäre ein Weg

Yogama Barto

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Dazu könnte man sich folgendes überlegen:Der Mensch lebt auf der Grenze zwischen Profanität und Sakralität, das rote torii – Tor ist das Japanische Symbol dieser Grenze, dieses Übergangs von der einen in die andere Welt.Der Mensch aber ist immer Bürger zweier Welten! Der materiellen und der geistigen Welt!Das Wasser, das nur in seiner Oberfläche uns vor die Sinne tritt, trennt die Welt des grellen Sonnenlichts von der Welt der undurchdringlichen, dunklen Nacht.Die Sonne erhellt jeden Winkel, kein Refugium ist möglich, alles ist materiell und klar, aber dieser Lebensraum ist nur ein Teil unserer Welt, wir leben ebenso in den Tiefen unseres Unbewußten, in denen Gefühle und Bilder oft von sehr weit her plötzlich herankommen und unser Denken bevölkern.Viele unbeleuchtete, dunkle Winkel und Ecken sind hier zu finden, die uns nicht nur bedrohen – sondern auch tragen.Der Mensch ist ein Grenzgänger, als Schwimmer hält er lebenserhaltend seinen Kopf über der Wasseroberfläche im grellen Sonnenlicht, nur selten läßt er sich in das Dunkel seiner Vergangenheit hinab gleiten. So wird er getragen vom Wasser, der dunklen Tiefe, aus der er sich einst aufmachte den langen Weg bis an Land zu kommen.So ist Schwimmen also ganz werden, ist Rückverbindung mit den Urkräften der Kosmos.Symbole, Sinnbilder, Metaphern und Embleme sind Ausdruck der geistigen Welt, in der wir leben, sie geben unserem Denken Strukturen und Aufgaben, sie sind Anker der Erinnerungen im Meer des Vergessens. Von hierher können wir uns auch die Kraft und Energie erschließen, die es bedeutet, durch ein Torii-Tor zu gehen.

Torii_Tor